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Die heute wegen des Chefredakteurswechsels beim Handelsblatt in den Mediendiensten auftauchende Verlagsgruppe Handelsblatt basiert auf einer Idee. Sie lautet: Wenn wir eine Reihe von Medien zusammenbekommen, die auf einen ähnlichen Anzeigenmarkt schielen, dann können wir diese Anzeigenplatzkapazitäten bündeln und besser vermarkten.

Diese Idee ist weder neu noch ist sie dumm. Verlage haben schon immer so funktioniert, egal ob im Bereich Wirtschaft, Lifestyle oder Fachinformationen. Und es ist ein absolut logisches Modell.

Warum haben Verlage dieses im Internet vergessen?

Es zeugt von jener oft hier kritisierten Orientierungslosigkeit, dass man anderen das Feld überlassen hat. Glam Media, zum Beispiel.

Glam ist nichts anderes als das digitale Gegenstück zu den Anzeigenvermarktern jener Schwerpunktverlage. Man sammelt sich Inhalteanbieter mit ähnlichen Themen und offeriert Anzeigenkunden diese Werbefläche gebündelt als Objekt der Begierde. In diesem Fall geht es um Frauliches: Mode, Kosmetik, Lebens- und Typberatung. Ein ähnliches Männer-Netzwerk hat Glam 2008 gegründet, die Grundidee verfolgen auch Anbeiter wie Vertical Network (Hinweis:  Gotorio, bei dem ich beteiligt bin, wird  von dessen Ableger Just2guide vermarktet.). Nur Verlage – die ignorierten die Möglichkeit ihr Stammgeschäft im Netz weiterzutreiben.

Ende 2003 entstand Glam und hatte durchaus harte Zeiten. Trotzdem hielt man durch, Anfang 2008 investierte auch Burda. Nun darf Glam – wenn mal wieder jemand fragen sollte – als Beispiel genannt werden für jene Unternehmen, die Geld im Internet verdienen. Denn im vierten Quartal hat das Unternehmen ein positives Ebitda erreicht, also vor einmaligen Aufwendungen, Finanzergebnis und Abschreibungen schwarze Zahlen geschrieben, sozusagen also im täglichen Normalgeschäft. Nun soll vielleicht noch in diesem Jahr ein Börsengang folgen. Und wem das nicht reicht: Auch Sugar ist profitabel.

Und das alles – bittere Erkenntnis für Verlagsmanager – mit dem Modell, das einst ihnen gehörte.


Kommentare


mark793 3. Februar 2010 um 17:42

Es ist nicht so, dass die Verlage nicht daran gedacht hätten, ihre Kompetenz im Vermarkten bestimmter Zielgruppensegmente auch Online auszuspielen. Aber traditioneller Verlagsdenke folgend lag es eben näher, dies zunächst in Form von Line Extensions der etablierten Printmarken zu probieren – also lieber freundin.de zu machen als eine komplett neue Marke wie Glam aus dem Boden zu stampfen.

Kann man mit dem Wissen von heute sicher für ein Versäumnis oder einen strategischen Fehler halten. Aber eine allgemeingültige Moral der Geschicht lässt sich daraus nur schwerlich destillieren, denn Versuche von Verlagen, ihre bestehende Kompetenz in Themenportalen losgelöst von Printmarken zu bündeln, waren ja auch kein idiotensicheres Erfolgsmodell (ich sage nur: vivi@n).

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