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Sorry, dass es hier so olympisch bleibt – ist aber bald vorbei: versprochen!

Auch meine Erwartungen an die Digitalität von London2012 waren hoch. Erfüllt aber wurden sie nicht immer. Über die Qualitäten der Livestreams schriebe ich ja bereits. Nun soll es einerseits um den mobilen Alltag gehen, andererseits um die deutschen Sportler.

Einigermaßen begeistert war ich als Besucher der Spiele von der Art, wie die Organisatoren und Stadt-Institutionen Mobile Apps und Twitter nutzten um die Zuschauermassen zu steuern und zu informieren. Das Organisationskomittee Locog setzte zwei Apps auf, eine mit Resultaten, eine für Besucher der Spiele. Dies hatte wohl vor allem den Zweck, eine einzelne App nicht zu überfrachten. Andererseits: Die Verbindung zwischen den beiden Versionen war nicht immer stabil. Wer aus dem Kalender der Besuchs-App in die Live-Resultate springen wollte flog häufig heraus.

Die Funktionalitäten der Programme selbst aber waren ohne Fehl und Tadel. Laufende Wettkämpfe wurden beständig aktualisiert, jeder einzelne Athlet ließ sich mit einem Winz-Portrait anzeigen (hier wären mehr Informationen aber auch schön gewesen), die Wettkampfstädten und -Strecken wurden auf einer Karte inklusive eigenen Standort angezeigt. Anreisen konnten dank Vernetzung mit den ÖPNV-Linien im Vorhinein und aktuell geplant werden.

Sehr schön auch: Nutzer konnten „ihr“ Land wählen und bekamen dann die Erfolge der Sportler aus ihrer Nation gefiltert angezeigt sowie Push-Meldungen über Medaillen. Das einzige, was definitiv fehlte, war eine Verbindung der beiden Apps über ein Nutzerkonto: Wer die Wettbewerbe, die er besuchte, unter „My Games“ in der einen App ausgewählt hatte konnte diese Selektion nicht übertragen.

Kurz: Saubere Arbeit mit Ausbaumöglichkeiten. Spektakulär dagegen: Dieses großartige Tumblr-Blog zur Eröffnungs- und Schlussfeier – ein weltweites Musterbeispiel, wie sich Tumblr nutzen lässt.

Exzellent lief dagegen die Zuschauerinformation via Twitter. Neben dem Zentralaccount bekam jede Sportart ihren eigenen Account (hier zum Beispiel Rudern), Kameras in Wettkampfstätten tweeteten besonders spektakuläre Bilder (hier aus der Schwimmhalle), die Maskottchen Wenlock und Mandeville versuchten lustig zu sein. Besondere Aufmerksamkeit erregte die Kampagne „Get ahead of the Games„. Sie warnte Londoner wann und wo besonders viel in der U-Bahn los sein würde – natürlich auch über Twitter. Tatsächlich aber empfanden viele Besucher dies angesichts der entspannten Abläufe als Panikmache. Meistens war es überhaupt nicht voll, wenn GAOTG behauptete, es sei „especially crowded“. Was natürlich auch ein Zeichen dafür sein könnte, dass die Kampagne ihren Zweck erfüllt.

Überhaupt: Twitter. Wie selbstverständlich die britischen Transporteure den Dienst zur Live-Information ihrer Kunden nutzen – daran können sich ihre deutschen Pendants mal ein Beispiel nehmen. Egal ob Transport of London, National Rail oder die privatisierten Regionalgesellschaften: Twitter ist ein Alltagsinstrument im Königreich.

Das unterscheidet das Ausrichterland natürlich von Deutschland, wie schon ein erster Blick auf die Digital-Aktivitäten der deutschen Sportler vor den Spielen zeigte. Einige von ihnen aber erlebten während der Spiele ein facebookblaues Wunder – in Form gewaltiger Fanwachstums- und Interaktionsraten. Dabei geht die GoldGoldabersowasvonGoldmedaille an…

Turner Marcel Nguyen.

Mit Hilfe von AllFacebookStats (dicken Dank an die Unterstützung) gibt es hier nun also die erfolgreichsten deutschen Facebook-Olympioniken. Und der Silbermedaillengewinner am Barren und im Mehrkampf steigerte die Zahl seiner Fans auf Facebook (die ja offiziell nicht mehr so heißen) zwischen dem 23.7. und dem 14.8. um 261.878%. Nein, das ist kein Schreibfehler – sondern eine ganz normal erfolgreiche Facebook-Page eines neuen Stars.

Während Nguyens Seite in den Wochen vor Olympia 600 neue Fans pro Woche verzeichnete schoss dieser Wert ab dem 22.7. nach oben. Als Nguyen am 1. August Silber holt, ist kein Halten mehr.  Zwischen diesem Tag und dem 7.8. sammet er über 146.000 neue Anhänger ein, insgesamt nähert er sich der 200.000er-Marke. Und die machen derzeit fröhlich mit, jedes Status-Update sammelt vierstellige Like-Zahlen ein. Nächstes Projekt: Die Fans sollen am Coverbild der Seite mitarbeiten.

