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Frank Schirrmacher, bringst Du mal den Müll raus?

Vor einiger Zeit erreichte mich ein Brief, den ich leider nicht mehr finde. Das ärgert mich. Denn zu gern hätte ich ihn hier gezeigt, konterkarierte er doch aufs Feinste die wohlfeilen Aussagen der Gruner + Jahr-Chefin Julia Jäkel vor dem Parlamentsauschuss für Kultur und Medien.

Dort waren ja verschiedene Verlagsmanager im Februar aufgelaufen um ihr Klagelied zu singen über das böse, böse Internet. In diesem Rahmen verwehrten sie sich auch gegen mehr Datenschutz. Ohne den Handel und die Ausbeutung von Adressdateien, behauptete Jäkel, existierten Zeitschriften wie „Eltern“ bald nicht mehr. Was wohl bedeutet, dass jenes Blatt so miserabel gemacht ist, dass es am Kiosk nicht auffällt. Oder gehen Eltern neuerdings nicht mehr in Gedrucktprodukthandlungen?

Nein, die Verlage wollen weiterhin Verbraucher „qualifiziert anschreiben“, wie Jäkel fabulierte. Was damit gemeint ist, erleben in diesen Tagen neben mir vielleicht auch andere Abonnenten der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“.

faz zerknüllt

Jener Brief, den ich nicht mehr habe, erinnerte an meine Universitätszeit. Denn er war so schlecht kopiert, definitiv nicht gedruckt, wie einst unsere im Copy-Shop produzierten Ableger von Fachbuch-Seiten. An der Seite war ein kleiner, schwarzer Rand, der von unpedantischer Auflegung auf dem Vervielfältigungsapparat zeugte. Die etwas grisselig geratenen Buchstaben wiesen das Kopiergerät entweder als tonerbedürftig oder minderwertig aus.
Kurz: Mit optischer Qualität hatte dieses Schreiben nichts zu tun.

Sein Inhalt ärgerte mich. Denn die „Frankfurter Allgemeine“ erklärte mir, als langjähriger Bezieher der Sonntagszeitung bekäme ich nun gratis und ohne weitere Verpflichtungen drei Wochen lang die tägliche „FAZ“. Nach diesen drei Wochen ende die Zusendung automatisch.

Nun gibt es ja Gründe, warum ich keine Tageszeitung beziehe. Zum Beispiel habe ich am Morgen nicht die Zeit, eine Zeitung zu lesen. Vom grundlegend dem Internet unterlegenen Produkt Tageszeitung schreibe ich ja ohnehin häufig.

Selbst wenn ich aber Tageszeitungen bezöge, so gehörte die „FAZ“ nicht dazu. Denn: Sie wird nicht über die lokalen Zeitungszusteller verteilt, sondern über die Post. Sprich: Sie kommt frühestens am Mittag, eher am Nachmittag. Wenn ich also am Abend meine Wohnung erreiche, so könnte ich ein Produkt konsumieren, dessen Nachrichten 24 Stunden alt sind.

Hinzu kommt der Nachteil der Postauslieferung. Postboten sind angewiesen, Sendungen in den Briefkasten zu werfen. Unser Briefkasten aber ist nicht ausgerüstet für Tageszeitungen. Das Ergebnis sehen Sie im Bild oben: Täglich pule ich ein zusammengeknülltes Etwas aus dem Briefkasten um es seiner direkten Entsorgung in der Altpapiertonne zuzuführen.

Natürlich könnte ich die „FAZ“ anrufen um diesen umwelt- und kundenunfreundlichen Unfug zu stoppen. Doch gab jener Kopierbrief eine kostenpflichtige Hotline an. Ich müsste also Geld und Zeit investieren um ein Produkt abzubestellen, dass ich nicht möchte und nicht konsumiere.

Das ist es, was Verlage als Service ansehen. Und sich dann wundern, warum immer weniger Menschen Subskriptionen ihrer Produkte in Erwägung ziehen.

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