Bezahlen mit Facebook – oder: der neue Staat

by Thomas Knüwer on 26. Januar 2010

Ein höchst spannendes Experiment steht an in der Welt der Social Networks: Wie sehr vertrauen Nutzer Facebook und Co.?

Schon jetzt geben Sie den Diensten ihre Daten, Fotos, Videos. Das ist eine Menge, denn vor allem Fotos sind eben auch ein Produkt der Intimsphäre. Wir dürfen also annehmen: Bei den meisten Nutzern ist ein gehobenes Maß an Grundvertrauen vorhanden.

Aber wird das reichen um Social Networks Zahlungsströme und Kreditkarten- beziehungsweise Kontonummern anzuvertrauen? Ihnen vielleicht gar das Recht zur automatischen Abbuchung vom heimischen Girokonto zuzugestehen?

Ja, glaubt Facebook.

Zumindest wird es demnächst möglich sein innerhalb von Anwendungen, die auf den Profilen laufen, die Option “Pay with Facebook” zu aktivieren. Das meldet der oft gut informierte Silicon Alley Insider.

Den Anfang machen die Facebook-Spiele aus dem Hause Zynga.

Die sind in weiten Teilen gratis zu spielen, was “Farmville” und “Mafia Wars” extrem populär gemacht hat – und extrem nervig. Für viele Facebook-Nutzer sind die Anfragen und Statusmeldungen, die Freunde mit den Spielchen erzeugen eine Pest. Höflich gesprochen. Die meisten Farmville-Gegner wären höchstens dafür zu begeistern diese virtuellen Bauernhöfe zu besuchen, wenn die Option bestünde, sie abzufackeln – das aber könnte eine echte Killer-Applikation sein.

Zurück zum Thema.

Zynga-Spiele lassen sich leichter und schneller spielen, wenn der Nutzer bereit ist, ein paar Dollar zu investieren. Dies will “Pay with Facebook” ihm erleichtern. Später sollen auch andere Facebook-App-Programmierer diese Möglichkeit haben, das Netzwerk selbst möchte 30 Prozent des Umsatzes haben. Da könnte hübsch was zusammenkommen, meint auch der Insider:

“Zynga announced last week that it raised $1.5 million for Haiti in just five days selling just four limited edition virtual goods through its top four games. Annualized, these limited edition goods alone would put Zynga revenues above $109 million.”

Mit 30 Prozent Anteil aber hätte Facebook keine Chance außerhalb des Marktes für virtuelle Güter – für den es keinen Preis gibt außer dem einen, den der Anbieter festsetzt – Fuß zu fassen. Weshalb das Projekt noch keine Gefahr darstellt für die Idee von Clickandbuy, echtes Bezahlen über das Netzwerk zu ermöglichen.

Aber wird das so bleiben?

Facebook Connect, also die Möglichkeit sich mit einem Facebook-Account bei anderen Diensten anzumelden, ist höchst bequem. Eine Verlängerung um die Möglichkeit, Käufe darüber abzuwickeln ist nur logisch. So denkt auch Twitter-Mitgründer Jack Dorsey, der an einem Payment-System für das Iphone bastelt.

Die Idee also hat Charme. Aber sie hat auch erhebliche Konsequenzen. Aus Social-Networking-Profilen werden dann digitale Identitäten. Nein, der Begriff Identität ist falsch. Es werden digitale Ausweise. Doch die liegen nicht mehr in der Hand von Staaten, sondern in der Hand von Unternehmen.

Werden sie trotzdem erfolgreich? Ich glaube: ja – aber so was von. Denn spätestens die Debatte um die Vorratsdatenspeicherung hat uns gezeigt: Wir vertrauen eher Unternehmen als dem Staat.

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