Ganz früh am Mittwoch Morgen, genauer um 0.24 Uhr, hat sie mir geschrieben, die Kati.

Welche?

Na die. Kati.

Katarina Witt.

“Was würden Sie denn tippen ?? ;-), schrieb sie auf meine Frage, ob sie die Einträge ihres Olympa-Tagebuchs im ARD-Auftrag selbst tippt.

Immerhin. Eine Reaktion. Und vielleicht eine erste Schraube für den Bau einer Brücke über den digitalen Canyon.

Old Germany hängt zurück. Wieder einmal. Kaum jemand scheint zu bemerken, wie sich Olympia schleichend wandelt, sich öffnet für digitale Technik (nicht nur mit der gelungenen Iphone-App). Bisher wurde Athleten verboten von solchen Wettbewerben zu berichten – egal ob via Zeitungs-Kolumne oder Blog. Je größer die medialen Möglichkeiten dank des Internets wurden, desto mehr wuchs die Angst der Veranstalter vor unkontrollierten Meldungen von hinter den Kulissen.

Vor Vancouver die erste, kaum bemerkte Änderung: Nun hieß es, Athleten sollten nicht während ihrer eigenen Wettbewerbe berichten – doch ein Komplettverbot existierte nicht mehr. Selbst diese Einschränkung aber war nicht haltbar. Ein schönes Beispiel schildert “Wired” mit Julia Mancuso – sie twitterte zwischen den beiden Riesenslalom-Läufen. Mehr noch: Sie mied TV-Kameras, hielt ihre Anhänger aber über Facebook auf dem Laufenden über ihre Enttäuschung.

Ohnehin fällt es auf, dass Sportler aus anderen Nationen Social Media längst zur Markenbildung und Fanbindung einsetzen (hier eine Liste der überprüften Sportler-Twitterer in Vancouver). Mancuso hat über 25.000 Fans auf Facebook, über 64.000 Leser verfolgen ihre Kollegen Lindsey Vonn auf Twitter, die Eishockeyspielerin Angela Ruggiero hat einen Videocast:

Und die Deutschen? Traurig. Die so extrovertierte und vor der Kamera professionell kommunizierende Anni Friesinger sieht eine Meldung vom 2. Februar als “aktuell” auf ihrer grottig gestalteten Homepage. Noch grausiger: das Bob-Team André Lange, dessen Web-Auftritt an einen Kegelclub erinnert. Selbst ein Medien-Darling wie Vonn/Mancuso-Konkurrentin Maria Riesch verfügt nur über eine Homepage die aussieht wie eine Pressemitteilung, ihre Facebook-Fanseite sprüht vor – Unauthentizität. Immerhin ist dieser Facebook-Auftritt aber ein Beweis dafür, wie sehr Sportfans sich mit ihren Lieblingen vernetzen wollen. Zählte Rieschs Seite vor den Spielen rund 1.500 Fans sind es jetzt rund dreimal so viele.

Nun könnte man fragen: “Warum auch? Sind doch nur Sportler in Disziplinen weitab von der Publikumswirkung des Fußballs.” Aber doch sind sie eben Profisportler. Und das bedeutet, sie sind beständig an Sponsoren interessiert – und Sponsoren unterstützen eben jene Athleten, die öffentliche Begeisterung auslösen könne. Und deshalb – unromantisch, aber wahr – müssen Sportler heute auch in Marketingkategorien denken (oder ihr Management).

Die digitale Winter-Spaltung setzt sich nahtlos in den Medien fort. [click to continue…]

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“Bunte”, “Stern” und Patricia Pontia Riekel

by Thomas Knüwer on 26. Februar 2010

Mit rund einer Viertelmillion Euro lässt sich eine Menge anstellen. Zum Beispiel könnten damit Arbeitsplätze geschaffen werden.Wieviele, das hängt von der Qualität der Mitarbeiter ab, doch sind drei bestens bezahlte definitiv dafür drin.

Die “Bunte” also hätte drei Redakteure beschäftigen können, die Recherchen ihrer Kollegen noch einmal überprüfen oder eigene Nachforschungen anstellen. Sie hat sich dagegen entschieden. Stattdessen überwies sie das Geld an eine Berliner Firma namens CMK.

