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Afghanistan heute

Rolf Kleine ist – und das ist absolut respektvoll gemeint – ein alter Fuchs. Vorgestern rang ich mit dem „Bild“-Hauptstadtbüro-Leiter im Rahmen einer Veranstaltung des Instituts für Sozial- und Wirtschaftspolitische Ausbildung in Berlin. Für all jene, die sich intensiv mit dem Thema Medienwandel beschäftigen hatten wir beide definitiv wenig Neues zu bieten – aber das Publikum aus Verbandssprechern hatte, so glaube ich, seinen Spaß. Und Kleine versteht es, zu diskutieren. Natürlich waren wir beide komplett unterschiedlicher Meinung, aber es war, meine ich, interessant.

Wann immer eine Diskussion auf den Journalismus kommt, werfen die Vertreter des Print-Journalismus zwei, drei Ländernamen ein. Afghanistan. Pakistan. Iran. Irak. Und dann folgt die Klage, das aus jenen fernen Krisenregionen bald nicht mehr berichtet werde, wenn wir alle nicht mehr Zeitungen kaufen, Online-Abos abschließen und/oder das Leistungsschutzrecht bejubeln.

Tatsächlich ist dies natürlich eine Herausforderung: Wie wollen wir uns künftig über das Geschehen dort informieren? Wer soll das bezahlen? Eine allgemein selig machende Antwort gibt es noch nicht. Vor zwei Jahren, auf der Re-Publica, präsentierte sich das Non-Profit-Projekt Alive in Bagdad. Iraker wurden dabei angeleitet, selbst Videoreportagen zu erstellen. Leider ist es inzwischen eingeschlafen, nachdem das Geld ausging und der Chefredakteur fliehen musste. Schade, dass auch deutsche Medien nicht auf die Idee kamen, die Produktion zu unterstützen um so regelmäßig Berichte aus dem Irak zu erhalten.

Heute stieß ich via Twitter (und leider finde ich nicht mehr, bei wem) auf eine anderes, hoch interessantes Projekt: Afghanistan Today. Dort berichten seit Montag afghanistanische Journalisten – vom studentischen Freien bis zur Leiterin des Zentrums für Journalistinnen – aus ihrem Land. Und siehe da: Die Chefredakteurin heißt Friederike Böge, das ganze ist ein deutsches Projekt. Deutsche Medien jedoch scheinen wenig Interesse daran zu haben – allein den „Tagesspiegel“ schrieb über „Afghanistan Today“. Traurig.

Vielleicht also gibt es noch viel mehr jener Projekte, die Rolf Kleines Angst vor einer Berichtsleere aus Krisengebieten lindern könnten. Die klassischen Medien haben nur keine Lust, darüber zu berichten.

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