Das Digitale Quartett #60: Live von der SXSW

by Thomas Knüwer on 9. März 2014

In diesen Tagen treffen sich in Austin 30.000 ganz normale Menschen, also Leute, die ständig in ihr Smartphone gucken, zur größten Internetkonferenz der Welt, der SXSW Interactive.

Und wir senden live aus dem Deutschen Haus mit Publikum und interessanten Gästen aus der ganzen Welt.

Leider wackelte das Wlan im Deutschen Haus gewaltig, so dass es zu Aussetzern kam. Dickes Sorry – ließ sich aber leider nicht besser machen. Deshalb nehmen wirdie Aufzeichnung vom Netz.

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Was Verlage von Getty Images lernen können

by Thomas Knüwer on 6. März 2014

Heute Nacht gab es eine kleine Medienrevolution. Um die zu begreifen, schauen Sie bitte auf das folgende Foto…

Tolles Bild, oder?

Es stammt aus der Datenbank von Getty Images, einem der besten, vielleicht dem besten Fotodienstleister der Welt. Laut The Verge ist es auf jeden Fall die größte derartige Datenbank. Und wer so tolle und aktuelle Bilder vermarktet, der darf dafür auch einen satten Preis aufrufen.

Somit ist Getty unerschwinglich für kleinere Seiten oder Blogs, die sich vielleicht gerade mal kleine Discount-Anbieter wie Shutterstock oder Istock leisten.

Bis jetzt: Denn nun hat sich Getty zu einem Zug entschlossen, der seine Bilder zu den beliebtesten bei kleinen Blogs machen könnte.  [click to continue…]

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Zeitungssterben, nächste Runde: “Abendzeitung”

by Thomas Knüwer on 5. März 2014

Heute tut mir ein Mensch besonders leid: Arno Makowsky, Chefredakteur der “Abendzeitung”.

Im Mai 2011 saßen wir auf einem Podium beim der Veranstaltungsreiche Mediacoffee und diskutierten über die Zukunft der Medien. Und Makowsky habe ich als sehr angenehmen und sympathischen Menschen in Erinnerung.

ots.Video: "Expedition ins Ungewisse": dpa-Tochter news aktuell setzt Diskussionsreihe Ÿber Zukunft der Medien fort

Heute nun wird bekannt: Die “Abendzeitung” meldet Insolvenz an. Und diese Pleite zeigt, was deutschen Zeitungsverlagen als nächster Schritt bevorsteht: Untergang mangels Finanzierung. 70 Millionen Verlust sind seit 2001 aufgelaufen, 10 Millionen allein im vergangenen Jahr. Die Verlegerfamilie zieht nun die Reißleine, denn die Hoffnung, dass ein anderer Verlag die “AZ” kaufen könnte, hat sich zerschlagen. Und dass angesichts dieser Zahlen eine Bank noch Geld gibt, erscheint wenig wahrscheinlich.

Bei jenem Mediacoffee sprach Makowsky, wenn ich mich recht erinnere, in druckreifen Sätzen. Er gab keinerlei Dummheiten von sich, war souverän und höchst talkshowgeeignet. Nur: Innovative Idee kamen eben auch nicht von ihm. Während Richard Gutjahr Vorfreude auf die Zukunft ausstrahlte, wirkte Makowsky eher wie ein journalistischer Rheinländer mit dem Motto “Et hätt noch immer jotjejange”.

Genau so steht die “AZ” auch heute da. Sie ist – immer betrachtet aus der Sicht eines Düsseldorfers, der sie bei häufigen Besuchen in München in die Finger bekommt – die vielleicht anspruchvollste Boulevardzeitung Deutschlands. Doch darüber hinaus, im Digitalen, passiert viel zu wenig. Die Homepage ist bestenfalls Mittelmaß. Die Handy-App verzeichnet laut dem zuverlässigen Marktforscher Xyologic magere 1.900 Downloads auf Android und rund 21.000 auf iOS. Allerdings wird die Apple-Version alles andere als gut bewertet.

