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Neues Facebook-Design Timeline auch für Unternehmens-Pages

Eine große Überraschung ist es ja nicht mehr: Facebook passt das Aussehen der Unternehmens-Pages (blödes Denglish, aber in dem Fall besser, um korrekt zu unterscheiden) dem der privaten Profile an. Dass es heute dazu zumindest eine Verkündigung geben würde, kursierte auch schon länger – hier schon die offizielle Erklärung.

Ohne große Vorwarnung aber hat das Netzwerk gerade die ersten Seiten scharf geschaltet. Außerdem können sich die Administratoren von Pages schon anzeigen lassen, wie das künftig alles so aussehen wird. Ein Beispiel dafür ist die Seite von Old Spice:

Die Überraschungen halten sich in Grenzen. Die größte offene Frage war ja, wie mit den Applikationen und HTML-Seiten umgegangen wird, die einst als Reiter über den Seiten begannen, dann nach links wanderten, wo sie vielen Nutzern gar nicht mehr auffielen. Nun werden sie wieder etwas prominenter platziert – als Icons unter dem Großbild. Allerdings: Insgesamt gibt es zunächst nur vier dieser Felder, wer Fotos und Videos nutzt, wird wohl nur eine App direkt anzeigen können, da ein Feld noch für die Zahl der Fans reserviert ist. Beispiel Coca-Cola:

Erst beim Ausklappen werden alle Apps sichtbar. Doch ob die winzige Zahl tatsächlich angeklickt wird, die signalisiert, dass es mehr Anwendungen gibt, das halte ich für höchst fraglich. Insofern hat sich die Situation verändert, aber nicht verbessert: Weiter laufen Apps Gefahr nach einer Startphase übersehen zu werden – schade.

Trotzdem ist das neue Design ein Schritt nach vorne. Einerseits optisch: Es sieht einfach besser aus. Andererseits könnte sich die Verweildauer auf Firmen-Pages steigern. Denn viele Menschen wühlen gern in der Vergangenheit herum, erst recht in der Werbevergangenheit. Mit Timeline können Unternehmen und Marken ihre Vergangenheit neu beleben, wie Coca-Cola jetzt schon sehr schön demonstriert. Ich glaube, das trifft einen Nerv bei vielen Nutzern.

Im Gegenzug wird es erheblich schwerer für Fans, eine Page zu übernehmen, wie es bei Shitstorms passiert. Denn die Reaktionen von Fans werden künftig in einem separaten Kasten zusammengefasst. Dies ist aus Sicht der Markenverantwortlichen natürlich erst einmal beruhigend. Gleichzeitig könnte dies auf Dauer den Spaß an der Kommunikation mit einer Marke deutlich senken – und somit die Interaktion. Wenig Interaktion bedeutet dann im zweiten Schritt: Die Status Updates der Marke tauchen seltener oder gar nicht mehr im Nachrichtenstrom der Fans auf (der ja zunächst gefiltert wird). Die Beschränkung der Shitstorm-Gefahr könnte sich also als Danaer-Geschenk entpuppen.

Deshalb sollten sich Marketing-Verantwortliche rasch Gedanken machen, wie sie mit diesem Thema umgehen. Sie sollten nach brauchbarem Material suchen. Das ist häufig gar nicht so einfach. Denn seit Model-Rechte selektiv eingekauft werden, ist es den Firmen oft nicht mehr gestattet, Materialien zu verwenden, die ein paar Jahre alt sind (mehr dazu auch hier). Andererseits: Warum nicht die Timeline verbinden mit der Bitte an Fans, ihre Erinnerungen aus der Vergangenheit zu schildern?

Das ganze muss auch noch flott passieren: Denn bereits in 30 Tagen, am 30. März, werden Unternehmensseiten auf das neue Design umgestellt.

Ebenfalls kommen werden direkte, nicht-öffentliche Nachrichten von Unternehmens-Pages an Nutzer. Einerseits ist dies gut für die Kommunikation. Marken, die das Social-Web-Instrumentarium beherrschen, werden damit spielend umgehen können. Bei den anderen jedoch besteht die Gefahr, dass sie die Kommunikation mit dem Kunden möglichst schnell in den nicht-öffentlichen Bereich ziehen wollen und dies dann von den Nutzern als eine Art Vertuschung oder Halb-Zensur aufgefasst wird – das hat ein gewisses Konfliktpotenzial.

Heute Abend wird Facebook bei seinem Marketing-Event dann wohl auch Änderungen im Bereich Werbung vorstellen. Einerseits werden nun auch die Mobile-Apps des Netzwerks Werbung erhalten, andererseits sollen die Anzeigen im Stammbereich interessanter werden und zum Weiterreichen und Liken animieren, wie AllthingsD schreibt. Und schließlich dürften die Statistiken wohl künftig live einsehbar werden.

Ganz schön viel los also im Reiche Zuckerberg. Aber so ein Börsengang braucht ja auch Futter für die Anlegerfantasie.

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