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Dieser Text wurde am 8.5.18 aktualisiert. Die aktualisierten Passagen habe ich kursiv gesetzt. 

Ich bin ein Befürworter der Bundeswehr. Nein, ich war ein Befürworter der Bundeswehr.

Bis heute.

Ich hielt sie für gesellschaftlich wichtig, ich befürworte auch Kampfeinsätze und erst recht humanitäre Einsätze in Krisengebieten. Denn auch, wenn wir uns die Welt zu 100 Prozent friedlich wünschen, sie ist eben nicht so. Und hätte es nicht Soldaten gegeben, die in den Krieg zogen, wäre Europa heute vermutlich ein Kontinent unter nationalsozialistischer Herrschaft. Auch weiß ich, was Kriegstraumata auslösen. Meine Mutter und meine Oma flohen aus der „Festung“ Breslau, mein Opa väterlicherseits starb in Stalingrad, der mütterlicherseits wurde von dort ausgeflogen und verreckte im Krankenhaus in Berlin. Sowohl meine Mutter als auch meine Oma litten lebenslang unter diesen Traumata. 

Ich selbst war Wehrdienstleistender und diese Zeit hat mir definitiv nicht geschadet. Bei der Bundeswehr wurde ich zum ersten Mal mit massiv anderen Lebenswirklichkeiten und -entwürfen konfrontiert. Ich bin mir in den 18 Monaten darüber klar geworden, wohin ich möchte.

Vor wenigen Tagen nun hat die Bundeswehr meinen Respekt verloren. Denn sie positionierte sich mit einem Stand und Soldaten im Kampfanzug am Eingang der re:publica und versuchte diese zu trollen. Mitarbeiter verteilten Flugblätter, teils drängten sie diese den Passanten auf. Die Organisatoren von Deutschlands größter Digitalkonferenz baten, von dieser Demonstration Abstand zu nehmen – die Bundeswehr machte weiter.

Im Social Web begab sie sich in die Opferrolle und bediente sich einer Argumentation, die an Verschwörungstheoretiker erinnert. „Angeblich“ war man im vergangenen Jahr zu spät dran. Und nun durften die Soldaten nicht in Uniform auf die Konferenz, weil diese „unbequem“ seien:

„Nachdem die #Bundeswehr im vergangenen Jahr keinen Stand haben durfte, weil die Anmeldung angeblich zu spät erfolgt sei, konnten die Organisatoren diese Begründung in diesem Jahr nicht anführen. Nun verweigern sie unseren #Soldaten aber den Zutritt in #Uniform. Die vorgebliche Toleranz der Konferenz hat also seine Grenzen – Uniformen sind unbequem.
Die Provokation gegen unsere #Parlamentsarmee nehmen wir zum Anlass, die Veranstalter an ihr eigenes Motto zu erinnern.
Wir stellen uns der Diskussion! Wir kämpfen auch dafür, dass die #rp18 gegen uns sein kann. Denn wir finden: Zu bunt gehört auch grün!“

Die Bundeswehr erhielt dafür auch Lob in den Kommentaren auf Facebook und Twitter. Wer sich diese Lobenden allerdings betrachtete, konnte eine signifikante Zahl von ihnen dem sehr rechten Spektrum zuordnen.

Nun ist der Begriff der „Provokation“ ja schon bemerkenswert. Die re:publica sagt nach etlichen Diskussionen begründet einen Stand ab, bietet aber an, dass die Bundeswehr auf Podien sitzt – und das ist eine Provokation? Wenn die Soldaten so leicht zu provozieren sind, wie verhalten sie sich in Krisengebieten? 

Wer immer die Bundeswehr berät, in Sachen re:publica ist er minderkompetent und ebenso in der Frage, wie die digitale Gesellschaft tickt. Die re:publica ist natürlich eine Konferenz mit liberaler bis linker und pazifistischer Grundhaltung. Im Gegensatz zu Karrieremessen oder Business-Konferenzen ist sie aber für viele Besucher eine happy place, ein sicherer Ort.