Auf Facebook zählt das Blatt knapp über 20.000 Likes mit einer guten Aktivierungsrate von rund 12 Prozent. Teils aber kamen über Wochen keine Fans hinzu, die Nachrichtenauswahl wirkt eklektisch, mit Fotos oder anderen Formaten als Likes wird nicht gearbeitet. Auf Google+ sind es gerade mal 509 Mitleser und hier wird mal was gepostet, wenn Zeit ist. Auf Twitter gibt es immerhin rund 14.000 Follower. Auf der Homepage ist ein Facebook-Widget eingebunden, G+ textlich verlinkt, auf Twitter wird gar nicht hingewiesen (oder übersehe ich dies?).

Das alles ist OK. Aber OK reicht heute eben nicht mehr, will man ein Zeitungsunternehmen am Leben erhalten. Die “Abendzeitung” ist ein Musterbeispiel für die Lage der täglich erscheinenden Totholzmedien: Seit Jahren sinkt die Auflage, mit ihr die Werbeeinnahmen, woraufhin die Kosten gekürzt werden, was die Qualität senkt, so dass noch mehr Leser gehen und die Auflage in die Todesspirale schwenkt.

Spricht man Lokalverleger auf solch eine Lage an, ist schnell die Rede von “notwendigen Konzentrationsprozessen”. Und davon, dass das böse, böse Kartellrecht ja Fusionen verhindere. Tatsächlich glaube ich, dass Verleger wie Dirk Ippen, der genau so bei einem anderen Podium, auf dem ich auch saß, argumentierte, dies glauben: Das Heil ist die Konzentration in großen Zeitungskonzernen.

Doch dies wird nicht die Erlösung bringen. Denn auch die großen potenziellen Aufkäufer sind längst dabei, das Wasser aus dem Bug des sinkenden Schiffes zu schüppen. Nehmen wir nur DuMont: Die Eigenkapitalquote der Kölner liegt bei existenzgefährdenden 10,5 Prozent. Oder die Ex-Waz-Funke-Gruppe in Essen – spätestens seit dem Deal mit Axel Springer hoch verschuldet.

Selbst jene Häuser, die noch nicht tief in den roten Zahlen stecken, werden Aufkäufe nicht bewältigen können. Denn sie haben eben nicht cash gehortet und bräuchten zur Finanzierung einer Übernahme Bankkredite. Doch welche Bank mag noch Geld an einen Zeitungsverlag geben?

Was wir heute mit der Abendzeitung sehen ist der Vorbote der nächsten Stufe des Zeitungssterbens: Es ist die bittere Erkenntnis der selbständigen Verlegerfamilien, dass niemand da ist, der sie rauskaufen möchte. Weshalb irgendwann nur die Insolvenz bleibt.

Denn seien wir ehrlich: Wer glaubt noch, dass die Verlagskonzerne eine Wende schaffen? Dass sie mit einem Mal zu digitalen Innovationshäusern werden?

Karsten Lohmeyer ist noch da optimistischer als ich. Er schreibt bei Lousy Pennies zur Insolvenz der “Abendzeitung”:

“Wer jetzt als Verleger noch Geld in der Kriegskasse hat, sollte sich ganz schnell überlegen, wie er sein Haus zum Innovationshaus abseits seiner etablierten Marken machen kann. Warum nicht etwa ein paar Projekte von journalistischen Bloggern mit ein paar LousyPennies und betriebswirtschaftlicher Komeptenz unterstützten und mal sehen, was passiert? Warum kein deutsches watson.ch schaffen? Ein de Correspondent?

Wohin es führt, weiter Millionen in überholte Geschäftsmodelle zu stecken, hat man an der Abendzeitung gesehen. Ich glaube, dass man nur mit einem Prozent der kolportierten Verlust-Summe von 70 Millionen Euro ein tolles Projekt hätte auf die Beine stellen können, das die Zukunft der Marke Abendzeitung hätte sein können – oder zumindest des Verlages.”

