Wie groß ist Social Media?

by Thomas Knüwer on 28. Mai 2014

Wie groß ist eigentlich dieses Internet, vor allem seine Social Media-Komponente? Diese Frage zu beantworten oder zu visualisieren gehört zum Alltag von jenen, die zu digitalen Themen Vorträge halten. Seit 2009 gab es Gary’s Social Media Count – doch leider scheint dieser seit dem vergangenen Jahr nicht mehr aktualisiert zu werden.

Heute tauchte in meinem Nachrichtenstrom eine Alternative auf – und sie ist noch viel schöner. Gebaut hat sie allerdings eine Pennystocks-Lehrseite, weshalb die Zahlen dahinter vielleicht mit Vorsicht zu genießen sind:


Click the image to open the interactive version (via Penny Stocks Lab).

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Journalisten brauchen Demut

by Thomas Knüwer on 26. Mai 2014

Giovanni di Lorenzo, Chefredakteur der “Zeit” und Moderator der öffentlich-rechtlichen Talkshow “3nach9″ hat möglicherweise Wahlbetrug begangen.

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Als ich heute morgen das erste Mal davon hörte, dachte ich, der Postillon hätte zugeschlagen.

Denkste. Di Lorenzo hat in der Talkshow von Günter Jauch einfach mal so ausgeplaudert, dass er zweimal seine Stimme bei der Europawahl abgegeben hat –  schließlich besitze er auch zwei Pässe. “Ich darf zweimal wählen”, behauptete er mit erstaunlicher Selbstverständlichkeit.

Günter Jauch war darauf vorbereitet, was ich ebenso bemerkenswert finde. Er konfrontierte di Lorenzo mit dem geltenden deutschen Recht. Und das sieht bei Wahlfälschung eine Strafe zwischen einer Geldbuße und fünf Jahren Haft vor. Geradezu generös sagte di Lorenzo dann, er könne auch darauf verzichten und das sei ja wohl nicht das Problem mit Europa.

Finanzminister Wolfgang Schäuble, dessen Wut eher kalt serviert wird, kanzelte den “Zeit”-Chef ab wie einen Schuljungen.

Und mit was? Mit Recht.

Dabei geht es mir weniger um die rechtliche Lage, die bei Udo Vetter und im Beck-Blog kundig analysiert wird. Anscheinend ermittelt die Staatsanwaltschaft bereits. Es geht mir mehr um die generelle Haltung eines der bekanntesten Journalisten der Republik und um seinen Bezug zur Realität.

Stellen Sie sich einfach mal selber die Frage: Wenn Ihnen jemand davon erzählte, dass er über zwei Staatsbürgerschaften innerhalb der EU verfüge und deshalb zweimal wählen dürfe – wie würden sie reagieren? Nicken und sagen: “Viel Spaß!” Oder würde nicht der gesunde Menschenverstand sofort an die Schädeldecke klopfen und sagen: “Ähm, da stimmt doch eher was nicht… Erinnerste Dich? Geschichtsunterricht? Da gab es doch diesen Spruch ,One man, one vote’ – gilt der nicht mehr?” [click to continue…]

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Die gesamte Woche über schon geistern die Berichte über einen Innovations-Bericht der “New York Times” durch die Medienblogs und -seiten. In der klatschfreudigen New Yorker Szene war es nur eine Frage der Zeit, wann irgendjemand diesen Bericht vollständig veröffentlichten würde.

Es ist zutiefst ironisch, dass dies nun ausgerechnet über eine Plattform passiert, die im Bericht explizit als einer der größten Konkurrenten für die “NYT” genannt wird und der in Deutschland noch immer (ungerechtfertigterweise) abgesprochen wird, überhaupt so etwas wie Journalismus zu sein: Buzzfeed.

Ich habe den Morgen damit verbracht, mich durch den Bericht zu arbeiten. Schwer ist das ehrlich gesagt nicht, denn der Report ist hervorragend geschrieben und layoutet – Respekt.

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Erika Cross / Shutterstock.com

Jeder, der sich für Medienwandel interessiert, sollte ihn vollständig lesen. Ich halte diesen Bericht aus Branchensicht sogar für eine Art zeitgeschichtliches Dokument, denn er hält fest, wie sehr selbst ein scheinbares Digital-Vorzeigeunternehmen wie die “New York Times” es nicht schafft, ihre systemischen und strukturellen Probleme zu überwinden. Und er bestätigt ganz viele Punkte, die nicht nur hier in der Indiskretion, sondern auch in zahlreichen anderen Medienblogs seit Jahren kritisiert, von den Verlagskonzernen aber verlacht werden.

