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@140conf: #tiefpunkte

Ich gehöre nicht zu den Menschen, die eine Konferenz, die sich allein um Twitter dreht für völlig schwachsinnig halten. Nein, Twitter ist vielfältig, längst sind noch nicht alle Möglichkeiten erkannt und erschlossen, dazu gibt es interessante Geschichte – da kann man schon mal konferieren.

So fuhr ich durchaus neugierig zur 140conf nach London, noch dazu da Organisator Jeff Pulver ja einen guten Ruf mitbringt: Er sorgte einst dafür, dass in den USA Internet-Kommunikation nicht mit Telefonkommunikation gleichgesetzt wurde.

O2

Doch allein schon der Ort der Konferenz: merkwürdig. Das Indigo ist der kleinere Saals des O2, dem einstigen Millennium Dome weit draußen auf der Halbinsel östlich von Greenwich.

Drinnen wurde das Schild an der Tür zur bösen Ironie:

Denn wie kann man allen Ernstes eine Twitter-Konferenz ohne freies Wlan planen? 10 Pfund kostete der Zugang zum Drahtlos-Internet, das in seinen güldenen Momenten nur wackelig war.

Ähnlich unkommunikativ der Rest: Keine Fragen aus dem Publikum, keine Twitter-Wall, nur eine Mittagspause, sonst keine Möglichkeit, sich kennenzulernen, ein dürftiger und falscher Zeitplan, unzureichende Ankündigung der Redner – das hatte etwas von Dilletantismus.

Dabei begann der Tag grandios. Kodak-Marketing-Vorstand Jeff Hayzlett ist ein wunderbarer Typ – und eine Rampensau vor dem Herrn.

Dann: Stephen Fry. Besser: @stephenfry.

Der großartige Schauspieler und Autor sprach eine halbe Stunde über Twitter und Kommuniktion im Internet. Seine Rede sei allen, vor allem aber auch Journalisten, wärmstens ans Herz gelegt. Hier meine Aufzeichnung:

Auch das Streitgespräch zwischen den beiden Unilever-Mitarbeitern Babs Rangaiah und Laura Klauberg hatte ein paar schöne Momente. „Twitter ohne Links ist wie Cornflakes ohne Milch“, sagte Rangaiah, zum Beispiel. Oder: „Twitter ist das beste Marketing-Instrument… Es kann oprahesque Reichweiten erzielen.“

Dann aber mäanderte das Niveau nach unten. Ganz liebenswert zwei Teenager, die versuchen über den Verkauf des Abspanns einen Film zu finanzieren. Projektname: Buyacredit. Stephen Fry ist an Bord, mit Kevin Spacey „reden wir“. Aber ob das reicht, um eine Million Pfund zusammenzubekommen? Das erinnert sehr an jene Eine-Million-Pixel-Aktion

Eher uninspiriert wurde es dann, wenn Unternehmen über ihr Twitter-Nutzung sprachen. Kelloggs immerhin bestätigte meine These, dass es eine Kommunikationsguerilla braucht, die mehr Rede-Freiheiten hat, als andere Abteilungen: „Man vertraut uns und gibt uns Freiheiten.“

Und außerdem sagte jene Unternehmensvertreterin, deren Name nicht im Programm stand: „Es klingt immer so, als hätten Unternehmen eine Wahl, ob sie dabeisein wollen. Aber Social Media sind auch Medien – und deshalb müssen wir dort aktiv werden.“

Ziel sei es, jene Kommunikatoren auszumachen, die besonders viel Einfluss haben, um diese zu Markenbotschaftern zu machen: „Wenn der Kunde vor dem Regal steht, haben wir drei Sekunden, bis er seine Entscheidung fällt. Wir sind für alles froh, was den Ausschlag für uns gibt.“

Kodak berichtete gar von einem Twitterer, der die Firma und ihre Produkte beschimpfte. Als er dann persönlich kontaktiert wurde, ging es friedlicher zu – heute ist er kommunikativer Fan der Marke.

Solche Geschichten hätten die Zuhörer gerne häufiger gehört. So wie die „Und alle so yeah“-Story, die Johnny Haeusler in fünf kompakten Minuten erzählte:

Doch davon gab es viel zu wenig. Fast folgerichtig fand die Party im „Floridita“ statt, mitten im Westend und weit vom Konferenzort entfernt. Einem Restaurant, das für gewöhnlich mittelmäßiges Essen bei viel zu lauter Musik serviert. Diesmal erreichte die Beschallung das Volumen von Akustiksadismus. Kommunikation? Unmöglich.

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