Ich bin Münsterländer und deshalb von Geburt an pessimistischer. Seit 30 Jahren sinken Zeitungsauflagen, seit 15 Jahren könnten die Verlage wissen, dass digitale Technologie ihr Kerngeschäft von Grund auf verändern wird. Passiert ist – verdammt wenig. Und jetzt haben sie kaum mehr Raum, um zu manövieren.

Foto: OTS/news aktuell

Nachtrag vom 6.3.14: Nun spricht der “AZ”-Verleger Werner Friedmann in de “Süddeutschen”. Und was Turi2 daraus zitiert, strotzt nur so vor Arroganz. Da kritisiert er die “Süddeutsche” allen Ernstes, dass die sein Blatt nicht kaufen wollte. Dann habe die Druckerei viel zu viel Geld verlangt (wer hat denn den Vertrag verhandelt). Wenn die nun wegen der “AZ” über die Isar ginge, ist ihm das egal, denn sie habe gutes Geld verdient. Und mit einem Mal wird aus einem liberalen bis linken Verleger ein vergrätzter Marktradikaler.

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Finanzblog-Award 2014

by Thomas Knüwer on 5. März 2014

COMD_LABEL_PUBLIKUMSPREIS_2014Seit einigen Jahren bin ich Mitglied der Jury des Finanzblog-Awards der Comdirect. In diesem Jahr gebe ich erstmals den Jury-Vorsitzenden. Ich mag diesen Preis, weil er eine bestimmte Nische auszeichnet, die häufig genug in Deutschland nicht beachtet wird – obwohl es eine steigende Zahl und eine steigende Qualität im Bereich der Finanz- und Wirtschaftsblogs gibt.

Derzeit läuft gerade die Abstimmung zum Publikumspreis und ich würde mich sehr freuen, wenn viele von Ihnen, liebe Leser, mitmachen. Sie können dies unter diesem Link tun. 

Vielen Dank!

Und vielleicht sehen wir uns bei der Verleihung des Preises im Rahmen der re:publica?

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ZDF: Wirtschaft? Nein, danke, kein Bedarf.

by Thomas Knüwer on 4. März 2014

Dies ist der Geld-Teil der “Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung”. Nein, nicht der vom Frühjahr 1999 – sondern der vom 2. Februar 2014:

fas internet aktien

“Reich werden mit Internetaktien”. Dazu BOOM, BANG und das FÜLLENSIESICHDIETASCHEN fiel wahrscheinlich nur der Ästhetik zum Opfer.

Nun bin ich überhaupt kein Freund davon, Web-Unternehmen an der Börse zu verdammen. Tatsächlich kann man mit ihnen gutes Geld verdienen. Doch sind sie eben ein riskantes bis hochriskantes Investment, so wie die Anteile anderer Unternehmen aus nicht-gefestigten Märkten, zum Beispiel Biotech oder Emerging Markets.

Der Artikel mischt dann bunt alles durcheinander: Apple wird zum Internet-Unternehmen und vor allem wird der Bereich Mobile munter in dieses Segment geworfen. Klar, gegen Ende werden noch kurz EM-TV und AOL gestreift. Doch insgesamt bejubelt der Text Internetaktien in einer unreflektierten Art, die man seit 2002 für ausgestorben hielt.

Für mich ist das symptomatisch: Es fehlt in Deutschland massiv an gutem Wirtschaftsjournalismus außerhalb der Branchenberichterstattung für Profis. Ich sehe derzeit kaum eine Redaktion, die systematisch versucht, Wirtschaft ohne Thesen und Zuspitzungen jenen zu erklären, die keine Wirtschaftsexperten sind. Dieser Erklärmangel ist nicht neu. Neu ist aus meiner Sich jedoch, dass Publikatoren außerhalb der Wirtschaftsmedien mit Mitteln des Boulevard Berichterstattung über Märkte und Unternehmen betreiben.

Dabei wächst die Bedeutung der Wirtschaft. Zum Beispiel steigt die Notwendigkeit der privaten Altersvorsorge, während das Handeln von Unternehmen mehr als früher Gesellschaft und Politik beeinflusst – gerade durch die Digitalisierung unserer Welt.

