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Ich bin kein Freund der öffentlich-rechtlichen Sender, das ist ja nichts Neues. Heute morgen fühle ich mich wieder einmal bestätigt durch einen Artikel in der „Süddeutschen Zeitung“. Dürfte Peter Boudgoust bei der „Zeit“-Rubrik, in der Prominente ihre Träume beschreiben, mitmachen, dann sähe sein Traum wohl so aus: Alle bewegten Bilder kämen nur noch von der ARD. Egal, ob im TV oder im Web. Keine private Konkurrenz mehr und keine Meinungsvielfalt. Alles schön einheitlich. Finanziert durch die Gebührenzahler, also alle Bürger. Abgesehen von dem Teil, der über Werbung reinkommt, natürlich, irgendwie wollen Sportschau und Florian Silbereisen ja bezahlt werden.

Für mich deckt sich dies nicht mal ansatzweise mit dem Selbstverständnis, das eine öffentlich-rechtliche Institution hegen sollte. Sie sollte sich als Diener der Bürger, der Gesellschaft und der Demokratie verstehen. Und nicht als Krake, die versucht ihren Einfluss zu vergrößern.

Wie ich gerade auf Herrn Boudgoust komme? Durch einen Beitrag, den er der „Süddeutschen Zeitung“ schrieb. Dort bot er den Zeitungsverlagen eine Art Kooperation an: Sie könnten doch, statt eigene Bewegtbilder zu produzieren, Beiträge der öffentlich-rechtlich finanzierten Privatsender übernehmen. Aber natürlich:
„Über die Details muss man reden…“

Nein, Herr Boudgoust, da muss man nicht reden – sondern einfach machen. Einfach die Beiträge, die von den Bürgern doch finanziert wurden, in Videoplattformen stellen und frei verteilbar machen. Es müssen ja keine Anbieter sein, die dort Werbung platzieren. Ich bin sicher, da setzt Ihnen flott jemand was auf. Stattdessen aber verschanzen sich die GEZ-Paten hinter Seiten, auf denen der Inhalt zwar teilweise angeschaut werden kann – aber eben nicht an anderem Ort eingebunden.

Und was gäbe es da zu reden, über Details, Herr Boudgoust? Etwa Lizenzgebühren? Nein, kann nicht sein, schließlich behaupten sie ja selbst:
„…klar aber ist: ARD und ZDF wollen im Internet kein Geld verdienen…, sie sind ja durch Gebühren finanziert.“

Nein, sind sie nicht. Sie sind durch Gebühren mit-finanziert. Und offensichtlich darauf bedacht, möglichst viel Macht zu erringen. Freuen wir uns also auf die Allgegenwärtigkeit öffentlich-rechtlicher Qualitäten. Wie jüngst jene bizarre Report-Reportage über Handy-Strahlung, zu der die Redaktion keine Stellung nehmen möchte. Vielleicht hätte man das ja an die Radio-PR-Agentur abgeben können.

Aber nun denn, lieber Herr Boudgoust. Wie wäre es denn mit einem Alternativvorschlag: Alle Zeitungsverlage verpflichten sich, öffentlich-rechtliche Videobeiträge auf ihren Seiten zu platzieren. Nicht exklusive, so weit wollen wir nicht gehen. Aber sie tun es. Und im Gegenzug verabschieden sich die öffentlich-rechtlichen Privatsender, also auch Ihr Haus, von jedwedem Werbeblock und jeder Art von Sponsoring.

Ach, da gäbe es keine Fußball-WM mehr und kein Olympia? Keine große Volksmusiksendung mehr und keine Madonna auf „Wetten, dass…?“ Tja, dumm. Aber Sie wollen doch nicht behaupten, Ihr Haus sei der Quote verpflichtet?