Uniformen aber dienen dazu, Angst zu erzeugen, sie sind eine Machtbekundung (habe ich übrigens im Wehrunterricht so gelernt). Auf einer Konferenz mit der Ausrichtung der re:publica haben Uniformen nichts verloren (erst recht keine Kampfuniformen), denn sie setzen ihre Träger vom Rest der Besucher ab. Uniformen sind nicht bunt, sie sind das Gegenteil. Sie sind keine Individualität, sondern sollen diese verdecken.

Hinzu kommt, dass auf der re:publica Menschen sprechen, die Krieg und Vertreibung erlebt haben. Und die sollen sich mit werblich auftretenden Soldaten – denn die ganze Aktion kommt aus den Reihen des Bundeswehr-Personalmarketing – wohlfühlen?

Selbst Sascha Stoltenow – Ex-Soldat und einer der wichtigsten Wehrthemenblogger in Deutschland – fasste sein Erstaunen in das erste Listicle seiner Blogger-Zeit und mehrere Tweets:

Manchen Medien lieferte die ablehnende Haltung der re:publica wieder mal einen Vorwand auf die Konferenz einzudreschen. Tatsächlich aber haben die Organisatoren richtig reagiert, sensibel und empathisch – und sie haben (wieder einmal) demonstriert, dass die re:publica ein Ort der Haltung ist.

Heute nun hat die re:publica ein langes Statement mit dem Ablauf der Ereignisse veröffentlicht. Es wirft ein erschreckendes Bild auf die Bundeswehr. Klar wird, dass die angebliche Debatte nur eine sekundäre Priorität für die Bundeswehr besaß. Vornehmlich ging es um einen Rekrutierungsstand – schließlich braucht die BW Programmierer. Dann log eine Sprecherin der Bundeswehr gegenüber der „taz“, dass es die Zusage für einen solchen Stand gegeben habe. Und schließlich setzte ein PR-Angriff ein, bei dem beispielsweise freie Journalisten eingesetzt wurden, die bereits für die Bundeswehr gearbeitet hatten. 

Erschreckend auch, dass re:publica-Gründer Johnny Haeusler via Twitter bat, von Beleidigungen und Beschimpfungen gegen die Bundeswehr Abstand zu nehmen – ein ähnlicher Aufruf von Seiten der Bundeswehr aber ausblieb. 

Die ganze Sache erreicht den Rand des skandalösen angesichts eines Artikels von Daniel Lücking, der nicht nur Journalist ist, sondern auch Bundeswehr-Veteran. Sein Artikel muss die Frage erlauben, ob die Bundeswehr hier nicht eine Konferenz attackiert, die aus bürgerschaftlichem Engagement entstand und die in anderen Ländern als lobenswertes Modell für Social Entrepreneurship gelobt würde. 

Die Bundeswehr hätte ja auf Podien sprechen dürfen – nur eben nicht in Uniform. Das wollte sie dann nicht. „Soldaten sind immer im Dienst“, wahrscheinlich gibt es da irgendwo eine Vorschrift. Doch müssen die Menschen, die ja auch rekrutiert werden sollen, diese kennen? Und ist solche ein Vorgabe (so sie existiert) noch zeitgemäß, wenn Millennials und Mitglieder der Generation Z angesprochen werden sollen? Wirkt solch ein Uniformzwang nicht eher schwach und hilflos und die Bundeswehr als Institution, die glaubt, keine Argumente mehr zu haben, wenn sie den optischen Insignien ihrer Macht beraubt wird? Wäre es nicht gerade beeindruckend gewesen, Soldaten in der Kleidung der Bürger kluge Sätze sprechen zu hören?

Denn dass auf der re:publica Personen Respekt ernten können, obwohl ihre Meinung sich von der der meisten maßgeblich Besucher unterscheidet, das zeigten bei vergangenen Ausgaben zum Beispiel Thomas de Maizière oder Andrea Nahles: Sie stellten sich der Kritik, hielten sie aus und punkteten mit Argumenten.

