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Warum soll ich twittern? Das fragt mancher Journalist und möchte lieber gar keine Antwort.

Warum? Zum Beispiel, weil man ganz spontan zu einem Interview kommt mit einer Person, deren Journalistengesprächs-Termine bereits alle vergeben waren.

So ging es uns mit Dennis Crowley, dem Mit-Gründer von Foursquare. Am Rande der Picnic, dem großartigen Innovationsfestival, über das ich noch separat schreiben werde, war er der gefragteste Gesprächspartner für Journalisten. Nichts zu machen, ausgebucht, so wurde einigen der deutschen Medienvertreter gesagt.

Kleiner Einschub für die nicht-hypervernetzten: Bei Foursquare melden sich Nutzern auf ihrem Handy, unterstützt von der Satelliten-Navigation, an einem Ort an. Dies bekommen ihre Kontakte bei Foursquare selbst mitgeteilt, auf Wunsch aber auch alle, die mit ihnen bei Twitter oder Facebook verbunden sind. Wer am häufigsten an einem Ort eingecheckt hat, wird dessen „Mayor“. Außerdem können Abzeichen errungen werden, zum Beispiel für den, der sich mit 50 anderen Nutzern innerhalb einer Stunde am gleichen Ort anmeldet. Zu den Gründen, warum das Spaß machen kann und sogar hilfreich ist, lesen Sie bitte bei Mind the App. Die Nutzerschaft in Deutschland ist weiter klein – aber deutlich steigend. Derzeit würde ich auf rund 100.000 germanische Anwender tippen.

Crowleys Vortrag war gut. Klar, es ging um Foursquare. Doch was Gründer aus dem Silicon Valley von Europäern unterscheidet: Sie versuchen ihr Unternehmen zu verknüpfen mit größeren Dingen, mit dem wuchtigen Ganzen. Crowley fragte sich, ob ortsbasierte Dienste das Verhalten von Menschen und das Leben in Städten sich verändern kann.

Im Vortrag aber fehlte Christoph Salzig, Chef der Münsteraner PR-Agentur PR-IP das geschäftliche. Und so twitterte er an Crowley: „Schon mal dran gedacht Geld zu machen?“ Was er nicht erwartet hatte: Wenige Minuten nachdem Crowley die Bühne verlassen hatte, schrieb dieser zurück: „Oh ja, find mich und ich erzähle was über unsere Monetarisierungs-Strategie„.

Ein paar Tweets später hatten Christoph einen Termin – und ein Experiment am Hals.

Denn aus dem Einzelgespräch wurde ein Gruppeninterview mit Experimentcharakter. Wir filmten Crowley mit einer HD-fähigen Kodak Zi8, einer nicht-HD Flip sowie einem Iphone. Welche Kamera welche Bilder geliefert hat, ist leicht zu erkennen – die Kodak hat den kleinen Wettbewerb gewonnen. Und wir das waren neben Christoph Salzig. noch Daniel Fiene (Mayor of Sound), Markus Hündgen (Mayor of Schnitt), Frank Horn (Kamera-Premiere) und meine Wenigkeit.

Also: Monetarisierung ist noch nicht – aber eine deutsche Version wird geplant.

Doch aus dem Interview ließ sich noch etwas lernen, womit wir wieder bei den Journalisten wären. Weiterhin ist es mir ein Rätsel, warum so wenige Redakteure bei Interviews mit kleinen, handlichen Kameras arbeiten. Dabei geht es gar nicht darum, stundenlange Gespräche zu filmen. Aber fünf Minuten hinterher – das ist nur selten ein Problem. Und den Leser der Homepage freut es. Unser Experiment – das unter katastrophalen Sound und sehr, sehr roten Lichtverhältnissen stattfand – zeigt, dass mit Winzaufwand sogar einiges im Schnitt rauszuholen ist.

