Erwähne ich, dass es nun rund anderthalb Jahre her ist, seit ich meine Unternehmensberatung kpunktnull gründete, gibt es meist zwei Extremreaktionen: “Was, so lang schon?”, fragen die einen. Und die anderen: “Was? Das kommt mir schon so ewig vor!” Keine Ahnung, ob das gut oder schlecht ist. Sicher ist: Es war eine der besten Entscheidungen meines Lebens.
In dieser Zeit ist meine journalistische Tätigkeit im Sinne von Für-Medienhäuser-arbeiten fast auf Null gesunken. Hier mal ein Artikel für ein Buch, da mal einer für die “Wirtschaftswoche” – und ansonsten eben dieses Blog und Gotorio. Auch zählen Medienhäuser nur untergeordnet zu meinen Beratungskunden, sie werden in diesem Jahr rund 10 Prozent des Umsatzes von kpunktnull ausmachen.
Nun fragte mich die Herzensdame in jenen Tagen des Abgangs beim “Handelsblatt”, ob es denn überhaupt keinen journalistischen Posten gäbe, der mich reizen würde. Spöttisch antwortete ich: “Doch – Chefredakteur einer deutschen Wired. Aber es gibt ja keine deutsche Wired.”
Denn die Wired ist das einzige Magazin, bei dem mein Herz ein wenig schneller schlägt, liegt es in der Post. Es ist ein wenig so wie damals, als Kind, wenn vor einer Bundesligasaison das neue “Kicker”-Extraheft oder das neue Panini-Sammelalbum rauskamen. Die Wired ist für mich das großartigste Magazin der Welt. Für Leser, die es noch nicht kennen: Das Blatt ist die Ikone aller Menschen, die sich für Technik begeistern. Es bietet herausragenden Journalismus in spektakulärer Optik und mit viel Ironie und Schwung.
Tja.
Hm.
Nu.
Eat your words, Knüwer.
Im April fragte mich Condé Nast ob ich mir vorstellen könne, die Entwicklungsredaktion einer einmaligen deutschen Ausgabe der Wired zu leiten.
Ich musste überlegen. So sechs bis sieben Sekunden.
Denn wie die geschätzte Katharina Borchert damals bei ihrem Wechsel zu Spiegel Online sagte: “Na ja … Es ist eben der ,Spiegel?!”
Und für mich heißt das: “Na ja… Es ist eben Wired!” Seit vergangener Woche nun bin ich in München und werde weite Teile bis zum Erscheinen jener Testausgabe Anfang September hier verbringen. Die vorangegangenen Zeilen deuten an, dass dies kein Job ist, sondern eine Leidenschaftsangelegenheit.
Als Condé Nast vor einigen Wochen ankündigte, eine Testausgabe auf den Markt zu bringen, gab es teils heftige Kritik von Digital-Vielnutzern. Sie machte sich vor allem an der Bündelung mit dem Magazin “GQ” und dem Wort “Beilage” fest.
Verständlich. Medienkundigen erscheint beim Begriff “Beilage” ein fläbberiges Heftchen vor Augen, das einer Zeitschrift entfällt, fasst man sie an beiden Enden der Bindung und schüttelt sie heftig genug. Dies wäre das Gegenteil von dem, was Wired ist.
Tatsächlich planen wir hier ein Heft in einer Dicke, die mit den US- und den britischen Ausgaben mithalten kann. Es wird allerdings mit der Oktober-Ausgabe der “GQ” gebündelt, die am 9.9. erscheint. Auch dafür gibt es Gründe, die hoffentlich nachvollziehbar sind: Die deutsche Wired ist ein Testprojekt. Käme es allein an den Kiosk bestünde schnell die Gefahr, dass sie untergeht. Gemeinsam mit der “GQ” entsteht eine satte Grundauflage, die das Heft natürlich auch für Anzeigenkunden interessant macht.
Aus Lesersicht ändert sich durch diese Bündelung nur eines: Der Käufer muss zwei Hefte aus dem Laden tragen. Wenn sich partout kein Abnehmer (Freunde, Brüder, Väter, Onkel) im Umfeld finden, und der Käufer auf überhaupt gar keinen Fall die “GQ” lesen mag (die unter José Redondo Vega an Profil gewonnen hat), dann ist dies aus Umweltgesichtspunkten natürlich blöd.