Dazu war die Bundeswehr nicht bereit. Ihr Auftreten vor dem Tor des Konferenzgeländes war unsensibel und übergriffig. Eigentlich schloss dieser Artikel mit dem Satz: „Und deshalb traue ich der Bundeswehr nicht mehr zu, in einem fremden Kulturraum sensibel zu agieren, wenn ihr das nicht mal in der Heimat gelingt.“ Nach den Erkenntnissen  der letzten Tage muss ich ihn leider umformulieren: „Deshalb traue ich der Bundeswehr nicht mehr zu, in einem fremden Kulturraum sensibel zu agieren, wenn sie sich derart schnell provoziert fühlt. Und ich frage mich, ob sie unsere Freiheit wirklich am Hindukusch verteidigt, wenn sie diese in der Heimat angreift.“


Kommentare


Titus von Unhold 3. Mai 2018 um 3:33

„Im Gegensatz zu Karrieremessen oder Business-Konferenzen ist sie aber für viele Besucher eine happy place, ein sicherer Ort.“

Ich halte die Auswüchse der Safe Spaces für mindestens genauso gefährlich für die Zivilgesellschaft wie eine Parteigründung von Björn Höcke und Beathe Zschäpe rechts der NPD. Denn sie Funktioniert nur mit Stempelung und Ausgrenzung. Die Realität ist aber kein Safe Space. Und wenn es da draußen Soldaten gibt die von ihren Parlamenten in den Krieg geschickt werden und dafür ggf. mit ihrem Leben bezahlen, dann muss man diese Zeigen. Jeden Tag.

Und wenn irgendwo tote Kinder an Land gespült werden auch. Und wenn irgendwo der rechte Mob Konzerte mit Landser und Sturmkraft organisiert muss man das auch zeigen. Und wenn in den Netzwerken zum Mord aufgerufen wird muss man das auch zeigen.

Wegzensieren ist falsch. Immer. Ob im Internet oder im realen Leben.

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Thomas Knüwer 3. Mai 2018 um 7:41

@Titus von Unhold: Mit der gleichen Argumentation kann man dann ja auch Rechtsextreme auf die Bühne bringen. Oder Anarchisten in den Bundestag. Man kann der re:publica nun wirklich nicht vorwerfen, dass sie die harte Realität ausblendet (ich nehme an, Sie waren noch nicht dort?): Hier wurde in den vergangenen Jahren über grausamste Dinge diskutiert – doch wer dort mitdiskutieren will, der muss eben auch die Gefühle der anderen respektieren. Dazu war die Bundeswehr nicht bereit.

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Titus von Unhold 3. Mai 2018 um 14:59

Ich hatte noch nie ein Problem mit Extremismus, im Gegenteil. Ich kenne Leute aus beiden Lagern und bin der Meinung dass auch diese ihre Meinung öffentlich sagen dürfen. Wenn man sich nämlich die Höckes und Orbans dieser Welt ansieht sind nicht deren Reden das Problem, sondern dass man sie über Jahrzehnte ausgegrenzt hat. Und nun – ganz plötzlich – bekommen sie Oberwasser tauchen sie aus der Versenkung auf und eine nicht geringe Menge des Publikums wundert sich und dachte „Man wäre doch schon viel weiter…“.

Nein, war man nicht. Und das Problem ist nicht dass Extremisten keine Öffentlichkeit gibt, sondern es ist die Ursache. Die waren schon immer da, man sie aber nicht gesehen. Wie der NSU auch.

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Christof 3. Mai 2018 um 9:14

Dass sie immer Uniform tragen müssen wurde doch durch einen Tweet entkräftigt, in dem der User meinte er wäre in Zivil aber mit dienstlichem Auftrag da. Kann also nicht sein, dass ein Bundeswehrler nicht auch in Zivil offiziell unterwegs sein kann…

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Thomas Knüwer 3. Mai 2018 um 13:31

@Christof: Da haben Sie recht, die Info hatte ich zu dem Zeitpunkt noch nicht.