Erklären aber mag das anscheinend kaum noch jemand. Als Testat dieser These nehme ich auch eine Stellenausschreibung des ZDF, auf die ich über das Blog von Christian Jakubetz aufmerksam wurde. [click to continue…]

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Der Skandal Thilo Weichert

by Thomas Knüwer on 25. Februar 2014

Es gibt sicherlich kaum ein größeres Ärgernis im digitalen Deutschland als Thilo Weichert, der Chef des angeblich unabhängigen Landeszentrum für Datenschutz in Schleswig-Holstein.

Die Zahl seiner absurden Forderungen und Zitate reicht inzwischen um Bücher zu füllen. 2008 behauptete er, Google Streetview würde Einbrechern helfen (bis heute kommen die prima ohne aus). Dann bezeichnete er Deutschlands Bürger (also die, deren Rechte er vertritt) öffentlich als dumm. Er forderte eine Ausweispflicht, bevor man online gehen darf. Bei der Facebook Graph Search behauptete er fälschlicherweise, hochsensible Informationen würden veröffentlicht. Auch eine unterschiedliche Behandlung schleswig-holsteinischer Nutzer gegenüber denen aus anderen Ländern fabulierte er herbei.

thilo weichert

Noch immer weiß ich nicht, ob Weichert einfach lügt oder nur fürchterlich inkompetent ist. Das heißt: Jetzt weiß ich es.

Denn in einem Radiointerview für die DPA, das Daniel Fiene mitprotokolliert hat, sagte Weichert tatsächlich:

“Außerdem besteht die Gefahr, dass eben WhatsApp, das bisher als nicht-kommerzieller Dienst unterwegs war, eben jetzt ganz massiv kommerzialisiert ist. Das heißt, die Daten eben für kommerzielle Zwecke ausgebeutet werden.”

Nicht-kommerziell? Ich frage mich, welche Nutzer glauben, dass Whatsapp nicht-kommerziell ist angesichts der nicht zu übersehenden Hinweise, dass die Nutzung des Dienstes ab dem zweiten Jahr 99 Cent kostet.

Infam auch sein Angriff auf Facebook:
“Facebook ist durch das amerikanische Recht nicht an  europäisch an deutsche Grundrechte, an das Grundrecht auf Datenschutz und das Telekommunikationsgeheimnis gebunden. Das nutzt dieser Anbieter dafür auf, Daten umfassend auszuwerten, Profile zu erstellen und kommerziell zu nutzen.”

Denn auch das ist natürlich falsch. Facebook ist durch seinen Ableger in Dublin sowohl and das europäische Datenschutzrecht als auch die anderen EU-Gesetze gebunden. Die zuständigen Datenschützer haben Facebook ein gutes Zeugnis ausgestellt.

Nun darf man vielleicht kritisieren, ob deutsche Datenschützer kritischer als irische sind. Nur: Deutschland ist, vielleicht überrascht das Thilo Weichert, Mitglied der EU. Und somit muss sich auch Deutschland danach richten, welche Behörden jeweils zuständig sind. Alternativ kann Weichert ja für den schleswig-holtsteinischen Landtag kandidieren mit der Forderung, aus der Europäischen Union auszutreten (hm, hoffentlich bringe ich die AFD jetzt nicht auf dumme Gedanken).

Mit diesem gigantischen Ausmaß an Inkompetenz ist Weichert jetzt schon eine Schande für den Technologiestandort Deutschland. Doch es kommt ja noch schlimmer. Denn in diesem Jahr würde seine zweite Amtszeit enden – und seine fragwürdige Karriere wäre endlich beendet.

Doch nach Informationen der “Taz” sollen die schleswig-holtsteinischen Regierungsparteien SPD, Grüne und die Minderheitenvertreter SSW an einer Lex Weichert – der Datenverschützer ist selbst anscheinend den Grünen nahe stehend – erwirken.

Das zeigt wohl: Man muss besonders inkompeten sein, um in Schleswig-Holstein in seinem politischen Job zu bleiben.

