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Das Digitale Quartett #63: Medien im Wandel – Krautreporter & „La Libération“

Eigentlich dürfte einem als Medienjournalist derzeit nicht langweilig sein. Auf der einen Seite kriseln stürzen viele Medienkonzerne weiter ab, andererseits entstehen eine ganze Reihe von Initiativen, die versuchen etwas Neues zu erschaffen.

Dieses Spannungsfeld deckten wir auch im Digitalen Quartett mit zwei Themen ab:

 

1. Krautreporter
Eine Reihe prominenter Autoren, darunter auch Quartetter Richard Gutjahr, wollen nach dem Vorbild des niederländischen „Correspondent“ hochwertige Recherchen über Digital-Abos finanzieren. 25 bis 30 Journalisten sollen zum Start dabei sein, jeder von ihnen soll 2.000 bis 2.500 Euro monatlich erhalten. Hinzu kommen natürlich noch Technikkosten, weshalb Krautreporter 15.000 Abos à 60 Euro verkaufen will um so 900.000 Euro einzunehmen.

Ob das klappt? Mir persönlich kamen gestern Zweifel. Denn die Krautreporter sagten einen Teilnahme bei uns mit einer bemerkenswerten Begründung ab: Heute komme erst die Pressemitteilung und man wolle keine anderen Medien benachteiligen. Ein Projekt, das sich der existierenden Medienarchitektur entziehen will, beugt sich dieser also. Das ist PR aus dem vergangenen Jahrtausend. Erst recht, weil man dem „Spiegel“ die Story ja schon gegeben hatte.

Tatsächlich stellt sich heute heraus, dass zahlreiche Zeitungen vorab Informationen bekommen hatten. Ich halte es für bemerkenswert, dass ein Projekt, das allein auf die Bekanntheit einiger Autoren im Digital-Bereich sich derart an die Kette von „Hannoverscher Allgemeiner“ & Co legen lässt aus Angst, diese würden sonst nicht berichten. Von der viel gerühmten Unabhängigkeit von allem und jedem, die auch das entsprechende Video raushängen lässt, mag ich da nichts entdecken.

Ohnehin verwundert mich das Auftreten ein wenig. Denn was bekommen die Abonnenten? Köpfe? Kein einziges Thema wird an diesem Morgen angerissen. Da ist sehr viel Versprechen und Selbstgewissheit ob der eigenen Qualität – die bei einigen der Autoren ohne Frage Fundament ihrer Arbeit ist. Doch es scheint, nicht mal ein einziges Exklusivthema wird zum Start angereicht um hungrig zu machen auf die Krautreporter.

Damit ich nicht falsch verstanden werde: Ich wünsche dem Projekt nichts als Erfolg. Es wäre der Beweis für die These (die ich ja auch vertrete), dass Journalisten sich allein positionieren müssen und nicht als Angestellte einer Medienmarke. Doch dieser erste Aufschlag unterscheidet sich nur wenig von dem, was der Tageszeitungsverlegerverband in Sachen Kampagnen so tut. Schade.

 

2. Analoges Frankreich
Lange hielt ich Deutschland für das digital rückständigste Land der westlichen Welt. Inzwischen belegt Frankreich diesen Platz. Da ist das harsche Vorgehen gegenüber dem Limousinendienst Uber, das Verbot von Online-Apotheken, das Verbot versandkostenfreien Online-Buchhandels und – bedingt in diesem Feld – das Verbot, eine französische Billig-Airline zu gründen.

Diese Verweigerungshaltung bildet sich auch in Medienhäusern ab. Die Redaktion der „La Libération“ verweigert sich jeder neuen Idee, Marke und Geschäftsmodell zu erweitern: „Wir sind eine Zeitung“.  Für das ZDF-Blog Hyperland hat die freie Journalistin Lisa Louis über diesen Kampf berichtet. Im Quartett berichtete sie über die Lage in Frankreich – und ihre eigenen Arbeitsbedingungen als Freelancer en France.

Es war, glaube ich, eine runde und unterhaltsame Show. Aber bitte urteilen Sie selbst:

In der vergangenen Woche waren wir nicht über das übliche Hangout zu sehen, denn wir haben die Stage 2 der re:publica bespielt. Die Show gibt es hier zum Nachgucken:

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