Gratis-Zeitungsanzeigen für alle!

by Thomas Knüwer on 8. Februar 2011

Vielleicht ist es die Hoffnung deutscher Verlagsmanager, dass ihre Kritiker sich das Genick brechen. Sicher, das gäbe unschöne Geräusche, zumindest wenn wir Kinofilmen glauben, in denen brechende Genicke ein leicht schmatzendes Knurpseln erzeugen.

Es ist nicht ausgeschlossen, dass diese Hoffnung in Erfüllung geht. Denn so absurd sind inzwischen die Forderungen der Medienhäuser, dass im Wochenrythmus das Kopfschütteln über die Unfassbarkeit des Gesagten heftiger wird.

Heute sind es die wütenden Angriffe gegenüber Apple. Einst forderte Axel-Springer-Chef Matthias Döpfner noch, Verleger sollten Steve Jobs auf Knien für das Ipad danken. Schon das war ziemlich irre, schließlich ist das Tablett auch auf absehbare Zeit ein absolutes Nischenprodukt – wenn auch ein verdammt gutes.

Mit einer Zurückhaltung und Durchdachtheit, die russischen Crackhuren beim Anblick eines Dealers gleicht, werfen sie sich in das Abenteuer Tablet-Zeitalter. Das meiste, was dabei herauskommt, schwankt zwischen ganz OK („Rheinische Post“) und zielgruppenbefreit-langweilig („Handelsblatt“).

Nun aber geschieht etwas, was unfassbar scheint. Apple will tatsächlich Geld mit seiner Plattform verdienen. Abos sollen künftig nur noch über die Itunes-Technologie abgerechnet werden. Somit müssten die Verlage 30 Prozent der Umsätze abgeben.

Also, echt jetzt. Wer hätte damit rechnen können? Leben wir hier etwa in einer Marktwirtschaft? Gar im Kapitalismus?

Ach ja, tun wir ja.

Und das Apple seine Abo-Technologie entsprechend verändern würde ist nicht mal ansatzweise eine Überraschung, vielmehr ist es nur logisch.

Trotzdem geht ein wilder Aufschrei durch die Verlagslandschaft von Europa.

Die Branche, die wie ein Wespenschwarm im Herannahen des Winters auf Google losgeht, das Unternehmen beschuldigt, von den Inhalten der Medienhäuser zu profitieren – das möchte nun bitteschön für nottig seine Geschäfte bei Itunes abwickeln.

Es wird gar behauptet, die Geschäftsbeziehung würde einfach so von Seiten Apples aufgekündigt. Was nicht stimmt: Apple führt eine neue Technologie ein. Und wie gesagt: Dass die ausfällt, wie sie ausfällt kann niemand überraschen.

Vor allem: Diese Änderung liegt im Interesse der Nutzer – wenn man so denkt, wie Apple. Wann immer bei Itunes Geld fließt, wird das recht klar kommuniziert. Es ist fast unmöglich in Geldausgeben getäuscht zu werden.

Würden über Apps einfach so Abos abgeschlossen werden können, würde dies Tricksereien Tür und Tor öffnen. Und in solche Abos-Tricks sind ja gerade Verlage recht geübt. Abos laufen, gerade in Deutschland, nicht einfach aus – sie müssen gekündigt werden. Das ist zutiefst kundenunfreundlich und ein Grund, warum so viele Menschen zögern in Sachen Dauerbestellung.

Die Forderungen der Verleger, nun gratis Geschäfte auf einer Plattform zu machen, die jemand anders erdacht, aufgebaut und finanziert hat, sind bizarr. Selbst wenn Apple zum Wohltäter der Verlage mutieren wollen würde: Die Aktienbesitzer würden dem Management aufs Dach steigen.

Tatsächlich steckt dahinter natürlich etwas anderes: Adresshandel.

Mit diesem forderten die Verleger einst den Erhalt des Listenprivilegs. Ohne die Weitergabe von Adresse, so ihr unfassbares Argument, könnten sie nicht überleben. Und sie bekamen, was sie wollten.

Genau dies meint denn auch, hübsch verklausuliert, Wolfgang Fürstner, der Geschäftsführer des Zeitschriften-Verbandes VDZ im Interview mit Meedia. Kundenbeziehungen auf dem Ipad würden zu einer “Black Box”. Die Verlage verlören den Kontakt zu ihren Kunden.

Was Fürstner unter “Kundenkontakt” versteht ist also das Zuballern mit Werbepost. Weite Teile der Wirtschaftswelt also finden den Kundenkontakt in Digitalien, freuen sich über so enge Verbindungen mit Verbrauchern wie nie zuvor – und die Verleger jammern von einer Black Box. Kopfschütteln. Genickbrehen.

Na gut, es gäbe noch eine Erklärung. Vielleicht sind ja jetzt einfach alle Verlage unter die Kommunisten gegangen. Medienplattformen gehören allen, Völker hört die Signale. Vielleicht sollten wir schon mal anrufen bei den Zeitungshäusern und kostenlose Anzeigen fordern. Das ist so logisch wie die jüngsten Forderungen der Verleger.

Und vergessen wir dabei eines nicht: Niemand muss auf das Ipad. Android ist quantitativ das aktuell best verkaufte Handy-Betriebssystem. Dies wird es auch auf Tablet-PC werden. Statt ihre Energie in unsinnige Ringkämpfe mit Apple zu investieren sollten Verlage lieber an Apps für das Google-Betriebssystem arbeiten.

(Foto: Shutterstock)

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