Die Freiheit, Ipad zu sein

by Thomas Knüwer on 26. April 2010

Freiheit manifestiert sich in der Möglichkeit, sie nicht nutzen zu müssen. Die Redefreiheit, zum Beispiel. Nur weil sie da ist, muss nicht jeder zu allem seinen Senf dazu geben. Er muss aber die Möglichkeit dazu haben.

Prinzipiell genaus ist es mit der Diskussion um Datenschutz und Privatsphäre. Jeder muss die Möglichkeit haben, seine Daten und seine Privatsphäre zu schützen. Niemand aber darf dazu gezwungen werden. Wenn jemand seine Daten öffentlich machen möchte (was in Deutschland gern verschwiegene positive Folgen haben kann), dann muss er das tun können.

Dies Haltung teilen viele in der Welt des Web. Genau davon handelte der Vortrag von Jeff Jarvis auf der Re-Publica (den nach meiner Meinung einige bewusst falsch verstehen wollten).

Und genau das ist der Grund, warum ich Teile der Diskussion um Apples Ipad nicht nachvollziehen kann.

Denn sowohl Jeff wie auch Miriam Meckel kritisierten auf der Re-Publica das Ipad. Es sei ein Rückschritt. Weil es zum reinen Konsumieren des Internet diene. Es fast unmöglich sei, lange Texte zu schreiben. Man liege da auf dem Sofa und lese und schaue Videos und spiele – und das war’s. Tschüss, Web 2.0, tschüss neue Demokratie.

Ich finde diese Haltung problematisch. Sie macht sie den Nutzer zum dummen Melkvieh von Steve Jobs. Er gibt den Takt vor – und alle Welt tanzt danach. Er sagt: “Is nix mehr mit Medien produzieren” – und alle machen mit.

Was für ein Unsinn.

Der größte Teil der Menschen beschränkt sich auch ohne Ipad darauf, nur Kommunikationsbruchstücke zu veröffentlichen. Das sind Kommentärchen auf Facebook, ein paar Fotos, Videos haben schon etwas avangardistisches. Das ist nicht zu kritisieren. Wenn jemand keine Lust hat, diese aufregenden Möglichkeiten zu nutzen, so gehört es zu seiner Freiheit dies zu tun. Diese Bruchstücke lassen sich auch wunderbar mit dem Ipad erzeugen.

Vergessen wir dabei nicht: Als die ganze Sache mit den Apps begann, setzte Apple vor allem auf Web-Apps, also jene Variante, die nur ein verlängerter Arm der Internet-Seite war. Erst der Erfolg der genuinen Apps ließ Jobs umschwenken. Sprich: Die Nutzer finden diese Idee der Progrämmchen anscheinend recht reizvoll.

Und wenn doch jemand mehr will? Dann wird er einen Weg finden. Denn das Ipad hat ja einen Browser. Es gibt eine WordPress-App für das Iphone. Videos und Fotos können schon heute auf dem Iphone bearbeitet werden. Die geschätzte Frau Franzi schrieb ihre Erlebnisse aus Südafrika auf dem Iphone.

Die Klagen über die angebliche Abgeschottetheit des Ipad wirken für mich höchst befremdlich. Noch dazu, da es für einige Zeit ein Nischenprodukt bleiben wird. Tatsächlich aber ahne ich schon, was es bei der Re-Publica 2011 zu besichtigen geben wird: Blogger, die ihre Einträge über das Ipad schreiben.

Nachtrag: Hans hat in den Kommentaren auf dieses wundervolle Video hingewiesen, dass ich dringendst empfehlen möchte…

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