 

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Jura-Professor Hillgruber will ungestört hassen dürfen

by Thomas Knüwer on 25. Februar 2014

Was würden Sie denken, liebe Leser, schriebe jemand das hier:

“Es genügt der Lobby der Juden nämlich nicht, dass sie die Entfaltungsfreiheit für ihre Klientel und die Meinungsführerschaft erstritten hat, sie will jetzt der Minderheit, die noch immer eine abweichende Religion vertritt, die Freiheit nehmen, Juden weiterhin negativ zu bewerten und ihr Verhalten gegenüber Dritten an dieser Bewertung zu orientieren.”

Oder das hier:

“Es ist das gute Recht von Frauen, ihre Karrierewünsche zu leben. Aber sie können nicht verlangen, dass auch alle anderen ihre Lebensweise für ein gutes Leben halten und positiv bewerten oder sich andernfalls einer Bewertung gänzlich enthalten. Nein, sie müssen sich, wie jeder andere, auch gefallen lassen, dass ihr Lebensstil von anderen anders, auch negativ moralisch bewertet wird.”

Oder das hier:

“Obwohl es sich um eine kleine Minderheit handelt, die in einer Demokratie eigentlich durchsetzungsschwach sein müsste, ist es der Gruppe der Behinderten in Deutschland, im westlichen Europa und in Nordamerika dank einer eindrucksvollen Lobbyarbeit gelungen, ihre Agenda voller Gleichberechtigung und Gleichstellung mit der nicht-behinderten Mehrheit zu einer Agenda der Mehrheitsgesellschaft zu machen.”

Kinnlade runtergeklappt?

So etwas schreiben keine ekligen, rechtsradikalen Nischenblogs. Dies darf der Bonner Jura-Professor Christian Hillgruber in der der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung” veröffentlichen.

“Wo bleibt die Freiheit der anderen?” ist ein Text überschrieben. Natürlich richtet er sich nicht gegen Juden, Behinderte oder Frauen. Nein, Hillgruber schreibt gegen Schwule.

Sie sind das derzeitige Lieblingsziel einer neuen Schreiberschaft, der ich den Titel “Journalismus” nicht geben möchte. Zu ihnen gehören bekennende Ex-Drogenverwender wie Matthias Matussek oder Thilo “Es gibt mehr Männer mit hoher Intelligenz als Frauen” Sarrazin.

Der Artikel 1 des Grundgesetzes scheint ihnen dabei ziemlich egal zu sein, was im Umkehrschluss bedeutet: Sie entfernen sich wohl von dem, was die Grundlage dieses Staates ausmacht. Dies sieht auch das Verfassungsblog so. So bereiten sie den Nährboden für einen neuen, bräunlichen Sumpf in Deutschland. Und deshalb wagt sich nun auch ein Jura-Professor aus der Deckung, dem seine Studenten hoffentlich die Meinung geigen werden.

Wir sollten wir sehr genau auf diese Gemengelage achten. Dass die “FAZ” sich zum Büttel solcher Radikalmeinungen macht, ist erschreckend.

Nachtrag: Auf Leserwunsch hier die Originalzitate.

“Es genügt der Lobby der Homosexuellen nämlich nicht, dass sie die Entfaltungsfreiheit für ihre Klientel und die Meinungsführerschaft erstritten hat, sie will jetzt der Minderheit, die noch immer eine abweichende Meinung vertritt, die Freiheit nehmen, Homosexualität weiterhin negativ zu bewerten und ihr Verhalten gegenüber Dritten an dieser Bewertung zu orientieren.”

“Es genügt der Lobby der Homosexuellen nämlich nicht, dass sie die Entfaltungsfreiheit für ihre Klientel und die Meinungsführerschaft erstritten hat, sie will jetzt der Minderheit, die noch immer eine abweichende Meinung vertritt, die Freiheit nehmen, Homosexualität weiterhin negativ zu bewerten und ihr Verhalten gegenüber Dritten an dieser Bewertung zu orientieren.”

