Kleiner Sendungshinweis:

grumpy catMorgen um 9:20 bin ich zu Gast bei der WDR5-Talkshow “Funkhaus Wallrafplatz”. Mit Sebastian Matthes, Chefredakteur der Huffington Post Deutschland, diskutiere ich über emotionale Web-Phänomene wie Heftig.co Katzencontent und was all das für den Journalismus bedeutet.

Sie, liebe Leserinnen und Leser, können anrufen und werden in die Sendung geschaltet. Ich würde mich freuen, wenn viele das tun, damit wir eine spannende Sendung bekommen.

Alle Informationen finden Sie unter diesem Link. 

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Die größte Angst der Jugend von heute

by Thomas Knüwer on 12. Juni 2014


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In der vergangenen Woche hat der Berliner Konzertveranstalter Dirk Becker seinen Namen häufiger in den Medien gefunden, als ihm lieb sein konnte. Dank des Blogs der Ticketplattform Ticcats landete das unseriöse Agieren Beckers rund um das abgesagte Konzert von Prince in Berlin den Weg in die Massenmedien (und wie so häufig bliebe das Blog als Rechercheanstoß gerne mal unerwähnt).

Anscheinend ist die Veranstalterbranche nicht lernfähig. Denn gestern Abend war ich beim nächsten Großkonzert, das sich ein Shitstörmchen einfing: Udo Lindenbergs erstes Stadionkonzert in der Düsseldorfer Esprit-Arena.

Was dort passierte, wäre früher vielleicht eine kleine Erwähnung in der Konzertkritik wert gewesen – heute wird es via Social Media noch vor dem ersten Song zur Meldung. Befeuert noch dazu von einem Veranstalter, der digital ebenso wenig kompetent ist, wie die Kommunikationsabteilung der Esprit-Arena selbst und ein wenig von einem Veranstaltungsort, der nur so tut, als sei er an der Kommunikation mit seinen Kunden interessiert.

lindenberg(Draußen vor der Esprit-Arena, während drinnen die Vorgruppe spielte)

Die Fakten: Lindenbergs Konzert war auf den Karten und sämtlicher Kommunikation mit dem Starttermin 18 Uhr angegeben worden. Einlass: 16 Uhr. Das ist für ein Open Air-Konzert natürlich schon mal merkwürdig, einigermaßen erfahrene Konzertgänger ahnen aber schon: Da steht ein ausgedehntes Vorprogramm an.

Einige Tage vor dem Termin wurde der Beginn auf der Homepage der Arena mit 18:30 angegeben. Diese Information ist gestern Nacht noch von der Seite gelöscht worden (und über Löschungen werden wir noch sprechen). Das Ende wurde für 23:30 prognostiziert, was wieder auf mehr als einen “Supporting Act” schließen ließ.

Wer dieses aber sein könnte, darüber schwiegen Veranstalter und Arena – und dies war der Kardinalfehler, der die Welle ins Rollen bringen sollte.

Denn im Vorfeld wurde reichlich Medienarbeit betrieben, Lindenbergs Management warf sich mit voller Wucht in dieses Social Web, von dem alle immer reden. Dabei versuchte man den Hashtag #panikparty zu etablieren. Und tatsächlich funktionierte die Facebook-Seite Lindenbergs gut: In den drei Tagen vor dem Konzert stieg die Zahl der Likes auf Postings auf 2.000 bis 4.000 pro Tag, die Zahl der Kommentare auf 100 bis 300. Fragen nach den Vorbands blieben allerdings unbeantwortet, während vor allem die “Bild” über prominente Gäste wie Otto Waalkes, Max Herre und Peter Maffay spekulierte. So entstand der Eindruck: Aus diesem Kreis könne sich auch das Vorprogramm zusammensetzen.

Ich fragte auf der Facebook-Seite der Esprit Arena am Freitag, ob sie Informationen habe. Antwort: “Wir haben etwas mit ein paar Infos gepostet – die Infos dort helfen ein bisschen weiter…  Auf Wunsch von Udo sollen wir aber jetzt noch nicht viel mehr verraten – nur so viel: das Vorprogramm lohnt sich !”