Allerdings: Genau diese Nachproduktion inklusive Schnitt sollten dann Spezialisten in Redaktionen überlassen bleiben. Ach ja, da ist ja der Haken: Die gibt es nur äußerst selten. Und so scheitert ein weiterer Schritt ins digitale Zeitalter wieder einmal an falsch eingesetzten Ressourcen.


Kommentare


Steve Gates 27. September 2010 um 13:51

Das beste Beispiel für wirklich gut gemachte Videos mit minimalem Aufwand ist für mich netbooknews.de – die bekommen informative Clips auch ganz ohne Schnitte hin und wenns dann mal doch einen Hänger gibt, tut es auch niemandem weh. Mein Tip für scharfe HD-Aufnahmen ist die Digitalkamera Sony DSC-TX7. Es gibt zwar nur wenige Einstellmöglichkeiten, dafür bietet diese Kamera Full HD-Video in einer Qualität, die von semiprofessionellen Digitalcamcordern kaum zu unterscheiden ist.

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Dirk Olbertz 27. September 2010 um 13:54

Hm. Ich möchte hier gerne dem Einsatz von Video widersprechen. Ich schaue mir so gut wie keine Videos an, eben weil die so viel Zeit kosten. Gerne hätte ich gelesen, was Dennis Crowley zu erzählen hat. Denn das kann ich schneller, als ich mir das Video anschauen kann.

Hinzu kommt, dass ich im Büro gar kein Audio zur Verfügung habe. Da fällt so ein Video in der Mittagspause auch flach.

Ich würde mir wünschen, dass sich die Macher von solchen Videos wie hier oben, mehr Mühe geben würden und ein Transkript davon in den Beitrag stellen.

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SvenR 27. September 2010 um 16:33

Ich finde das Video sehr gut. Wobei ich die Kernthesen auch gerne noch aufgeschrieben sähe. Und nun?

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So wird’s gemacht | killefit.net 27. September 2010 um 19:48

[…] Knüwer spricht mir in seinem Beitrag “Foursquare plant deutsche Version” in vielerlei Hinsicht aus der Seele. Weniger deshalb, weil es darin um ein Interview mit dem […]

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Rouven 27. September 2010 um 20:10

@Dirk: Ich habe Thomas‘ „fünf Minuten hinterher“ so verstanden, dass das Video ein zusätzliches Angebot zum transkribierten Interview sein soll. Und genau so würde ich es in einem Online-Beitrag auch begrüßen.

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Picinic – die Denkveränderungskonferenz 28. September 2010 um 11:48

[…] halbe vergangene Woche verbrachte ich auf der Picnic (wo auch das Interview mit Foursquare-Gründer Dennis Crowley entstand), es ist die eine Konferenz im Jahr, die ich nicht missen möchte. Das liegt zum einen am […]

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Dirk Olbertz 28. September 2010 um 12:57

@Rouven: Naja, es ging mir um das Video hier und da sehe ich kein Transskript. Soviel zu „eat your own dogfood“.

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Christian 30. September 2010 um 4:36

Schade – mich hätte das Interview auch sehr interessiert, aber Video fällt für mich auch flach, a) wg. generell kaum Zeit für Videos, b) wg. unterwegs und Videowiedergabe nicht verfügbar.

Es wundert mich eigentlich, dass Videos so oft auf Nachrichtenseiten verwendet werden – ich schau sowas eigentlich nie an, viel zu unpraktisch und langwierig. Lieber einen gut geschriebenen Bericht und ein paar gute Fotos.

Aber trotzdem danke für die schöne Story.

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Christoph Salzig 21. Oktober 2010 um 13:28

Das Tagesgeschäft ist mitunter brutal. Und so hat es leider lange gedauert, das Interview mit DennisCrowley zu verschriftlichen. Nun aber ist es da. Die ONEtoONE hat hierfür den nötigen Platz geboten, um die Essenz des Interviews auch außerhalb der Blogosphere publik zu machen: http://bit.ly/9qea3w

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Links zum Vortrag über geosoziale Netzwerke | Susanne & Norbert Hayduk 18. Juli 2011 um 12:37

[…] Foursquare plant deutsche Version […]

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