Was wir uns in Sachen Leistungsschutz einfach mal merken: die Raubkopierer bei Bild

by Thomas Knüwer on 14. Juni 2011

Im Oktober 2009 veröffentlichte “Lettre International” ein Exklusiv-Interview mit dem damals noch nicht so sehr im Fokus stehenden Thilo Sarrazin. Die “Bild” bediente sich ungefragt und veröffentlichte weite Teile des Gesprächs in der Zeitung wie online.

Im März 2011 wurde der Axel Springer Verlag für diese unerlaubte Übernahme, die mancher als Raubkopie interpretieren würde, zu einem Schadenersatz von 60.000 Euro verurteilt.

Anfang Mai forderte der Axel Springer Verlag vom Fach-Blog Exciting Commerce Schadenersatz. Exciting Commerce hatte weite Passagen eines Artikels der “Welt” übernommen. Exciting Commerce gab nach und kündigte an, künftig Springer-Publikationen nicht mehr als Quelle zu nutzen, nicht mehr über die Aktivitäten des Medienkonzerns zu berichten und schloss zwei Mitarbeiter des Unternehmens von einer Veranstaltung aus.

Im Juni 2011 gab Jörg Kachelmann der “Zeit” ein Exklusiv-Interview. Die “Bild” kopierte weite Passagen des Gesprächs und warb mit dem Satz: “Die ganze Abrechnung lesen sie in Bild…” Die Rechtsabteilung der “Zeit” ging gegen die Veröffentlichung vor und erwirkte eine Unterlassungserklärung gegen den Werbespruch.

Der Axel Springer Verlag ist einer der lautstärksten Befürworter der eigenen Subventionierung durch ein Leistungsschutzrecht. Man darf den hochrangigen Vertretern des Hauses wohl unterstellen hysterisch schreiend das Trinken von Wasser zu fordern, während sie trunken dank Jahrgangschampagner durch die Medienwelt taumeln.

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