Dass es ein solches bisher nicht gibt zeugt von der eher unprofessionellen Herangehensweise an das Thema. Es war für viele Sportler wohl einfach nicht vorstellbar, wie viele Fans sie im Social Web erreichen können. Das gilt auch für die zweiten in dieser Disziplin: die Beachvolleyball-Herren Julius Brink und Jonas Reckermann. 37.973% mehr Fans zählen sie nun, insgesamt aber sind es im Vergleich mit Nguyen bescheidene 36.000. Auch die Gold-Sieger haben Nachbesserungsbedarf. So haben sie sich bisher nicht die durchgängige Vanit-URL gesichert, ihr Profilbild ist zwar schön – ist aber im Facebook-Nachrichtenstrom nicht auffällig genug. Bronze geht hier an die relativ kleine Seite der Stabhochspringerin Silke Spiegelburg, die keine 1000 Fans zählt.

(Details beim Klick auf die Grafik)

Kommen wir zur Aktivität der Fans. Hier werden die Zahlen überschaubar und beziehen sich wieder auf die Zeit zwischen dem 23.7. und 14.8. Gold in der Disziplin „Höchste Talking-About-This-Rate“ geht an….

Schwimmer Christoph Fildebrandt. 

Gemessen an der Zahl seiner Fans ist die Seite mit mageren 488 Likes winzig. Aber inhaltlich zählt Fildebrandt zu den FB-Musterathleten. Was er aus London berichtete war authentisch, hinter die Kulissen blickend und spannend. Weshalb seine durchschnittliche „Reden-Darüber-Rate“ bei 79% seiner Fans liegt. Dies gilt in jedem Punkt auch für den zweiten: Vierer-Ruderer Karl Schulze.   Rang drei geht auch hier an Silke Spiegelburg.

Zusätzlich errechnet AllFacebookStats noch eine Interaktionsrate. Dabei handelt es sich um die durchschnittliche Interaktion mit einem einzelnen Status-Update (und nicht wie oben mit der Seite an sich).

Der Sieger hier heißt… Maximilian Müller.

Allerdings hat der Hockey-Nationalspieler nur 16 Fans. Die aber reagierten eben bei allem, was er schrieb. Ähnlich verhielt es sich mit der Zweitplatzierten, der Kunstspringerin Katja Dieckow. Immerhin über 400 Fans zählt Ronald Rauhe, der sympathische Kanut im Zweier.  Die erste substanziell große Seite in diesem Ranking ist die von Tischtennis-Medaillensieger Dimitrij Ovtcharov. Auffällig: Es ist eine der wenigen Facebook-Pages deutscher Athleten, die offensichtlich von einer PR-Agentur betreut werden.

Schauen wir uns final noch die Einzelsieger an. Hier dominieren dann wieder die fanstärkeren Seiten. Am häufigsten kommentiert (1806x) und geliked (66.680x) wurde Marcel Nguyens Silbermedaille:

Bei den Shares dagegen lag mit 675 Teilungen Vielseitigkeitsreiter Michael Jung vorne – oder besser seine Goldmedaille:

Generell ist auf der Ebene der Einzelbeiträge die emotionale Ebene dominierend. Wann immer ein Athlet Erfolge verkündete sorgte dies für Interaktion. Nur eines konnte da mithalten: Spektakuläre Bilder wie das von Marcel Nguyen an den Ringen, das mit 610 Shares in dieser Kategorie Rang zwei belegte. Der Haken: Nguyen begeht mit seinen Bildern eine Urheberrechtsverletzung. Denn offensichtlich verlinkt er nicht Bilder auf anderen Seiten sondern lädt sie erst auf sein Profil hoch. Trotz der Quellenangabe dürfte dies nicht erlaubt sein – selbst wenn er auf dem Bild zu sehen ist.

Generell könnten die Spiele von London ein wenig was bewirkt haben in Sachen digitale Athleten. So mancher schien Facebook und Twitter für sich zu entdecken, die erhebliche Steigerung von Fan- und Followerzahlen dürften auch einen Motivationsschub bedeuten. Auffällig aber war, dass Sportler aus Großbritannien und den USA aktiver waren – jedoch oft auch unauthentischer. Bei Superstars wie Michael Phelps oder Ryan Lochte ist offensichtlich, dass PR-Leute die Accounts maßgeblich betreuen. Es ist also kein glänzendes Zeugnis, dass die deutsche Mannschaft erhält – aber es besteht ernsthaft Hoffnung, dass sich etwas tut.

