Heute, ZDF-Morgenmagazin. Ein Test von “Fitnessbändern” wird angekündigt, also jenen Gerätschaften, die Schritte, Bewegungen und Sport messen. Interessantes Thema, nicht neu, definitiv aber Moma-tauglich.

Wulf Schmiese, der ruckelnde Moderationsroboter, kündigt den Test mit dem Versprechen an, es werde gezeigt, was die Bänder könnten – “und vor allem, was sie nicht können”. Der Beitrag schließt mit einem positiven Fazit der Testerin (natürlich handelte es sich nicht um einen Langzeittest, dafür haben öffentlich-rechtlich subventionierte Privatsender wie das ZDF längst keine Ressourcen mehr), aber dem Schlusswort, die Bänder seien ein Lifestyle-Produkt. Selbstverständlich wurde eingehend besprochen, dass theoretisch die Daten der Nutzer von Krankenversicherungen in der Zukunft für das Durchdrücken höherer Tarife genutzt werden könnten. Ob dies rechtlich erlaubt ist, blieb nicht besprochen.

Willkommen im täglichen Technik-Hass des deutschen Journalismus, für den Technik nie leicht und spielerisch, immer aber gefährlich ist.

rp13

Diese Haltung tobt sich seit Jahren im Frühling aus, wenn die re:publica ansteht. Was einst als gemütliches Treffen in der Kalkscheuen begann, wird in diesem Jahr eine der größten Konferenzen egal welcher Art in Deutschland sein. Erwartete Teilnehmerzahl: 6.000.

rp14_banner_300x250_3Respekt für die Leistung, solch eine Veranstaltung auf die Füße zu bekommen und gleichzeitig die Ticket-Preise auf günstigem Niveau zu belassen, darf man von deutschen Journalisten nicht erwarten. Das Gros ihres Berufsstandes schaut mit Verachtung nach Berlin, auf das “Bloggerklassentreffen” oder die Messe der “Netzgemeinde – und formuliert seit dem ersten Jahr des Bestehens erwartbar Absurdes. Würde so über Modelleisenbahner oder Briefmarkensammler, vielleicht gar Journalisten geschrieben, was wäre da los?

2011 wollte ich den Ex-Kollegen ein wenig Arbeit ersparen und schrieb eine Handreichung im Vorfeld der re:publica. Diese wurde anscheinend mit Begeisterung angenommen. Und da auch der SWR Nachberichte über Veranstaltungen schon vor deren Start publiziert, scheint ein Bedarf vorhanden für imaginierte Even-Reports.

Deshalb hier der Nachbericht der re:publica 2014 (zusammengestellt aus Originalartikeln klassischer Medien von 2007 – 2013): [click to continue…]

{ 7 comments }

Warum jeder Verlag einen Gutjahr braucht

by Thomas Knüwer on 30. April 2014

“Weißt Du, was gleich kommt?”, fragt mich Richard Gutjahr.

gutjahrWir sitzen beide im Yahoo-Haus der SXSW, der größten Digital-Konferenz der Welt in Austin, und wollen beide eigentlich nur mal nen Eiskaffee trinken. Aber gleich wird es auf der Bühne eine kleine Talkshow geben.

“David Pogue interviewt gleich nen Überraschungsgast”, sage ich.

“Echt?” Und schon prüft Richard die Bereitschaft seines Handys. Eine Stunden später, der Yahoo-Tech-Blogger hat zwischenzeitlich Kickstarter-Mitgründer Yancey Strickler interviewt, wird Gutjahr spontan ein kleines Interview mit Pogue führen. Noch in der Nacht geht es online als Audio-Slideshow auf Youtube.

Ist das die Neu-Erfindung des Journalismus? Nein. Im Gegenteil. Irgendwo sitzen, spontan entscheiden “Das ist interessant”, machen. Eigentlich geht so Journalismus, wie ihn sich viele vorstellen, die diesen Beruf wählen. Das ist Reporter-Klassik. Mit der Georg von Holtzbrinck-Schule besuchten wir in meiner Volontärszeit einmal Gunter Hofmann, den langjährigen Hauptstadt-Korrespondenten der Zeit. Er berichtete, wie Marion Gräfin Dönhoff einst regelmäßig in das Büro der Wochenzeitung stürmte, mit vor Erregung zitternden Fingern und der laut vorgetragenen Forderung nach einer Schreibmaschine: “Ich muss was schreiben!”

