WIRED Deutschland Teil 2

by Thomas Knüwer on 9. April 2012

Morgen wird es die zweite Ausgabe der deutschen Wired am Kiosk geben (einige Verkaufsstellen sind allerdings wohl schon am Samstag vorgeprescht). Erstmal solo, ab 12. dann auch im Bündel mit der “GQ” und als iPad-App. Ich selbst war als Editor at Large am Rand tätig und habe ein Stück über das Internet als Nostalgiemaschine geschrieben. Chefredakteur Alexander von Streit würde sich über Resonanz sehr freuen, entweder per Mail (ihrfeedback – at – wired.de) oder im Blog.

Und hier eine kleine Vorschau:

 

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Das Handelsblatt schwurbelt durch die unreale Welt

by Thomas Knüwer on 5. April 2012

Gerne wird von hochrangigen Journalisten behauptet, Blogger würden ständig Streitereien beginnen. Es gebe doch keine zwei Seiten und jetzt sei doch endlich mal Schluss mit den Käbbeleien.

Tatsächlich aber ist es anders herum. Es sind Journalisten, die immer noch nicht fassen können, dass Menschen einfach mal so unter Verwendung einer Software namens Weblog Dinge veröffentlichen. Ein Beispiel dafür ist Sven Prange von meinem Ex-Arbeitgeber Handelsblatt. Er schreibt heute:

“Es ist kein Zufall, dass viele Blogs und Foren vor allem reproduzieren. Alle schmarotzen aus der reellen Welt.”


Nun ist es die eine Sache grundsätzlich unterschiedliche Dinge wie Blogs und Foren in einen Topf zu werfen. Aber bitteschön – die “reelle” Welt? Nach Wörterbuch wäre dies eine Welt in angemessenem Umfang oder eine Welt, die sich auf die Realität bezieht – womit sie logischerweise nicht die Realität selbst wäre. Vor allem: Woraus “schmarotzt” das “Handelsblatt”? Aus der Virtualität? Angesichts von Titelgeschichten, in denen demonstrativ der Kauf griechischer Staatsanleihen gefordert wird oder China zum Vorbild der westlichen Welt (nein,Menschenrechte und Umwelt tauchten in dem Stück nicht groß auf) empor gehoben wird, darf man antworten: Ja, das könnte die Erklärung sein.

Nachtrag: Und ganz nebenbei: Aus Twitter zitieren klassische Medien in Deutschland laut Media-Tenor häufiger als “Frankfurter Allgemeiner Sonntagszeitung” oder “Stern”, Facebook liegt schon vor der ARD.

Dieser dumme Satz ist Teil des heutigen Titelthemas, in dem es um Urheberrecht geht. Die längste Strecke davon sind Stimmen von Menschen, die zwar nicht mal zur Hälfte tatsächlich Urheber sind, aber trotzdem eine Meinung haben (ja, sogar “Model und Moderatorin” Alena Gerber). Und die lautet größtenteils: Bloß nichts am Urheberrecht ändern.

Jener Einstiegsartikel beginnt mit Romanautorin Julia Franck, die sagt es erscheine ihr als Irrglaube, wenn im Internet geistige und künstlerische Errungenschaften für den Privatgebrauch kostenlos heruntergeladen werden. Ach so. Wenn das ein Irrglaube ist, dann gibt es ja gar kein kostenloses Herunterladen. Ich hoffe, Franck drückt sich in ihren Büchern pointierter aus. Was sie vermutlich meint: Man dürfe im Internet keine Werke für den Privatgebrauch kostenlos herunterladen (für den beruflichen schon? Interessant.). Stimmt. Darf man nicht. Ist verboten.

Es folgt Katharina Kress, die teilweise zwei bis drei Jahre an Drehbüchern schreibt. Warum, fragt sie, solle sie das tun, wenn sie nicht davon leben kann? Gute Frage. Nur ist die Erfahrung von Frau Kress (was das “Handelsblatt” verschweigt) im Nicht-davon-leben-können ausbaubar. Denn bis Februar 2010 absolvierte sie laut ihres Xing-Profils das Aufbaustudium Drehbuch an der Filmakademie Baden-Württemberg. Schon zuvor begann sie das Drehbuch für die Verfilmung des Romans “Scherbenpark” zu schreiben, dessen Verfilmung Ende 2011 beendet wurde – er soll jetzt in die Kinos kommen. Sprich: Kress ist eine junge und sicherlich talentierte Schreiberin, deren erstes richtiges Werk aber noch nicht öffentlich ist.