Kommentare


Kurt 1. November 2007 um 15:33

Ganz klar: Das Internetangebot der Öffentlich-Rechtlichen ist noch stark ausbaufähig. Aber was soll denn jetzt der Vorwurf mit der Handy-Strahlung? Der kann ja nicht stellvertretend für die Qualität öffentlich-rechtlicher Politmagazine sein!

Wenn als die ÖR-Sender alle blöd, inkompetent, lügnerisch und sonstwas sind, dann können wir ja für die anspruchsvollen Fernsehzuschauer unter uns die Nachrichten- und Politikkompetenz den Privatsendern überlassen. Es soll ja auch Leute geben, die Herrn Jauch für einen kompetenten Polit-Talker halten. Immerhin hat er ja auch mal ab und zu Hunde und Katzen bei Stern TV und ist deshalb den Umgang mit hohen Tieren gewohnt.

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Andreas F. 1. November 2007 um 16:28

> \“Keine große Volksmusiksendung mehr …\“
Ach wär das schön, dann würde ich vielleicht auch mal wieder bei Gelegenheit einschalten.

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hape 1. November 2007 um 17:42

Noch etwas stimmt an dem Boudgoust-Beitrag nicht: Er behauptet, Zeitungen, die Videos auf ihren Website bereitstellen, würden bereits Rundfunk machen. Gebührenrechtlich ist das nicht so, da als Rundfunk nur der nicht-zeitversetzte Empfang (Auch Aufzeichnung) von Rundfunkprogrammen gilt. Auch verfassungsrechtlich erfüllen Videoangebote von Websites nicht die Rundfunkanforderungen. Das ist auch besser so für die Gebührenanstalten, denn gäbe es an jeder Ecke Rundfunk im Internet und damit eine Vielfalt wie im Zeitungsmarkt, sähe es schlecht für die Rechtfertigung der Anstalten und der gebühren aus.

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Thomas Knüwer 1. November 2007 um 19:01

Vielleicht glaubt Herr Boudgoust ja, Internet sei Funk, weil er Wlan hat.

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Claus the mouse 1. November 2007 um 20:33

Ich habe den Artikel gelesen. Unglaublich die Denke dahinter. Allein schon die Bemerkung mit dem imperialen ÖR-Anspruch: \“Ganz recht. Was die Verleger mit Onlinezeitung meinen (und machen), ist Rundfunk im Internet. Darin liegt kein Vorwurf (Du bist ein richtiger Gönner, Peter!) Warum sollen wir etwas dagegen haben, dass auch die Zeitungen Videos ins Netz stellen?\“

Da macht doch eigentlich jemand was Verbotenes, indem er Geld mit etwas verdient, was eigentlich den ÖRn gehört, die Geschäftsidee, das Geld und die journalistische Leistung dahinter, oder???!!! Und weiters kann das nur heissen, dass da dem Gesetzgeber etwas aus dem Ruder gelaufen sein muss. Etwas verschlafen, nicht wahr! Da das nun aber schwer zu korrigieren ist, bleibt nur das Lamento und man versucht sich ins Geschäft zu biedern.

Lieber Peter, Deine Äusserungen extrapoliert, können nur bedeuten, dass das GG mit Artikel 5 völlig daneben liegt und dringend einer Aktualisierung in Deinem Sinne bedarf: 1. Berichterstattung ist eine Erfindung der ÖRn. und 2. auf alle Berichterstattung ist daher auch im web eine Lizensgebühr zu erheben. Naja, 2. wurde bereits wahr. 1. ist wohl dann nur noch reine Formsache. Irgendwann. Aber fest im Visier.
Wir sind mal wieder ganz unten angekommen. Aber fällt ja nicht mehr auf. Im Gegenteil, alles andere fiele heraus. Der Peter dann auch.

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Alexander 1. November 2007 um 23:13

Nur, dass ich es richtig verstehe: Du forderst, öffentlich-rechtliche Inhalte verstärkt frei ins Netz auf Videoplattformen zu stellen? Also genau das, was die Verlegerverbände verhindern wollen?

