Indiskretion Ehrensache

Lufthansa wird Ryanhansa

Es gibt immer noch Menschen die glauben, es gebe einen großen Unterschied zwischen Lufthansa und, sagen wir, Ryanair.

Ja, es gibt ihn. Aber er wird Stück für Stück kleiner. Das zumindest ist meine Wahrnehmung. Ich fliege beruflich eine Menge, vor allem durch Deutschland, seit kurzem bin ich wieder Frequent Flyer. Die Lufthansa wähle ich vor allem aus praktischen und ökonomischen Gründen. Eine Airline, verbunden mit Meilensammeln per Kreditkarte, ist ein ordentliches Paket.

Dieses Paket schnürt die Lufthansa nun auf. Die neueste Nachricht aus dem Hause LH ist ein weiterer Beweis, wie Deutschlands führende Fluggesellschaft, einst ein Ausbund an gutem Image und Honorigkeit, konsequent daran arbeitet, sich in wirklich in nichts mehr von Billigfliegern zu unterscheiden.

Denn ab 2. November müssen Fluggäste, die ihre Flüge mit Kreditkarte bezahlen, eine Kreditkartenbezahlgebühr entrichten. Und die ist gesalzen: fünf Euro für Inlandsflüge, acht Euro für Ziele in Europa und 18 Euro im Interkontinentalverkehr.

Das Wort Abzocke ist eine höfliche Formulierung für dieses Vorgehen. Die von keinerlei Kundenfreundlichkeit getragene Begründung: Man wolle nicht zahlen für die Zusatzleistungen der Kreditkartenfirmen.

Klar. Denn diese Zusatzleistungen, wie vor allem eine Reiserücktrittsversicherung, verkauft die Lufthansa ja selbst. Teurer, natürlich. Und sie drängt sie den Kunden auf wie ein öliger Basarhändler den blonden Touristinnen einen billigen Orientteppich. Wer online bucht muss den Kasten anklicken, der ihn von der Versicherung entbindet.

Das Unverschämteste bei der ganzen Sache aber ist: Die doppelzüngige Ryanhansa verdient ja selbst gern an Kreditkarten – mit ihrer Miles & More-Karte in Kooperation mit Mastercard. Und auch dort gilt es raffgierig den Kunden über den Tisch zu ziehen. Frequent Flyer, die beispielsweise eine solche Miles&More-Karte haben und ihren Status verlieren, erhalten keine höfliche Frage, welche Karte sie nun gerne weiter führen möchten – es wird ihnen direkt die teurere Goldkarte zugeschickt. Dafür gibt es Rabattaktionen, die Bananen-Fred vom Fischmarkt erscheinen lassen wie einen distinguierten Bentley-Verkäufer. In diesem Jahr, beispielsweise, bekamen Kunden eine digitale Rabattkarte. Diese enthielt als erste Prämie – nach fünf Flügen – einen Kaffee bei McDonald’s.

Einerseits über angeblich raffgierige Kartenanbieter jaulen, andererseits mit ihnen ins Bett steigen – das ist die verlogene Unternehmenspolitik der Lämmergeier-Airline. Es wäre noch verständlich, würden Miles&More-Karten-Inhaber ausgenommen: Dann ginge es schlicht darum, der Kreditkarte Kunden zuzutreiben. Das wäre immer noch nicht kundenfreundlich – aber wenigstens noch irgendwie zu rechtfertigen. Aber dem wird nicht so sein, wie ein Lufthansa-Sprecher auf Anfrage bestätigte.

Wirklich schlimm ist natürlich, dass die Mitarbeiter der Airline darunter zu leiden haben. Ein Unternehmen, das seinen Kunden keinen Respekt entgegen bringt, kann auch von diesen keinen erwarten. Die Mitarbeiter am Boden und in der Luft aber sind die Abgeordneten des unpersönlichen Unternehmens.

Wie lange, das bleibt abzuwarten. Denn Fluggesellschaften haben ja ohnehin keine so tollen Zeiten, wirtschaftlich gesehen. Und nun steuert der LH-Vorstand das Unternehmen auch noch in die Position, die in jeder Branche ausweglos ist: die Mitte zwischen zwei Stühlen. Denn entweder, die Lufthansa wird zur Billig-Linie – dann muss sie mit den Preisen noch weiter runter und den Service noch weiter kürzen. Oder sie wird Premium-Anbieter – dann muss sie aufhören, ihre Kunden wie Dreck zu behandeln.

Nun, das war aber genug Gift. Denn natürlich: Die Lufthansa hat doch Recht. Das geht nicht so weiter mit den teuren Transaktionsgebühren, die Kreditkartenfirmen verlangen. Machen wir Schluss: Kündigen wir die Miles&More-Kreditkarten.

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