Jene Infos nannten die dürren Zeitangaben und verlinkten auf jenen “Bild”-Artikel mit den prominenten Namen. Die Arena selbst ergänzte: “Es wird tolle Gäste geben – schaut einfach mal in den Artikel, den wir hier geteilt haben.”

Um 18:30 betrat ein Vertreter des Veranstalters die Bühne. Er begrüßte das Publikum im Namen von Balou Entertainment, einem bekannten Namen in der Konzertindustrie. Es handelt sich um die Firma des Kölners Roland Temme. Auf den Karten war jedoch ein Veranstalter namens (lustig angesichts der Geschehnisse) Think Big angegeben. Dabei handelt es sich um eine weitere Firma Temmes, die im Gegensatz zur homepagefreien Balou eine unfertige Homepage hat. Seriöses Auftreten sieht für mich anders aus, aber das ist vielleicht Geschmackssache.

Unter dem gellenden Pfeifkonzert des Publikums verkündete jener Mitarbeiter von Roland Temme, das Vorprogramm beginne um 19:15, Lindenberg starte um 21 Uhr. Das Vorpogramm sei dabei eine Band namens (wenn ich es richtig verstanden habe) Midnight Ramblers, bei der einzelne Mitglieder von Lindenbergs Panikorchester mitwirkten.

Da standen also die Harcore-Fans seit über zwei Stunden in der – noch dazu geschlossenen Arena – während draußen die Sonne wütete. Denn das Wetter hatte innerhalb von 24 Stunden in Richtung Extremsommer umgeschhaltet. Und dann erfahren sie, dass es 75 Minuten später losgeht und was da losgeht, wenig bewegend sein würde.

Spätestens in diesem Moment hätte man ein weiteres Puzzle-Teil stoppen müssen: Ein oberer Streifen der Bühne sollte als Twitter-Wall genutzt werden.

Schöne Idee.

Nur: [click to continue…]

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Die putzige Weltsicht der DPA

by Thomas Knüwer on 6. Juni 2014

Manchmal sind es ja die ohne Nachdenken hingeschluderten Sätze, die das Weltbild und die Lebenswirklichkeit eines Journalisten zeigen (oder einer Journalistin, was wir im vorliegenden Fall nicht wissen).

Es geht anscheinend um die DPA, was ich daraus schließe, dass ein Artikel mit unterschiedlichem Aufbau, aber dem gleichen Satz einmal bei der “Berliner Zeitung” mit DPA-Kennung und einmal bei der “NWZ” ohne zu finden ist. Es geht um die Rolling Stones auf der Waldbühne, deren Konzern extremst schnell ausverkauft war.

stones

Wie war das wohl, in dem Moment, als die Karten weggingen. Lassen wir DPA berichten:

“Es dauerte dann auch nur acht Minuten – dann waren 22.000 Eintrittskarten weg. Und zahllose weitere Fans, die vor den Kassen seit Stunden warteten, unglücklich.”

Seit Stunden warteten die da, die Fans. Vor den Kassenhäuschen der Waldbühne. Schlimm. Noch dazu kein Wort der Anerkennung für die schnellsten Kartenverkäufer der Welt, die es schafften, 45,8 Karten zu verkaufen – pro Sekunde. Schnelle Finger, haben sie in Berlin.

Und jetzt könnte mal bitte jemand der DPA eine Internet-Leitung schenken? Und der “Berliner Zeitung” sowie der “Nordwest Zeitung” vernünftige Redaktoren?

Danke.

Nachtrag: Ein Twitter-Disput mit DPA-Mann Froben Homburger ergab, dass wohl rund 50 Menschen vor den Kassen der Waldbühne abgewiesen wurde. 50 Menschen sind für DPA zahllos. 

