Urheberrechtsverletzungen bei Handelsblatt.com und Bild.de

by Thomas Knüwer on 23. April 2012

Ach, wie heftig sie wettern gegen die Gratiskultur im Internet. Ohne jeden journalistischen Anspruch wollen sie ihren Lesern glauben machen, das böse, böse Internet stehle ihre Inhalte.

Wer solch Keuschheit einfordert bei anderen, der sollte selbst dann aber auch nonnengleich durch die Welt schweben. Und deshalb ist es doch bemerkenswert, dass ausgerechnet diese beiden Häuser durch Ignoranz gegenüber Urhebern auffällig werden. Bei Axel Springer ist dies ja schon länger bekannt, wir erinnern uns an weiträumiges Abdrucken eines Interviews der “Zeit” und die vor Gericht dann teure Raubkopie eines Interviews aus “Lettre”. Beim “Handelsblatt” dagegen wurden bereits zwei Mitarbeiter wegen Abschreibens gefeuert.

Heute nun liefern diese beiden Verlage die nächsten Beispiele für komplette Ignoranz gegenüber Urhebern. Die Online-Angebote von “Bild” und “Handelsblatt” verwendeten beide ein satirisches Wahlplakalt des “taz”-Kollegen Pascal Beucker. Dies merkt er auf Facebook auch an, hier für Bild.de und hier für Handelsblatt.com. Das Motiv ist bei beiden Angeboten Teil von Klickstrecken (hier Bild.de, hier Handelsblatt.com) geworden in denen mehrere Motive auftauchen, die jenes Currywurst-Plakat der SPD weiterdrehen – und bei praktisch allen Motiven sind Quellen bestenfalls rudimentär zu finden. Man darf da von Serien-Piraterie sprechen.

Bemerkenswert ist auch: Die Meldung über den Inhalteklau tauchte heute morgen bei Turi2 auf. Somit ist davon auszugehen, dass die Verantwortlichen davon gehört haben müssten. Offensichtlich aber nehmen Sie das Motiv nicht runter, entschuldigen sich nicht. Auch dies ist eine Form der Respektlosigkeit gegenüber den Urhebern.

Wenn also das nächste Mal das “Handelsblatt” oder “Bild”, Christoph Keese oder Gabor Steingart ihr jammerndes Klagelied auf angebliche Raubkopien anstimmen im Betteln um die staatliche Subvention namens “Leistungsschutzrecht” – dann dürfen wir sie fragen, ob sie Wasser predigen und Schampus saufen.

Nachtrag vom 24.4.: Und so ging die Sache dann weiter…

“Am Montagmittag meldete sich das Handelsblatt zerknirscht bei mir und entschuldigte sich vielmals, „dass wir das Bild ohne Ihr Einverständnis verwendet haben“. Das sei ein grober Fehler gewesen. „Ich hatte nur einen Link auf das Bild zur Verfügung, anhand dessen für mich nicht nachvollziehbar war, wer der Urheber ist“, erklärte der zuständige Online-Redakteur seinen Fauxpas. „Wir haben aus der Sache gelernt: Künftig lassen wir von solchen uneindeutigen Quellen die Finger.“ Im konkreten Fall bat er um eine gütliche Einigung. Und wir haben uns gütlich geeinigt.

Aber was machen die Raubkopierer von Bild.de? … Um die Peinlichkeit zu vertuschen, wurde ihre Bilderstrecke unter der Überschrift „Wahlplakate der SPD: Spaßvögel verwursten Krafts Curry-Plakat“ einfach klammheimlich gelöscht…

Na ja, dann werde ich den Damen und Herren wohl ganz offiziell ihre Urheberrechtsverletzung mitteilen müssen, inklusive der dazugehörigen Rechnung. Schließlich habe ich ja einen Screenshot der Seite gemacht. Und wenn das auch nicht hilft, geht’s halt doch noch zum Anwalt.”

 

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