Und das ist für mich das traurigste und ekligste im Zusammenhang mit dem Wrestling-Duell zwischen dem “Stern” und der “Bunte”. Für all jene, die in den vergangenen 48 Stunden abgeschnitten von der medialen Öffentlichkeit waren, noch einmal die Zusammenfassung: Der “Stern” berichtet in seiner aktuellen Ausgabe, die “Bunte” habe CMK mit Nachforschungen über Frans Müntefering und Oscar Lafontaine beauftragt, beide Male sei es um Fragen des Liebeslebens gegangen.

Mehr dazu auch in diesem Video des “Stern”:

“Bunte”-Chefredakteurin Patricia Riekel erklärt: “Über unlautere Methoden ist ,Bunte’ nichts bekannt. Und sie behauptet, die private Seite eines Politikers sei wichtig für die Beurteilung seiner Persönlichkeit. Das ist nicht falsch. Die moralische Seite eines Volksvertreters manifestiert sich oft im Privaten. Und somit ist diese Seite eines Menschen nicht völlig von Desinteresse für die Bürger. Nur ging es in den beiden Fällen nicht um Orgien, Drogen oder die Freundschaft mit Waffenhändlern – es ging im billigsten Fall um Ehebruch, im besseren um eine neue Liebe.

Folgt man der Argumentation Riekels, dass Personen mit einer gewissen Rolle in der Gesellschaft, sich solche Durchleuchtungen gefallen lassen müssen, so darf man fragen: Warum nicht auch Journalisten? [click to continue…]

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Wie mache ich einen TV-Magazinbeitrag?

by Thomas Knüwer on 26. Februar 2010

80 Prozent des Journalismus ist Handwerk, sagte mein Lehr-Herr Ferdinand Simoneit immer.

Stimmt:

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Hallo, Herr Hombach

by Thomas Knüwer on 24. Februar 2010

“Wenn man aus Verlogenheit Energie machen könnte, ließe sich dank dieser Debatte ein Atomkraftwerk abschalten.”

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Happy Birthday, “Financial Times Deutschland”

by Thomas Knüwer on 22. Februar 2010

Heute morgen habe ich einen Karton geöffnet, in den ich vor genau 10 Jahren das letzte Mal geblickt habe. Sein Produzent nennt ihn lachsfarben, ich nenne es rosa. “FTD” steht in edlen Lettern drauf.

Er enthält die Erstausgabe der “Financial Times Deutschland”.

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Vor genau zehn Jahren erschien sie, es war eine wilde und spannende Zeit. Beim “Handelsblatt”, für das ich damals arbeitete, ging ein Zittern um. Im alten, damals recht modrigen Top-Hotel “Breidenbacher Hof” trafen sich die Headhunter mit Kollegen, die abgeworben werden sollten -  das war das am schlechtesten gehütete Geheimnis von Düsseldorf. Wer wissen wollte, welches Redaktionsmitglied für die “FTD” interessant war, musste nur einen Kaffee im Foyer einnehmen.

Überhaupt: Headhunter. Zum ersten Mal wurden sie weiträumig eingesetzt um in der deutschen Journalistenlandschaft Personal zu akquirieren. Die Angebote, die sie in der Tasche hatten, waren üppig. Nicht umsonst spricht man noch heute bei Gruner + Jahr von jenen “Altverträgen” die richtig teuer kommen. Es war das Jahr 2000 – und die Krise noch nicht da. Alles war schön und bunt und reich und bullig. Eine naturbekokste Ära.

Eine ganze Reihe Kollegen namen die Offerte aus Hamburg an.Traf man sie, berichteten sie von der kreativen Atmosphäre und von der Diskussionsfreude, die sie so nie zuvor erlebt hätten. Sie strahten Corpsgeist aus. “In zwei Jahren sind wir an Euch vorbei”, raunzte mir ein Ex-Handelsblättler aus dem “FTD”-Berlin-Büro mal bei einem Ehemaligen-Treffen der Georg von Holtzbrinck-Schule für Wirtschaftsjournalisten zu.

Doch beim “Handelsblatt” schlug recht schnell die Stimmung um. Aus Furcht wurde Kampfeslust. Ein Relaunch kam. Er nahm vieles vorweg, was die “FTD” später auch bot. Mit einem Mal war die Aufbruchstimmung auch in Düsseldorf da.