Der Preis einer einzelnen Wired läge jedoch ohnehin ungefähr bei der 5-Euro-Marke der “GQ”. Außerdem haben standhafte “GQ”-Verweigerer die Möglichkeit, die Ipad-App zu erwerben. Diese wird sich an der US-App orientieren.
Auch fürchtete mancher, die deutsche Wired sei einfach ein Best-of der jüngsten amerikanischen Ausgaben. Das wird nicht der Fall sein. Wir werden Geschichten aus der britischen, der amerikanischen und der italienischen Ausgaben übernehmen. Schließlich finden sich dort zahlreiche Themen, die für Deutschland interessant sind. Aber diese werden adaptiert und nicht plump übersetzt werden. Außerdem wird es einen gehörigen Teil eigene, deutsche Storys geben.
Und, darauf legen wir Wert: Die gesamte Anmutung wird deutsch sein. Dafür wird Art Director Markus Rindermann sorgen.
Den Rest des Teams werden wir Stück für Stück im Redaktionsblog vorstellen. Das startet wahrscheinlich morgen unter www.wired.de. Im Team werden sich auch einige, nicht ganz unbekannte Personen aus dem digitalen Deutschland finden. In den kommenden Wochen würden wir uns im Blog sehr über Anregungen und Wünsche potenzieller Leser freuen. Wir möchten den Produktionsprozess weitaus offener gestalten, als dies in deutschen Verlagen gemeinhin üblich ist.
Dass unter Wired.de ein Blog zu finden ist deutet darauf hin: Eine Wired-Deutschland-Homepage wird es nicht geben. Das wäre für ein Testprojekt wirklich ein wenig überkandidelt. Der Zeitplan ist ohnehin sportlich gesteckt – da verzichten wir gern auf einen Web-Auftritt im News-Seiten-Stil. Und bevor jemand fragt: Es gibt keine Planungen für weitere Ausgaben – machen wir doch erstmal das eine fertig und gucken, wie sie mundet.
Zum Abschluss noch etwas persönliches: Während der kommenden Wochen wird meine Beratungstätigkeit ein Stück zurückgestellt – meine Kunden haben das verstanden. Es ist eben Wired. Ab September geht es dann wieder Vollzeit weiter mit kpunktnull.


[...] Eine Testausgabe der deutschen Version von WIRED kommt im September, sie erscheint am 9. 9. als Beilage der GQ. Allen Befürchtungen zum Trotz wünsche ich dem Projekt allen möglichen Erfolg und eine Fortführung als regelmäßiges Magazin. Alles weitere hier im Redaktionsblog und bei Thomas Knüwer. [...]
Nur mal so aus Interesse: Wie wird denn der Erfolg bzw. Mißerfolg des Versuchs ermittelt? Das müsste zum jetzigen Zeitpunkt schon halbwegs klar sein, sonst bräuchte man gar nicht anfangen. Einen Testballon zu starten ohne irgendwas zu messen, ist ja auch Blödsinn. Was wird wichtig sein? Mehrverkäufe der GQ? Anzahl der gebuchten Werbung? Nutzerecho? Eine Mischung aus allem? Eine Jury mit Daumen hoch/runter? Mich würde halt interessieren, wie das “machen wir doch erstmal das eine fertig und gucken, wie sie mundet” genauer aussieht, dieses munden.
[...] Was ich die kommenden Wochen so mache… #Wired [...]
Lieber Herr Knüwer, die Formulierung “satte Grundauflage” von GQ müssten Sie angesichts der eher überschaubaren Zahl noch mal erklären.
@ Knüwer Ach so, in diesem Blog gehts nur um “fishing for compliments”…. Na, dann viel Glück.
Das Wired-Abo war und ist neben seiner schieren Existenz so ziemlich das Beste, was mein Gatte damals aus seinem Leben in den USA mitbrachte. Ich bin entzückt und gratuliere zu der genialen Aufgabe! Vera
Lieber Thomas, bin sehr gespannt auf eine deutsches Magazin, das so wie Wired aus der Landschaft herausragt. Bin auch sehr gespannt, wer mit von der Partie ist. Die wirtschaftlichen Zwänge sind klar, die Mühe die GQ wegzuwerfen mache ich mir aber nur einmal. Viel Spaß beim Zusammentragen, Diskutieren und Schreiben! Und Gruß aus Berlin.
[...] was ich die kommenden wochen so mache… #wired (indiskretion ehrensache) [...]