Von dieser Art Journalismus träumten wir auch während des Studiums in Münster, als in Nordrhein-Westfalen die kreisweiten Lokalsender an den Start gingen: In der Redaktion von einem Feuer erfahren, rausfahren, live berichten. Was waren wir naiv. Stattdessen mutierten die allermeisten der Sender zu Dudelfunks ohne redaktionellen Anspruch.

Heute eröffnet sich jedem Journalisten die Chance, genau das zu tun: Machen. In jeder Länge. In jeder medialen Variante. Ohne physische Begrenzung. Doch kaum jemand nutzt es. Mehr noch: Es gibt eine unterschwellige Abneigung bei vielen (vor allem fest angestellten) Journalisten gegenüber neuen Technologien. Selbst die dienstliche Nutzung von Social Media ist ja für viele schon eine mittlere Herausforderung, die sie nicht annehmen mögen.

Das ist nicht neu. Doch stelle ich mir eine Frage: Hat diese Innovationsabneigung der Redaktionen durchgeschlagen auf den kaufmännischen Bereich der Medienkonzerne? [click to continue…]

{ 4 comments }

Danke. #roflcopter

by Thomas Knüwer on 28. April 2014

Es war auf dem Weg zum Ziel, als Christian Kirchner und mir die Kinnlade runterfiel. Wir beiden hatten unsere Staffelabschnitte für #roflcopter absolviert und es war der erste Moment, in dem wir wieder Zeit hatten auf unser Handy zu schauen.

Und mit einem Mal war dieser ohnehin schon tolle Tag ganz anders.

Begonnen hatte er mit Sauwetter. Aber nun hatten wir mit der Ankündigung unserer Bloggerstaffel bis zum Morgen des Düsseldorf Marathons schon rund 1.300 Euro für das Kinderhospiz Düsseldorf eingesammelt – da ist Kneifen nicht mehr drin.

roflcopter D 2014(von links: Thomas Knüwer, Christian Kirchner/Menschen Zahlen Sensationen, Stephan Dörner/Online Journalismus Blog, Roland Schweins/Styleranking)

Und so startete Stephan Dörner um 10 Uhr bei strömendem Regen und der Ansage, dass er hoffentlich durchkomme. Das miese Wetter ruinierte auch unsere Idee, nicht nur an unseren Team-Shirts sondern auch am Kampfhubschrauber-Ballon erkennbar zu sein. Denn Helium-Ballons verlieren bei 14 Grad massiv an Höhe: Aus dem Roflcopter wurde ein Bodenstaubsauger.

ballonAb jetzt jedenfalls heißt Herr Dörner “Master of Tiefstapeling”. Stephan war weitaus schneller am ersten Wechselpunkt in Oberkassel, als erwartet.

döner d marathonNach nur einer Stunde und 8 Minuten hatte er die knapp über 10 Kilometer absolviert, Christian hatte gerade noch Zeit seinen Rucksack auf den Boden zu werfen und sich die Jacke vom  Körper zu reißen. Wie erwartet war er der Schnellste im Quartett, und übergab nach nur 57 Minuten an mich.

Endlich hatte es auch aufgehört zu regnen, was nicht nur unsere Stimmung hob, sondern auch die der Zuschauer am Streckenrand. Davon waren vor allem angesichts des Wetters echt viele gekommen, gefühlt sogar mehr als jüngst in Paris.

staffelUnd ohnehin ist der Düsseldorfer Marathon ein empfehlenswertes Staffelrennen, weil alle Wechselpunkte nah beieinander liegen. Deshalb konnten wir uns auch nach dem letzten Wechsel in Richtung Ziel aufmachen um den Ehrenmann ins Ziel zu brüllen, wegen dem alles angefangen hatte: Roland Schweins.