Dann kommt Knut Hechtfischer, ein Jurist und Geschäftsführer von Ubitricity (das “Handelsblatt verschweigt den Namen des Unternehmens, warum auch immer), einem Entwickler einer neuen Infrastruktur für Elektroauto-Ladestationen. Er sagt, dass der Lohn von Pionierarbeit sich im “virtuellen Nichts” (das Gegenstück zur reelen Welt?) auflöst, wenn eine spannende Idee sofort zum Allgemeingut wird.

Dieser Meinung kann man sein, muss man aber nicht. Denn im Umkehrschluss hätte es wenig Fortschritt gegeben bis zum ersten Urheberrecht im 18. Jahrhundert.

Gut, aber wer will das?

Das Abschaffen der Urheberrechte, das große Chaos, das die Kreativen verarmen lässt?

Wer will uns verraten?

Sie ahnen es: Piraten

(Günter-Grass-Gedenk-Passage).

Zititert wird dabei der Berliner Piraten-Geschäftsführer Martin Delius. Im Bild taucht er nicht auf – sondern Marina Weisband. Die darf zwar nichts im Artikel sagen, ist aber Frau und attraktiv, der Artikel dagegen wurde von einem Mann geschrieben in einer Redaktion, in der weibliche Führungskräfte Mangelware sind. Also Weisband, weil hübsch.

Schmarotzen wir in der Welt des “Handelsblatts” und zitieren jene Passage, die an Manipulation reich ist:

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Vorschlag für Ostern

by Thomas Knüwer on 4. April 2012

Sollten Sie, liebe Leser, über die Ostertage ein wenig Lektürezeit einplanen, so habe ich da einen Vorschlag. Zunächst schauen Sie dieses Video. Es kommt aus dem Hause Google und zeigt tatsächlich die von vielen schon als Scherz abgetane Vision einer Brille, die Web-Informationen einspielt. Der geschätzte Sebastian Matthes von der “Wirtschaftswoche” hat recht, wenn er schreibt: “Wenn der Konzern ein solches Gerät tatsächlich herausbringen würde, könnte es die Art wie wir das Internet nutzen noch einmal wesentlich verändern”.

Dann kaufen Sie sich die Osterlektüre. Sie heißt “Daemon” und “Darknet” (englisch: “Freedom tm”), geschrieben von Daniel Suarez. Und dann werden ihnen gletschergleiche Schauer über den Rücken laufen. Versprochen.



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In der Serie “Netzwert Reloaded” verfolge ich jede Woche, was das Team von Handelsblatt Netzwert vor exakt 10 Jahren über das digitale Geschäft schrieb. Alle Netzwert-Reloaded Folgen finden Sie hier.

Wer hat das wohl gesagt – und wann?

“Mit der Kostenlos-Kultur im Internet muss es ein Ende haben.”

Axel-Springer-Troll- Außenminister Christoph Keese 2012? Sein Chef Matthias Döpfner 2010? Zeitungsverbands-Lenker Helmut Heinen 2010?

Nein, es war T-Online-Vorstandslenker Thomas Holtrop vor 10 Jahren.

Gefunden habe ich dieses Zitat in der Cebit-Beilage des “Handelsblatt” vom 13.3.2002. Diese Beilagen hatten beim “Handelsblatt” Tradition und waren meist ordentlich mit Anzeigen gefüttert. 2002 sollte das schönere Netzwert-Layout die Buchungen erhöhen. So wurden es 20 Seiten an jenem Mittwoch – eine ordentliche Leistung angesichts der Krise damals. Inhaltlich war die Beilage ein Rundumschlag in Sachen IT und Internet, von Web-Services über E-Procurement bis zur automatisierten Datenerfassung. Und weil es so ein breites Themenspektrum war, ermöglicht diese Beilage auch einen guter Blick auf den Stand des digitalen Deutschland anno 2002.

