Sätze, die wir uns mal merken – heute: Mathias Döpfner
8. April 2010
R.I.P. Ferdinand Simoneit
8. April 2010

US-Exportschlager Kinderpornographie

Internet Filter Sperre Zensursula shutterstockEigentlich ist die Sache ja durch. Jeder, der Interesse hat, sich mit dem Thema Kinderpornographie auseinanderzusetzen weiß, dass die Schmutzware fast nie im frei erreichbaren Web kursiert, sondern vor allem in abgeschlossenen Zirkeln. Deshalb auch ist es  platte Symbolpolitik –  und indirekt höchst problematisch für die Demokratie – wenn irgendwer Listen mit Internet-Angeboten anlegt, die dann gesperrt werden.

Trotzdem ist es für die Diskussion um die Sache interessant, was im Odem-Blog zu finden ist. Der dänische Zugangsdienstleister Simmin hat nämlich seine Liste automatisiert in eine Statistik überführt. Deren Ergebnis möge man jedem Volksvertreter, der wieder einmal von den tollen Erfolgen anderer, sperrender Länder salbadert vorlegen. Sie besagt: 91,8 Prozent der Seiten liegen in den USA, 1,3 Prozent in Kanada, 1,1 Prozent in Deutschland.

Wer kümmert sich um die? Die Polizei agiert nicht, bevor es kein Urteil gibt. Also gibt es ernsthaft Politiker wie CSU-Mann Hans-Peter Uhl, die auf eine Art Bürgerwehr setzen. Und hier beginnt die Diskussion in Richtung eines größeren, ganzen abzudriften. Denn wenn Uhl dies im Fall von Kinderpornographie begrüßt – wo noch? Sollen in ländlichen Gebieten, in denen die Polizeipräsenz gesenkt wurde, Nachbarschaftswachen patroullieren? Und was dürfen die machen?

Natürlich nicht, wird er wohl sagen. Und erklären, das eine sei das Internet, das andere die reale Welt. Womit wir beim vielleicht deutschesten aller digitalen Probleme wären: Das Internet ist eben nicht anders als die „reale Welt“ – es ist ein Teil von ihr.

(Foto: Shutterstock)

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