Ich darf, glaube ich, schreiben, dass er echt nervös war. Weil das mit dem Training dann doch nicht so gut geklappt hat, wie erhofft. Aber: Er kämpfte sich ins Ziel, ohne einen Meter zu gehen und so erreichte #roflcopter nach 4:21:57 das Ziel.

roland schweins

Wir anderen standen rechtzeitig am Rand des Zieleinlaufs und es war kurz zuvor, als unsere Gesichtszüge entglitten. Denn zum ersten Mal seit dem Start blickten wir auf den Stand der Spenden für das Kinderhospiz Regenbogenland. Und da standen mit einem Mal 2000,- Euro.

Wir waren und sind sprachlos, liebe Leserinnen und Leser, dass Sie aus einer spontanen “Wir machen mal”-Idee eine massive Menge Geld für eine unterstützenswerte Initiative gemacht und aus unserem tollen Tag einen wundervollen gemacht haben.

Wir lassen die Aktion mal bis heute Abend online, falls es noch Nachzügler geben sollte.

Doch schon jetzt verneigen wir uns vor all denjenigen, die uns unterstützt haben.

Danke.

staffel verneigung

{ 1 comment }

Wir wollen Ihr Geld!

by Thomas Knüwer on 23. April 2014

Es begab sich im vergangenen April, dass mein Ex-Kollege Roland Schweins, Gründer des Modeblogs Styleranking und Blogger bei Passionpapa, mir via Twitter eine Wette anbot:

Ich hielt dagegen. Jede gute Wette aber braucht einen interessanten Einsatz und so erklärte ich mich im Fall der Niederlage bereit, einen Tag bei Styleranking modzubloggen. Roland dagegen schlug ich vor, dass er mit mir 2014 im Rahmen des Düsseldorfer Marathons Staffel läuft. marathon 2   Der Ausgang ist bekannt: Gabor Steingart blieb in Düsseldorf, Wolfgang Büchner wurde Chefredakteur des “Spiegel”. Als dies Stephan Doerner, ebenfalls ein Ex der Verlagsgruppe Handelsblatt und heute Redakteur (und Blogger) beim Wall Street Journal Deutschland, mit einem Hinweis auf unsere Wette vertweetete, shanghaiten wir ihn gleich mit rein in die Staffel.

Am kommenden Sonntag also ist es so weit: Metro Group Marathon Düsseldorf mit #roflcopter, der Blogger-Staffel.

roflcopter

Denn es ist uns sogar gelungen, einen vierten Läufer ins Boot zu bekommen, der ebenfalls Texte in dieses Internet schreibt (und ebenfalls eine Verlagsgruppe-Handelsblatt-Vergangenheit hat): Christian Kirchner von “Capital”, der unter Menschen, Zahlen, Sensationen bloggt.

Und nun wollen wir: Ihr Geld, liebe Leserinnen und Leser.

Langstreckenläufe sind traditionell auch ein Ereignis um Spenden für gute Zwecke zu sammeln. Wir wollen am Sonntag laufen für das Kinderhospiz Regenbogenland in Düsseldorf, eine Institution, die sich zu drei Vierteln aus Spenden finanziert.

Das Hospiz schreibt über sich selber:

“Ein Kinderhospiz ist ein Haus für Kinder, die wegen einer unheilbaren Erkrankung oder einer schweren Behinderung nur eine eingeschränkte Lebenserwartung haben. Ein Kinderhospiz ist ein Ort, an dem das Leben und die Lebensfreude im Mittelpunkt stehen. Es ist eine Einrichtung, die den Familien dabei helfen will, die ihnen noch verbleibende Zeit gemeinsam mit ihrem Kind möglichst erfüllt und positiv zu gestalten.”

Das allein wäre Grund genug, Geld zu geben, was Sie via Betterplace in dem Fenster hier tun können:

Warum aber über unsere Staffel spenden?

Vor allem, weil sich Roland und Stephan in den vergangenen Monaten mächtig gequält haben. Christian ist im vergangenen Herbst in Frankfurt seinen ersten Marathon gelaufen, ich selbst komme jetzt auf drei richtige und einen inoffiziellen. Die rund 10 Kilometer, die jeder Läufer in einer Staffel zu absolvieren hat, sind für uns eine entspannte Distanz.