“Obwohl es sich um eine kleine Minderheit handelt, die in einer Demokratie eigentlich durchsetzungsschwach sein müsste, ist es der Gruppe der Homosexuellen in Deutschland, im westlichen Europa und in Nordamerika dank einer eindrucksvollen Lobbyarbeit gelungen, ihre Agenda voller Gleichberechtigung und Gleichstellung mit der heterosexuellen Mehrheit zu einer Agenda der Mehrheitsgesellschaft zu machen.”

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Management-Unterricht mit Frank Underwood

by Thomas Knüwer on 18. Februar 2014

Auch ich bin derzeit auf Droge. ”House of Cards”. Sie wissen schon, die Serie, über die auf Twitter jeder redet.

Und auch ich freue mich wie Bolle, das Netflix tatsächlich meine deutsche Kreditkarte akzeptiert hat. Also streame ich mit dem Chrome-Plugin Hola jeden Abend die politischen Spiele des Frank Underwood via Apple-TV auf den Fernseher.

Sollten Sie noch nie in dieses Serienmeisterwerk geschaut haben: Wegen solcher Momente für die Management-Lehrbücher ist “House of Cards” derzeit das Beste, was Fernsehen zu bieten hat.


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Der Presserat: Ein Papiertiger miaut um Anerkennung

by Thomas Knüwer on 18. Februar 2014

Es gibt in Deutschlands Medienwelt Institutionen, deren sofortige Abschaffung niemand kümmern würde, während gleichzeitig die für sie verschwendeten Geldmittel sinnvollere Orten übergeben werden könnten. Zu diesen Institutionen gehören zum Beispiel Landesmedienanstalten.

Oder der Presserat. Erst recht der Presserat. Das “Selbstkontrollorgan” ist ein Papiertiger ohne Einfluss, ein vermodertes Feigenblatt mit dem die Verlagskonzerne zu verbergen versuchen, dass Moral und Anstand regelmäßig hinter wirtschaftlichen Interessen zurücktreten müssen.

Dieser Presserat hat exakt keinen Einfluss. Er darf ihm vorgeschlagene Artikel mit putzigen Titeln versehen wie “Rüge” oder “Missbilligung”. Im Geiste sehen wir den greisen Potentaten, wie er mit zitternder Hand eine Rüge dafür erteilt, dass sein Thronfolger vergiftet wurde. Der Presserat ist ein Druckablassventil für besonders erboste Leserbriefschreiber, jenen Typus Mensch also, den der scheidende “FAZ”-Herausgeber Günter Nonnenmacher einst des Fundamentalismus zichtigte.

Schon 1997 erhitzte sich das “Ärzteblatt” in einem Kommentar:

“Nichts ist kennzeichnender für die Machtlosigkeit dieser Institution als die Tatsache, daß es ohne jede Konsequenzen bleibt, wenn sich beispielsweise ein Großkonzern hartnäckig weigert, in einer seiner Gazetten eine Rüge zu veröffentlichen, die ihm der Presserat – verdientermaßen nach allgemeiner Ansicht – verpaßt hatte. Ein Armutszeugnis auch, daß sich der Presserat mehr darüber unterhält, wie er einen höheren Staatszuschuß für die laufenden Geschäfte ergattern könnte, als darüber, wie sich eine derartige Kostgängerei eigentlich mit der inneren Selbstachtung der Presse verträgt.

Dieser Papiertiger wäre schlachtreif – es sei denn, die Beteiligten raffen sich in einer letzten Kraftanstrengung zur Rettung ihrer berufsständischen Ehrengerichtsbarkeit auf, indem sie Verbands- und Gewerkschaftsfunktionäre auf ihre Plätze verweisen und statt dessen unabhängige Persönlichkeiten an ihre Stelle wählen, die keineswegs alle aus der gleichen Branche sein müssen.”

Gemeint mit jenem Großkonzern war übrigens Axel Springer, noch heute der Konzern, der den Abdruck jener Rügen und Missbilligungen gern mal unter den Tisch fallen lässt. 17 Jahre später ist die Lage nicht besser geworden.

