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Einladung zum Opernbesuch an Bodo Hombach

Was für Cloppenburg „Pfanni“ ist, bist du für mich
und dann scheiss auf Metaphern,
die sind böse und heiß und im Gesicht hab´n sie Pickel,
die sind nicht schön.
(Element of Crime: „Kopf aus dem Fenster“)

Bodo Hombach, erinnern wir uns, das ist Waz-Co-Geschäftsführer, der Kommunikation einfordert, sie selbst aber verweigert. Nun hat er ein Interview gegeben und zwar dem hauseigenen Online-Ableger Der Westen. Es ist von merkwürdiger Verschwurbeltheit, so fragt der Fragensteller Dinge wie:
„Warum sollen wir über unsere Nahwelt nur berichten, und nicht auch mal propagieren?“

Propagieren, das kommt von Propaganda. Und vielleicht sehnt sich inzwischen mancher „Waz“-Redakteur zurück in die Zeiten diktatorischer Regime in deren Reiche Journalisten tatsächlich für das Weitertragen der Propaganda zuständig waren. Das war kein kreativer Beruf, aber ein einigermaßen sicherer, zumindest bis das Volk den Eindruck hatte, ein demokratischeres Gesellschaftssystem könnte mal das Ausprobieren wert sein.

Was Hombach antwortet ist das, was ein Geschäftsführer so antwortet, der versucht die Moral hochzuhalten. Alles ist toll und schön und investigativ bei der „Waz“. Blogs, zum Beispiel, haben Hombach qualitativ enttäuscht, Beispiele nennt er nicht. Was die Aussage auf ein Niveau hievt wie „Von Windows-Nutzern bin ich enttäuscht.“

Dann die letzte Frage – und Hombach patzt.

Frage: Immer mehr Verlage streichen Arbeitsplätze, immer weniger Redakteure müssen mehr Seiten füllen. Wie kann der Lokaljournalist da noch für die Wurzeln der lebendigen Demokratie sorgen?

Hombach: Qualität ist nicht gleich Quantität. Ich wundere mich über Aussagen, dass nur viele Menschen gemeinsam journalistisch hochwertig arbeiten können. Dabei sehe ich den Beruf des Journalisten als einen sehr kreativen Beruf an, etwa wie ein Opernsänger oder ein Maler. Wird die Oper besser, nur weil fünf Geiger mehr auf der Bühne sitzen? Wird das Bild des Malers besser, wenn zwei weitere mitmischen? Ich denke nicht. Tolles Schreiben ist das, womit der Journalismus punktet. Und durch Recherche, Themen und Präsenz.

Man liest es und ist entsetzt. Wird eine Oper besser, wenn fünf Geiger hinzukommen? Nein. Aber sie wird schlechter, wenn fünf fehlen. Und wenn der Maler keine Zeit mehr zum Malen hat, sondern nur noch Kapazität fürs Anstreichen, dann wird sein Galeriepreis gewaltig sinken.

Der Fragende fragt da lieber nicht nach. Genaus wenig stellt er die vielleicht böseste aller Fragen: Wenn bei der „Waz“ so tolle Zeitungen gemacht werden – warum brechen die Auflagen ein? Das aber wäre wohl Majestätsbeleidigung gewesen und so etwas vermeidet man in Zeiten laufender Restrukturierungsprogramme.

Bodo Hombach lade ich hiermit übrigens ganz offiziell und offen zu einem Opernbesuch ein. Dann wird er feststellen, dass Geiger im Rahmen einer Oper nicht auf der Bühne sitzen – sondern im Orchestergraben. Vielleicht findet sich ja sogar ein Haus, das eine Sonderaufführung wagt – mit fünf Geigern weniger.

Nachtrag vom 2.2.2010: Gerade erst ist mir wieder jener alte Bürowitz eingefallen, der das Zeugnis von McKinsey auflistet, nachdem die Berater zu Gast bei einem Symphonieorchester waren:

„Die vier Oboisten haben sehr lange nichts zu tun. Die Nummer sollte gekürzt und die Arbeit gleichmäßig auf das restliche Orchester verteilt werden, damit übermäßige Arbeitsspitzen vermieden werden.

Die zwölf Geigen spielen alle dasselbe. Das ist unnötige Doppelarbeit. Diese Gruppe sollte drastisch verkleinert werden. Falls eine größere Lautstärke erwünscht ist, lässt sich dies den Einsatz von Lautsprechern erreichen.

Das Spielen von Zweiunddreißigstelnoten erfordert einen hohen Arbeitsaufwand. Es wird empfohlen, diese Noten sämtlich in den nächstliegenden Sechzehntelnoten zusammenzufassen. Man könnte für dieses Feld dann auch Musikschüler und weniger qualifizierte Kräfte beschäftigen.


In einigen Partien wird zuviel wiederholt. Die Partituren sollten daraufhin gründlich durchgearbeitet werden. Es dient keinem sinnvollen Zweck, wenn das Horn eine Passage wiederholt, mit der sich bereits die Geigen beschäftigt haben. Werden alle überflüssigen Passagen eliminiert, dauert das Konzert, das jetzt zwei Stunden in Anspruch nimmt, nur schätzungsweise zwanzig Minuten. Somit kann die Pause entfallen.

Der Dirigent streitet die Berechtigung dieser Empfehlung nicht ab, fürchtet jedoch, die Einnahmen könnten zurückgehen. In diesem unwahrscheinlichen Fall sollte es möglich sein, Teile des Konzertsaales zu schließen, wodurch sich die Kosten für Licht, Personal und so weiter einsparen ließen. Schlimmstenfalls könnte man ihn ganz entmieten und in Büroräume umwandeln. Im Foyer könnte das Kundenbedürfnis nach Musik durch einen CD-Handel gedeckt werden.“

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