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Was ist Netzneutralität?

by Thomas Knüwer on 4. Juni 2014

In den USA hat der Kampf um die Netzneutralität konkretere Formen angenommen als bisher in Deutschland. Doch keine Sorge: Auch wir werden wohl noch heftiger darüber debattieren.

oliver

Gestern Nacht hat John Oliver, der Nachfolger von Jon Stewart in der Late-Night-Schiene von HBO, gezeigt, wie man jedermann die Bedeutung dieses Themas nahe bringen kann. Sein 13-Minuten-Segment ist großer, ironischer TV-Journalismus. Wer das gesehen hat, wird für jene die passende Antwort haben, die auch in Deutschland behaupten, der Wegfall von Netzneutralität sorge dafür, dass irgendetwas besser werde. Tatsächlich werden wir beispielsweise eine Verteuerung des Gesundheitswesens erleben – denn dann müssten Krankenhäuser eben teurere Datenleitungen kaufen, um digitale Patienteninformationen zu transportieren. Was auch bedeutet: Der Wegfall von Netzneutralität kann sogar Leben gefährden.

Olivers Aufruf, sich an der Stimmensammlung der Ordnungsbehörde FCC zu beteiligten zeigte Wirkung: Die Seite ging in die Knie.

Gut so.

Wenn ihnen also nochmal jemand mit diesem Unsinn kommt, sei es Telekom-Lobbyist oder CDU-Politiker, dann geben Sie ihm die gleiche Antwort, die Oliver für den Telekom-Anwalt Georgte Foote bereit hält: Bullshit!

Ganz nebenbei: Wäre schön, wenn die auch von mir geschätzte “heute Show” des ZDF, das deutsche Gegenstück zu Olivers Show, sich weniger in Fäkal-Beleidigungen ergehen und wieder mehr auf inhaltliche Recherche setzen würde. 

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Krautreporter! Verdammte Hacke, begeistert Euch!

by Thomas Knüwer on 30. Mai 2014

Wenn dieser Artikel online gegangen ist, werde ich meine Kreditkarte nehmen und sie freigeben für eine Spende an die Krautreporter. Ich werde dies ohne große Begeisterung und Vorfreude tun, eher achselzuckig und auch getrieben von Gruppendruck.

60 Euro will dieser Kreis von Journalisten um in Ruhe arbeiten zu können, etwas freier (angeblich sogar völlig losgelöst) von wirtschaftlichen Zwängen und Redaktionsdruck. Beteiligt sind einige Autoren, die ich hoch schätze wie Richard Gutjahr, Stefan Niggemeier oder Thomas Wiegold, und eine größere Zahl, deren Namen mir noch nie begegnet sind. Insgesamt 900.000 Euro wollen sie einsammeln um so jedem der Autoren 2.000 bis 2.500 Euro im Monat zahlen zu können. Eine Halbtagsstelle, sozusagen.

Krautreporter

Während der re:publica berichtete mir Alexander von Streit unter der Hand das erste Mal von der Idee und ich freute mich ernsthaft. Das könnte richtig geil werden, dachte ich, erst recht angesichts der mir bekannten Beteiligten. Da sind Menschen dabei, die für den Journalismus brennen und für ihre Themen. Die auch Bereiche abdecken, die zu den quantitative Orchideen der Berichterstattung gehören, qualitativ aber bedeutsam sind.

Dieses Projekt ist wichtig. Es würde zeigen, dass Journalisten, die sich selbst im Web ihren Ruf aufbauen, Menschen hinter sich versammeln können. Dass Autoren, die sich in Orchideen-Themen bohren ihre Leserschaft finden können, ohne dass sie bei Redaktionen betteln müssen.

Ja, die Krautreporter könnten einen Schritt in eine neue Medienkultur werden, weg von der Idee der Anzeigenfinanzierung oder Bezahlung, hin zu Honorierung im wahrsten Sinne des Wortes. Und natürlich ist es gesellschaftlich wünschenswert, wenn Journalisten ihr Zeitbudget von der Auftraggebersuche in Richtung Recherche umschichten können.

Sprich: Es wäre wundervoll, wenn die Krautreporter ein Jahr lang einfach mal machen könnten.