Für Roland und Stephan ist das nicht so, weshalb ich vor beiden höchsten Respekt habe. Sie haben zu Beginn des Jahres überhaupt erst mit dem Laufen begonnen, sich durch Erkältungen und Verletzungen geplagt und für sie lautet das Ziel: Durchkommen. Egal, wie.

Dabei hilft natürlich das Wissen, dass nicht nur an der nächsten Wechselstelle die anderen des Teams warten und die nicht laufen dürfen, gibt man auf. Nein, auch das Wissen um Spenden für den guten Zweck helfen dabei, sich bis nach Oberkassel (Stephan) oder ins Ziel (Roland) zu kämpfen.

Wir wollen das nicht zu hoch hängen, aber so ein kleines Zeichen soll #roflcopter auch setzen. Gern werden Menschen, die sich intensiver mit Computern oder dem Web beschäftigen in Deutschland als vor dem Bildschirm verfettende Nerds portraitiert. Ich kenne sogar einen Informatiker, der an einer Fachhochschule lehrte und genau davon berichtete: Dass seine Studenten die ersten Semesterferien antraten und sich von Freunden oder Verwandten in der Heimat anhören mussten, sie würde sicher bald der einsame Verfettungstod ereilen.

marathon 1

Dabei ist jede Form von Aktivsport ein großes Thema im Netz. Viele Communities rund um Themen wie Marathon oder Triathlon gibt es und Blogger, die über Aktivsport schreiben. Genauso gibt es viele Menschen, die Sie aus dem Netz kennen könnten, die Sport treiben, ohne dies in ihre Blogs einfließen zu lassen. Als Beispiel sei der geschätzte und bewunderte Mario Sixtus genannt, der sich von Null auf VerdammtschnellerMarathon hochgeschossen hat.

Unsere Staffel bildet das ab: Zwei, die dieses schwer zu erklärende Fieber namens Marathon gepackt hat laufen mit zweien, die mal gucken, was so geht.

Vielleicht ist das ja sogar ein Anstoß für andere Netzaffine, sich auf ähnliche Art zusammenzutun. Gerade Marathon-Staffeln sind dafür eine tolle Sache, denn sich auf rund 10 Kilometer hochzutrainieren ist eine realistische Angelegenheit innerhalb eines halben Jahres. Und auch wenn Staffeln meist später starten als das Hauptfeld, so sind doch viele Zuschauer an der Strecke und feuern an. Das unterscheidet dann auch die Marathonstaffel von den vielen Firmenläufen, die sich derzeit in Deutschland breit machen: Hier läuft man im Haufen eine Strecke von 5 bis 6 Kilometern. Das ist zwar gemeinschaftlich aber weniger herausfordernd und findet meist auf eher traurigen Strecken statt, zum Beispiel auf Stadienparkplätzen.

marathon 3

Der Düsseldorfer Marathon ist noch dazu besonders staffelfreundlich, denn seine Wechselpunkte liegen alle nah bei einander. #roflcopter wird also gemeinsam mit der Firmenstaffel von kpunktnull und den beiden Staffeln unserer Partneragentur Niehaus Knüwer and friends von Wechselpunkt zu Wechselpunkt spazieren – das war im vergangenen Jahr ein wundervoller Tag.

Sollten Sie zufällig in der Stadt sein, bitte treten Sie vor die Haustür und an die Laufstrecke und schreien ein wenig rum – die Läufer werden es Ihnen ehrlich danken. Sollten Sie gar die Staffeln beobachten, hier der geplante #roflcopter-Ablauf:

10 Uhr Start am Rheinufer mit Stephan Dörner, der sich Richtung Golzheim und Nordpark aufmacht, dort wendet und über die Oberkasseler Brücke und Luegallee zum ersten Wechselpunkt kommen wird.

Er übergibt an Christian Kirchner, der sich Oberkassel vornehmen wird: Erst in einer Nordschleife Richtung Vodafone-Hauptquartier, dann am Rhein entlang Richtung Süden und schließlich über die Luegallee und die Oberkasseler Brücke zurück in Richtung City.

Im Hofgarten bei den beleuchteten Bänken übergibt er an mich. Der Weg führt über Pempelfort und Derendorf zum Zooviertel. über die Rethelstraße geht es zum letzten Wechselpunkt auf der Jacobistraße.

Dort übernimmt Roland Schweins und läuft das Ding über die Kö, Unterbilk und Hafen nach Hause, genauer ans Ziel am Rheinufer.

Damit Sie, liebe Spenderinnen und Spender, mitbekommen, ob wir es schaffen, werden Sie am Sonntag über unsere Twitter-Accounts einiges mitbekommen, genauso aber über den Firmen-Account von kpunktnull.

Bitte drücken Sie die Daumen – und spenden Sie!

Danke.

Nachtrag: Unsere Staffel erkennen Sie am Sonntag in den Wechselzonen natürlich an einem Rolfcopter. kpunktnull läuft unter dem Zeichen des Angry Bird.

roflcopter

{ 5 comments }

Analoger Shitstorm bei O2

by Thomas Knüwer on 21. April 2014

 

{ 1 comment }

Lieber Mathias Döpfner,

wir sind uns exakt einmal kurz begegnet. Ich kniete kurz vor Ihnen und stellte Ihnen eine Frage, die sich auf das bezog, was Sie wenige Minuten zuvor auf einem Podium gesagt hatten. Es war der November 2009 und wir waren beide zu Gast beim Monaco Media Forum. Auf der Bühne kündigten sie eine neue Zeitung mit maßgeblichen Inhalten aus dem Social Web an. Auf meine Nachfrage erklärten Sie, dabei handele sich um einen Relaunch der “Welt Kompakt”. Wann der komme, fragte ich und sie antworteten: “In wenigen Wochen.”

matthies-döpfner-horste-seehofer-medientage-münchen-klein

Dies bloggte ich. Kurz darauf dementierte Ihre PR-Abteilung und behauptete, ich hätte Sie missverstanden: Es habe sich um den Relaunch gehandelt, der einige Wochen zuvor stattgefunden habe (und in dem es Spurenelemente aus dem Social Web gab). Nun war ich nicht allein und der gesamte Kreis um mich hatte das gleiche gehört wie ich.

Seitdem weiß ich: Sie wissen oft nicht, wovon Sie sprechen.

Dafür gibt es noch mehr Belege, zum Beispiel falsche Zitate oder historische Zusammenhänge. 2006 schrieben Sie, sie glaubten an das damals schon mehr als fragwürdige Riepl’sche Gesetz. 2010 sahen Sie die wirtschaftliche Zukunft des Journalismus als ungefährdet an. In einem teils bizarr anmutenden Interview mit dem “Handelsblatt” bejubelten Sie die wirtschaftliche Lage von Medienkonzernen.

Man kann sogar sagen: Wenn Sie einmal in Rage sind, spielen Fakten oder logische Zusammenhänge eine diminutive Rolle.

Eine ähnliche ungesteuerte Killerzitat-Drohne ist Google-Chairman Eric Schmidt. Auch er babbelt einfach mal so los, im Gegensatz zu Ihnen sagt er dann aber Dinge, bei denen man ahnt: “Das meinst Du jetzt vielleicht nicht so – aber es ist einfach extrem unklug es so auszudrücken.”

Eines aber eint Sie und Schmidt: Sie beide sind unfähig, von Ihrer eigenen Situation und der Ihres Unternehmens zu abstrahieren. Sie sind nicht in der Lage, in größeren Zusammenhängen zu denken und zu sprechen, ohne beständig die eigene Konzernbilanz im Auge zu haben. Und deshalb kann es nur schlimm werden, wenn Sie sich ein Debattenduell liefern.

Dummerweise läuft genau das gerade ab. [click to continue…]

{ 25 comments }

Dacia Duster rettet Porsche Macan

by Thomas Knüwer on 10. April 2014

Manchmal gibt es Nummern, aus denen kommt man auch nicht mehr raus. Das ist nicht neu. Neu ist, dass sie sich weiter verbreiten dank des World Wide Web.