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Titus von Unhold 3. Mai 2018 um 15:04

Der Soldat (Kottem1) war als Besucher vor Ort und nicht als Sprecher oder Podiumsteilnehmer. Und er schreibt ausdrücklich dass Soldaten die für die Bundeswehr sprechen eine Uniform (er spricht nicht vom Feldanzug) anziehen. Und zwar ausnahmslos.

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Mario Wollny 3. Mai 2018 um 9:36

Vor 30 Jahren habe ich den Kriegsdienst verweigert und täte es heute auch wieder. Das nur, damit Du mich ideologisch einordnen kannt. Ich habe deswegen auch keine Schwierigkeiten damit, die Bundeswehr von der re:publica auszuschließen. Die Begründung, mit der das geschieht, finde ich fragwürdig. Entweder sagt man, dass Militär grundsätzlich auf der Veranstaltung nichts zu suchen hat, oder man lässt es zu – dann aber auch bitte gut als Militär erkennbar. Dieses Lavieren „hm ja, hat halt leider wieder nicht mit der Anmeldung geklappt, und rauf dürfen sie, aber auf keinen Fall in Uniform“ finde ich unaufrichtig. Uniformen gehören nun einmal zu einer Armee. Es ist eine Dienstkleidung, so wie die Müllabfuhr orange und das Gartenamt (sic!) dunkelgrün trägt. Wenn mich auf der re:publica jemand anspricht, möchte ich gern wissen, woher der Wind weht. So, wie es jetzt läuft, haben wir die schlechteste aller Optionen. Die Bundeswehr spielt sich draußen als Opfer auf, der Veranstalter hat keine Handhabe und ist argumentativ in der Defensive.

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Marcel 3. Mai 2018 um 11:14

Es ist „platt formuliert“ einfach nur sehr schade. Die Bundeswehr, die ich zu meiner GWDL-Zeit kennenlernen durfte, war ein aufgeschlossener, verrückter Haufen voller Tatendrang. Klar – im Dienst wurde die Uniform getragen, beim Gelöbnis halt das chic-Teil, ansonsten Flecktarn.

Aber hier hat die Bundeswehr versagt. Auf der RP rennen nun viele Leute rum, die nicht Feinde des Systems sind, aber zumindest hart auf deren Schirm stehen (Whistleblower). Wenn die nen Soldaten im Flecki sehen, ist das sicherlich unangenehm.

In Garde-Kluft wäre das evtl. eine andere Geschichte gewesen, aber mir ist absolut überhaupt nicht klar, warum die Bundeswehr auf der RP war. Freie Meinungsäußerung bzw. die Grundrechte allgemein werden innerhalb der Truppe ja bewusst eingeschränkt. Das beißt sich mit der Mission der RP, bei der die Meinung, vor allem die eigene, zelebriert wird.

Wenn man aktuell bei Facebook guckt, ist es auch einfach nur peinlich, dass das SoMe-Team so gar nicht mal Stellung bezieht und die rechte-Ecke-Trolle klar in die Schranken weist

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Stephan Gill 3. Mai 2018 um 12:19

Lieber Herr Knüwer, Sie trauen der Bundeswehr wegen eines, zugegebenermaßen unsensiblen, PR-Vorgangs nicht mehr zu, im Ausland „kultursensibel“ zu agieren? Wäre Sie mit drei Leos über die Tagungsteilnehmer*innen gerauscht, könnte ich diesen Meinungsbeitrag ja zumindest nachvollziehen. So habe ich den Eindruck, dass Sie, um im Bild zu bleiben, mit einer erschrecken großen Wumme auf einen ganz dürftigen Spatzen schießen. By the way: Haben Sie mal einen Bundeswehreinsatz im Ausland begleitet? Ggf. entscheidet sich ja dort die Fähigkeit der Bundeswehr eher als in deren Presse-Abteilung? Beste Grüße!

