Wie bastele ich mir eine Pseudo-Statistik am Beispiel der “Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung”

by Thomas Knüwer on 31. August 2009

Keiner Statistik zu glauben, die man nicht selbst gefälscht hat, ist eine alte Weisheit. Sie stammt aus einer Zeit, da sich solche Statistiken wenigstens ein Mäntelchen der Schein-Objektivität überwarfen.

Heute ist das einfacher. Da kann eine Redaktion einen schwachsinnigen Pseudo-Test starten und entfacht einen Sturm im Wasserglas. Wie die “Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung” gestern bewies. Seit gestern morgen frage ich mich: Warum 99? 99 Briefe hat die “FAS” verschickt um zu prüfen, wie schnell die Deutsche Post diese befördert. 99. Warum 99? Vielleicht hat die Redaktionsassistentin falsch gezählt?

Keine Ahnung. Aber es ist ja nicht das einzige, was bei der Schein-Wissenschaft der “FAS” gewaltig müffelt.

In der Tat ist es ja legitim und eine gute Idee, die Meldungen um eine verlangsamte Sortierung am Wochenende zu untermauern mit einem echten Post-Test. Doch offensichtlich hatte die “FAS” Angst. Angst davor, Porto zu verschwenden für eine Geschichte, die gelautet hätte: “Post befördert Briefe ganz ordentlich”.

Also musste schon mal alles so positioniert werden, dass die Versendung möglichst wahrscheinlich lahmt. So verteilten die Autoren die Versendung auf nur drei Tage: Samstag, Montag und Dienstag.

Das allein entwertet schon die Aussage. Anschließend diese geringe Zahl von Fällen auch noch auf Prozente umzurechnen ist schon nur noch mittelmäßig seriös. Außerdem fehlt die Erwähnung, dass es sich um Werktage handelt, am Sonntag wird ja nicht ausgetragen.

Allen Ernstes vergleicht die “FAS” dann ihre Winz-Zahl mit den Vorgaben der Bundesregierung. Und die Post reagiert auch noch darauf. Und zahlreiche Medien berichten dieses angebliche Skandälchen, ohne sich eine Sekunde zu fragen, ob diese Schmierenkomödie nicht vor allem eines verdient: eine eigene, größer angelegte Recherche – oder den Deckmantel des Schweigens.

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