Verleger, hört die Worte von Konstantin Neven DuMont

by Thomas Knüwer on 2. September 2010

Heute wetterte ich wieder einmal gegen die Unart deutscher Verlage, sich nicht gegenseitig zu verlinken. Würden sie dies tun, bekämen Exklusivgeschichten fast sofort mehr Leser – und somit ihre Medienhäuser mehr Anzeigeneinnahmen.

Konstantin Neven DuMont hat daraufhin etwas sehr interessantes kommentiert, das ich hiermit hervor heben möchte. Er ruft die Verlage dazu auf, sich zu verlinken:

“Die Förderung des investigativen Journalismus durch eine stärkere Verlinkung fordere ich schon seit Jahren. Mein Kommentar “Orientierung in der digitalen Welt” beschäftigt sich ebenfalls mit diesem wichtigen Thema. Der gesamte Beitrag erscheint am kommenden Samstag in der Frankfurter Rundschau. Hier ist ein Textauszug:

“… Die Digitalisierung hat zu einer historisch einmaligen Situation geführt. Nie zuvor waren so viele Daten, Fakten, wissenschaftliche Erkenntnisse und Meinungen öffentlich verfügbar. Prinzipiell ist das eine begrüßenswerte Entwicklung. Es bietet zum Beispiel die Chance, dass Wählern und Verbrauchern erweiterte Informationsgrundlagen für ihre jeweiligen Entscheidungen zur Verfügung stehen. Auf der anderen Seite bedeutet es aber nicht zwangsläufig, dass die Bevölkerung in ihrer Gesamtheit dadurch aufgeklärter ist.

Die Informationsbeschaffung des Einzelnen unterliegt individuellen Verhaltensweisen, was zu einem unterschiedlichen Maß an Informiertheit aller Beteiligten führt. Von einigen Politikern oder Wirtschaftslenkern wissen viele Bürger zum Beispiel gar nicht mehr genau, wofür sie im Einzelnen wirklich stehen. Diese Entwicklung ist insbesondere dann bedauerlich, wenn Entscheidungsträgern, Wählern oder Verbrauchern für sie relevante Informationen nicht zur Kenntnis gebracht werden.

Die Ursachen dieses Problems sind vielzählig. Es liegt aber auch daran, dass viele investigative Enthüllungen den Weg in die Massenmedien gar nicht schaffen. Die Frankfurter Rundschau kann ein Lied davon singen. Als sie zum Beispiel die Missbrauchsskandale an der Odenwaldschule im Jahr 1999 veröffentlichte, machten die anderen „investigativen“ Medien „Business as usual“. Erst zehn Jahre später wurde das Thema, in der Frankfurter Rundschau erneut zuerst und prominent platziert, dann auch von anderen aufgegriffen. Darin liegt das Hauptproblem des Journalismus. Umgekehrt allerdings macht die Presse nicht selten den selben Fehler mit vermeintlichen Wettbewerbern aus den privaten Medien, dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk oder auch bei Bloggern.

Um der verbreiteten Praxis eines wechselseitigen Verschweigens entgegenzuwirken und Missständen mehr Öffentlichkeit zu verschaffen, sollten alle Qualitätsmedien neben ihren eigenen großen investigativen Beiträgen die verdienstvolle Arbeit anderer Medien würdigen – mit kollegialem Respekt und ohne Berührungsängste. Auf diese Weise wird die Reichweite investigativer Recherche erhöht. Auch Blogs, Foren und soziale Netzwerke sollten dabei angemessen berücksichtigt werden. Erst so kann die Digitalisierung dem Gemeinwohl wirklich dienen… ”

Auch wenn sich bislang nur wenige Menschen für dieses Thema interessieren, sollte weiterhin darauf aufmerksam gemacht werden.”

Verleger, hört diese Worte. Und DuMont Schauberg, sei mutig – und geh voran!

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