Mein Leser gehört Dir – er kommt sowieso zurück

by Thomas Knüwer on 20. Mai 2010

Das folgende ist ein Gedankengang, bei dem ich Sie, geschätzte Leser um Kommentare und eine Bewertung bitte.

Es geht um die Frage, wieso Leser von Online-Nachrichtenseiten so kurz auf einer Seite bleiben. Denn das ist ja etwas, was Verleger weltweit kritisieren: Leser, die über Suchmaschinen auf ihre Seiten kommen, gehen schnell wieder, klicken dabei ein oder zwei Mal – und zack, weg sind sie.

Nun beobachte ich ein verändertes Nachrichtenverhalten. Die grundsätzliche Nachrichtenlage erreicht uns über zig Quellen und ist innerhalb von Sekunden überblickt. Wenn uns aber ein Thema besonders interessiert – und jeder Mensch hat eine geringe Zahl solcher Themen -, dann reicht nicht mehr eine Quelle: Man möchte möglichst viele Stimmen hören. Oder selbst recherchieren über bestimmte Begriffe. Wir fragen also nicht mehr: “Was ist in der Welt passiert?”, sondern “Was schreibt Spiegel Online zur Finanztransaktionssteuer? Wie definiert Wikipedia diese Steuer? Wie kommentiert das die ,Taz’?”

shutterstock gefängnis klein(Foto: Shutterstock)

Die regelmäßigen Leser hier wissen, dass ich ein großer Freund von Rivva bin.

Der Dienst bildet genau dieses Nachrichtenverhalten ab: Unter der Hauptmeldung kann ich sehen, was einzelne Quellen zu diesem Thema schreiben. Gern hätte ich ein Rivva für allgemeine Nachrichten. Oder eines für Kommentare.

Doch das kann es nicht geben, wie Burdas Nachrichten.de zeigt. Denn keine Seite auf andere verlinkt, kann keine Hierarchie hergestellt werden. Dann werden alle gleich behandelt und es ist dem System schnuppe, ob die “Glocke” aus Oelde über Nordkorea schreibt oder der “Tagesspiegel” aus Berlin.

Nachrichtenseiten verlinken nicht auf andere Nachrichtenseiten, weil der Leser gefälligst bleiben soll. “Mein Leser gehört mir”, heißt es dann oft wörtlich – ein Denkansatz der mit der Abschaffung der Sklaverei an Relevanz verloren hat.

Deshalb meine zugegebenermaßen völlig simple Idee: Nachrichtenseiten sollten offensiv auf andere Nachrichtenseiten verlinken – aber die Links so konfigurieren, dass die neue Seite sich in einem neuen Fenster (oder neuem Tab) öffnet. Somit würden sie zu Nachrichtendrehscheiben werden, denn der Leser würde ja nach Schließen der neuen Fenster wieder auf die Mutter aller Seiten zurückkehren. Ganz nebenbei hätte das noch einen anderen positiven Effekt: Da die Ausgangsseite im Hintergrund weiter geöffnet ist, würde die Verweilzeit steigen – und das freut die Anzeigenkunden (auch wenn es natürlich eigentlich getrickst ist).

Previous post:

Next post: