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Content Marketing: Die Deutsche Post als Nachrichtendienstleister

Ganz selten schreibe ich hier in der Indiskretion über Projekte, bei denen wir von kpunktnull beratend tätig waren oder sind. Im folgenden ist dies wieder der Fall. Sollten Sie dies nicht mögen, so eine Leseempfehlung an anderem Ort: Beim Internet Magazin ist zu lesen, wie auch renommierte deutsche Medien auf die Viralkampagne eines australischen Wörterbuchverlags hereinfielen und „Phubbing“ zum großen Trend erklärten.

Selten ist ein Marketing-Begriff derart durch den Fachblätterwalt getost wie in diesem Sommer das „Content Marketing“. Allüberall war dieses Feld Thema, egal ob in „Horizont“, „w&v“ oder „Absatzwirtschaft“.

Inzwischen ist es ein wenig stiller geworden. Kein Wunder: Content-Marketing-Modelle lassen sich nicht so schnell aus dem Boden stampfen, schließlich muss ja der erste Begriff der Vokabel – der Content – erst einmal erzeugt oder gefunden werden. Und das ist nicht einfach, definitiv aber nicht kostenfrei. Hinzu kommen rechtliche Fallstricke, denn der Weg zur Schleichwerbung ist kurz. Social Media Recht hat dazu heute einen sehr lesenswerten Überblick veröffentlicht.

Viel zu oft wird in Deutschland Content Marketing aber allein als die Erzeugung und Verteilung von Inhalten gesehen. Zu kurz kommt der Aspekt der Nachrichtenfilterung oder -kuratierung. Nicht umsonst hieß das erste Buch, dass Content Marketing thematisierte „Curation Nation“ (und ist auch weiterhin lesenswert).

Tatsächlich ist Filterung eine valide, alt hergebrachte Dienstleistung, die nichts mit dem Internet zu tun hat. So durchsiebten Zeitungen seit je her den Nachrichtenstrom und druckten nur die Artikel, die für ihre Leser mutmaßlich am interessantesten waren. Auch beim Verfassen von Artikeln selbst ist Kuratierung im Spiel: Aus eigenen Informationen, Hintergrunddaten, Agenturmeldungen und anderen Medien entsteht das neue Gesamtwerk – nur die wenigsten Stücke sind zu 100 Prozent neu.

Im Internet erhält Kuratierung eine ganz neue Bedeutung. Die Möglichkeit, Informationen aus der ganzen Welt zu erhalten, potenziert mit einer massiv steigenden Zahl von Inhalteproduzenten macht Filterung noch wichtiger als zuvor. Digital existieren technische Lösungen wie Google News oder die fantastische Mobile-App Zite (meine Lieblings-App, übrigens) ebenso aber manuell erstellte Kuratierungen wie Linklisten (die es seit heute jeden Morgen auch beim IntMag gibt) oder Turi2.

Peter Turi hat mit seinem (übrigens profitablen) Dienst einen Weg gewiesen, auf dem ihm in Deutschland bisher erstaunlicherweise niemand gefolgt ist. Denn tatsächlich gibt es ja gerade im Bereich der Wirtschaftsnachrichten einen hohen Bedarf an effizienter Nachrichtenfilterung.

post newsroom

 

Die Deutsche Post DHL sieht das ebenso in ihrem Feld, der Logistik. Und deshalb entwarf sie einen Newsroom, der nicht nur die Nachrichten aus dem eigenen Haus und die Berichterstattung über das Unternehmen abbildet – so wie es das Konzept Social Publish von Mercedes tut.  Der Logistics Newsroom soll Nachrichten aus dem Bereich Logistik – egal ob von News-Seiten, Blogs oder Social Media – weltweit aggregieren und filtern, und das teils automatisch, teils durch eine Redaktion. Zusätzlich gibt es noch Filtermöglichkeiten nach Sprachen, Quellen oder Themen.

Ich halte dies für einen durchaus mutigen Schritt. Eigentlich wäre es die grundsätzliche Aufgabe von Fachmedien gewesen, solch eine Plattform zu bauen. Doch wenn die nicht wollen, müssen halt ihre eigentlichen Kunden ran und vormachen, was möglich ist. Und ich ahne: Die Deutsche Post DHL wird nicht das einzige Unternehmen sein, dass mittelfristig solch eine Nachrichten-Dienstleistung erbringt.

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