Der Bericht entstand aus über 200 Einzelinterview mit aktuellen und ehemaligen Mitarbeitern sowie Konkurrenten. Es gibt von Seiten der Autoren vier Empfehlungen, man könnte sie angesichts des Tons auch als Forderungen bezeichnen. Diese lassen sich fast deckungsgleich auf deutsche Medienhäuser übertragen – zeigen aber auch, dass der Weg der hiesen Unternehmen noch viel weiter ist als der eines weitaus ressourcenstärkeren Hauses wie der “Times”. [click to continue…]

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“Journalisten sind sehr strukturkonservativ”, sagt Jochen Wegner, Chefredakteur von Zeit Online, im Rahmen der Media Convention in Berlin vor zwei Wochen.

Wie wahr.

Jeder, der als Vorgesetzter schon einmal einen Relaunch, einen Produktneustart oder auch nur die Einführung eines neuen Redaktionssystems begleitet hat, kann davon ein Lied singen, nein, besser: eine Oper mit wagnerianischen Gefühlsausbrüchen.

Jener Berufsstand, der sich selbst über lange Zeit als nonkonformistisch und vieler Konventionen enthoben inszeniert hat, entwickelt die Flexibilität eines Stahlbalkens, geht es darum, neue Rubriken zu pflegen, eine Funktion auf dem Bildschirm ein Menü weiter zu aktivieren oder gar Autoren in einem neuen Themengebiet suchen zu müssen.

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Laut des Meinungsforschers Gallup haben 17 Prozent der deutschen Angestellten keinerlei emotionale Bindung an ihren Arbeitgeber, 67 Prozent nur eine geringe, 16 Prozent eine hohe. Die Folge: innere Kündigung. Und ich behaupte: In Print-Verlagen würden die beiden äußeren Pole – hohe Bindung und keinerlei – stärker ausschlagen.

In den vergangenen Jahren habe ich viele Journalisten erlebt, die rechtzeitig erkannten, dass es Zeit ist, etwas anderes zu machen, bevor man jenen Zustand erreicht, in dem man systematisch seinen Job macht, um ihn nicht zu verlieren, gleichzeitig aber seine Emotionen an anderer Stelle auslebt. Und ich kenne eine Reihe derer Kollegen, die den anderen Weg gingen. Oft genug standen sie dann bei der nächsten Abbaurunde auf der schwarzen Liste, lieferten sich vor dem Arbeitsgericht noch ein paar Scharmützel um eine höhere Abfindung und standen dann auf der Straße. Den Schwung, etwas Neues anzufangen war nicht da, die meisten klöppeln PR-Texte für überschaubares Salär oder bieten sich als Rechtschreib-Korrektoren an. Einige versuchen mühsam mit dem Ersparten zu überleben.

Es sind nicht viele, die von sich aus erkennen, dass sie etwas ändern müssen. Weg müssen von dem Ort, an dem sie drohen zu versumpfen. Noch bemerkenswerter finde ich es, wenn dies jemand tut, ohne eine neue Anstellung zu haben, sondern allein mit Plänen im Kopf (auch, weil es mir vor fünf Jahren ganz ähnlich ging).

In diesem Minuten werden die Redakteure der “Münsterschen Zeitung” in der Kantine oder anderen Lokalitäten einiges zu besprechen haben. Denn heute wird bekannt, dass einer der ihren, der in den vergangenen Monaten einiges an Aufmerksamkeit für seine Arbeit erhielt, gekündigt hat: Ralf Heimann. [click to continue…]

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Eigentlich dürfte einem als Medienjournalist derzeit nicht langweilig sein. Auf der einen Seite kriseln stürzen viele Medienkonzerne weiter ab, andererseits entstehen eine ganze Reihe von Initiativen, die versuchen etwas Neues zu erschaffen.

