Deutschlands Datenschutzbeauftragte – eine Wutrede

by Thomas Knüwer on 1. September 2010

Oft genug heißt es, ich würde zu scharf rangehen. Menschen zu hart angreifen.

Aber, Entschuldigung, was bleibt einem anderes übrig? Im Jahr 2010. In der Ex-Technologienation Deutschland? Deren Entscheider keine Lust haben auf das digitale Zeitalter? Die innovative Unternehmen in strikter Wirtschaftsfeindlichkeit unter Generalverdacht stellen? Und dabei selbst zutiefst inkompetent sind?

So wie jüngst, als ich mit dem Datenschutzbeauftragten des Landes Nordrhein-Westfalen, Ulrich Lepper, bei WDR2 zu Gast war. Herr Lepper ist ein ganz netter, älterer Herr. Parteibuch: CDU. Lange war er im Innenministerium tätig, dann kippte die Regierung, ein Pöstchen musste gefunden werden – nun ist er Datenschutzbeauftragter. Und hat keine Ahnung vom Thema. Er sei ja erst ein halbes Jahr im Amt, sagte er. Ein halbes Jahr. Das ist die Zeit, da in der freien Wirtschaft die Probezeit endet. Dort wäre er rausgeflogen.

Und nun Thilo Weichert, Inhaber des gleichen Amtes in Schleswig-Holstein. 2008 schon brachte er hanebüchene Argumente gegen Google vor. Inzwischen ist der frustriert. Die Deutschen hätten es nicht besser verdient, dass ihre Daten ungeschützt seien – sie benutzten ja Google. Das sagte er in einer Diskussion mit Jeff Jarvis in Berlin (Jarvis Bericht darüber finden Sie hier):

Gleichzeitig aber findet er es ganz toll, wenn man nur mit vorheriger Ausweis-Kennung ins Internet kommt. Freie Wirtschaft nein – Stasi-Überwachungsmethoden (ja, ich benutze diese Wortwahl sehr bewusst – die Stasi hätte sich über solche Möglichkeiten herzlich gefreut) ja.

Menschen wie Thilo Weichert sind der Grund, warum ich so wütend schreibe. Weil sie die Menschen nicht schützen, sondern unwissenden Unsinn herausplappern, der die tatsächliche Datenschutzdiskussion be- und verhindert.

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