Sportjournalist – das muss man mögen
4. August 2009
Leichtathletik-Weltmeisterschaft Berlin: Willkommen in Nordkorea
6. August 2009

Der DJV und die Digitalität

t

Eine kleine Statusmeldung ist nötig. Vor einiger Zeit führt ein Wutausbruch meinerseits zu einiger Diskussion über die Zukunft des Journalismus. Dies mündete in Gesprächen mit anderen, ähnlich denkenden Berufsstandskollegen. Wir sind optimistisch in Kürze einen neuen Anstoß zur Diskussion liefern zu können.

Derweil meldete sich auch der von mir ruppig behandelte Deutsche Journalisten-Verband DJV zu Wort. Der geschätzte – und hiermit wieder einmal wärmstens empfohlene – Podcast „Was mit Medien“ sprach mit DJV-Vize Ulrike Kaiser (die Abschrift gibt es hier).

Und nun ist auch der DJV-Boss Michael Konken aus dem Urlaub zurück – und schreibt für die „FAZ“. „Ich verstehe das nicht“, meinte ein aus dem Urlaub zurückgekehrter Kollege der „Wirtschaftswoche“ gerade beim Mittagessen: „Wovon wollen die Verleger denn Geld haben?“

„Von Google“, antwortete ich.

„Aber wieso denn? Die wollen doch auch kein Geld von Aldi.“

„Noch nicht“, antwortete ich.

Nun ist Aldi ein schlechtes Beispiel. Nicht auszuschließen aber ist, dass demnächt irgendjemand auf die Idee kommt, von Kioskbesitzern Geld zu fordern. Zum Beispiel eine Abgabe für freie Journalisten, weil deren Produkte ja Kunden in die Läden lockten, die dann Kaugummi kauften oder Lotto spielten. So eine Art Büdchen-Gema.

Solch eine Argumentation würde passen. Ulrike Kaiser, zum Beispiel, kreidet es Google öffentlich an, dass das Unternehmen beständig neue Ideen entwickelt:
„Google macht ständig neue Geschäftsmodelle – Sie kennen sie selber – Google Bücher, Google News und so weiter. Wir müssen schon darauf achten, wie sich dort der Machtballon entwickelt.“

Siemens, Daimler, aufgepasst: Wer zu viel innoviert, ist verdächtig.

Bemerkenswert ist auch Kaisers Antwort auf die Frage, ob Journalisten nicht mit Google zusammenarbeiten sollten:
„Das tut der deutsche Journalismus doch! Im Prinzip tut er das doch. Es kann sich doch heute kein Medienunternehmen mehr vor Google sperren. Das ist überhaupt gar nicht mehr möglich. Das spricht ja auch dafür, dass Google eine solche enorme Machtstellung erlangt hat. Es kann keiner mehr an Google vorbei. Das will ja auch keiner – im Prinzip. Es geht hier doch bloß um Regeln, wie zu der Zeit, als die Kopierer erfunden wurden, als es darum ging, Urheber wieder an bestimmten Erträgen zu beteiligen. Ich denke einfach, das ist sehr legitim. Wenn wir dann nach dem Gesetzgeber rufen, dann hat das nichts mit Zensur, oder sonst was im Internet zu tun, sondern es geht hier einfach um ein Regelwerk für neue Verbreitungswege. Und es ist ein neuer Verbreitungsweg.“

Nun gut. Nun kopieren Kopierer ja vollständige Inhalte. Und es scheint, der DJV blendet bewusst oder unbewusst aus, dass Nachrichtenaggregatoren dies nicht tun.

So wirkt auch ein Artikel von DJV-Chef Konken in der heutigen „FAZ“ merkwürdig widersprüchlich. Konsequenterweise ist das Stück derzeit nicht frei im Netz zu lesen.

Konken klagt zunächst:
„Sind schon die Verlage oft keine Engel, so gilt dies erst recht für weitere Akteure im Internet. Zahllose Internetseiten, Foren, soziale Netzwerke, wo Beiträge und Fotos freier Journalisten zu finden sind, scheren sich nicht um das Urheberrecht. Freie Journalisten gehen gegen solche Nutzungen vor und können hierfür Schadensersatz erhalten.
Der Nachrichtenaggregator Google News ist dagegen bisher weitgehend unbeschadet von Ansprüchen Dritter geblieben.“

Mal abgesehen davon, dass es bei Stefan Niggemeiers Recherchen Verlagen schon unmöglich war, einen massenhaften Inhaltediebstahl auch nur mit Einzelbeispielen darzulegen, so ist festzuhalten, dass beispielsweise bei Google News eben nur Ausschnitte auftauchen.

Zu Ausschnitten allgemein sagt Konken kurz darauf:
„Soweit Beiträge nur zitiert oder in stark komprimierter Form im Rahmen von Presseüberblicken wiedergegeben werden, muss der freie Meinungsaustausch Vorrang haben. Das gilt auch für einzelne Internetseiten, die nur Links auf andere Angebote setzen.“

Vielleicht bin ich der einzige, der in Konkens Äußerungen einen gewissen Widerspruch sieht.

Vielleicht wäre es wirklich mal eine gute Idee, die Verbandsspitze spräche mit ihren Online-kundigen Mitgliedern. Darauf angesprochen antwortete Kaiser bei „Was mit Medien“ höchst ausweichend. Was Thomas Mrazek zu folgender Reaktion veranlasste:

„Als Vorsitzender des Fachausschuss Online im DJV kann ich hierzu aber folgendes sagen: Weder ich noch Kollegen aus diesem Gremium wurden zu diesem Thema jemals von Kollegen aus dem Bundesvorstand des DJV befragt. Unsere mehrmals und sofort nach Erscheinen geäußerte Kritik an den Inhalten der Pressemitteilung “DJV für konzertierte Aktion” wurde – Kaisers Antworten nach zu urteilen – bei der Außendarstellung in den Folgetagen ebenso wenig berücksichtigt.“

Einen Überblick zu Zitaten und Stellungnahmen liefert das Jep-Blog.

Teile diesen Beitrag