Dieses Spannungsfeld deckten wir auch im Digitalen Quartett mit zwei Themen ab:

 

1. Krautreporter
Eine Reihe prominenter Autoren, darunter auch Quartetter Richard Gutjahr, wollen nach dem Vorbild des niederländischen “Correspondent” hochwertige Recherchen über Digital-Abos finanzieren. 25 bis 30 Journalisten sollen zum Start dabei sein, jeder von ihnen soll 2.000 bis 2.500 Euro monatlich erhalten. Hinzu kommen natürlich noch Technikkosten, weshalb Krautreporter 15.000 Abos à 60 Euro verkaufen will um so 900.000 Euro einzunehmen.

Ob das klappt? Mir persönlich kamen gestern Zweifel. Denn die Krautreporter sagten einen Teilnahme bei uns mit einer bemerkenswerten Begründung ab: Heute komme erst die Pressemitteilung und man wolle keine anderen Medien benachteiligen. Ein Projekt, das sich der existierenden Medienarchitektur entziehen will, beugt sich dieser also. Das ist PR aus dem vergangenen Jahrtausend. Erst recht, weil man dem “Spiegel” die Story ja schon gegeben hatte.

Tatsächlich stellt sich heute heraus, dass zahlreiche Zeitungen vorab Informationen bekommen hatten. Ich halte es für bemerkenswert, dass ein Projekt, das allein auf die Bekanntheit einiger Autoren im Digital-Bereich sich derart an die Kette von “Hannoverscher Allgemeiner” & Co legen lässt aus Angst, diese würden sonst nicht berichten. Von der viel gerühmten Unabhängigkeit von allem und jedem, die auch das entsprechende Video raushängen lässt, mag ich da nichts entdecken.

Ohnehin verwundert mich das Auftreten ein wenig. Denn was bekommen die Abonnenten? Köpfe? Kein einziges Thema wird an diesem Morgen angerissen. Da ist sehr viel Versprechen und Selbstgewissheit ob der eigenen Qualität – die bei einigen der Autoren ohne Frage Fundament ihrer Arbeit ist. Doch es scheint, nicht mal ein einziges Exklusivthema wird zum Start angereicht um hungrig zu machen auf die Krautreporter.

Damit ich nicht falsch verstanden werde: Ich wünsche dem Projekt nichts als Erfolg. Es wäre der Beweis für die These (die ich ja auch vertrete), dass Journalisten sich allein positionieren müssen und nicht als Angestellte einer Medienmarke. Doch dieser erste Aufschlag unterscheidet sich nur wenig von dem, was der Tageszeitungsverlegerverband in Sachen Kampagnen so tut. Schade.

 

2. Analoges Frankreich
Lange hielt ich Deutschland für das digital rückständigste Land der westlichen Welt. Inzwischen belegt Frankreich diesen Platz. Da ist das harsche Vorgehen gegenüber dem Limousinendienst Uber, das Verbot von Online-Apotheken, das Verbot versandkostenfreien Online-Buchhandels und – bedingt in diesem Feld – das Verbot, eine französische Billig-Airline zu gründen.

Diese Verweigerungshaltung bildet sich auch in Medienhäusern ab. Die Redaktion der “La Libération” verweigert sich jeder neuen Idee, Marke und Geschäftsmodell zu erweitern: “Wir sind eine Zeitung”.  Für das ZDF-Blog Hyperland hat die freie Journalistin Lisa Louis über diesen Kampf berichtet. Im Quartett berichtete sie über die Lage in Frankreich – und ihre eigenen Arbeitsbedingungen als Freelancer en France.

Es war, glaube ich, eine runde und unterhaltsame Show. Aber bitte urteilen Sie selbst:

In der vergangenen Woche waren wir nicht über das übliche Hangout zu sehen, denn wir haben die Stage 2 der re:publica bespielt. Die Show gibt es hier zum Nachgucken:


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Im Vorfeld der re:publica gibt es ein bemerkenswertes Phänomen, das viele beobachten, die viel mit dem Internet machen: In den Tagen vor der größten Digital-Konferenz Deutschlands betonen einige Digital-Affine vehement, dass sie nicht nach Berlin kämen.

Manche bedauern das, doch die Mehrheit jener “Ich fahre nicht”-Statusposter tippt abfällige Töne ins Social Web. Die re:publica sei früher vielleicht gut gewesen, heute aber nicht mehr. Das bringe doch alles nichts und viel zu teuer seien die Karten auch (die übrigens kosten 180 Euro für drei Tage, wenn man nicht Frühbucherrabatte nutzt – ob das teuer ist, dürfen Sie selbst entscheiden). Auch, dass die Konferenzorganisatoren ihren Lebensunterhalt mit der Organisation bestreiten ist manchen ein Dorn im Auge.

