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Also, für alle, die es noch nicht gesehen haben, dieses Meisterstück an Mediensatire, sei noch einmal die Redaktionskonferenz von „Vanity Fair“ gespielt von Niels Ruf verlinkt. Obwohl sie von der Realität nochmal links überholt wird. Weshalb langweilt uns Sat 1 immer noch mit seinem Katastrophen-Comedy-Freitag? OK, es langweilen sich nur die, die Freitags nichts Besseres zu tun haben, als sich diese Grütze anzutun.

Dabei entstehen doch an das Haus angebundene Produktionen von hohem Lachwert. Zugegebenermaßen lachen wahrscheinlich nur Medienvertreter über die von Niels Ruf inszenierte „Vanity Fair“-Redaktionskonferenz. Die aber lachen richtig.

Dass wir das können, verdanken wir dem Kress-Report, der das Video verlinkt hat. Was beweist, wie unwissend Sat 1 in Sachen Videoplattformen ist. Zwar stellen sie einige Ruf-Clips in ihre Tochter Myvideo. Aber einen solchen Film mit hoher Viral-Kraft innerhalb einer Internet-affinen Branche – den lassen sie weg. Dummheit pur.

Doch schon ist dieses Video nicht so abstrus wie die Realität bei „Vanity Fair“. Das Cover der zweiten Ausgabe wirkt wie ein Abklatsch des Männermagazins „Matador“ und abgesehen von Kleinigkeiten wie einer falschen Seitenzahl auf dem Cover, gibt es diesmal eine wirklich, wirklich unglaublich bizarre Fotostrecke des ehemaligen österreichischen Finanzministers Karl-Heinz Grasser und seiner Fiona Swarovski.

Wohlgemerkt: Der Mann möchte nach einer Pause in die Wirtschaft. Ich freue mich schon auf ihn als Führungspersönlichkeit, wenn in jedem Büro der Mitarbeiter diese Fotos hängen.

Mein persönlicher Höhepunkt aber ist ein Weblog. Ja, auch die „Vanity Fair“ blogt jetzt. Leider nicht Ulf Poschardt selbst, der Chefredakteur mit der schönen E-Mail-Adresse posh@… Nein, die „VF“ lässt bloggen. Einen Dichter. Rainald Goetz heißt er und erinnert mich wieder einmal daran, warum ich mit Lyrik nie etwas anfangen konnte.

Hier ein Auszug:

„Exorealismus
Brutalorealismus
Idealo- kontra-
Kontrarealism

Der politische Körper der Macht, präsentiert von einer Frau: nicht nur das Bild davon ist noch unbestimmt, auch das reale Interaktionsgeschehen in kleiner Gruppe reagiert alarmiert, verunsichert vom unbekannten Körper FÜHRENDE FRAU. Merkel bei den Saudis.
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drunten, draußen
GREYHOUND

I deteste, I hate, I am disgusted
disgusted by the trottelei
the trottelei of – more
and more of –

Freitagabend, Basso: B, C, D, E, A in lockerer Runde, die KRAKE, sehr viel Grinsen, sehr viel gute Laune, Glamour, Angst. Die falschen Leute nehmen sehr viel F. Leise sitzen G und H im Eckchen, flüstern, zeigen Nähe und genießen die sie umgebende Aura der Intriganz. Klatschreporter M wackelt dominant durch den Raum, er kommt vom Gegenkosmos K, wird von N geschnitten. Huh.
Stunden später. Auf Zehenspitzen schweben L, O, A über die von jahrelanger Übung überbreit planierten Pisten substanzeninduzierter Redundanz, nichts hoch nichts im Kopf mal wieder, in richtung Wochenendenhochbeginn.
Montagmorgen aber werden alle –
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Textentzug durch Reden, Argumentverbesserung.

dieser wilde Fluss von Ideen vor mir“

Die Redaktionskonferenz, in der dieses Blog beschlossen wurde – die hätte ich wirklich gerne gesehen.


Kommentare


Daniel 15. Februar 2007 um 11:57

Ein Blick in die Buchfassung eines der ersten deutschen Weblogs hat sicher ausgereicht, die Redaktion zu überzeugen: Rainald Goetz, Abfall für alle.

Da steht viel gutes drin. Goetz wird sicher auch viel gutes in dem Blog schreiben. Was der/das aber bei Vanity Fair soll, bleibt sicher ein Rätsel.

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björn 15. Februar 2007 um 12:13

Der lebt noch? Seine Traktate in der Frontpage Mitte der 90er waren in der Tat bizarr aber durchaus lustig zu lesen *g*

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marcel weiss 15. Februar 2007 um 13:03

Goetz wieder bloggen lassen. So schlecht ist die Idee nicht.
Vanity Fair ist insgesamt aber schon ein sehr bizarres Konstrukt.

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schaefchen 15. Februar 2007 um 14:15

Diese Fotostrecke von Grasser ist wirklich extremst bizarr. Weiter so!

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Marc 15. Februar 2007 um 15:55

Großartig, danke! (\“Ich bin der Ulf und ich bin weg\“)
Wie wäre es mit einer \“Monocle\“ Blatt-Kritik?

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Yetused 15. Februar 2007 um 16:47

Schön ist auch die Erklärung des Ex-Finanzministers für dieses Fotoshooting: \“Er wollte sich mal wie eine Frau fühlen.\“

Jupp. Schon klar.

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Lotree 15. Februar 2007 um 17:43

Goetz schreibt da doch keine Lyrik.

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niels | zeineku.de 16. Februar 2007 um 8:48

Da muß ich meinen Vorrednern beipflichten. Nach dem, was ich bisher von Goetz gelesen habe, ist er genau der richtige fürs Bloggen.

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Jochen Reinecke 16. Februar 2007 um 16:47

Rainald Goetz hat mit ABFALL FÜR ALLE schon gebloggt, als Sie noch nicht mal wussten, was das ist. Da würde ich mal das Mündchen nicht ganz so voll nehmen.

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Jochen Reinecke 16. Februar 2007 um 16:48

Im übrigen möchte ich nochmal ausdrücklich die Kryptik als solche verteidigen. Gerade in Weblogs.

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Don Alphonso 16. Februar 2007 um 17:26

Stimmt, das ist so lang her, da hat sich Jochen Reinecke auch noch nicht als Astrologie-Abkassierer betätigt. Kryptisch genug?

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mark793 16. Februar 2007 um 18:13

Herr Reinecke, einen Sachzwang, das Goetzsche Geschwurbel gut finden zu müssen, würde ich selbst dann nicht sehen, wenn er bereits gebloggt hätte, als Herr Knüwer noch im Morula-Stadium zellteilte. Das ist so ziemlich das schwächste Argument, das man für die aktuellen Ergüsse von Rainald Goetz anführen kann.

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Alleswasrechtist 22. Februar 2007 um 18:05

Die gespielte Konferenz ist ganz großes Kino. Ganz ganz großes Kino.

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