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Thomas Knüwer 3. Mai 2018 um 13:30

@Stephan Gill: Das mag sein. Doch habe ich in den vergangenen Jahren gelernt, dass sich die gesamte Kultur einer Organisation gerade in diesen, scheinbar kleinen Aktionen manifestiert. Vielleicht ist das bei der Bundeswehr anders. Meine Erfahrung macht mich aber skeptisch.

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Joe 3. Mai 2018 um 12:57

Na, dann hoffe ich, dass zu den Vereibarungen bei der republica in Accra dann gehört, dass ghanesisches Milität nur in Zivil Einlass bekommt. Im Gegensatz zur Bundeswehr gehen die nachweislich regelmäßig mit unangemessener Härte gegen ihre Bürger vorgehen und verstoßen gegen die Menschenrechtskonventionen.

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Hans Hannsen 3. Mai 2018 um 13:31

Ich verstehe das richtig? Wegen die Uniform der Bundeswehr nicht dem Dresscode der re:publica entspricht, dürfen sie nicht dabei sein? Wie hätte man denn bei der Uniform der Freiwilligen Feuerwehr Hintertupfingen reagiert? Oder gibt es für Dich gute und böse Uniformen?

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Thomas Knüwer 6. Mai 2018 um 13:57

@Hans Hannsen: Das haben Sie nicht vollständig wiedergegeben. Die Bundeswehr wollte einerseits nicht auf ein Panel mit anderen Teilnehmern, andererseits eine Rekrutierungsstand mit Soldaten in Uniform. Letzteres war für die re:publica keine Option.

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Anderer Max 3. Mai 2018 um 14:01

Diese Lektüre sei noch ergänzend empfohlen:
http://augengeradeaus.net/2018/05/republica-wenn-die-staatsmacht-david-spielt/

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Christian Jakubetz 3. Mai 2018 um 19:14

Was mich ein bisschen wundert: wenn die Jungs von der republica einfach cool reagiert hätten, die Jungs eingeladen und mit ihnen eine spontane Sessions veranstaltet hätten und wenn sie dann noch gesagt hätten: sagt, was er zu sagen hat und dann ist auch wieder gut. Dann wäre daraus überhaupt kein großes Drama entstanden. So aber haben sie der Bundeswehr erst die Möglichkeit gegeben sich als Opfer der republica zu präsentieren. Ich meine, das war doch von Anfang an völlig klar, dass das das Ziel der Aktion war. Oder glaubt jemand ernsthaft, irgendwelche Bemühungen zur Rekrutierung von Personal wären ausgerechnet bei dieser Veranstaltung von Erfolg gekrönt gewesen?

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Thomas Knüwer 4. Mai 2018 um 8:28

@Christian: Die re:publica hat der Bundeswehr angeboten, auf Podien zu diskutieren. Doch die wollte zum einen einen Rekrutierungsstand, zum anderen Solo-Sessions.

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Oliver Gassner 3. Mai 2018 um 15:47

Ich kenn mich ja nicht aus, aber es gibt doch auch sowas wie ‚Ausgehuniformen‘, die klar nicht in Tarnfarbe etc, sind. EInen ‚KLeidung die Identität anziegt‘ haben wir ja auch bei der rpXX immer gehabt. (Hijab etc.) an sich gehört auch jeder Anzug mit Schlips dazu. Oder wenn ein Mönch/einen Nonne im Habit käme hätte auch keiner was dagegen. (denk ich?). Oder gerst in „Arbeitskleidung“ oder … Ausgehuniform (whatever, war nicht dabei T5, Maulwurf) wäre ja ggf. ein Kompromiss gewesen.