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Dieses extrovertierte Verweigern findet in der Form nur bei der re:publica statt (zumindest in meiner Filterblase). Niemand schreibt derartiges über die Next, das Reeperbahn-Festival oder den DLD – obwohl es deutliche Zielgruppenüberschneidungen gibt.

Dies könnte nun auf eine sinkende Qualität der re:publica hindeuten, die sich in der Folge nicht direkt, aber über einige Jahre in sinkenden Besucherzahlen niederschlagen müsste.

Allein: Das Gegenteil ist der Fall.6.200 Besucher waren es wohl in diesem Jahr, über 1.000 mehr als 2013.

Nein, diese Paarung aus offensiv vorgetragener Ablehnung und bemerkenswerten Wachstumszahlen demonstriert die hohe Emotionalität, die die rp im Kreis derjenigen hervorruft, für die das Internet mehr ist, als ein Mittel zum Zweck.

Denn noch viel größer als die demonstrativ vorgetragene Ablehnung ist die extrovertiert publizierte Liebe (und dieses Wort passt tatsächlich) zu den drei Tagen in Berlin.

Dass die re:publica diese besondere, emotionale Bindung zu ihren Besuchern (und Verweigerern) besitzt, hat durchaus etwas mit Selbstvergewisserung zu tun. Auf vielen Ebenen fühlen sich in Deutschland jene Menschen, die sich mit Computern und dem Netz beschäftigen genervt, diskriminiert, beleidigt, missverstanden. Das beginnt mit der Forderung, nicht ständig ins Handy zu starren und geht weiter über die Verwendung von Begriffen wie Nerd oder Freak (die sympathische Gegen-Vokabel Geek hat hier zu Lande nie Verbreitung gefunden).

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Doch es ist auch die Larmoyanz, mit der die deutsche Regierung, den Cyberkrieg der US-Regierung gegen den Rest der Welt begleitet, die Lobbyhörigkeit der Großen Koalition in Sachen Netzneutralität oder die Rückständigkeit deutscher Bildungseinrichtungen, die auf Dauer jene mal ermüdet, mal wütend macht, die der Meinung sind, dass Digitalität die Gesellschaft nicht nur ein wenig am Rande berührt, sondern nachhaltig verändert.

Deshalb ist der Erfolg der re:publica maßgeblich gekoppelt an ein Gefühl des Sichverstandenfühlens und ein Sichvergewissern. [click to continue…]

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Lecker Snail Mail auf der #rp14

by Thomas Knüwer on 6. Mai 2014

Es passiert eher selten, dass ich hier in der Indiskretion über Projekte schreibe, die im Rahmen der Beratungstätigkeit von kpunktnull entstehen. Heute möchte ich aber auf eine Kleinigkeit hinweisen, auf die ich mich sehr freue.

Die Keksfabrik Hans Freitag ist mit einer Chefin gesegnet, die Lust hat, Dinge auszuprobieren – und die das Digitale liebt. So entstand auch der geekigste Keks der Wel: die Likies. 

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Heute nun startetn die re:publica 2014, der mit 6.000 Besuchern größte Digitalkongress des Landes. Und auch hier sind die Likies am Start – mit einer Packung in jeder Konferenztüte.

Doch es gibt noch etwas: Kohlenstoffkarten. Also, so richtige, bedruckte Karten. Print. Für die Snail Mail. Auch hier eine Karte pro Tüte – allerdings mit 25 verschiedenen Motiven, alle mit Bezug zur re:publica und dem Internet, die meisten völlig unverständlich für nicht Re:publicaner. Phil von Sassen hat seine gestern schon sehr passend gefunden:

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In diesem Sinne:

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Heute, ZDF-Morgenmagazin. Ein Test von “Fitnessbändern” wird angekündigt, also jenen Gerätschaften, die Schritte, Bewegungen und Sport messen. Interessantes Thema, nicht neu, definitiv aber Moma-tauglich.

