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Netzwert Reloaded XIX: Internet im Flugzeug – bald

In der Serie “Netzwert Reloaded” verfolge ich jeden Montag, was das Team von Handelsblatt Netzwert vor exakt 10 Jahren über das digitale Geschäft schrieb. Mehr dazu hier.Alle Netzwert-Reloaded Folgen finden Sie hier.

Wie würden Sie, geschätzte Leserinnen und Leser, den Begriff „nahe Zukunft“ näher spezifizieren?

1 Jahr?

5 Jahre?

Exakt 10 Jahre – und das fällt mir mich nicht unter „nah“ – ist es her, da versprach Bernhard Conrad, Chef-Entwickler bei Lufthansa Technik, in der Netzwert-Ausgabe vom 8.1.2000:

„In naher Zukunft ist Internet-Zugang im Flugzeug Realität. Die Technik haben wir im Griff, wir können es kaum erwarten, sie im großen Stil einzusetzen.“

Nun saß ich erst kürzlich, es war in der Woche vor Weihnachten, in Lufthansa-Maschinen gen und ab Newark. Obwohl die Airline mit viel Tammtamm verkündet hatte, Web-Zugang auf Transkontinentalflügen einzuführen, war diese Maschine nicht damit ausgestattet. Wohlgemerkt: Es war keine alte Möhre, sondern ein deutlich frisches, junges Modell.

Es ist wirklich bemerkenswert, wie oft in diesem vergangenen Jahrzehnt die Rede war von Web im Flugzeug. Einige Gesellschaften haben inzwischen ernst gemacht – doch sie sind die Ausnahme. Netzwert machte damals verschiedene Bremsfaktoren aus. So wollten die Airlines sicher gehen, dass tatsächlich alles funktioniert. Auch die Frage der Kosten war noch offen: Sollte ein zusätzlicher Dienstleister an Bord genommen werden? Und dann war da noch die Frage der Umrüstung: Ähnlich wie Autohersteller überteuerte Navigationssysteme anpreisen, versuchte Boeing das Geschäft an sich zu ziehen. Vielleicht aber war damals auch zu wenig Bedarfsdruck hinter dem Projekt – oder die Verkennung desselben. Denn ein Branchenkenner sagte Netzwert damals: „Die ganz wichtigen Leute schlafen doch lieber, statt auch noch im Flugzeug zu arbeiten.“

Und noch etwas, was sich seit dem Jahr 2000 nur beschränkt geändert hat: Handy-Empfang in den USA. Unsere New-York-Korrespondentin Siri Schubert schilderte ihre Erlebnisse in der Kolumne „E-Mail aus…“:

„Für Mobiltelefonierer ist New York ein Albtraum. Zwei Schritte vor – Sendepause. Einen Meter weiter – Empfang wieder da. Aber nur bis zur nächsten Straßenecke, dann ist nur noch Rauschen zu vernehmen. Die Illusion, mehrere Minuten am Stück per Hand-Telefon parlieren zu können, haben die meisten New Yorker längst aufgegeben…“

Grund waren natürlich die abschirmenden Stahl-Wolkenkratzer. Die Stadtväter wollten an diesem Problem arbeiten. Der Lincoln- und der Holland-Tunnel, der Flughafen Newark und das World Trade Center sollten mobilfunkfähig werden. Wer heute in New York mit einem US-Handy unterwegs ist, weiß: Es mag sich etwas getan haben – aber noch längst nicht genug.

Bei einer anderen Geschichte aus jener Ausgabe weiß ich nicht, wie sie weiterging. Netzwert berichtete damals über den Wohnwagen-Hersteller Westfalia. Der probierte, was die Autoindustrie bis heute so nicht wagt: Der Verkauf von Neuwagen über das Netz. Vier Tage hatte es nur gedauert, bis über den Web-Shop des Unternehmens die erste Order eintraf. Das klingt bieder – tatsächlich aber war es ein Wagnis. Denn natürlich stellte sich Westfalia damit gegen seine Vetragshändler – auch wenn die Modelle nicht teurer waren als im Geschäft. Und so ein richtiger Web-Shop war es auch nicht: Nach der Bestellung fuhr ein Westfalia-Mitarbeiter zum Kunden und brachte ihm den Kaufvertrag zum unterschreiben.

Das Projekt war gleichzeitig in Versuchsfeld für Daimler: Die Stuttgarter hielten 49% an Westfalia. Doch wir wissen: Ein Stern macht noch kein digitales Zeitalter – dafür reicht der Blick auf die grauenvolle Mercedes-Homepage. Und Westfalia? Ist fast untergegangen. Im November aber wurde das Überleben durch einen Investor vorerst gesichert.

Tja, und dann war da noch die wöchentliche Liste der Bestenliste von Nielsen Netratings. Und wer die Liste der meistbesuchten deutschten Informationsseiten sieht, der erkennt: Manches hat sich in diesen 10 Jahren dann doch massiv verändert:

Lesen Sie kommende Woche: Als die FDP ein Startup besuchte.

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