Das deutsche Problem am Beispiel Thomas de Maizière
23. September 2010
Netzwert Reloaded (V): Als Dieter Gorny sauer wurde
27. September 2010

Foursquare plant deutsche Version

Warum soll ich twittern? Das fragt mancher Journalist und möchte lieber gar keine Antwort.

Warum? Zum Beispiel, weil man ganz spontan zu einem Interview kommt mit einer Person, deren Journalistengesprächs-Termine bereits alle vergeben waren.

So ging es uns mit Dennis Crowley, dem Mit-Gründer von Foursquare. Am Rande der Picnic, dem großartigen Innovationsfestival, über das ich noch separat schreiben werde, war er der gefragteste Gesprächspartner für Journalisten. Nichts zu machen, ausgebucht, so wurde einigen der deutschen Medienvertreter gesagt.

Kleiner Einschub für die nicht-hypervernetzten: Bei Foursquare melden sich Nutzern auf ihrem Handy, unterstützt von der Satelliten-Navigation, an einem Ort an. Dies bekommen ihre Kontakte bei Foursquare selbst mitgeteilt, auf Wunsch aber auch alle, die mit ihnen bei Twitter oder Facebook verbunden sind. Wer am häufigsten an einem Ort eingecheckt hat, wird dessen „Mayor“. Außerdem können Abzeichen errungen werden, zum Beispiel für den, der sich mit 50 anderen Nutzern innerhalb einer Stunde am gleichen Ort anmeldet. Zu den Gründen, warum das Spaß machen kann und sogar hilfreich ist, lesen Sie bitte bei Mind the App. Die Nutzerschaft in Deutschland ist weiter klein – aber deutlich steigend. Derzeit würde ich auf rund 100.000 germanische Anwender tippen.

Crowleys Vortrag war gut. Klar, es ging um Foursquare. Doch was Gründer aus dem Silicon Valley von Europäern unterscheidet: Sie versuchen ihr Unternehmen zu verknüpfen mit größeren Dingen, mit dem wuchtigen Ganzen. Crowley fragte sich, ob ortsbasierte Dienste das Verhalten von Menschen und das Leben in Städten sich verändern kann.

Im Vortrag aber fehlte Christoph Salzig, Chef der Münsteraner PR-Agentur PR-IP das geschäftliche. Und so twitterte er an Crowley: „Schon mal dran gedacht Geld zu machen?“ Was er nicht erwartet hatte: Wenige Minuten nachdem Crowley die Bühne verlassen hatte, schrieb dieser zurück: „Oh ja, find mich und ich erzähle was über unsere Monetarisierungs-Strategie„.

Ein paar Tweets später hatten Christoph einen Termin – und ein Experiment am Hals.

Denn aus dem Einzelgespräch wurde ein Gruppeninterview mit Experimentcharakter. Wir filmten Crowley mit einer HD-fähigen Kodak Zi8, einer nicht-HD Flip sowie einem Iphone. Welche Kamera welche Bilder geliefert hat, ist leicht zu erkennen – die Kodak hat den kleinen Wettbewerb gewonnen. Und wir das waren neben Christoph Salzig. noch Daniel Fiene (Mayor of Sound), Markus Hündgen (Mayor of Schnitt), Frank Horn (Kamera-Premiere) und meine Wenigkeit.

Also: Monetarisierung ist noch nicht – aber eine deutsche Version wird geplant.

Doch aus dem Interview ließ sich noch etwas lernen, womit wir wieder bei den Journalisten wären. Weiterhin ist es mir ein Rätsel, warum so wenige Redakteure bei Interviews mit kleinen, handlichen Kameras arbeiten. Dabei geht es gar nicht darum, stundenlange Gespräche zu filmen. Aber fünf Minuten hinterher – das ist nur selten ein Problem. Und den Leser der Homepage freut es. Unser Experiment – das unter katastrophalen Sound und sehr, sehr roten Lichtverhältnissen stattfand – zeigt, dass mit Winzaufwand sogar einiges im Schnitt rauszuholen ist.

Allerdings: Genau diese Nachproduktion inklusive Schnitt sollten dann Spezialisten in Redaktionen überlassen bleiben. Ach ja, da ist ja der Haken: Die gibt es nur äußerst selten. Und so scheitert ein weiterer Schritt ins digitale Zeitalter wieder einmal an falsch eingesetzten Ressourcen.

Teile diesen Beitrag