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Als dann die “FTD” startete, landete sie gleich den ersten Fehlschlag. [click to continue…]

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Das Aus für die “Bild” Iphone-App?

by Thomas Knüwer on 21. Februar 2010

Ganz schön schwer, zwischen den drei Blogs zu jonglieren, für die ich schreibe. Doppelte Artikel möchte ich nicht, deshalb hier – weil ja der eine oder andere Medien-Interessierte hier mitliest – ein Hinweis auf Mind the App: Dort frage ich mich, ob Apple demnächst der Iphone-App der “Bild” das Licht ausbläst.

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Ach, und noch etwas, lieber Frank Schirrmacher…

by Thomas Knüwer on 20. Februar 2010

Und wo wir gerade beisammen sitzen: [click to continue…]

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Das Schneeball-System der digitalen Kommunikation

by Thomas Knüwer on 19. Februar 2010

Im vergangenen August machte ein Video der Siegerin einer ukrainischen Casting-Show die Runde. Die Siegerin zeichnete per Hand wunderschöne Sandbilder – gänsehautig. Diese Idee hat sich Lieken Urkorn, besser dessen Dienstleister Draft FCB, geklaut und sehr schön in Mehl gesetzt:

Hübsch, oder? Genauso wie die nette Idee alte Fußballgrößen wieder auflaufen zu lassen:

Dahinter steckt Mercedes.

Beides sind Beispiele für gute Marketing-Ideen. Und gleichzeitig für mangelndes Selbstbewusstsein großer Unternehmen im Internet. [click to continue…]

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Klondike mit Apfel-Logo

by Thomas Knüwer on 17. Februar 2010

Auch wenn mancher es noch nicht glauben mag, angesichts des medialen Wirbels: Bisher wurde noch kein einziges Apple Ipad verkauft.

Die Verlagsbranche wartet auf das Gerät mit leuchtenden Augen, die den Blick eines Sechsjährigen fünf Minuten vor der Heiligabend-Bescherung wie Augapfel gewordene Depression erscheinen lässt. Das Ipad ist das neue Klondike, der Goldrauscht tobt noch vor dem ersten Nugget.

Das Ipad, hofft mancher, ebnet den Weg in den Paid Content, zumindest aber in steigende Digital-Einnahmen. Das New Yorker Blog Gawker, dem man nicht immer Glauben schenken darf, berichtet gar von einer internen Schlacht um die Ipad-Hoheit im Haus der “New York Times”. Während die Printler bis zu 30 Dollar im Monat verlangen wollen, zielen die Onliner eher gegen 10 Dollar.

Ich persönlich wär da gaaaaanz vorsichtig.

Ohne Frage besteht die Chance Erstaunliches zu bewegen. Tatsächlich lassen sich nach derzeitigem Stand mediale Inhalte multimedial aufbereiten und konsumieren in einer bisher nicht vorhandenen Leichtigkeit.

Das ist eine Chance. Das von mir hoch geschätzte Magazin “Wired” will sie nutzen. Eine Ipad-Version wurde bereits präsentiert, hier das Video dazu:

Fällt Ihnen was auf? Wie finden Sie das? [click to continue…]

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Helene Hegemann und die Unmöglichkeit des Neuanfangs

by Thomas Knüwer on 17. Februar 2010

Bevor es heißt, ich sei immer so kritisch, zuerst ein Lob. Für die “Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung” vom vergangenen Sonntag. Dort gab es ein tolles Portrait über Christian Rach zu lesen, die Art-Direktion legte einen ironischen Schneeteppich über die Seite 1 und platzierte einen bitterbösen Cartoon neben eine lesenswerte Geschichte über den jesuitischen Nachwuchs.

Aber dann gab es noch allen Ernstes eine Geschichte über die “neue Videokamera aus den USA” – die Flip. Entweder dieses Stück stand zwei Jahre im Stehsatz oder jemand hat die vergangenen Halbjahre im Koma verbracht.

Es wäre schön, wenn ich es dabei belassen könnte. Doch hat mich die “FAS” auch so geärgert, dass ich mich noch an einem Thema abarbeiten möchte, zu dem ich eigentlich nichts sagen wollte:

Helene Hegemann.

Am Sonntag hat sich Volker Weidermann zu einer Tirade empor gerafft, der widersprochen werden muss, bevor eine Legendenbildung ansetzt. Die Legende könnte dann aussehen: Das böse, böse Internet zerstörte eine junge Frau.

Kurz nochmal für jene Menschen, die den Fall Hegemann, Autorin des Buchs “Axolotl Roadkill”, noch nicht kennen: [click to continue…]

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