Was ich die kommenden Wochen so mache… #Wired

by Thomas Knüwer on 15. Juni 2011

Erwähne ich, dass es nun rund anderthalb Jahre her ist, seit ich meine Unternehmensberatung kpunktnull gründete, gibt es meist zwei Extremreaktionen: “Was, so lang schon?”, fragen die einen. Und die anderen: “Was? Das kommt mir schon so ewig vor!” Keine Ahnung, ob das gut oder schlecht ist. Sicher ist: Es war eine der besten Entscheidungen meines Lebens.

In dieser Zeit ist meine journalistische Tätigkeit im Sinne von Für-Medienhäuser-arbeiten fast auf Null gesunken. Hier mal ein Artikel für ein Buch, da mal einer für die “Wirtschaftswoche” – und ansonsten eben dieses Blog und Gotorio. Auch zählen Medienhäuser nur untergeordnet zu meinen Beratungskunden, sie werden in diesem Jahr rund 10 Prozent des Umsatzes von kpunktnull ausmachen.

Life is good.

Nun fragte mich die Herzensdame in jenen Tagen des Abgangs beim “Handelsblatt”, ob es denn überhaupt keinen journalistischen Posten gäbe, der mich reizen würde. Spöttisch antwortete ich: “Doch – Chefredakteur einer deutschen Wired. Aber es gibt ja keine deutsche Wired.”

Denn die Wired ist das einzige Magazin, bei dem mein Herz ein wenig schneller schlägt, liegt es in der Post. Es ist ein wenig so wie damals, als Kind, wenn vor einer Bundesligasaison das neue “Kicker”-Extraheft oder das neue Panini-Sammelalbum rauskamen. Die Wired ist für mich das großartigste Magazin der Welt. Für Leser, die es noch nicht kennen: Das Blatt ist die Ikone aller Menschen, die sich für Technik begeistern. Es bietet herausragenden Journalismus in spektakulärer Optik und mit viel Ironie und Schwung.

Tja.

Hm.

Nu.

Eat your words, Knüwer.

Im April fragte mich Condé Nast ob ich mir vorstellen könne, die Entwicklungsredaktion einer einmaligen deutschen Ausgabe der Wired zu leiten.

Ich musste überlegen. So sechs bis sieben Sekunden.

Denn wie die geschätzte Katharina Borchert damals bei ihrem Wechsel zu Spiegel Online sagte: “Na ja … Es ist eben der ,Spiegel?!”

Und für mich heißt das: “Na ja… Es ist eben Wired!” Seit vergangener Woche nun bin ich in München und werde weite Teile bis zum Erscheinen jener Testausgabe Anfang September hier verbringen. Die vorangegangenen Zeilen deuten an, dass dies kein Job ist, sondern eine Leidenschaftsangelegenheit.

Als Condé Nast vor einigen Wochen ankündigte, eine Testausgabe auf den Markt zu bringen, gab es teils heftige Kritik von Digital-Vielnutzern. Sie machte sich vor allem an der Bündelung mit dem Magazin “GQ” und dem Wort “Beilage” fest.

Verständlich. Medienkundigen erscheint beim Begriff “Beilage” ein fläbberiges Heftchen vor Augen, das einer Zeitschrift entfällt, fasst man sie an beiden Enden der Bindung und schüttelt sie heftig genug. Dies wäre das Gegenteil von dem, was Wired ist.

Tatsächlich planen wir hier ein Heft in einer Dicke, die mit den US- und den britischen Ausgaben mithalten kann. Es wird allerdings mit der Oktober-Ausgabe der “GQ” gebündelt, die am 9.9. erscheint. Auch dafür gibt es Gründe, die hoffentlich nachvollziehbar sind: Die deutsche Wired ist ein Testprojekt. Käme es allein an den Kiosk bestünde schnell die Gefahr, dass sie untergeht. Gemeinsam mit der “GQ” entsteht eine satte Grundauflage, die das Heft natürlich auch für Anzeigenkunden interessant macht.

Aus Lesersicht ändert sich durch diese Bündelung nur eines: Der Käufer muss zwei Hefte aus dem Laden tragen. Wenn sich partout kein Abnehmer (Freunde, Brüder, Väter, Onkel) im Umfeld finden, und der Käufer auf überhaupt gar keinen Fall die “GQ” lesen mag (die unter José Redondo Vega an Profil gewonnen hat), dann ist dies aus Umweltgesichtspunkten natürlich blöd.

Der Preis einer einzelnen Wired läge jedoch ohnehin ungefähr bei der 5-Euro-Marke der “GQ”. Außerdem haben standhafte “GQ”-Verweigerer die Möglichkeit, die Ipad-App zu erwerben. Diese wird sich an der US-App orientieren.

Auch fürchtete mancher, die deutsche Wired sei einfach ein Best-of der jüngsten amerikanischen Ausgaben. Das wird nicht der Fall sein. Wir werden Geschichten aus der britischen, der amerikanischen und der italienischen Ausgaben übernehmen. Schließlich finden sich dort zahlreiche Themen, die für Deutschland interessant sind. Aber diese werden adaptiert und nicht plump übersetzt werden. Außerdem wird es einen gehörigen Teil eigene, deutsche Storys geben.

Und, darauf legen wir Wert: Die gesamte Anmutung wird deutsch sein. Dafür wird Art Director Markus Rindermann sorgen.

Den Rest des Teams werden wir Stück für Stück im Redaktionsblog vorstellen. Das startet wahrscheinlich morgen unter www.wired.de. Im Team werden sich auch einige, nicht ganz unbekannte Personen aus dem digitalen Deutschland finden. In den kommenden Wochen würden wir uns im Blog sehr über Anregungen und Wünsche potenzieller Leser freuen. Wir möchten den Produktionsprozess weitaus offener gestalten, als dies in deutschen Verlagen gemeinhin üblich ist.

Dass unter Wired.de ein Blog zu finden ist deutet darauf hin: Eine Wired-Deutschland-Homepage wird es nicht geben. Das wäre für ein Testprojekt wirklich ein wenig überkandidelt. Der Zeitplan ist ohnehin sportlich gesteckt – da verzichten wir gern auf einen Web-Auftritt im News-Seiten-Stil. Und bevor jemand fragt: Es gibt keine Planungen für weitere Ausgaben – machen wir doch erstmal das eine fertig und gucken, wie sie mundet.

Zum Abschluss noch etwas persönliches: Während der kommenden Wochen wird meine Beratungstätigkeit ein Stück zurückgestellt – meine Kunden haben das verstanden. Es ist eben Wired. Ab September geht es dann wieder Vollzeit weiter mit kpunktnull.


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