Unter anderem tobte die Debatte um Paid Content. Denn auch wenn es viele Medienmanager eine Dekade später vergessen haben: All das, was sie heute ankündigen, wurde schon einmal angedacht – und dann verworfen. Nehmen wir nur das “Handelsblatt”, meinen alten Arbeitgeber. Der offerierte damals ein Online-Abo. Print-Bezieher waren kostenlos dabei, andere zahlten 13,30 Euro im Monat. “Die Einnahmen daraus sind ein substantieller und stabiler Teil unserer Umsätze”, behauptete damals die Marketing-Chefin der Online-Tochter Economy One. Und: “Unsere Zielgruppe hat eine äußerst hohe Zahlungsfähigkeit und -bereitschaft.” Fast deckungsgleich klangen ihre Nachfolger dann neun Jahre später beim Start der missratenen iPad App “Handelsblatt First”. In beiden Fällen hielt sich vielleicht nicht die Zahlungsfähigkeit, ganz sicher aber die -bereitschaft in engen Grenzen.

Mancher Verlag könnte es besser wissen. Denn in jenem Artikel wird auch der Peter Würtenberger zitiert, damals Chef von Bild.de: “Für normale Nachrichten wird der typische Internet-User kaum zahlen, wohl aber für Premium-Informationsangebote, Spiele und exklusiven Kontakt zu Stars über Live-Chats.” Heute ist Würtenberger Chief Marketing Officer von Axel Springer. Ob sich seine Meinung geändert hat oder ob er nicht durchdringt gegen die Paid-Content-Fanatiker, dürfen sie ihn dann selbst fragen.

Die Cebit selbst war im Jahr 2002 in dem Abschwung, der bis heute nicht gestoppt wurde. Kurz vor der Messe hatte sie die Ausstellerzahlen noch einmal korrigiert – nach unten, natürlich. Das schreckte Kabarettist Dietmar Wischmeyer nicht ab, eine Lobrede auf die Messe zu schreiben. Also, so eine Art Lobrede: [click to continue…]

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Kleine Dienstmeldung: WIRED, Teil 2

by Thomas Knüwer on 4. April 2012

Ostern ist die Zeit, da viele Zeitschriften gelesen werden. Ich sag nur: Ostersonntag und -montag Regen-schirmalarm in Düsseldorf.

Da passt es dann ja doch, dass am Dienstag darauf, dem 10.4., wenn alles Papier ausgelesen ist, die zweite Ausgabe von WIRED Deutschland erscheint. Es wird sie solo am Kiosk geben sowie ab dem 12.4. zusätzlich gebündelt mit der “GQ”. Und natürlich wird es auch wieder eine iPad-App geben (die der ersten Ausgabe ist übrigens natürlich weiter erhältlich).

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Einfach mal ehrlich sein

by Thomas Knüwer on 4. April 2012

Normalerweise zitiere ich nicht wortlos aus anderen Blog-Artikeln. Doch Klaus Peukert kommt einfach auf den Punkt:

“Dinge wie Obiges sind der Grund, warum plötzlich 12% der Leute Piraten wählen wollen. Diese komische Einthemen-Internetpartei ohne Programm. Offenbar reicht es schon, einfach mal ehrlich zu den Leuten zu sein. Und plötzlich würden über fünf Millionen Leute Piraten wählen…

Aber wissen sie noch was? Wenn man ehrlich zu den Leuten ist und sie nicht für dumm verkauft: Dann merken die das und deswegen setzen plötzlich so viele Leute Vertrauen in die Piraten, das selbst denen Angst und Bange ob der plötzlichen Verantwortung wird. Die Leute in diesem Land sind nämlich alles andere als dumm und wenn wir mehr auf sie, statt auf eine sich immer mehr abschottende Kaste von Lobbyisten und “Berufs”-Politikern, hören würden, vielleicht wäre diese Gesellschaft eine bessere, angenehmere solche.”

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Netzwert Reloaded LXX: Ich-geh-sterben.de

by Thomas Knüwer on 2. April 2012

In der Serie “Netzwert Reloaded” verfolge ich jede Woche, was das Team von Handelsblatt Netzwert vor exakt 10 Jahren über das digitale Geschäft schrieb. Alle Netzwert-Reloaded Folgen finden Sie hier.

Daniel Aegerter. Schon wieder so ein Name aus der bunten Dotcom-Zeit, den ich lang nicht mehr gehört habe. Um die Jahrtausendwende war der Schweizer einer der Vorzeigegründer der New Economy. Nach der Banklehre war er in die USA gegangen und startete 1995 eine B2B-Handelsplattform. Von der wollen Investoren nichts wissen – dafür aber gibt es Interesse an ihrer Software. 1999 verkauft er bereits Programmlizenzen für 16 Million Dollar, sein Unternehmen Tradex wächst auf 250 Mitarbeiter.