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Gunther Wiedekind 3. Mai 2018 um 16:31

Sehr geehrter Herr Knüwer, man kann über die Reaktion der Bundeswehr auf die Verweigerung der Teilnahme an der re:publica in Uniform sowie darüber, ob diese Veranstaltung überhaupt eine geeignete Plattform zur Teilnahme der Bundeswehr ist, sicher trefflich streiten. Ich persönlich denke eher nein. Aus dieser Entscheidung jedoch den Schluss zu ziehen, die Bundeswehr sei deshalb nicht in der Lage, „ in einem fremden Kulturraum sensibel zu agieren“ verschlägt mir doch die Sprache und stellt eine pauschale Verhöhnung aller Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr dar, die seit Jahren einen herausragenden Dienst in den Auslandseinsätzen unter zum Teil sehr schweren Rahmenbedingunegn leisten. Das lässt sich vom Blogger-Schreibtisch recht flockig bewerten. Wenn diese vergleichsweise lapidare Geschichte, Sie schon den Respekt vor der Bundeswehr verlieren lässt, ist er wohl vorher auch nicht gar so hoch gewesen, das können sie mit ihrem sozialromantischen Ausflug in die eigene Wehrdienstzeit auch nicht verschleiern. Ich finde ihre Haltung bedauerlich…..

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Thomas Knüwer 4. Mai 2018 um 8:31

@Gunter Wiedekind: Wie bereits oben erwähnt: ich berate nun seit fast zehn Jahren Unternehmen in vielen, vor allem die Gitarren fragen. Und was ich gelernt habe ist, dass sich die Kultur einer großen Organisationen in genau solchen Details zeigt. Hier kann man anderer Meinung sein, jedoch ist dies meine Erfahrung.

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hdzimmermann 3. Mai 2018 um 18:31

Sorry, aber ein wenig Doppelmoral ist ja schon dabei! Auch Grosskonzerne habe ihre Ständee, geben offen zu, dass sie junge Leute rekrutieren wollen, während in einigen Sessions genau auf diese Konzerne eingedroschen wird. Und der Satz „Wer immer die Bundeswehr berät, in Sachen re:publica ist er minderkompetent und ebenso in der Frage, wie die digitale Gesellschaft tickt.“ heisst ja dann nichts anderes, als das man sich als etwas besseres fühlt und sich abgrenzt – oder nicht? Schade. Es wäre eine Chance gewesen, aus der Filteblase auszubrechen, was IMHO nicht gelungen ist.

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Thomas Knüwer 4. Mai 2018 um 8:30

@hdzimmermann: Großkonzerne haben aber nicht die Aufgabe, Menschen (auch) zu töten. Die Bundeswehr war ja nicht bereit, sich mit anderen auf ein Podium zu setzen – sie wollte Solo-Sessions.

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Vonfernseher 5. Mai 2018 um 19:13

Dass man nicht in Tarnfleck auf eine solche Veranstaltung gehen sollte, ist für mich eine Selbstverständlichkeit. Uniform an sich andererseits muss sein, denn es geht gerade in politischen Dingen darum klare Kante zu zeigen: Wer in Uniform spricht, darf dies nur vom Dienstherrn abgesegnet und spricht deshalb auch für die Bundeswehr. Wer in zivil spricht, darf dann und nur dann seine Meinung kundgeben. Ich als Bürger finde, dass es gut ist genau zu wissen, wann was der Fall ist.

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Roger Schmitz 7. Mai 2018 um 21:23

