Eva Herman und der Kopp-Verlag – die Könige der Trolle

by Thomas Knüwer on 26. Juli 2010

Seit gestern passiert etwas, was nicht passieren dürfte: Ernsthaft an Medien interessierte Menschen reden allen Ernstes wieder über Eva Herman.

Wer es noch nicht mitbekommen hat: Herman ist zurück. Sozusagen. Irgendwie. Sie ist inzwischen bei einem Verlag namens Kopp gelandet, zu dessen Spektrum fröhlich und höchst seriöse Werke zählen wie “Logenmord Jörg Haider”, “Die letzten Jahre des Euro” oder “Unzensiert – Was die Massenmedien verschweigen!” Sie merken schon: Größere Verlage hätten an diesen Werken mutmaßlich unterdurchschnittliches Interesse.

Dort also darf sich nun Eva Herman austoben, jene Nachrichtensprecherin, die mit ihren recht konservativen Ansichten zu Familie und Autobahnen medial in Ungnade fiel. Wer den Eindruck hatte, dies sei vielleicht ein Fehler, sie habe Schwierigkeiten, selbst zu formulieren und das ganze sei ein Komplott gegen sie (eine These, die sie jüngst zurück in einige Medien brachte), der könnte Zweifel haben, seit Hermann beim Kopp-Verlag angeheuert hat. Zumindest ich frage mich angesichts der Texte, wie sie es überhaupt geschafft hat eine Form von ernsthafter Anerkennung im Rahmen eines Systems wie der ARD zu erlangen.

(Symbolbild eines Trolls , stellt nicht Eva Herrman dar – Shutterstock)

Erst recht kommt das große Staunen auf seit ihrem Artikel zur Loveparade. Die ist für sie keine Party sondern “Sodom und Gomorrha” und die Katastrophe von Duisburg sei deshalb möglicherweise der Eingriff einer “anderen Macht”, die dem schamlosen Treiben endlich ein Ende setzen wollte.

Der, ähm, sagen wir, erstaunliche Text lockte dann – zahlreiche Verlinkungen, Twitter-Nachrichten und Facebook-Weiterreichungen sei Dank – einen zweiten aus Herman empor. In diesem nun reagiert sie auf die Kritik von “jungen Menschen” (wie alt Blog-Autoren sind, scheint sie nicht so richtig zu realisieren): Es gehe ihr nicht darum, alle Teilnehmer der Loveparade als drogensüchtige Vielvögeler hinzustellen – aber es seien eben sehr viele darunter. Sodann gleitet sie ab in einen Traum einer Traumgesellschaft und droht, der Kopp-Verlag werde sich weiter mit dem Thema beschäftigen.

Derzeit nun sieht Rivva, ein guter Gradmesser für die meist diskutierten Themen in der Blogszene so aus:

Ein Troll ist in der Sprache der Internet-Vielnutzer eine Person, die nur deshalb Kommentare auf Blogs oder in Foren hinterlässt, um Reaktionen zu erzeugen. Auf Dauer töten sie die Diskussionskultur an den Orten, an denen sie auftreten. Deshalb gilt der Rat: Don’t feed the Trolls – einfach ignorieren und löschen.

Eva Hermann und der Kopp-Verlag arbeiten nicht anders. Sie wollen provozieren um Leser auf ihre Seiten zu locken. Füttern wir sie einfach nicht weiter: Hören wir auf, sie zu verlinken.

Ähnliche Beiträge:

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  2. Das Eva-Hermann-Blogprinzip
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  5. Zapp über die Loveparade

{ 17 comments… read them below or add one }

1 Hardy Prothmann 26. Juli 2010 um 18:10

Guten Tag!

Die Frau schreibt sich Eva Herman.

(Hinweis: Ist korrigert – danke für den Hinweis! tknuewer)

In finde ihren Ansatz nicht richtig. Frau Herman ist kein blogtroll, sondern hat eine sicherlich immer noch große Popularität.

Wenn sie dummes Zeug von sich gibt, ist es wichtig, den Quatsch richtig zu stellen.

Sie hat als prominente Persönlichkeit des Mediengeschäfts dieselbe Behandlung verdient, wie all die anderen Trolligkeiten in den Medien und der Politik.

Sicher ist die Beschäftigung mit klügeren Leuten reizvoller, aber die dummdreisten erreichen auch jede Menge einfacher Gemüter, die den Schrott ernst nehmen, wenn niemand widerspricht.

Schöne Grüße
Hardy Prothmann

2 Thomas Knüwer 26. Juli 2010 um 18:58

@Hardy Prothmann: Danke für den Hinweis.

Die Frage aber ist trotzdem: Wollen wir das verlinken? Tatsache ist doch, dass jener Verlag auch noch Motivation aus dem Traffic zieht. Denn mangels Kommentaren sieht er dies als Erfolg an. Mit Links führen wir ihm noch mehr Traffic zu.

Ziehen wir den Vergleich zu anderen Extremen oder Fundamentalisten: Sollten wir die verlinken?