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Thomas Knüwer 2. November 2007 um 0:09

Alexander, ja, ich finde die Inhalte von ARD und ZDF sollten frei verfügbar ins Netz gestellt werden. Aber so, dass sie jeder auf jeder Seite einbinden kann.

Und im Übrigen hatte ich ja schon mal geschrieben: Ich bin immer für Konkurrenz. Aber Konkurrenz unter fairen Bedingungen. Und fair sind sie nicht, wenn privat finanzierte Unternehmen sich messen müssen mit öffentlich-rechtlich massiv subventionierten Unternehmen.

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Fredsen 6. November 2007 um 9:45

Lieber Thomas Knüwer, offenbar scheint es mit Deinem Wissen nicht weit her zu sein. Manchmal kommt es einem gar billig und einfach vor, wie Du hier auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk losgehst. Vielleicht solltest Du Dir mal die Investitionen Deiner eigenen Zunft in das Online-Geschäfts näher ansehen.

Vielleicht gehst Du auch einfach nur der Argumentation der Verleger auf den Leim. Die wollen in erster Linie Geld verdienen. Und da kommt es natürlich gar nicht gut, wenn die Öffentlich-Rechtlichen hochwertige Inhalte im Netz kostenlos anbieten. Denn das stört nur die Bestrebungen Deines Hauses und der anderen verlage. Und wie Du sicherlich weißt, sind die Internetangebote der \“Öffis\“ werbe- und sponsoringfrei. Wieso also die ganze Aufregung?

Laß uns doch endlich mal über die Fakten reden anstatt zu polemisieren.
Den Verlagen geht es um die Abschottung eines in der Zukunft sehr lukrativen Werbemarktes. Da stören die Öffentlich-Rechtlichen mit ihren Inhalten nur.

Vielleicht schaust Du Dir einfach mal an, welche Beteiligungen allein Dein Mutterhaus hält: (dies ist nur ein Auszug (Quelle: Internet)):

Handelsblatt online
firmenwissen.de
genios.de
handelsblatt.de
vhb.de
wiwo.de
karriere.de
nature.com (Web-Portal für über 60 Zeitschriften)
AVE Gesellschaft für Fernsehproduktion (sämtliche TV-Aktivitäten, auch für ARD und ZDF)
Ave.de
immowelt.de
stellenanzeigen.de
autoanzeigen.de
motoso.de
markt.de
dzf.de
fewoanzeigen.de
trauer.de
Audible.de
DaWanda
e-fellows.net
GameDuell
Experteer
Epuls
erento.com
Gute Laune TV
Imagekind
Innofact
Mindmatics
My-Hammer
newtron
Ozon.ru
Panelbiz
Parship
Six Offene Systeme
StudiVZ
Virtual Nights
webnews
Allesklar.com
bol.com
buecher.de
habostorta.hu
myphotobook
Parship
StudiVZ
Arztpreisvergleich.de
Autoplenum.de
Fantastic Zero
groops
Gutefrage.net
Helpster.de
Pointoo
tonNetz.de
vertical commerce

Diese Liste lässt sich übrigens beliebig mit den anderen Verlagshäusern fortsetzen. Aber natürlich auch mit RTL und ProSiebenSat1.

Was ich damit sagen will?

Man sollte vorsichtig sein, wenn man ARD und ZDF Expanionsstrategie vorhält. Denn allzu leicht wird man da vor den Karren der Verleger gespannt, wie der Fall Knüwer zeigt.

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dogfood 6. November 2007 um 10:31

@Fredsen: der Vergleich hinkt, da Expansion nun mal in der Marktwirtschaft zu einem privatwirtschaftlichen Unternehmen dazu gehört, im Gegensatz zu Öffentlich-Rechtlichen Unternehmen, die nur eine \“Grundversorgung\“ leisten sollen und über Zwangsgebühren finanziert werden.

