Ich mein ja bloß, liebe Kollegen von der “Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung”, ich mein ja bloß

by Thomas Knüwer on 1. Oktober 2007

Einerseits könne man es als Zeichen für Fortschritt werden. Andererseits für Zerrissenheit. Oder für eine Scheiß-egal-was-wir-gestern-geschrieben-haben-Haltung. Oder ist es journalistische Verzweiflung, von der die Kollegen der “FAS” gestern in Sachen Burma getrieben wurden? Liebe Kollegen von der “FAS”,

Ihr seid mir schon rechte Rabauken. Da wettert Ihr Seiten lang gegen Weblogs. Unrelevant seien die, gebt Ihr zum Besten. Jeder dürfe schreiben, was er will – wie schlimm. Eine Revolution hätte es doch geben sollen, doch die bleibe aus. Überhaupt verpuffe die Diskussion in Form eines “Ich mein ja bloß”-Gestus.

Doch, doch, habt Ihr so geschrieben. Anfang Mai war das. Vorher schon hattet Ihr mal behauptet, Weblogs seien so fürchterlich selbstbezogen. Und hattet verschwurbelt über das Verhältnis von Blogs und Journalisten philosophiert.

Weblogs, also, treiben Euch ganz schön rum, Ihr wollt es nur nicht zugeben. Aber eigentlich, Ihr kleinen Racker, habt Ihr sie doch gern. Gebt es zu. Anders lässt es sich doch nicht erklären, dass Ihr gestern das Feuilleton eröffnet habt mit einer Seite, auf der Ihr Weblog-Einträge aus Burma zusammengetragen habt:

Und bei der Auswahl dieser Quellen geht Ihr vor, als schere Euch all das nicht, was Ihr so gern an Weblogs kritisiert. “Wir haben Zeugenaussagen” gesammelt”, behauptet Ihr, Ihr kleinen Äppelwoi-Schlitzohren. Dabei stimmt das so doch gar nicht. Nehmen wir nur das von Euch als Quelle genannte Blog von Ko-Htike. Falls Ihr es noch nicht gemerkt habt: Der Autor sitzt in London und ist ein 20-jähriger Student, der die Nachrichten einsammelt, die ihm Landsleute zukommen lassen. Angeblich zukommen lassen, ergänze ich mal mit der von Euch übernommenen Skepsis. Da ließe sich doch anmerken, dass dieses Weblog erst seit Juni existiert. Und habt Ihr Schlawiner eigentlich die entsprechende Software-Ergänzung, um aus myanmarischen Schriftzeichen schlau zu werden?

Oder diese Sache mit der BBC. Die veröffentlicht E-Mails, die sie erhalten hat. Die hat sie auch mit Sicherheit bekommen – nur ist wirklich verbürgt, dass diese Zuschriften aus dem Land selbst kommen? Und das mit dem “wir” beim Zeugenaussagensammeln, bezog sich das dann auf eine Herzensverwandtschaft mit den BBC-Kollegen?

Ach ja, und die Seite www.xanga.com/dawn_109 – die gibt es nicht mehr.

Also, Kollegen und Kupferstecher, eigentlich findet Ihr Blogs doch klasse, oder? Steht doch dazu. Tut auch nicht weh.

Oder findet Ihr Blogs nur dann gut, wenn Ihr Platz zu füllen habt und über ein Land berichten müsst, für das der Korrespondent kein Einreisevisum bekommt?

Ich mein ja bloß…

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