Die bittere Wahrheit über QR-Codes: Only sex scans

by Thomas Knüwer on 29. November 2011

Für manchen Marketing-Verantwortlichen ist das mit dem Internet eine echte Herausforderung, höflich gesprochen. Und es scheint die Bereitschaft hoch auf all das in der digitalen Welt zu springen, was leicht verständlich erscheint. Denn nur so sind eigentlich QR-Codes zu erklären. Die grisseligen Schwarz-Weiß-Hässlichkeiten zieren derzeit viele Plakate und Print-Anzeigen. Sie scheinen für viele Marken-Macher Ausweis der eigenen Fortschrittlichkeit zu sein.

Die bittere Wahrheit ist nur: Kaum jemand scannt sie ein. Im April waren auf dem Gelände der Digital-Riesenkonferenz SXSW in Austin, Texas, zahlreiche Plakate mit den Codes versehen. Doch selbst dort habe ich niemand QR-Codes einscannen sehen.

Obwohl, nein, das stimmt natürlich nicht. Tatsächlich konnte sich ein Startup über deftige Homepage-Abrufzahlen freuen: Es hatte den Code auf T-Shirts gedruckt, vorne auf T-Shirts, um genau zu sein. Und die streiften dann junge Damen über – das zog zumindest bei der männlichen Besucherschaft. Und natürlich gibt es auch das Vorzeigebeispiel Victoria’s Secret: Die Dessousladen-Kette hatte auf Plakaten ebenfalls den QR Code auf erotisch ansprechende Bereiche seiner Model gepappt. Wer scannte sah – das Bild mit Dessous: Sex scans.

Für diese Zurückhaltung gibt es mehrere Gründe. Zum einen ist die Lesefunktion nicht in der normalen Kamera enthalten: Der Nutzer muss eine App auf seinem Handy öffnen und sich im schlimmsten Fall noch an deren Name erinnern. Dann muss er sich auch noch an einem Ort befinden, an dem eine Datenverbindung möglich ist. Vor allem aber weiß er meist, was ihn erwartet: Langeweile. Bestenfalls. Im schlimmsten Fall leitet ihn der Code zu einer Seite, die nicht einmal mobiloptimiert ist. Die Zahl der kreativen Lösungen ist höchst überschaubar.

Trotzdem sind Experimente natürlich legitim. Denn die Erstellung eines QR-Codes kostet wenig bis nichts. Nur: Das wissen viele Entscheider auch nicht. So kenne ich einen Großkonzern, der seiner Agentur für einen QR-Code eine fünfstellige Summe bezahlt hat. Wohlgemerkt: Nur für das Erstellen des Codes.

Doch wer einfach nur mal ohne große Kosten gucken möchte, was passiert, wenn er das Gegrissel auf seine Werbemittel druckt, der darf das natürlich. Doch sollte er das bedenken, was Scott Stratten zu dem Thema sagt (gefunden im Blog von Oliver Gassner): Jedes Mal, wenn Sie einen QR-Code verwenden ohne ihn zu durchdenken, stirbt ein Kätzchen. Hier der furiose Vortrag zum Thema:


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