Das Problem an den Blogeintrag bzw. der dahintersteckenden Einstellung von Thomas Knüwer scheint mir eher an zwei Stellen zu stecken.

Zitat \“ja, ich finde die Inhalte von ARD und ZDF sollten frei verfügbar ins Netz gestellt werden. Aber so, dass sie jeder auf jeder Seite einbinden kann.\“
Allen die sich ein bißchen mit der Thematik beschäftigen, dürften die Gründe bekannt sein, warum dieses nicht so ohne weiteres machbar ist, nicht zuletzt auch dank der beschnittenen Resourcen von ARD/ZDF durch das Aufheulen der Privatwirtschaft.

Auf der anderen Seite müssen sich ARD/ZDF Konzeptlosigkeit vorwerfen lassen, wenn die diversen Jugendsender der ARD jede Woche neue Streams auf den Markt werfen (wieviele R\’n\’B-/Urban-Music/Club–Streams gibt es eigentlich inzwischen von YouFM, EinsLive, Fritz, N-Joy und DasDing???), gleichzeitig aber von zahlreichen Sendungen wie das neue \“Sport Inside\“ nicht ein Jota Videoschnippsel im Netz zu finden ist.

Das zweite Problem hinter Knüwer bzw. den Protesten der Medienunternehmen: es gibt seit mehr als zwanzig Jahren Privatfunk/-TV in Deutschland. In diesen 20 Jahren ist es unter verschiedensten Bedingungen nicht gelungen in bestimmten Bereichen Sender zu etablieren. Das was die Privatwirtschaft sei es im Radio oder im TV an Nachrichtensender oder Informationsangeboten außerhalb des Dokubereiches anzubieten hat, ist der völlige Offenbarungseid.

Auf vielen Feldern expandieren ARD und ZDF nicht, sie besetzen von der Privatwirtschaft freiwillig geräumte Felder (an dieser Stelle kann auch auf die obige Liste der Holtzbrinck-Expansionen verwiesen werden, von denen nur die wenigsten etwas mit dem ursprünglichen Fokus der Holtzbrinck-Gruppe zu tun haben).

Und wo ARD/ZDF auf Konfrontationskurs mit etablierten privaten Angeboten geht, sollte die Privatwirtschaft genügend Selbstbewusstsein haben und auf ihre Kraft vertrauen. Schließlich bekommen wir von den gleichen Leuten permanent zu hören, wie behäbig und parteipolitisch vorbelastet die Apparatschicks von ARD/ZDF sind.

Stattdessen kommen Leute wie Schäferkordt und verlangen Artenschutz. Soviel zur Wettbewerbsfähigkeit deutscher Medienunternehmen.

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Thomas Knüwer 6. November 2007 um 11:27

Ihre Argumentation, lieber Fredsen, ist bemerkenswert. Nehmen wir einmal an, Sie wären Betreiber eines Tante-Emma-Ladens. Natürlich wollten Sie Gewinn machen und das möglichst viel – das ist eben das Ziel eines Geschäfts. Nebenan aber macht ein neuer Laden auf. Mitfinanziert von der Stadt. Somit kann er sein Angebot erweitern und bessere Preise bieten. Die Stadt begründet das mit der Grundversorgung der Bürger mit Lebensmitteln.

Ich bin mir sicher, lieber Fredsen, das würde Sie freuen.

Oder?

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Sebastian Olényi 7. November 2007 um 10:32

Lieber Thomas Knüwer,

ich würde mich über den Laden freuen, wenn er etwas bietet, was der Tante-Emma-Laden nicht anbietet, vielleicht weil es keine Rendite bringt. Qualität. Transfair-Artikel zum Beispiel. Und wenn er dabei keinen Gewinn macht, ist das völlig ok. Wir müssen nur drüber reden, was denn diese Qualität ist und wie viel Qualität wir wollen und wo es einfach nur Konkurrenz ist.

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