Der Facebook-Bug, der ein Kommunikations-Bug ist

by Thomas Knüwer on 25. September 2012

Ein Gastbeitrag von Eva Abraham, Beraterin bei kpunktnull – Beratung für das Digitale Zeitalter

Gestern Abend ging ein kleiner bis mittelgroßer Aufschrei durch das Netz. Angeblich sorgte ein Facebook Bug dazu, dass plötzlich Privatnachrichten aus den Jahren 2007 bis 2009 öffentlich auf einige Chroniken sichtbar waren.

Auch ich bin meine Chronik-Einträge gestern noch einmal genauer durchgegangen, als ich das bei Freischaltung der Chronik tat. Und ich habe mich zwischendurch schon gewundert. „Das ist doch so privat, das würde ich heute niemals mehr einfach so öffentlich irgendwo hin schreiben.“ Richtig, aber back in the days in 2007 war Facebook noch etwas anderes als heute. Viel weniger allumfassend, im guten und im schlechten Sinne, einfach ein geschlossenes soziales Netzwerk, in dem ich mich mit meinen internationalen Freunde austauschen konnte. Eine Lösung gibt es natürlich: Glücklicherweise lässt das Aktivitätsprotokoll von Facebook zu, alle jemals erschienen Beiträge auf der Chronik (der ehemaligen Wall) zu löschen oder auszublenden.

Viel spannender, als die Frage, ob es sich nun wirklich um einen Bug bei Facebook handelt, ist aber meiner Meinung die begonnene Debatte darüber, ob wir nicht eher unsere Kommunikation auf Facebook seit 2007 geändert haben.

Mit einer Zahl von 50 bis 100 Freunden schreibt man eben andere Dinge auf Facebook Seiten. Solange man sicher gehen kann, das sie niemand sonst liest. Und ein Fakt, der ziemlich weit weg erscheint, vor 2009 konnten Beiträge weder geliked noch kommentiert werden.

Facebooks Stellungnahme zum Bug geht eben in diese Richtung: (…lot of the confusion is because before 2009 there were no likes and no comments on wall posts. People went back and forth with wall posts instead of having a conversation [in the comments of single wall post.]“

Durch die vielen, durchaus berechtigten Datenschutz- und Privatsphäre-Diskussionen rund um Facebook sind wir alle auf diesem Feld sensibilisiert worden. Mehrere Anleitungen zur Einstellung der Privatsphäre und Debatten um die „Datenkrake“ Facebook später schrecken wir plötzlich hoch bei Beiträgen, die wir 2007 geschrieben haben. Oder andere Leute auf unsere Wall gepostet haben.

Warum?

Weil wir sie so heute nicht mehr öffentlich schreiben würden. Oder ich zumindest nicht. Dafür ist Facebook viel zu stark auch zu einem beruflichen Netzwerk geworden. Zumindest für alle, die irgendwie in einem Bereich arbeiten, in dem Facebook auch beruflich relevant ist. Und das werden einfach immer mehr.

Der Aufschrei zum Facebook Bug wurde auch durch französische Nutzer ausgelöst. In Frankreich hat Facebook erst vor kurzem auf die Chronik umgestellt. Ein Beiwerk des neuen Facebook Profils, vielfach wurde darauf hingewiesen, ist die verbesserte Durchsuchbarkeit vergangener Aktionen und Beiträge. Nun durchsuchen nur wenige wirklich, was sie alles so 2007 auf Facebook verzapft haben. Zu sicher sind wir uns vielleicht, dass wir doch medienkompetent sind und wissen was wir tun.

Und zu wenig selbstkritisch vielleicht, zu denken, dass wir damals doch anders agiert haben. Und vielleicht auch manchmal zu ignorant, um zu sehen, dass sich Facebook seitdem grundlegend verändert hat.

Nachtrag vom 28.9.: Mehr dazu schreibt auch Allfacebook.

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