Spannend. Glückwunsch und viel Erfolg!
Der Einzelverkauf von GQ betrug im 1. Quartal 2011 (IVW) :
Standardausgabe 29.046 Exemplare
Ist eine Trägerausgabe mit 30.000 verkauften Exemplaren nicht zu wenig für eine tolle pWired? Da sollte sich doch noch was finden lassen?
plus
Pocketausgabe 12.682 Exemplare (kann man aber schlecht bündeln)
[...] Kritiker der alten Holzmedien aufgeschwungen. Und jetzt? Jetzt macht er selber Print: Er leitet die Entwicklungsredaktion der ersten deutschen Ausgabe des Magazins “Wired”. Ich bin übrigens sehr [...]
[...] Knüwer Was ich die kommenden Wochen so mache… #Wired Es wird im September eine deutsche Wired-Ausgabe geben. [...]
[...] Knüwer Was ich die kommenden Wochen so mache… #Wired Es wird im September eine deutsche Wired-Ausgabe geben. [...]
[...] Was ich die kommenden Wochen so mache… #Wired [...]
[...] Was ich die kommenden Wochen so mache… #Wired [...]
“Deutsche Anmutung”. Dafür sorgt der “Art Director”.
Na dann kann ja nix schiefgehen.
Also ich freue mich drauf. Es gibt eigentlich nur eine Sache, die mich davon abhalten könnte, das Heft zu kaufen: nämlich eine vermeintliche Web 2.0 Ikone auf dem Titelbild.
Ich “mag’s” wie hier mal wieder “typisch deutsch” auf den kleinsten ungenauen Formulierungen rumgehackt wird und eigentlich jeder es erst einmal prinzipiell bescheiden findet, dass es bald eine deutsche Version der Wired für den deutschen Markt gibt. Die, die sich nun aufregen, wieso wir eine deutsche, eventuell sogar teils adaptierte Version bekommen, schrien vor wenigen Monaten noch rum, wieso der deutsche Markt für die Wired so uninteressant ist und man sich die teure US-Ausgabe an Bahnhofs-Presseshops kaufen darf…
Ich bin mehr als froh, dass es nun einen ersten Testballon gibt, wünsche dir, Thomas, und dem restlichen Team viel Erfolg, Spaß und eine schöne Zeit! Und uns allen dass es von Conde Nast ein Umdenken gibt, so dass solch ein spannendes Magazin (auch wenn es erstmal “nur” eine 30.000er Beilagen-Auflage gibt) bald dann auch alleine, ohne den Schutz der GQ auf dem deutschen Markt verkauft wird.
Als Alternative bietet sich ja ansonsten förmlich die schon angesprochene, wenn auch verneinte, Möglichkeit einer Online-Redaktion und News-Portal an. Wenn Print eh bald tot ist, können wir uns zumindest eine Website und eine App antun.
Bei mir steht das 1.1 im Regal, nebst 2 Metern anderen bis 19.05 .. kein deutscher Bahnhofsbuchhandel, sondern viele in Frankreich gekauft für 6..7 Euro – original US Import.
Hatte Wired mal einige Jahre abonniert, aber dunkle Tage gab es dann bei Wired. Langjährige Leser merken das.
Wenn ich dort weile, greife ich mir gern die italienische oder englische Ausgabe.
Deutsches Wired ist jetzt im Kalender markiert, selbst wenn es “typisch deutsch” werden sollte.
GQ bleibt aber am Kiosk, soll C-N doch bitte gleich die blaue Tonne für mitliefern. Gefühlte Null Prozent Zielgruppenübereinstimmung.
Last not least, ich krieg derweil ein halbes Dutzend Magazine im Zinio Reader – da würde ich glatt wieder ein Wired Abo für wollen.
[...] ich durchaus noch in Print, darunter Monopol, Time, Efilée und Wired [Hinweis von mir: Inzwischen gab Knüwer bekannt, dass er die Entwicklungsredaktion einer einmaligen deutschen Ausgabe von Wired leitet - diese [...]
[...] die erscheint am 9.9. 2011.Die Redaktion wurde gestern eröffnet. Mit an Bord sind unter anderem Thomas Knüwer und Christian Jakubetz und Art Director Markus Rindermann, 2002 noch Art Director bei GQ feilt [...]
[...] [...]
Werde erstmals in meinem Leben die “GQ” kaufen…