3 Lutz Wilde 26. Juli 2010 um 19:21

Ich finde, Hardy hat recht. Auch ich habe meinen Unmut über die zynische Eva-Hermann-Nummer über Facebook kundgetan (und Dir wahrscheinlich einen der Anlässe für Deinen Eintrag gegeben).
Hatte die Diskussion grade in der Redaktion über ein völlig anderes Thema. Vor Monaten habe ich ein “Frage & Antwort” veröffentlicht zur Frage, ob Dienste wie Kino.to legal sind. Hier gibt es Kollegen die meinen, gar nicht drüber schreiben entspräche mehr der journalistischen Veranwortung. Schaftt ja nur Aufmerksamt für Dienste im rechtlichen Graubereich. Ich sehe das anders. Das Urteil macht sich am Ende der Leser selbst. Auch über Eva Herman. Ur-journalistische Regel. Und wenn der Verlag da jetzt mehr Visits hat, ist es mir ehrlich gesagt ziemlich Latte. Ich glaube nicht, dass die anlässlich des Traffics wirklich glauben, sie wären beliebt. Da Eva Herman ein Mensch ist, den viele andere als wichtigers Sprachrohr wahrgenommen haben, sollte man da schon nach was schreiben, wenn man was dazu zu sagen hat. Herzlichen Gruß! Lutz

4 pok 27. Juli 2010 um 06:58

Sind wir doch mal ehrlich! Auch wenn das Frau Herman Dinge sagt und schreibt die meisten Menschen als „verwirrt“ bezeichnen, so ist doch das ignorieren ihrer Aussagen die schlechteste Lösung.
Denn wie möchten wir Die erreichen die Frau Hermans Worten Glauben schenken? Ich fände es löblicher wenn wir als Gesellschaft damit offen umgehen. Oder sollen wir lieber alle ein wenig wie J.B. Kerner sein? Nach dem Motto „Es ist unangenehm, also beschäftigen wir uns nicht mehr damit!“ Das kann doch nun wirklich keiner wollen. Oder?

5 Sebs 27. Juli 2010 um 07:18

Hallo

Na endlich, der Kopp Verlag mal bei der Indiskretion, hoffentlich auch bald bei Niggemeier. Die haben ein ganz einfaches Geschäftsprinzip: Auf deutsch abschreiben bei der Indypresse/Indyverlagen. Immer wieder wird aus Publikationen der unabhängigen Medien (z.B. Project Censored) wiedergegeben bzw. dere Konzepte nachgemacht. Dabei bleiben alle Journalistischen Werte für tendenziöse Berichterstattung und das Durchboxen einer Agenda auf der Strecke: Impfen == generell doof, 911 == inside Job, global Warming == lüge etc. pp. Das schadet leider den ganzen Medien in D., derlei gibt es nicht viele, die auch mal den Blick abseits des Mainstream wagen und ist auch nicht besser als das was der Spiegel in die andere Richtugn betreibt. Es ist nicht so das ich nicht die eine oder andere Position die dort vertreten wird teile, aber ich habe es aufgegeben diese Medien zu konsumieren, dann kann man sich schon eher die US originale und nicht die “Krautcomputing” Version in D: antun. Eva H. passt hier wie Arsch auf Eimer. Die stark tendenziöse “Berichtersstattung” bekommt ein “seriöses” und konservatives gesicht und so wird ein bischen von den durchaus fragwürdigen Inhalten abgelenkt. Woher kenne ich das? Ja, aus den sog. Mainstream Medien. Ich benötige keine Indymedien mit genau den gleichen Methoden wie dem Rest der “Schweinepresse”, ansosten bleibts halt dann zu die Site der “Spinner” vom Kopp verlag.

6 Sebs 27. Juli 2010 um 08:00

@Thomas: Ja verlinken solltet ihr.

7 zechbauer 27. Juli 2010 um 09:06

Einerseits sicher journalistische Pflicht, andererseits sicher keine Blogger-Pflicht. So viel dummes Zeug von Frau H. verdient einfach keine Aufmerksamkeit. Das “Niveau” ist dann doch zu flach – und wenn dann noch Kalkül dahinter steckt: ausblenden.

8 EsEf 27. Juli 2010 um 09:48

Die Publikationen des Kopp-Verlags (so klein er ist) werden gelesen. Gelegentlich auch von mir, da manchmal sehr unterhaltsam. Es gibt durchaus auch einige wenige gute Bücher/Autoren im Programm. Also bitte nicht in Bausch und Bogen verdammen.

Das Problem ist, daß die Leser Multiplikatoren sind und ungeprüft irgendwelche Behauptungen in die Öffentlichkeit tragen. Die “Öffentlichkeit” ist meist aber auch nicht besonders kritisch. Oft wird blind geglaubt was gedruckt; was gesagt wird. Dazu ein paar glaubhaft klingende (aber nicht überprüfbare) Belege, oft rhetorische Tricks, suggestive Formulierungen – schon wird das einfach weitergetragen und wird dann zum Allgemeingut/Allgemeinwissen.

