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Buchempfehlung: „Daemon“ von Daniel Suarez

Es gab jüngst einen Tag, an dem ich überlegte, nicht ins Büro zu gehen – obwohl genug Arbeit vorhanden war. Der Grund war ein Buch. Das spannendste Buch, das ich seit langer Zeit, vielleicht seit Jahren gelesen haben.

Es heißt: „Daemon“.

Erschienen ist es schon 2007 und in dem Moment, da ich das schreibe merke ich, wie blöd das in Zusammenhang mit einem Roman klingt. Andererseits spielt Technologie darin eine Hauptrolle – und die ändert sich bekanntlich schnell. Die Story von „Daemon“ aber ist so hochaktuell, als ob sie für das Jahr 2010 geschrieben worden wäre.

Es beginnt wie ein Krimi: zwei rätselhafte Morde, eine klassische, innerlich zerrissene Ermittlerfigur. Peter Sebeck soll die Tode von Mitarbeitern einer Firma ermitteln, die Online-Rollenspiele produziert. Deren Gründer und Hauptprogrammierer ist jüngst an Krebs gestorben. Und doch meldet er sich per Videobotschaft bei Sebeck: „Um Ihnen unnötigen Aufwand zu ersparen, sage ich Ihnen: Ich habe beide getötet. Warum, werden Sie bald erfahren. Allerdings haben Sie ein Problem. Sie können mich nicht verhaften. Sie können mich nicht aufhalten. Denn ich bin tot.“

Zuvor aber hat jener Matthew Sobol ein Daemon-Programm aufgesetzt, das sich aktivierte, als die erste Meldung über das Ableben seines Programmierers im Web erschien. Aus dem Krimi wird ein Dan-Brown-artiger Thriller, als das FBI versucht, die gesicherte Villa Sobols zu erstürmen. Doch auch dieses Genre verlässt „Daemon“ und wird zu einem düsteren, schirrmacheresken Science-Fiction-Scenario: Der Daemon übernimmt, ohne dass es die Weltbevölkerung merkt, die Herrschaft über den Globus, er macht die Welt zu einem Videospiel.

Nur in Fitzelchen wirkt die Geschichte weit hergeholt. „Daemon“ ist zwar das Erstlingswerk von Daniel Suarez – doch der weiß, wovon er schreibt: Er ist von Haus aus Systemprogrammierer. Entsprechend sollte man stilistisch kein Meisterwerk erwarten. Die Sprache ist, typisch für US-Thriller, trocken und auf den Punkt. Immerhin: Gefühlswelten werden nicht ganz so überbordend kitschig entworfen wie bei anderen Autoren des Fachs.

Heute nun erscheint „Daemon“ auf deutsch (ich selbst habe die englische Fassung gelesen) und sei allen an Internet, Technik Interessierten, allen Geeks und Freaks und Nerds wärmstens ans Herz gelegt. Nur die Arbeitsproduktivität könnte zeitweilig sinken.

Ach ja, in den USA ist gerade der zweite Teil unter dem Titel „Freedom TM“ erschienen:

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