Und nun amüsieren wir uns noch über diese wundervolle Satire-Seite: Mo Farrah running away from things.


Kommentare


Jan 14. August 2012 um 18:20

Das Problem mit den Bildrechten wird von Facebooks Mobil-Client (zumindest unter Android) geradezu gefördert, wenn nicht sogar forciert. Wenn man damit versucht ein Bild zu teilen, wird dieses automatisch erst herunter- und dann auf den eigenen Account wieder hochgeladen. Warum auch immer.

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Mehr verdienen 15. August 2012 um 12:27

In England kriegt man überall mit der Britischen Telekom an ich glaube 200.000 Wifi-Spots Wifi mit seinem normalen DSL-Vertrag. D.h. mit dem Ipad rausgehen ist kein Problem während hier United-Internet u.ä. bis heute sowas (oder auch VPN-Tarife für im Internet-cafe im Ausland) wohl nicht anbieten und auch die Handy-Shops kein WiFi anbieten obwohl die Handy-Anbieter ja wissen, wer man ist. Dank VPN weiss man ja wer der Störer ist und weiss gar nicht, welches Internet-Cafe er benutzt hat. Das Firmen-Tarife nur die offiziellen Firmen-Sites und M$-Update-Sites aufrufen dürfen, sollte klar sein und ist trivial.

Neulich hiess es irgendwo, das England 20% Twitter-Nutzung hätte. Türkei 30% ! und Deutschland 7%. Solch kleine Gruppen muss man nicht unbedingt bedienen. Du musst die deutschen 7% dann ja mit der Altersverteilung der Sportart korrelieren und siehst dann den Impact den Social Media hätte. In 1-2 Jahren wenn am SmarTV jede Hausfrau und Rentner Internet hat und sich die Sportberichte holt (die aktuell oft nur im Lokalradio, Lokal-Zeitungs-website und halt Spezialpresse usw. zu haben sind), sieht es anders aus und wer interesse hat, sollte es sich ansehen und dann langsam mitmachen und lernen. Wer-kennt-Wen wollte auf Vereine abzielen. Keine Ahnung was daraus geworden ist. Vielleicht sind ja auch Liga-Tabellen content-geschützt wie bei manchen UBahnen oder was auch immer.

Aber danke für die Statistik und Übersicht. Ich glaube eine der vor ein paar Tagen kritisierten Sportarten hat trotzdem gut abgeschnitten. D.h. die Internet-Nutzung in Verhältnis zur Medaillen-Zahl oder Zahl der Wettbewerbe an denen man teilnimmt wäre mal interessant.

Das Echtheitsproblem hat man auch bei Interviews usw. Johnny Depp meinte irgendwo im TV auf einem roten Teppich mal „wieso soll ich dazu etwas sagen wenn irgendwer es sowieso herumdreht und was anderes daraus macht“. Andere Promis meinen sowas wie „Früher habe ich auch alles geglaubt was in der … stand“.
Umgekehrt ist die Presse auch agressiv oder stellt (z.b. bei Börsengängen) wohl auch manche Fragen die der Manager wohl gar nicht beantworten darf! Die Fußballberichterstattung zeigt in jeder Saison die wahre Qualität und Leistung journalistischer Diplom-Studiengänge.
Und wenn meine Werbeverträge davon abhängen sollen doch vom Sponsor gestellte PR-Fuzzies sich was ausdenken. Ist mir doch egal wenn ich mir die Qualität der Berichte ansehe (wenn ich relevanter Sportler wäre). Qualität und Ehrlichkeit und Offenheit und Korrekte Berichterstattung bedingen einander.
Wer ist qualitativ hochwertiger bezüglich sachlich messbarer Dimensionen : Yellow Press oder Sport-Bericht-Erstattung ? „Heute schon wieder kein Baby. Deutsche Adelige im Nachwuchs-Ranking hinter …“ kriege ich da wohl nicht zu lesen.
Aussendarstellung ist Interessengetrieben. Also teilweise auch von den Stakeholdern (Familie, Partei, Geldgeber, Lobbyisten, Sponsor,…) beeinflusst.
Interessant wäre also wie man die Popularität mancher Sportarten erhöhen kann um damit etwas mehr zu verdienen.

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allfacebook.de | Auswertung: Der Facebook Medaillenspiegel der Olympischen Sommerspiele 2012 27. August 2012 um 11:26

[…] Die digitalen Olympischen Spiele: Facebook Statistiken der deutschen Athleten […]

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Social Olympics I: Die deutschen Vielseitigkeitsreiter im Web 2.0 « Kultur-Technik 27. August 2012 um 20:03

[…] der Sportler auf Facebook, der zu ähnlichen Ergebnissen kommt, gibt es bei Indiskretion Ehrensache. Auch Michael Jung findet Erwähnung. Share this:TwitterFacebookGefällt mir:Gefällt mirSei der […]

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