Wäre früher auf einer Pressereise, bei der ein neues Auto vorgestellt wird, etwas Blödes mit jenem Modell passiert, wären die Auswirkungen einigermaßen überschau-, vielleicht gar kontrollierbar gewesen. Gelesen hätten es ohnehin nur die sehr Interessierten auf den Autoseiten oder den Spezialpublikationen. Und vielleicht hätte man die Journalisten auch überreden können, eine unselige Episode während des Trips ganz unter den Tisch fallen zu lassen.

Heute folgen Journalisten dem gleichen Impuls wie die meisten von uns. Wir sehen etwas Interessantes, Spannendes, Lustiges oder Dramatisches und teilen es mit der Welt. So wie Gavin Green, der für das britische “Car Magazine” schreibt.

Er ist derzeit in Marokko unterwegs, wo Porsche seinen kleinen Geländewagen Macan vorstellt. Denn natürlich wählt auch Porsche nicht das heimische Werk als Ort einer solchen Präsentation: Die Presse wird an einen angenehmeren Ort geflogen und kommod bewirtet. Zunächst verriet Green, dass sich die Macans im chaotischen Verkehr Marokkos schon etwas schwer taten:

Doch es kommt noch schlimmer. Er twitpict einen der vielleicht peinlichsten Momente der Firmengeschichte: Ein Macan fährt sich in gar nicht mal so ruppig aussehendem Gelände fest und wird rausgezogen – von einem Dacia Duster.

Mir fällt nicht wirklich ein, wie ein Unternehmenskommunikator oder Markenverantwortlicher aus der Nummer rauskommt. Manchmal kann man sich nur hinstellen und die Schläge entgegennehmen.

Oder hat einer der geneigten Leser hier eine Idee?

 

Nachtrag: OK, @seiz hatte auf Twitter einen interessanten Vorschlag zur Rettung der Kommunikation…


{ 4 comments }

Als die CDU das Neuland verhindern wollte

by Thomas Knüwer on 9. April 2014

Gerade begegnet mir auf Facebook, ausgehend vom SPD-MdB Ulrich Kelber eine Anfrage der CDU/CSU aus dem Jahr 1973. Damals stellten die Christdemokraten in Gestalt des Abgeordneten Linus Memmel eine parlamentarische Anfrage, die sich auf eine Unsitte bezog, die auch heute viele in der Partei für verwerflich halten: Datenübertragung.

Der Text jener Anfrage lautete laut Kelber:

“Trifft es zu, dass das öffentliche Telefonnetz während mehrerer Tagesstunden für die Übermittlung von Daten für die verschiedenen Datenverarbeitungen genutzt und für wirkliche Telefongespräche blockiert wird, und was gedenkt die Bundesregierung zu tun, um das Telefonnetz für seine eigentlichen Aufgaben freizumachen?”

Der damalige Forschungsminister Horst Ehmke habe geantwortet, man wolle den Datentransfer sogar fördern.

Eines kann man der CDU/CSU also nicht vorwerfen: Dass sie in ihrer Haltung zum Internet über die Jahrzehnte hinweg inkonsistent gewesen sei.

Nachtrag: Via Twitter macht mich @avbelow auf die Ironie der Geschichte aufmerksam. Damals wollte die CDU Datentransfer über die Telefonleitung verhindern – heute die Telekomkonzerne Telefonate über die Datenleitung.

Nachtrag II: Vielen Dank an Daniel B., der das Originaldokument rausgesucht hat, zu finden unter diesem Link. 

{ 1 comment }

Geht es um Facebook, heult leise

by Thomas Knüwer on 4. April 2014

Liebe Groß-Werbeagenturen, liebe Werbetreibenden,

hört auf zu heulen.

Das durch Hybris anabolisierte Selbstmitleid mit dem Ihr derzeit in Sachen Facebook durch die Branchenmedien propagandiert, ist nicht mehr zu ertragen. Es zeugt vom tiefen Glauben, die ganze Welt wolle nichts sehnlicher, als Eure immer platter und unmutiger werdenden Botschaften und Eure ebenso immer gleichen Waren. shutterstock kind heulen weinen(Foto: Shutterstock)

Halten wir deshalb zunächst einmal eines fest: Kein Verbraucher liebt Werbung. Keiner.