Wulf Schmiese, der ruckelnde Moderationsroboter, kündigt den Test mit dem Versprechen an, es werde gezeigt, was die Bänder könnten – “und vor allem, was sie nicht können”. Der Beitrag schließt mit einem positiven Fazit der Testerin (natürlich handelte es sich nicht um einen Langzeittest, dafür haben öffentlich-rechtlich subventionierte Privatsender wie das ZDF längst keine Ressourcen mehr), aber dem Schlusswort, die Bänder seien ein Lifestyle-Produkt. Selbstverständlich wurde eingehend besprochen, dass theoretisch die Daten der Nutzer von Krankenversicherungen in der Zukunft für das Durchdrücken höherer Tarife genutzt werden könnten. Ob dies rechtlich erlaubt ist, blieb nicht besprochen.

Willkommen im täglichen Technik-Hass des deutschen Journalismus, für den Technik nie leicht und spielerisch, immer aber gefährlich ist.

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Diese Haltung tobt sich seit Jahren im Frühling aus, wenn die re:publica ansteht. Was einst als gemütliches Treffen in der Kalkscheuen begann, wird in diesem Jahr eine der größten Konferenzen egal welcher Art in Deutschland sein. Erwartete Teilnehmerzahl: 6.000.

rp14_banner_300x250_3Respekt für die Leistung, solch eine Veranstaltung auf die Füße zu bekommen und gleichzeitig die Ticket-Preise auf günstigem Niveau zu belassen, darf man von deutschen Journalisten nicht erwarten. Das Gros ihres Berufsstandes schaut mit Verachtung nach Berlin, auf das “Bloggerklassentreffen” oder die Messe der “Netzgemeinde – und formuliert seit dem ersten Jahr des Bestehens erwartbar Absurdes. Würde so über Modelleisenbahner oder Briefmarkensammler, vielleicht gar Journalisten geschrieben, was wäre da los?

2011 wollte ich den Ex-Kollegen ein wenig Arbeit ersparen und schrieb eine Handreichung im Vorfeld der re:publica. Diese wurde anscheinend mit Begeisterung angenommen. Und da auch der SWR Nachberichte über Veranstaltungen schon vor deren Start publiziert, scheint ein Bedarf vorhanden für imaginierte Even-Reports.

Deshalb hier der Nachbericht der re:publica 2014 (zusammengestellt aus Originalartikeln klassischer Medien von 2007 – 2013): [click to continue…]

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Warum jeder Verlag einen Gutjahr braucht

by Thomas Knüwer on 30. April 2014

“Weißt Du, was gleich kommt?”, fragt mich Richard Gutjahr.

gutjahrWir sitzen beide im Yahoo-Haus der SXSW, der größten Digital-Konferenz der Welt in Austin, und wollen beide eigentlich nur mal nen Eiskaffee trinken. Aber gleich wird es auf der Bühne eine kleine Talkshow geben.

“David Pogue interviewt gleich nen Überraschungsgast”, sage ich.

“Echt?” Und schon prüft Richard die Bereitschaft seines Handys. Eine Stunden später, der Yahoo-Tech-Blogger hat zwischenzeitlich Kickstarter-Mitgründer Yancey Strickler interviewt, wird Gutjahr spontan ein kleines Interview mit Pogue führen. Noch in der Nacht geht es online als Audio-Slideshow auf Youtube.

Ist das die Neu-Erfindung des Journalismus? Nein. Im Gegenteil. Irgendwo sitzen, spontan entscheiden “Das ist interessant”, machen. Eigentlich geht so Journalismus, wie ihn sich viele vorstellen, die diesen Beruf wählen. Das ist Reporter-Klassik. Mit der Georg von Holtzbrinck-Schule besuchten wir in meiner Volontärszeit einmal Gunter Hofmann, den langjährigen Hauptstadt-Korrespondenten der Zeit. Er berichtete, wie Marion Gräfin Dönhoff einst regelmäßig in das Büro der Wochenzeitung stürmte, mit vor Erregung zitternden Fingern und der laut vorgetragenen Forderung nach einer Schreibmaschine: “Ich muss was schreiben!”

Von dieser Art Journalismus träumten wir auch während des Studiums in Münster, als in Nordrhein-Westfalen die kreisweiten Lokalsender an den Start gingen: In der Redaktion von einem Feuer erfahren, rausfahren, live berichten. Was waren wir naiv. Stattdessen mutierten die allermeisten der Sender zu Dudelfunks ohne redaktionellen Anspruch.