Nur… *DerAutordiesesTextesholttiefLuft* [click to continue…]

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Wie groß ist Social Media?

by Thomas Knüwer on 28. Mai 2014

Wie groß ist eigentlich dieses Internet, vor allem seine Social Media-Komponente? Diese Frage zu beantworten oder zu visualisieren gehört zum Alltag von jenen, die zu digitalen Themen Vorträge halten. Seit 2009 gab es Gary’s Social Media Count – doch leider scheint dieser seit dem vergangenen Jahr nicht mehr aktualisiert zu werden.

Heute tauchte in meinem Nachrichtenstrom eine Alternative auf – und sie ist noch viel schöner. Gebaut hat sie allerdings eine Pennystocks-Lehrseite, weshalb die Zahlen dahinter vielleicht mit Vorsicht zu genießen sind:


Click the image to open the interactive version (via Penny Stocks Lab).

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Journalisten brauchen Demut

by Thomas Knüwer on 26. Mai 2014

Giovanni di Lorenzo, Chefredakteur der “Zeit” und Moderator der öffentlich-rechtlichen Talkshow “3nach9″ hat möglicherweise Wahlbetrug begangen.

Giovanni_di_Lorenzo_und_die_doppelte_Stimmabgabe_bei_der_Europa-Wahl__Günther_Jauch_25_05_2014__-_YouTube

Als ich heute morgen das erste Mal davon hörte, dachte ich, der Postillon hätte zugeschlagen.

Denkste. Di Lorenzo hat in der Talkshow von Günter Jauch einfach mal so ausgeplaudert, dass er zweimal seine Stimme bei der Europawahl abgegeben hat –  schließlich besitze er auch zwei Pässe. “Ich darf zweimal wählen”, behauptete er mit erstaunlicher Selbstverständlichkeit.

Günter Jauch war darauf vorbereitet, was ich ebenso bemerkenswert finde. Er konfrontierte di Lorenzo mit dem geltenden deutschen Recht. Und das sieht bei Wahlfälschung eine Strafe zwischen einer Geldbuße und fünf Jahren Haft vor. Geradezu generös sagte di Lorenzo dann, er könne auch darauf verzichten und das sei ja wohl nicht das Problem mit Europa.

Finanzminister Wolfgang Schäuble, dessen Wut eher kalt serviert wird, kanzelte den “Zeit”-Chef ab wie einen Schuljungen.

Und mit was? Mit Recht.

Dabei geht es mir weniger um die rechtliche Lage, die bei Udo Vetter und im Beck-Blog kundig analysiert wird. Anscheinend ermittelt die Staatsanwaltschaft bereits. Es geht mir mehr um die generelle Haltung eines der bekanntesten Journalisten der Republik und um seinen Bezug zur Realität.

Stellen Sie sich einfach mal selber die Frage: Wenn Ihnen jemand davon erzählte, dass er über zwei Staatsbürgerschaften innerhalb der EU verfüge und deshalb zweimal wählen dürfe – wie würden sie reagieren? Nicken und sagen: “Viel Spaß!” Oder würde nicht der gesunde Menschenverstand sofort an die Schädeldecke klopfen und sagen: “Ähm, da stimmt doch eher was nicht… Erinnerste Dich? Geschichtsunterricht? Da gab es doch diesen Spruch ,One man, one vote’ – gilt der nicht mehr?” [click to continue…]

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Die gesamte Woche über schon geistern die Berichte über einen Innovations-Bericht der “New York Times” durch die Medienblogs und -seiten. In der klatschfreudigen New Yorker Szene war es nur eine Frage der Zeit, wann irgendjemand diesen Bericht vollständig veröffentlichten würde.

Es ist zutiefst ironisch, dass dies nun ausgerechnet über eine Plattform passiert, die im Bericht explizit als einer der größten Konkurrenten für die “NYT” genannt wird und der in Deutschland noch immer (ungerechtfertigterweise) abgesprochen wird, überhaupt so etwas wie Journalismus zu sein: Buzzfeed.

Ich habe den Morgen damit verbracht, mich durch den Bericht zu arbeiten. Schwer ist das ehrlich gesagt nicht, denn der Report ist hervorragend geschrieben und layoutet – Respekt.