Es gibt Werbung, die so toll ist, dass die Menschen darauf abfahren, die uns mitreißt, die sich in unseren Wortschatz einpflanzt. Die läuft und läuft und läuft. Es gibt Werbung, die sie tatsächlich von einer Marke oder einem Produkt überzeugt. Doch sie wird immer seltener – und daran seid Ihr Schuld.

Denn so gut wie jede Kampagne wird heute bei Großunternehmen so lange weichgespült, bis sie auch in der konsenstigsten aller Konsensgesellschaften niemand mehr stört. Was auch bedeutet: Sie ist grottenlangweilig. Kaum ein Unternehmen, in dem Markenverantwortliche noch wagen dürfen, etwas zu riskieren. Denn geht eine Kampagne schief, ist gleich die Karriere bedroht.

So entsteht keine Werbung, die mitreißt. Und noch eine bittere Wahrheit sei genannt: Facebook wurde nicht für Euch erfunden.

Ehrlich. Mark Zuckerberg saß nicht in seiner Studentenbude und dachte: “Mööönsch, heute entwickel ich mal ne Plattform, auf der Unternehmen besonders geil Verbraucher zutexten können.” Er wollte Menschen miteinander in Kontakt bringen. Das hat ziemlich gut geklappt, womit wir bei der nächsten unschönen Realität wären: Die allerallerallermeisten Menschen sind nicht auf Facebook wegen Euch, Euren Botschaften, Kampagnen und Marken.

Das heißt nicht, dass Verbraucher Werbung und Marken generell für böse halten. Doch stünde den Werbern und Ihren Kunden Demut gut zu Gesicht, vor allem wäre sie eine willkommene Abwechslung angesichts des aktuellen Bildes der heuchelnden Klageweiber und -gesellen, als die Werbeagenturen und Unternehmen derzeit durch die Lande geistern. “Facebook kassiert ab”, titelt das Branchenblatt “Horizont” und: “Werbungtreibende kritisieren das soziale Netzwerk und suchen nach Alternativen”.

Ja, pöses, Facebook, ganz, ganz pöse. Verhinderst einfach so, dass Deine Nutzer in ihrem Newsstream Markenwerbung auf Markenwerbung auf Markenwerbung auf Markenwerbung sehen.

Pöse.

Wen überrascht, dass die Reichweiten von Facebook-Pages zurückgehen, der hat sich exakt 2,4 Sekunden mit der Plattform und ihrer Funktionalität beschäftig. Na gut, vielleicht auch 4,3 Sekunden, wenn er langsam liest. Dass Unternehmen und Agenturen sich allen Ernstes darüber beschweren zeigt, wie unwissend sie im digitalen Marketing noch immer sind und wie wenig Gedanken sie sich über die dortigen Zusammenhänge machen.

Als Zeugnis sei hier jene Titelstory aus der “Horizont” angeführt, genauer Tina Beuchler, die Mediachefin von Nestlé. “Horizont” zitiert die “Lebensmittel-Zeitung”, die Beuchler zitiert mit den Worten: “Wir sind auf Facebook aktiv geworden, als es noch ein Owned/Earned-Media-Kanal war. Durch die Entwicklung zu einem Paid-Media-Kanal sind wir gezwungen, die Rolle von Facebook als digitales Zuhause zu überdenken.”

horizont facebook kassiert

Ich bin bei solchen Sätzen gezwungen meinen Glauben an Tina Beuchler als kompetente Managerin zu überdenken. Denn Facebook filtert schon lange den Newsstream – Gott sei Dank. So entsteht ein guter Überblick über das, was seit dem letzten Login des Nutzers passiert ist. Umso wertvoller ist diese Filterung, je mehr Freunde und gelikete Pages ein Nutzer hat.

Jetzt denken wir mal logisch, Frau Beuchler. [click to continue…]

{ 19 comments }

“I’m an expert.”

by Thomas Knüwer on 3. April 2014

Ein ganz normaler Tag im Leben eines Großkonzerns.


{ 3 comments }