Nein, ich war nie ein Fan von “Der Preis ist heiß”. Aber natürlich gehört jene Sendung zum popkulturellen Kanon meiner frühen Studienjahre: Man konnte sich so herrlich lustig machen über den dicken Harry Wijnvoord als Moderator, den hysterischen Walter als losbudesken Preisaufrufer, das im Klatschwahn befindliche Publikum und die Kulissen, die jeder Dorfkirmes zu billig gewesen wären. Von 1989 bis 1997 strahlte RTL die Sendung aus. Doch mag sie auch noch so müllig gewesen sein, eines zeichnete sie im Rückblick aus aus: Egal wie deppert die Kandidaten daher kamen – sie wurden mit Fröhlich- und Freundlichkeit behandelt und nicht bloß gestellt. Es war die Zeit, da das TV sich um Freude drehte, nicht um Demütigung.
Einige Jahre später sah ich Harry Wijnvoord zum ersten Mal in Natura – ausgerechnet in meinem kleinen Heimatörtchen Senden. Dorthin war er der Liebe wegen gezogen, was meine Mutter natürlich in eine gewisse Aufregung versetzte. Endlich hatte auch Senden seinen Promi, in Rorup lebte schließlich schon Jürgen Drews und in Münster Roland Kaiser.
In Senden entpuppte sich Wijnvoord als starallürenfeier, netter Mensch. Schnell sprachen sich die Geschichten herum über seine Höflichkeit und seine Fröhlichkeit, egal ob im Eiscafé oder an der Fleischtheke. Die Sendener verliebten sich in ihn.
Nun will der deutlich erschlankte Wijnvoord zurück ins Fernsehen – mit “Der Preis ist heiß”. Und mit Hilfe des Web. Eine digitale Unterschriftenliste hat er errichten lassen mit der Forderung, seine alte Sendung wieder auf den Bildschirm zu bringen. Auch bei der “Sendung mit dem Internet” war er schon zu Gast.
Wissen Sie was, liebe Leser? Ich hab schon unterschrieben. Weil man vielleicht Witze über Wijnvoord machen kann – aber man ihm nichts Böses nachsagen kann. Weil er ein weitaus netterer Typ ist als die meisten anderen, die sich derzeit im deutschen TV so tummeln. Und weil ich die Idee mit dem Volkeswillen für eine schöne halte.
Deshalb bitte ich Sie: Machen Sie auch mit. Holen wir Harry zurück!
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Wo wir schon mal dabei sind hätte ich dann bitteschön auch gleich gern den Mann mit dem Zonk zurück. Sowie den kleinen Runden am Vormittag um 10 bei SAT1, der Mitte der 90er manch selbstverliebtem Promi bei der Suche nach Begriffsumschreibungen ein warmes Rot durch die Maske zauberte. Hach, wat war dat schön. Aber lustig gemacht haben sich weder Dräger noch Koschi.
Wo sind sie hin, die Leute, die mit Charme, Intelligenz und Respekt für Quote sorgten. Quote durch Sympathie. Ich wär für ein Revival.
Ich stimme dahingehend zu, das Demütigung im dt. Fernsehen aktuell ganz oben steht. BigBrother ist dafür das beste Beispiel, ohne näher drauf einzugehen.
Aber: Sie möchten wieder eine Dauerwerbesendung im TV sehen? Habe mir gerade ein YouTube-Video angesehen, da kamen Waschmittel, irgendeine Kieselerde, ein Wellensittichfutter usw. vor… Kann mich leider nicht dazu hinreißen, etwas zu unterschreiben, das so etwas befürwortet – sei die Sendung auch noch so herzlich und freundlich.
Vielleicht bin ich dazu aber einfach zu jung. Definieren wir den “Volkeswillen”, den Sie ansprechen, dahingehend, das die Leute im Alter von 35+ gemeint sind.
Hm, da schreib ich doch mal einen so typischen wie unwichtigen Kommentar: Der wohnt bei mir um die Ecke, nur elf Minuten entfernt… wow!
Wer
fickenHeizdecken verkaufen will, muss freundlich sein. Diese goldene Regel hatten die Gameshow-Urgesteine des Privatfernsehens noch verinnerlicht. Man mag bedauern, dass diese Art von Freundlichkeit weitgehend ausgestorben ist. Aber deswegen muss man ja nicht gleich die Rückkehr televisionärer Butterfahrten wie “Der Preis ist heiß” ins Programm fordern.Obwohl: Wenn dafür Machwerke wie “Big Brothel” von der Bildfläche verschwinden würden, sollte es mir recht sein.
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