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1. Oktober 2012
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4. Oktober 2012

Die Zeit veryippiet sich auf Facebook

Yippie.

So bejubelt „Die Zeit“ sich selbst auf Facebook.

Vielleicht hat das auch einer in dem Marketing-Meeting gesagt, als die Idee aufkam, es mal mit Frei-Abos auf Facebook zu versuchen.

Yippie.

Klingt ja auch alles ganz einfach: Weil das „Zeit Magazin“ auf 80.000 Fans kommt, sollten 800 ein vierwöchiges Freiabo des gedruckten Blattes erhalten, anscheinend nach dem Motto „Wer zuerst kommt“.

Yippie.

Doch so einfach yippiet es sich eben nicht durch die Welt. Denn schließlich handelt es sich um einen deutschen Verlag. Und deutsche Verlage sind so zuvorkommend wie von Falschparkern beschimpfte Politessen. Weshalb jenes Abo keineswegs ein freundliches Geschenk ist – sondern eine Abo-Falle. Wer die Zuwendung nicht rechtzeitig kündigt, für den verlängert sich das Abonnement und das natürlich kostenpflichtig. Was statt Yippie zu anderen Ausrufen führen könnte. IHRARSCHLÖCHER, zum Beispiel.

Unter den Kommentaren jenes Facebook-Posts versammeln sich denn auch jene, die deutliche bis harsche Kritik an diesem Vorgehen der „Zeit“ üben. Genau so funktioniert Marketing in Social Media eben nicht. Lassen Verbraucher eine Marke via Facebook, Twitter oder einen anderen Dienst in ihr Leben, so ist dies ein Vertrauensbeweis. Wer ihnen ein Abo durch die kalte Küche serviert, missbraucht dieses Vertrauen.

Ganz nebenbei demonstriert „Die Zeit“ dann auch noch mangelnde Kompetenz in Sachen Online-Werbung. Denn obwohl die 800 Fallen-Abos schon vergeben sind, wird weiter Werbung in Form eines Sponsored Posts dafür geschaltet. Das Ergebnis dürfte sein: Noch mehr unzufriedene Facebook-Nutzer.

Yippie.

Nachtrag vom 7. Oktober: Noch immer wird die Werbung geschaltet, obwohl die 800 Abos längst weg sind. Die Verbraucherzentrale könnte das mittellustig finden.

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