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Die Duisburg
1. Januar 2011

Sixtus statt Böller

Es ist eine verrückte Idee. Und wahrscheinlich wird es nicht klappen. Doch wenn wir alle verrückten Ideen direkt begraben würden, dann führen wir heute wohl noch immer mit Postkutschen durch die Gegend. Diese Idee ist kleiner. Weniger bedeutend. Aber gelänge ihre Umsetzung, wäre sie ein deutliches Signal.

Gestern veröffentlichte Carta einen ziemlich großartigen Text des geschätzten Mario Sixtus. Es handelt sich um einen offenen Brief an die deutschen Verleger in Sachen Leistungsschutzrecht mit der Überschrift „Ja, habt Ihr denn überhaupt keinen Stolz?“. Und hiermit sei dieser Text ohnehin zur dringenden Lektüre empfohlen. Auch ich bin bekennender Gegner jener Lüge namens Leistungsschutzrecht.

Martin Oetting kam auf die Idee, Geld zu sammeln um diesen Text in eine Print-Anzeige ein einem überregionalen Medium zu verwandeln, zum Beispiel in der „FAZ“. Es ist eine Idee, die ich voll und ganz unterstütze und für die ich selbst gespendet habe. Dummerweise kostet so eine Seite „FAZ“ noch immer 30.000 Euro. Verdammt viel Geld. Spenden können Sie bereits über die Plattform Betterplace.

Nun kann ich verstehen, wenn es Menschen gibt, die jene Idee ungut finden. Schließlich finanziert man so jene, die kritisiert werden sollen. Das Argument ist stichhaltig. Aber: Ich wünsche mir ja, dass der Journalismus weiter existiert. Verlage an sich sind nicht das Böse – sie werden nur absurd schlecht gemanagt. Jene Köpfe in den Verlagen, aber auch viele Journalisten, scheren sich nicht darum, was im Internet so steht. Eine Print-Anzeige im eigenen Blatt (oder einem respektierten anderen Medium) wäre ein Aha-Effekt.

Das trifft auch auf die andere Zielgruppe zu, die ich sehe: die Politik. Für die meisten Volksvertreter sind digitale Medien nicht vertrauenswürdig – oder, noch wahrscheinlicher, nicht auf dem Radarschirm. Das ist traurig, aber wahr. Auch hier würde eine Print-Anzeige einen Überraschungseffekt auslösen.

Dieses Projekt zielt also ganz klar nicht auf den Normalbürger – sondern auf die Rückständigen, die Offliner. Ich bin der tiefen Überzeugung, dass wir mit ihnen einen Dialog brauchen. Doch den lehnen sie bisher ab, besser: Sie reagieren nicht auf solche Offerten. Als schlagendes Beispiel darf da „Waz“-Geschäftsführer Bodo Hombach gelten.

Ob eine Anzeige mit dem Sixtus-Text eine Wende einleitet? Vielleicht, sicher bin ich auch nicht. Aber es wäre den Versuch wert. Weshalb ich Sie bitte, zu überlegen, morgen ein paar Böller weniger knallen zu lassen und dafür ein paar Euro für dieses Projekt zu spenden. Sixtus statt Böller, sozusagen.

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