Verliert Mark Zuckerberg Facebook?

by Thomas Knüwer on 26. Juli 2010

Als die ersten Meldungen kamen, hat wohl so gut wie jeder abgewinkt. Ach, nur ein weiterer irrer Ami, der versuch über die Gerichte ein wenig Geld rauszuhauen. Noch dazu schien das Ansinnen von Paul Ceglia, der sein Geld derzeit mit Holzschnitzeln als Energiequelle verdient, gar zu absurd: Er wollte 84% von Facebook haben und behauptete, einen entsprechenden Vertrag zu haben.

Dann aber reagierte Facebooks Rechtsabteilung merkwürdig unscharf. Man sei “nicht sicher”, ob dieser Vertrag echt sei oder Auswirkungen haben. Und Gründer Mark Zuckerberg sagte ABC in einem Interview:

“If we said that we were unsure, I think that was likely taken out of context. Because I think we were quite sure that we did not sign a contract that says that they have any right to ownership over Facebook.”

Nun aber wendet sich die Situation – und könnte höchst spektakulär werden. Denn Business Insider liegt der Vertrag vor. Und er klingt nicht gut für Zuckerberg.

Facebook Ceglia Contract

Zusammengefasst haben Ceglia und er sich darauf verständigt, dass Zuckerberg für Ceglias Unternehmen Programmierarbeiten übernimmt. Im zweiten Teil dann heißt es:

“It is agreed that Purchaser will own a half interest (50%) in the Software, programming language and business Interests derived from the expansion of the service to a larger audience.”

Der Käufer ist in diesem Fall Ceglia. Und deshalb meint Business Insider:

“Unless Facebook can easily prove that this contract is a forgery or get the lawsuit dismissed on a technicality, it will likely lead to a settlement that will make Paul Ceglia a very rich man.  The Winklevoss brothers never had a piece of paper showing any agreement with Mark, and they got $65 million. It’s not inconceivable that Paul Ceglia could walk away with a lot more than that.”

Da brodelt also etwas. Und mutmaßlich ist diese Situation entstanden, weil für einen Studenten, der eine gute Idee hat, 1000 Dollar verdammt viel Geld sind. Weshalb er sich auf einen Vertrag einlässt, der beim Erfolg seines Ansinnens absehbar ein Problem werden wird.

Die Situation ist nicht ungewöhnlich. Oft geht es um mehr als 1000 Dollar oder Euro wenn junge Menschen versuchen, sich mit einem Startup selbstständig zu machen. Die Offerten möglicher Geldgeber sind dabei geprägt von Undurchsichtigkeit. Wie soll denn ein Anfang-20er begreifen, wie das alles funktioniert? Die Selbstständigkeitskurse der Arge sind darauf definitiv nicht ausgerichtet. Und wie soll er verstehen, welche Folgen Verträge haben können?

Umso wichtiger finde ich es mal auf HackFwd hinzuweisen. Was hat der Blätterwald nicht gerauscht bei der Frage, was Xing-Gründer Lars Hinrichs so anstellen wird. Und wie still war er dann, als HackFwd kam – weil die meisten Journalisten nicht begriffen haben, was da passiert.

Hier ein (übrigens sehr hübsches) Erklärbär-Video:

HackFwd also, eine Art fairer und transparenter Startup-Finanzierer könnte manchen Gründer davor bewahren, in die Situation zu rutschen, in der Zuckerberg heute ist.Denn selbst wenn die Klage abgeschmettert wird: Die Kosten der Rechtsabteilung und die Aufträge für Anwälte werden einiges kosten – von den Ressourcen des Managements mal abgesehen.

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1 Dennis 26. Juli 2010 um 19:17

Hm, ich muss sagen, dass ich nicht denke, dass Zuckerberg hier das “Opfer” ist. Der hat genug Leute betrogen ( http://www.anonym-surfen.com/die-schattenseite-des-facebook-grunders/ ) und wer weiß, was er Ceglia alles versprochen hatte.

Muss sagen, da bin ich extrem mitleidsfrei. Aber HackFwd klingt interessant. Danke für den Hinweis!

2 Michael 26. Juli 2010 um 20:24

Es wird echt nicht langweilig um Facebook ;)

3 michael 26. Juli 2010 um 22:41
4 Johann 26. Juli 2010 um 23:58

Das kann ja noch richtig unangenehm werden. Mal schauen was passiert. Auf jeden Fall kann man schon eins sagen, Zuckerberg kann einiges verlieren.

5 Ulrich Voß 27. Juli 2010 um 09:02

“The Face Book” ist bestimmt was ganz anderes …

Aber ernsthafter: Die Antwort bei YCombinator erscheint mir stimmig zu sein. Wenn sowas überhaupt noch ein paar Jahre nach dem Vertragsbruch einklagbar sein sollte, so wird dem Kläger bestimmt kein Schadensersatz auf dem Wertansatz von heute, sondern dem von vor ein paar Jahren gewährt werden. Was allerdings durchaus auch schon ein erkleckliches Sümmchen sein könnte.

Es kann gut sein, dass der Kläger eine zwei- vielleicht sogar dreistellige Millionenentschädigung bekommt, 50% Facebook an Facebook (also ein paar Milliarden) bekommt er sicher nicht.

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