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Erika Cross / Shutterstock.com

Jeder, der sich für Medienwandel interessiert, sollte ihn vollständig lesen. Ich halte diesen Bericht aus Branchensicht sogar für eine Art zeitgeschichtliches Dokument, denn er hält fest, wie sehr selbst ein scheinbares Digital-Vorzeigeunternehmen wie die “New York Times” es nicht schafft, ihre systemischen und strukturellen Probleme zu überwinden. Und er bestätigt ganz viele Punkte, die nicht nur hier in der Indiskretion, sondern auch in zahlreichen anderen Medienblogs seit Jahren kritisiert, von den Verlagskonzernen aber verlacht werden.

Der Bericht entstand aus über 200 Einzelinterview mit aktuellen und ehemaligen Mitarbeitern sowie Konkurrenten. Es gibt von Seiten der Autoren vier Empfehlungen, man könnte sie angesichts des Tons auch als Forderungen bezeichnen. Diese lassen sich fast deckungsgleich auf deutsche Medienhäuser übertragen – zeigen aber auch, dass der Weg der hiesen Unternehmen noch viel weiter ist als der eines weitaus ressourcenstärkeren Hauses wie der “Times”. [click to continue…]

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“Journalisten sind sehr strukturkonservativ”, sagt Jochen Wegner, Chefredakteur von Zeit Online, im Rahmen der Media Convention in Berlin vor zwei Wochen.

Wie wahr.

Jeder, der als Vorgesetzter schon einmal einen Relaunch, einen Produktneustart oder auch nur die Einführung eines neuen Redaktionssystems begleitet hat, kann davon ein Lied singen, nein, besser: eine Oper mit wagnerianischen Gefühlsausbrüchen.

Jener Berufsstand, der sich selbst über lange Zeit als nonkonformistisch und vieler Konventionen enthoben inszeniert hat, entwickelt die Flexibilität eines Stahlbalkens, geht es darum, neue Rubriken zu pflegen, eine Funktion auf dem Bildschirm ein Menü weiter zu aktivieren oder gar Autoren in einem neuen Themengebiet suchen zu müssen.

shutterstock innere kündigung angst tür

Laut des Meinungsforschers Gallup haben 17 Prozent der deutschen Angestellten keinerlei emotionale Bindung an ihren Arbeitgeber, 67 Prozent nur eine geringe, 16 Prozent eine hohe. Die Folge: innere Kündigung. Und ich behaupte: In Print-Verlagen würden die beiden äußeren Pole – hohe Bindung und keinerlei – stärker ausschlagen.

In den vergangenen Jahren habe ich viele Journalisten erlebt, die rechtzeitig erkannten, dass es Zeit ist, etwas anderes zu machen, bevor man jenen Zustand erreicht, in dem man systematisch seinen Job macht, um ihn nicht zu verlieren, gleichzeitig aber seine Emotionen an anderer Stelle auslebt. Und ich kenne eine Reihe derer Kollegen, die den anderen Weg gingen. Oft genug standen sie dann bei der nächsten Abbaurunde auf der schwarzen Liste, lieferten sich vor dem Arbeitsgericht noch ein paar Scharmützel um eine höhere Abfindung und standen dann auf der Straße. Den Schwung, etwas Neues anzufangen war nicht da, die meisten klöppeln PR-Texte für überschaubares Salär oder bieten sich als Rechtschreib-Korrektoren an. Einige versuchen mühsam mit dem Ersparten zu überleben.

Es sind nicht viele, die von sich aus erkennen, dass sie etwas ändern müssen. Weg müssen von dem Ort, an dem sie drohen zu versumpfen. Noch bemerkenswerter finde ich es, wenn dies jemand tut, ohne eine neue Anstellung zu haben, sondern allein mit Plänen im Kopf (auch, weil es mir vor fünf Jahren ganz ähnlich ging).

In diesem Minuten werden die Redakteure der “Münsterschen Zeitung” in der Kantine oder anderen Lokalitäten einiges zu besprechen haben. Denn heute wird bekannt, dass einer der ihren, der in den vergangenen Monaten einiges an Aufmerksamkeit für seine Arbeit erhielt, gekündigt hat: Ralf Heimann. [click to continue…]

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