Selber denken ist bei der Masse nicht “In” und gerne wird geglaubt, was die eigenen Denkmuster und Vorurteile unterstützt. Das hat man aber auch bei den Mainstream-Medien. Nur fällt das bei einem Verlag der viel kruden Unsinn verlegt eher auf und wird genauer hinterfragt als die eigenen Glaubenssätze. (Könnte ja was dabei rauskommen, was weh tut – so was wie Selbsterkenntnis – oh Graus!).

Fast jedes Medium (Zeit/Spiegel/Bild/Focus/Bunte/Blogs/WebSites/etc.) arbeitet so. Dogmen, Meinungen und Glaubenssätze sind oft wichtiger als Fakten und “echter Journalismus” ist Mangelware.

Es ist heutzutage extrem aufwändig, sich ein eigenes Meinungsbild neben dem Mainstream (der genau so unsinnig sein kann wie manche Verschwörungstheorien) zu bilden. Wenn man dann einen Großteil des Unsinns rausgefiltert hat, dann bleibt nur noch wenig Wahrheit, viel Glauben + Meinung und gelegentlich die eine oder andere Verschwörungstheorie übrig. Damit wird man wohl leben müssen.

9 Ari 27. Juli 2010 um 10:07

Verschweigen das es solche wirren Meinungen gibt als Rezept dagegen?

Ich denke nicht, dass das funktioniert. So wie im wissenschaftsfeindlichen/esotherischen Bereich von Wissenschaftsjournalisten und Bloggern gemacht wird halte ich es für richtig: Aufklärung mit Argumenten

Indem man es verschweigt entsteht nur die Anziehung des Geheimnisvollen, das Gefühl das irgendwas dran sein muss, wenn man es “unter den Teppich kehrt”. Man riskiert, dass sich solches Gedankengut dann (weil man es journalistisch ignoriert) langsam in die Gesellschaft schleicht. Offenheit und mit einem Schuss Ironie & Humor zeigen wie sinnlos die Aussagen sind find ich am besten.

10 Thomas Knüwer 27. Juli 2010 um 10:37

@Ari: Ich habe nicht von Verschweigen geschrieben – sondern von “nicht mehr verlinken”.

11 Phil v. Sassen 27. Juli 2010 um 10:45

Hallo Thomas,

ja, man muss die “gute” Frau Herman an den Pranger stellen. Auch, wenn Du Ihre Artikel nicht direkt verlinkst, sorgst Du mit Deinem Beitrag für eine weitere Debatte und Abstrafung dieser Person. Dies ist richtig und wichtig.

Es bleibt die Hoffnung, dass dieses mediale Echo zu den Personen durchdringt, welche Frau Herman nach wie vor zu Podiumsdiskussionen sowie Vorträgen einladen und ihren unseriösen Äußerungen ein Gehör verschaffen!

12 hilti 27. Juli 2010 um 21:24

Ich versteh ja, dass Du denen den Trafic nicht gönnst, aber die Leser bevormunden ist auch keine Lösung. Ich komm mir jedenfalls verarscht vor, wenn über irgendwas geschrieben wird und ich dem dann hinterhergoogeln muss, um den kritisierten Text zu lesen.

13 Thomas R. 28. Juli 2010 um 02:32

Kuriose Information:

Die Dame nennt sich zwar “Eva Herman”, hieß aber ursprünglich “Eva Herrmann”, das hat sie ändern lassen.

14 Hardy Prothmann 28. Juli 2010 um 11:25

Guten Tag!

@Phil Der Pranger ist mit gutem Recht abgeschafft.

Diese Bemerkung ist wichtig. Mir wird zum Beispiel zu meiner Berichterstattung in Heddesheim vorgeworfen, ich stellte Leute “auf den Pranger” – die semantische Verknüpfung macht mich als Journalist in den Augen derer, die das äußern, zum Folterknecht.

Diese “Verknüpfung” ist auch so gewollt – dadurch soll die Arbeit diskreditiert werden.

Wenn Journalisten denken, sie könnten ihre Berichterstattung als “Pranger” benutzen, diskreditieren diese sich selbst.

Wie Du richtig anmerkst, ist es gut und wichtig zu berichten und damit Informationen und Meinungen zu veröffentlichen. Ein Pranger hat dabei nichts verloren.

Sollte sich jemand allerdings durch Öffentlichkeit gequält oder gefoltert fühlen, wie dieser Mensch hier ( http://heddesheimblog.de/2009/10/09/verbale-gewalt-und-kubel-voller-dreck-und-unrat/ ) dann ist das auch nur eine persönliche Haltungsfrage ;-)

Gruß
Hardy Prothmann

15 Phil v. Sassen 28. Juli 2010 um 12:39

@Hardy Prothmann,

die Einschätzung ist richtig. Mit dem Vergleich zu dem Pranger nimmt man dem Journalisten seine Unabhängigkeit.

16 Mike 29. Juli 2010 um 00:00

Es heißt nicht “auf den Pranger stellen”, sondern “an den Pranger stellen”. Soviel Zeit muß sein unter gebildeten Leuten.
Mike

17 Hardy Prothmann 5. August 2010 um 18:01

@mike Tippfehler – passiert auch gebildeten Leuten ;-)

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