Vielleicht deshalb will jener Presserat der sterbenden Medienhäuser nun noch mehr Wichtigkeit erlangen. Er will allen Ernstes Rügen für die Kommentare unter Artikeln aussprechen.

Ne, jetzt. Kein Scheiß. Das wollen die. Putzig, oder?

Allein schon die Erklärungen zeigen, dass die Papiertigerzoodirektoren eher selten in dieses Interwebs reingucken: “Für die Leserbeiträge in den Online-Foren sollen Regeln aufgestellt werden, die etwa Beleidigungen und Schmähungen verbieten”, schreibt der DJV.

Ach, die gibt es nicht? Natürlich gibt es die. Die allermeisten Verlagshäuser haben irgendwo Kommentarrichtlinien auf ihrer Seite, teilweise auch unter den Kommentarfeldern selbst. Woran es mangelt, ist oft ein aktives Community Management. Auf den allermeisten News-Seiten werden strittige Kommentare kommentarlos gelöscht. Doch ansonsten ist die Kommentarwelt im Großen und Ganzen nicht mehr vergleichbar mit dem Dschungel an Extremismus, der sich in diesen Biotopen vor fünf Jahren bildete. Selbst die früher extrem rechtslastigen Kommentare auf Welt.de sind inzwischen unter spürbarer Aufsicht.

Und nun sollen künftig unter Kommentaren die Rügen oder  Missbilligungen stehen? Was für eine lächerliche Vorstellung. Genauso wie der Glaube, dies beeinflusse Kommentatoren. Denn genau so scheint des der Deutsche Journalisten-Verband zu sehen: “Den Nutzen davon dürften vor allem die Redakteure der Online-Medien haben. Sie haben auch bisher schon die Foren moderiert und Schmähkommentare entweder schnell gelöscht oder gar nicht erst frei geschaltet. Mit klaren Regeln des Presserats wird es ihnen leichter fallen, ihr Handeln zu begründen. Der lapidare Hinweis auf die Forenhaftung des Portalbetreibers trägt nicht wirklich dazu bei, aufgebrachte Kommentarschreiber davon zu überzeugen, warum ihre Lesermeinung nicht veröffentlicht wird.”

Jeder, der sich nur zehn Minuten mit Community Management beschäftigt, weiß aber: Es ist vollkommen egal, ob es um Haus-Regeln oder einen externen Kodex geht – “Haters gonna hate”.

Aber Hauptsache, der Presserat hat wieder etwas zu tun. 178.000 Euro gibt der Staat zu dessen sinnloser Tätigkeit jährlich hinzu, den Rest tragen die Verleger- und Journalistenverbände. Jede der drei beteiligten Seiten könnte ihr Geld sinnvoller investieren.

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Das Digitale Quartett #57: Olympische Spiele in Sotchi

by Thomas Knüwer on 10. Februar 2014

Nun laufen sie also, die Putin-Spiele. Schon vor dem Start waren sie ein digitales Thema, wurden die absurden Bilder unfertiger Hotels auf Twitter verteilt, wiesen die TV-Sender auf ihre Digital-Kanäle hin und diskutierten auch viele darüber, ob man diese Olympischen Spiele angesichts von Umweltsünden, Korruption und Homosexualitätsverbot überhaupt schauen dürfe.

sotchi logo

Beim Digitalen #Quartett – der Web-Talkshow, die so gut ist, dass Jan Böhmermann ihren Namen klaut – diskutierten wir gestern über die Vergreisung von Olympia, IOC-Reformen, den Stolz der Russen und die Frage, ob es moralisch erlaubt ist, die Spiele zu verfolgen.

Dazu hatten wir eine tolle Runde versammelt:

Jens Weinreich, einen der kritischsten und investigativsten Sportjournalisten Deutschlands

Vassili Golod, freier Journalist und Fechter mit russischen Wurzeln

Ilona Ortenberg, Schmuckhändlerin, die regelmäßig geschäftlich in Russland unterwegs ist.


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