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11. November 2009
In Sachen Meedia
13. November 2009

Breaking News: „Welt kompakt“-Relaunch mit Social Media (aktualisiert: Mathias Döpfners angebliches Missverständnis)

Der Hammer kam zum Schluss. Leider nur eine halbe Stunde lang behakten sich beim Monaco Media Forum Arianna Huffington, Gründerin der Huffington Post, und Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner.
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Es war der Höhepunkt der ersten Konferenzstunden. Döpfner gab den Paid-Content-Verkünder und sang das Lied der Internet-Kommunisten, die alles gratis haben möchten. Meine Meinung dazu dürfte hinlänglich bekannt sein. Interessante Zahlen lieferte er auch: Die „Bild“-Leserreporter hätten bisher 500.000 Bilder eingeschickt, 12.000 seien veröffentlicht worden und dafür zahlte der Verlag über 2 Mio. Euro.

Huffington konterte mit Bissigkeit: „Sie klingen fürchterlich überzeugend. Und in zwei Jahren werden sie fürchterlich widerlegt worden sein.“

Döpfner wirkte phasenweise unter Druck. So stellte er das Zitieren aus Texten seines Hauses in eine Linie mit Inhaltediebstahl. Ein anderes Mal kündigte er an, wissenschaftliche Arbeiten verkaufen zu wollen. Erstaunlich, bedenkt man, dass den meisten Wissenschaftlern gerade daran gelegen ist, andere möglichst schnell an ihren Arbeiten teilhaben zu lassen.

Harte Worte hatte Döpfner für die Redaktionen seines und anderer Häuser: „Die Krise der Medien ist auch eine Krise des Journalismus. Journalisten sind einfach nicht gut genug.“ Natürlich hat er Recht mit der Frage, wer Reporter in Afghanistan künftig bezahlen soll, Springer habe mehrere vor Ort. Was mich fragen lässt: Kennt jemand die Namen? Bei einer Volltextsuche auf Welt.de und Bild.de wurde ich nicht fündig.

Huffington sieht ebenfalls Probleme im Journalismus: „Viele Journalisten haben ihre Unabhängigkeit für Zugang verkauft.“ Ihnen sei es wichtiger, mit einem Großkopferten zu sprechen, als unabhängig über ihn zu schreiben.

Ganz am Ende aber rutschte Döpfner dann Bemerkenswertes heraus.

Sein Haus plane eine Zeitung mit Inhalten aus Twitter, Blogs und Facebook, ja, das Social Network sei gar Kooperationspartner. Bei einer kurzen Begegnung im Anschluss an das Panel erzählte Döpfner mir, es gehe dabei um einen „maßgeblichen Relaunch von ,Welt Kompakt'“, der in den „kommenden Wochen“ umgesetzt werden soll.

Das könnte ein heißes Eisen werden. Schon jetzt findet nicht jeder witzig, dass „Welt Kompakt“ jeden Morgen Twitter-Nachrichten abdruckt ohne, nach meinem Wissen, die Autoren zu fragen. Würde sich dies ausweiten auf Facebook, könnte das sogar einen Rückschlag für das Social Network auf dem deutschen Markt bedeuten.

Und Blogs? Sollte es sich um Springer-ferne Blogs handeln und würden diese nicht gefragt – dann wird es richtig heftig werden. Wie das aber genau aussieht, das wollte Döpfner noch nicht verraten.

Nachtrag:  Aus Hamburg kommt ein Dementi zu den Aussagen des Vorstandschefs. Peinlich. Ein „Missverständnis“ soll es gewesen sein, berichtet Meedia. Da darf man schon mal fragen, was an den Worten „Relaunch“ und „in einigen Wochen“ so missverständlich ist. Und wie sich die neuen Internet-Seiten vertragen mit Döpfners Aussagen auf dem Podium. Weiß er selbst nicht, was in seinem Haus vor sich geht? Wollte er Huffington nur Paroli bieten und kam nicht mehr aus der Nummer raus? Für einen Mann seiner Stellung so oder so ein wenig professionelles Vorgehen.

Das Video seines grandiosen Duells mit Arianna Huffington ist inzwischen online:

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