Heute eröffnet sich jedem Journalisten die Chance, genau das zu tun: Machen. In jeder Länge. In jeder medialen Variante. Ohne physische Begrenzung. Doch kaum jemand nutzt es. Mehr noch: Es gibt eine unterschwellige Abneigung bei vielen (vor allem fest angestellten) Journalisten gegenüber neuen Technologien. Selbst die dienstliche Nutzung von Social Media ist ja für viele schon eine mittlere Herausforderung, die sie nicht annehmen mögen.

Das ist nicht neu. Doch stelle ich mir eine Frage: Hat diese Innovationsabneigung der Redaktionen durchgeschlagen auf den kaufmännischen Bereich der Medienkonzerne? [click to continue…]

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Danke. #roflcopter

by Thomas Knüwer on 28. April 2014

Es war auf dem Weg zum Ziel, als Christian Kirchner und mir die Kinnlade runterfiel. Wir beiden hatten unsere Staffelabschnitte für #roflcopter absolviert und es war der erste Moment, in dem wir wieder Zeit hatten auf unser Handy zu schauen.

Und mit einem Mal war dieser ohnehin schon tolle Tag ganz anders.

Begonnen hatte er mit Sauwetter. Aber nun hatten wir mit der Ankündigung unserer Bloggerstaffel bis zum Morgen des Düsseldorf Marathons schon rund 1.300 Euro für das Kinderhospiz Düsseldorf eingesammelt – da ist Kneifen nicht mehr drin.

roflcopter D 2014(von links: Thomas Knüwer, Christian Kirchner/Menschen Zahlen Sensationen, Stephan Dörner/Online Journalismus Blog, Roland Schweins/Styleranking)

Und so startete Stephan Dörner um 10 Uhr bei strömendem Regen und der Ansage, dass er hoffentlich durchkomme. Das miese Wetter ruinierte auch unsere Idee, nicht nur an unseren Team-Shirts sondern auch am Kampfhubschrauber-Ballon erkennbar zu sein. Denn Helium-Ballons verlieren bei 14 Grad massiv an Höhe: Aus dem Roflcopter wurde ein Bodenstaubsauger.

ballonAb jetzt jedenfalls heißt Herr Dörner “Master of Tiefstapeling”. Stephan war weitaus schneller am ersten Wechselpunkt in Oberkassel, als erwartet.

döner d marathonNach nur einer Stunde und 8 Minuten hatte er die knapp über 10 Kilometer absolviert, Christian hatte gerade noch Zeit seinen Rucksack auf den Boden zu werfen und sich die Jacke vom  Körper zu reißen. Wie erwartet war er der Schnellste im Quartett, und übergab nach nur 57 Minuten an mich.

Endlich hatte es auch aufgehört zu regnen, was nicht nur unsere Stimmung hob, sondern auch die der Zuschauer am Streckenrand. Davon waren vor allem angesichts des Wetters echt viele gekommen, gefühlt sogar mehr als jüngst in Paris.

staffelUnd ohnehin ist der Düsseldorfer Marathon ein empfehlenswertes Staffelrennen, weil alle Wechselpunkte nah beieinander liegen. Deshalb konnten wir uns auch nach dem letzten Wechsel in Richtung Ziel aufmachen um den Ehrenmann ins Ziel zu brüllen, wegen dem alles angefangen hatte: Roland Schweins.

Ich darf, glaube ich, schreiben, dass er echt nervös war. Weil das mit dem Training dann doch nicht so gut geklappt hat, wie erhofft. Aber: Er kämpfte sich ins Ziel, ohne einen Meter zu gehen und so erreichte #roflcopter nach 4:21:57 das Ziel.

roland schweins

Wir anderen standen rechtzeitig am Rand des Zieleinlaufs und es war kurz zuvor, als unsere Gesichtszüge entglitten. Denn zum ersten Mal seit dem Start blickten wir auf den Stand der Spenden für das Kinderhospiz Regenbogenland. Und da standen mit einem Mal 2000,- Euro.

Wir waren und sind sprachlos, liebe Leserinnen und Leser, dass Sie aus einer spontanen “Wir machen mal”-Idee eine massive Menge Geld für eine unterstützenswerte Initiative gemacht und aus unserem tollen Tag einen wundervollen gemacht haben.

Wir lassen die Aktion mal bis heute Abend online, falls es noch Nachzügler geben sollte.

Doch schon jetzt verneigen wir uns vor all denjenigen, die uns unterstützt haben.

Danke.

staffel verneigung

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