Thilo Weichert auf der Suche nach der Optischen Achse

by Thomas Knüwer on 21. Oktober 2011

In der Filmbranche, so geht eine alter Erzählung, von der ich nicht weiß, ob sie wahr ist, werden neue Teammitglieder und Praktikanten gern mal damit beauftragt, die “Optische Achse” zu holen. Dann rennen sie von Station zu Station und holen sich überall Lacher oder weitere Verhonepipelungen ab. Denn die Optische Achse ist eine gedachte Linie und kein Gerät.

Nun hat Facebook den von PR-Gier getriebenen Datenschützer Thilo Weichert vom angeblich Unabhängigen Datenschutzzentrum Schleswig-Holstein auf die Suche nach der Optischen Achse geschickt.

Denn was der NDR da berichtet, klingt ja unfassbar: Daten aus Schleswig-Holstein sollen eine andere Behandlung erfahren als Daten aus anderen Regionen. Würde sich Thilo Weichert mal fachlich mit Themen beschäftigen, statt durch 360-Grad-Drehungen PR-Hitze zur eigenen Ego-Bestätigung (und der Finanzierung seines angeblich unabhängigen – staatlich finanzierte Institutionen sind niemals unabhängig – Zentrums) zu erzeugen, so wüsste er, dass all das so nicht möglich ist (auch Herr Lumma betont die Ego-Manie des Thilo Weichert).

Erst gestern wieder traf ich den Mitarbeiter einer Institution mit Sitz in Niedersachen. Nutzt einer seiner Kollegen Facebook, platziert ihn dies nach Hessen. Das ist auch der Grund, warum die Stadtzuordnungen in den Facebook-Statistiken mit höchster Vorsicht zu genießen sind, wenn sie nicht eigentlich komplett unbrauchbar sind.

Kurz: Facebook weiß bei einem substanziellen Teil der Nutzer nicht, in welchem Bundesland sie sitzen. Das ist nicht neu oder spektakulär, das weiß jeder, der sich mit dem Thema beschäftigt. Weichert also nicht.

Wenn er nun vor Kameras tritt und behauptet, Facebook werde das prüfen, ist er scheuklappig aber mit erheblicher Geschwindigkeit in die PR-Fall des US-Unternehmens gerauscht. “Wir werden das prüfen”, dürften die Amerikaner gesagt habe. Das bedeutet in der Unternehmenssprache, das in einer Sitzung jemand sagen wird: “Wollen wir das machen?” Ein anderer antwortet: “Nope”. Prüfung abgeschlossen.

Das Thema Facebook und Datenschutz ist wichtig. Es ist wichtig, dass Gespräche geführt werden. Wenn aber der Praktikant mit dem Star-Regisseur über die Details von Kameraeinstellungen diskutieren will – dann wird er halt auf die Suche nach der Optischen Achse geschickt. So wie Thilo Weichert.

(Gefunden bei André Vatter.)

Nachtrag: Kaum ist Facebook aufgewacht, lachen sie Weichert öffentlich aus: “Our recollection of the meeting is different.” Das ist ein Schlag mit der Optischen Achse – direkt auf den Schädel.

Nachtrag II: Facebook-Deutschland-Sprecherin Tina Kulow veröffentlichte gerade noch ein längeres Statement in der Presse-Gruppe des Unternehmens:

„Wir hatten ein produktives Treffen mit Dr. Weichert und dem Team des ULD, in dem wir detailliert die Anliegen des ULD und mögliche Lösungsansätze diskutiert haben.

Facebook ist der Ansicht, dass es keine Unvereinbarkeit zwischen seinen Diensten und dem europäischen Datenschutzrecht gibt. Wir haben deutlich gemacht, dass wir mit der Position und dem Vorgehen des ULD zur Rechtmäßigkeit der deutschen Organisationen, die unseren Service nutzen, keinesfalls einverstanden sind.

Wir bleiben sehr besorgt, dass die singuläre rechtliche Auslegung, die das ULD anstrebt, ernsthafte Schwierigkeiten für Unternehmen in Deutschland bei der Nutzung einer breiten Palette von populären Internet-Services schaffen würde. Daher ist diese Diskussion auch von größerer Bedeutung für die deutsche Gesellschaft.

Wir würden uns wünschen, dass das ULD seine Drohung gegen einige Unternehmen in Schleswig Holstein bezüglich der Nutzung unserer Dienste zurücknimmt. Wir sind daher offen, geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um die Situation zu lösen. Dazu könnte die Übermittlung von detaillierteren Informationen über Aspekte unseres Service beitragen. Wir möchten vollständig transparent für die Menschen sein, die unsere Services nutzen, aber es ist nicht unser Ziel, Sonderlösungen für Schleswig-Holstein zu schaffen.

Wir sind uns ebenso sicher, dass das ULD die bewährte Haltung für internationale Internetunternehmen wie Facebook berücksichtigen sollte, dass diese ihre Services in Deutschland anbieten können, auf Grundlage ihrer Gesetzeskonformität in ihrer Heimat-Jurisdiktion.“

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