Es folgt – logisch zu jener Zeit – ein Übernahmeangebot. Aegerter fusioniert mit Ariaba, einem der Stars der Nasdaq. Noch bevor dessen Kurs abschmiert verkauft der Schweizer, rund 300 Mill. Dollar sollen ihm geblieben sein, 120 Millionen davon steckt er in sein neues Investment-Vehikel Armada Venture Group. Sein Vorbild: Warren Buffet, wie er Netzwert sagte -

“Buffet sagt, dass er nur in Geschäftsmodelle investiert die er versteht, das mach ich auch so. Und ich investiere in Software-Firmen. Buffet hat einen guten Sinn für Menschen, denen man vertrauen kann. Und daher hat er gute Leute, die die Firmen leiten, in die er investiert. Von Buffet kann man auch lernen, dass die Zahlen stimmen müssen. Auch wir kalkulieren konservativ…. Investieren heißt: Geld vermehren.”

Zehn Jahre später existiert Armada noch immer, auch wird Aegerter jedes Jahr von “Bilanz” unter die reichsten Schweizer einsortiert. Geschätztes Vermögen: 400 bis 500 Mill. Franken. Gleichzeitig engagiert er sich über die Beratungsfirma Social Investors im philanthropischen Bereich. Einer, der es geschafft hat in den Dotcom-Jahren.

Ganz anders erging es Ich-zieh-um.de. [click to continue…]

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Der Unterschied

by Thomas Knüwer on 2. April 2012

Wo liegt der Unterschied zwischen deutschen Politikern und einem Friedens-Nobelpreis-Gewinner, geht es um digitale Themen?

“Politisch motivierte Täter wie Breivik finden heute vor allem im Internet jede Menge radikalisierter, undifferenzierter Thesen, sie können sich dort von Blog zu Blog hangeln und bewegen sich nur noch in dieser geistigen Sauce. Warum müssen ,Fjordman’ und andere anonyme Blogger ihre wahre Identität nicht offenbaren?

Hans-Peter Friedrich (CSU), Bundesinnenminister

“Die Philosophie, die hinter Timeline steht, ist absurd. Facebook fordert die Nutzer auf, ein öffentliches Lebensarchiv anzulegen. Das ist eine Farce.”

Ilse Aigner (CSU), Verbrauerschutzministerin

“Gelegentlich werden (im Internet) Hetze, Beleidigungen oder gar Bedrohungen als eine Art Folklore hingenommen.”

Sigmar Gabriel, SPD-Vorsitzender

“Ich nehme die Piraten als Formation nicht sehr ernst…”

Christian Lindner, FDP-NRW-Spitzenkandidat

“Denn, liebe „Netzgemeinde“: Ihr werdet den Kampf verlieren… Auch die digitale Revolution wird ihre Kinder entlassen. Und das Web 2.0 wird bald Geschichte sein. Es stellt sich nur die Frage, wie viel digitales Blut bis dahin vergossen wird.”

Ansgar Heveling (CDU), Bundestagsabgeordneter

 

You just joined Facebook. You know it’s a major time suck, right?

I think peace should be done not only among governments but among people. It was impossible before Facebook.

Did you just say that before Facebook, peace was impossible?

Peace among people. Young people, all people can converse directly, without the intermediary of the government. There is a site (schwer zu verstehen) that enables Israeli youngsters und Arab youngsters to discuss peace directly. It has already 60.000 members and it’s refreshing, because all governments today have to listen to the people. To the streets or to the polls doesn’t matter. The politicians are conditioned more by the people than the people are being governed by the politicians.”

Israels Präsident Shimon Peres im Interview mit “Time”


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Vielleicht hat Norbert Lammert doch recht

by Thomas Knüwer on 27. März 2012

Bitte beachten Sie das Update unten.

Heute Mittag schrieb ich lang und breit eine Replik auf die unkundigen Äußerungen von Bundestagspräsident Norbert Lammert in Sachen Internet. Unter anderem halte ich seine Äußerung für nicht tragfähig, dass im Internet anonyme Horden die Meinungsfreiheit missbrauchen.

Nur wenige Stunden später muss ich mich wohl ein Stück weit revidieren.

