„Seit gestern habe ich einen Plan, was wir gemeinsam machen können/müssen.“
Mit dieser SMS begann es, mein nächstes Leben. Die Nachricht kam von Andreas Gebhard.
Zu diesem Zeitpunkt streute ich bereits, dass wir unsere Beratung kpunktnull auflösen würden und ich etwas Neues suchte: einen Ort, an dem ich mit schlauen und motivierten Menschen etwas auf die Beine stellen kann. Ich hätte nicht gedacht, in welch irrem Ausmaß, dieser Wunsch erfüllt werden würde.
Denn dann schrieb eben Andreas, der CEO der re:publica, jenes von mir innig geliebten Gesellschaftsfestivals. Für mich ist die rp eine jener Plattformen, die wir brauchen, um unsere Demokratie zu erhalten, die Probleme unserer Zeit zu debattieren und unsere Gesellschaft zu einen.

re:publica 2009: Panel zur Zukunft der Medien mit Markus Beckedahl, dem zu früh verstorbenen Robert Basic, Stefan Niggemeier, Sascha Pallenberg und mir. Foto: Daniel Seiffert.
Wer jetzt sagt, dies sei Humblebrag, wie er gern auf LinkedIn gepflegt wird, dem halte ich entgegen, dass ich jeden einzelnen Tag in der 18-jährigen Geschichte der re:publica auf der re:publica verbracht habe. Wie sehr ich das Gründerteam aus Andreas, Markus Beckedahl, Tanja und Johnny Häusler für das bewundere, was sie geschaffen haben, lässt sich hier im Archiv nachlesen. Ich werfe als Zeugin gegen den Zweifel auch gern meine Schwägerin Tina ein, die mir in der Zeit der Entscheidung sagte: „Thomas, ich kenne dich jetzt über 20 Jahre. In der Zeit hast Du von vier Sachen immer geschwärmt: Preußen Münster, Bruce Springsteen, die SXSW und die re:publica – Du solltest das machen.“
Die re:publica begann 2007 als Versuch, jene Menschen in einen Raum zu bekommen, die das damals viel kleinere Internet vollschrieben. Daraus wurde eine Art dreitägiges Konferenzfestival, das sich aus gesellschaftlicher Sicht mit dem digitalen Wandel der Welt beschäftigt und zu dem das halbe Bundeskabinett, gern auch mal mit Kanzler, aufläuft. Tägliche Besucher: 10.000 – mehr passen nicht auf das Gelände. Hinzu kommen wechselnde Satelliten, wie Hamburg und Düsseldorf, aber eben auch schon Dublin oder Accra.
Was die re:publica so besonders macht, ist ihre Community. Die ist tatsächlich eine und nicht eine vom Marketing behauptete. Bester Beweis: Jedes Jahre enden die drei Tage mit einem gemeinsamen Singen der „Bohemian Raphsody“ von Queen. Als meine Frau Nicola das erste Mal das Video dieses Moments sah, fragte sie: „Und dann weint ihr alle?“ Ich antwortete: „Na ja, nicht alle, aber…“
Vielleicht hat sich Andreas gedacht: Der Knüwer war jetzt so oft da, jetzt kann er auch mal mitarbeiten. Wir trafen uns also am Rande der ersten re:publica Düsseldorf und redeten, mailten, redeten. Am Ende stand ein Arbeitsvertrag.
Für mich klingt es surrealirrwitzigaufregend wenn ich das hier jetzt offiziell schreibe: Seit dem Jahresbeginn bin ich Chief Marketing Officer der re:publica.

Foto: Stefanie Loos/re:publica
Was ich tun soll: vieles. Eines aber hat die Priorität 1: die Wirtschaft. Über die Jahre ist eine Distanz entstanden zwischen der Welt der Unternehmen und der re:publica. Einst saß Daimler-Chef Dieter Zetsche auf dem Podium (es war ein tolles Gespräch), heute fehlen solche Elemente. Das muss sich ändern, denn die Wirtschaft ist ein gewichtiger Teil der digitalen Gesellschaft, ohne sie werden wir die Herausforderungen unserer Zeit nicht lösen. Derzeit schwenkt die Wirtschaft ja sogar auf Positionen ein, die auf den Podien der re:publica gefordert wurden – zum Beispiel die digitale Souveränität Europas.
Viele Unternehmen wissen gar nicht, was für eine exzellente Plattform die re:publica für sie sein könnte. Hier kommen nicht Konzern-Junioren um Party zu machen, sondern Menschen, die ernsthaftes Interesse an der Welt haben – und somit auch an der Welt der Wirtschaft. Gleichzeitig ist die re:publica offen für Unternehmen mit kreativen Ideen (und berät diese auch bei der Ideenentwicklung für re:publica-Auftritte). Diese Möglichkeiten aufzuzeigen wird eine meiner Aufgaben sein.
Wenn Sie, liebe Lesenden, in einem Unternehmen arbeiten, das Lust auf ein Umfeld hat, das nicht völlig durchkommerzialisiert ist, dann freue ich mich auf Ihre Nachricht.
Und natürlich hoffe ich, wir alle sehen uns vom 18. bis 20. Mai in der Station zu Berlin unter dem Motto: „Never gonna give you up“ – Tickets gibt es hier.
(Titelfoto: Niels Wiemers)

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