Mir kommt ja zugegebenermaßen bei solchen Debatten immer eine ganz banale Frage in den Sinn: Was sagen die ach so progressiven Herrschaften, die vom tötenden Soldaten schwadronieren, eigentlich, wenn plötzlich – rein theoretisch – der IS in Deutschland einmarschiert (oder die Russen)? (Und nein, ich würde mittlerweile nicht mehr sagen, dass das komplett unrealistisch wäre, immerhin hat die IS-Bande sogar schon einen „Deutschlandchef“). Dann geht es plötzlich nicht mehr um Sinn und Unsinn der Bundeswehr, um Kultursensibilität und abgehobene Debatten, dann wollen sie alle plötzlich beschützt werden. Es handelt sich in Wahrheit um Debatten von Wohlstandskinderchen, die schnoddrig von ihrem beheizten Sessel schreiberlingen können (sorry für die Polemik, ich gehöre selbst dazu). In Wahrheit wäre Dankbarkeit angesagt für Menschen, die ihr Leben opfern für eine Gesellschaft, die ihnen rein gar nichts zurückgibt. By the way: Das ist in Ihrem gelobten Digitalisierungswunderland USA anders, lieber Herrr Knüwer. Und noch ein btw: Eine der größten Lücken in der medialen Berichterstattung ist die über deutsche Soldaten im Ausland und jene, die zurückkehren. Über die schreibt praktisch niemand, nirgends, niemals (im Grunde genommen ein Skandal)…

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Thomas Knüwer 8. Mai 2018 um 10:01

@Roger Schnmitz: Bei letzterem gebe ich Ihnen vollkommen recht. Allerdings: Glauben Sie, die Berichterstattung über die rückkehrenden Soldaten würde das Image der Bundeswehr anheben? Ich fürchte nicht. Allerdings finden Sie in meinem Artikel verlinkt ja das Statement eines solchen Rückkehrers, der extrem kritisch mit der Aktion in Berlin umgeht und der Bundeswehr kundig analysiert psychologische Kriegsführung gegenüber der re:publica vorwirft.

Übrigens gab es bei der re:publica nur wenige Extremmeinungen wie die, die sie schildern. Die Tonalität der Diskussion ist auf der re:publica nicht auf Talkshowniveau, wie zum Beispiel auch Thomas de Maizière erfahren konnte. Ihm wurden kritische Fragen gestellt, doch erntete er Respekt. Und als die Piratenpartei eine solche Talkshow-Guerilla-Aktion brachte, wurde sie ausgebuht. Auf ihre Frage nach dem Einmarsch müssten Sie auf der rp eine inhaltlich heftige Diskussion führen – das ist der Stil, der dort herrscht.

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Markus Wendt 8. Mai 2018 um 10:38

„Großkonzerne haben aber nicht die Aufgabe, Menschen (auch) zu töten.“ Das ist aber entweder etwas naiv oder wohlfeil. Wer die Bundeswehr nicht auf seiner Veranstaltung haben möchte, gleichzeitig aber Airbus, Microsoft und Samsung zu Partnern macht, deren Rüstungssparten weltweit tätig sind, sollte mit seiner Argumentation noch einmal ganz, ganz vorn anfangen …

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Thomas Knüwer 8. Mai 2018 um 10:57

@Markus Wendt: Airbus? Samsung? Microsoft? Auf welcher Sponsorenliste bewegen Sie sich? Keines dieser Unternehmen war Partner der rp18- Und: Es ist ein Unterschied, ob ein Unternehmen Produkte vorstellt oder eine Armee Personal rekrutieren möchte.

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Markus Wendt 8. Mai 2018 um 11:02

https://18.re-publica.com/de/partners – auf dieser Liste – und in einem gebe ich Ihnen völlig Recht: Es ist ein Riesenunterschied, ob eine (zu dieser Gesellschaft zugehörige) Armee für sich wirbt oder Unternehmen, die mit ihren Produkten anderweitig Geld aus Blut gewinnen, Werbung für sich machen. Ersteres bewerte ich als deutlich ehrlicher und transparenter.

Thomas Knüwer 8. Mai 2018 um 12:08

@Markus Wendt: Da können wir agreeen zu disagreeen.


Jens Schwoon 8. Mai 2018 um 22:02

Auf der Games.com war es auch nicht wirklich besser. Irgendwie haben sich die Herren wohl nicht ausgerechnet, daß es mit dem Wegfall der Wehrpflicht nicht mehr genug Leute geben könnte, die gerne für kleines Geld im Ausland sich zum Krüppel machen möchten oder sich erschiessen lassen.

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