Denn da gibt es eine anonyme Horde, die sich feige hinter einem dreibuchstabigen Kürzel versteckt. Sie attackiert eine unbescholtene Frau, die mit Namen genannt wird. Diese Frau muss sich gefallen lassen mit einem Stinktier verglichen zu werden. Ein anderes Mal gibt es ein Portrait von ihr mit aufgeschnittenem Kopf, darin sehen wir kein Hirn, sondern Luftblasen. Die zugehörige Überschrift behauptet, diese Dame habe keinen Kopf.

Ja, diese feige, aggressive, ohne jede Kinderstube ausgestattete Meuchel-Meute muss Norbert Lammert gemeint haben, als er im Interview mit dem “Spiegel” sagte:

“Wir beobachten im Internet an vielen Stellen eine Art der Auseinandersetzung, die in Aggressivität, Wortwahl und Tonlage die Grenzen überschreitet, die dieselben Leute auf der Straße für sich setzen würden.“

Wie diese pseudonyme Bande heißt? Sie schimpft sich CDU Nordrhein-Westfalen.

Die Ruhrbarone zeigen heute eine Kampagne ohne Absender. Die Motive bewegen sich auf einem Niveau, das selbst für Crystal-Meth-abhängige Schabrackentapire peinlich wäre:

Von solchen Ausflüssen der Verdauungsorgane gibt es noch so einige. Bemerkenswert ist dabei: Nirgends taucht die CDU auf. “Besser Röttgen” steht da, verziert in Christdemokraten-Orange und der einzige Verweis nach außen ist eine Facebook-Gruppe mit dem enthirnten Titel “Weniger Kraft”. Dort sehen wir die nächste Besser-Röttzigkeit: [click to continue…]

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„In den allermeisten Fällen würden sich dieselben Personen zum gleichen Sachverhalt unter Offenlegung ihrer Identität zu bestimmten Aussagen ganz sicher nicht versteigen.“

Erich Hoenecker

Nein, dieses Zitat stammt nicht vom DDR-Staatschef.

Aber kürzlich erst wurde ich auf die großartigen Bücher „Die Känguruh-Chroniken“ und „Das Känguruh-Manifest“ von Marc-Uwe Kling aufmerksam (besonders als Hörbuch empfehlenswert) in denen das bei Kling wohnende Känguruh, ein Ex-Vietcong und Nirwana-Fan (fragen Sie nicht) ein schönes Spiel entwickelt: Zitaten einen neuen Zusammenhang verleihen, in dem man den Urheber wechselt.

Eigentlich stammt jener Satz oben von Bundestagspräsident Norbert Lammert. Der CDU’ler sorgt sich um das Internet und praktisch immer wenn CDUler sich um das Internet sorgen (oder so tun) ahnen wir: Es kann nicht gut werden.

Lammert sprach mit dem „Spiegel“ (Interview nicht online) und was er diesem sagte, das ist nicht falsch – nur ist es eben aus dem letzten Jahrhundert.

Dies so zu schreiben macht Spaß, es klingt nach Zeitläuften und Weltenstrudel. Doch das vergangene Jahrhundert ist ja nur rund ein Dutzend Jahre entfernt. Dieses Dutzend Jahre jedoch hat im Internet vieles verändert. Lammert haben diese Veränderungen nicht erreicht. Obwohl, das ist falsch formuliert, denn es klingt so, als sei er vor diesem Dutzend Jahren auf der Höhe der Zeit gewesen. Stattdessen steht er stellvertretend für die allergrößte Zahl der deutsche Politiker, die sich erst jetzt, im Jahr 2012, getrieben durch Acta-Demonstrationen und Piraten-Wahlerfolge zum ersten Mal mit der wichtigsten Technologie unserer Zeit auseinander setzen.

Dabei nehmen sie an, das Internet bestehe allein aus dem, was sie nutzen. Dies zeigt sich an Lammerts Zitat zur Wissensquelle Web:

„Wer sich im Wesentlichen über das Internet informiert, fragt Dinge nach, die er selbst spannend und unterhaltsam findet. Wer sich dagegen vor allem auf Printmedien und Rundfunk stützt, nimmt Informationen auf, die andere wichtig finden. Zudem ist das Internet eher lexikalisch angelegt, Printmedien dagegen sind analytisch.”

Das ist – Unsinn. [click to continue…]

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