Hardcore-Pornos im Büro, mit feuchtem Dank an Microsoft Bing

by Thomas Knüwer on 2. Juni 2009

Pornos im Büro sind nicht erlaubt. Aus Angst, die Mitarbeiter könnten wegen der Darstellung nackten Fleisches ihre Pflichten vernachlässigen, blockiert praktisch jedes größere Unternehmen über seine Firewall den Zugang zu entsprechenden Web-Seiten.

Nun aber müssen die Porno-Hungrigen nicht länger lechzen, endlich können sie selbst härteste Ware am Arbeitsplatz betrachten.

Wer das möglich macht? Microsoft. Microsofts neue Suchmaschine Bing hat ein Porno-Problem. Und es ist eines, das sich nicht so flott wird beseitigen lassen. Denn es ist unmittelbar verbunden mit der eigentlich gut gemachten, neuen Video-Suche.

Um die Dimension zu erfassen ist es zunächst nötig, die persönliche Ländereinstellung bei Bing von Deutschland auf USA zu ändern. Dann geben wir einen verfänglichen Suchbegriff ein, sagen wir “Porn”. Bei den Suchergebnissen erhalten wir den Hinweis, dass die “Safer Search” auf “moderate” eingestellt ist. Sie ist so eine Art Kindersicherung für Bing. Und Kindersicherungen heißen ja Kindersicherungen, weil Kinder wesentlich schneller begreifen, wie diese umzustellen sind, als ihre Eltern.

Wir schalten die Safer Search mit drei Mausklicks also aus. Dann suchen wir nochmal nach Porno. Klicken wir einen der nun ausgeworfenen Links tut die Firmen-Firewall ihren Dienst:

Alles gut. Dann aber klicken wir bei Bing links auf die Videosuchergebnisse. Es erscheinen lauter kleine Bildschirme mit den Suchergebnissen. Und hier beginnt das Problem. Zunächst sind dies vor allem Treffer von kommerziellen Porno-Seiten, wohingegen Google die Ergebnisse von Videoseiten wie Youtube bevorzugt. Diese beherbergen zwar auch Porno-Inhalte, in der Regel allerdings sind es abgesoftete Filme als Werbung für Porno-Seiten.

Bing aber wirft eben echte Hardcore-Filme aus. Und: Um sie zu starten muss ich nur mit der Maus über das Bild fahren – der Film startet. Und das bedeutet: Die Firmen-Firewall stört sich nicht daran, schließlich befindet sich der Angestellte auf Microsoft-Territorium.

Somit kann sich nun jeder Angestellte in einem Unternehmen dank Microsoft Bing die Welt der Erotik herunterholen. Porno-jagenden IT-Administratoren bleibt nur eine Chance: Bing sperren.

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{ 26 comments… read them below or add one }

1 166mhz 2. Juni 2009 um 12:36

äh – das heißt, die versammelte büroarbeitnehmerschaft guckt jetzt minithumbnailpornovideos weil wegen microsoft? so what bidde?
der zugriff zu den seiten mit den großen bewegten bildern bleibt (beim handelsblatt) doch weiterhin gesperrt.
daraus jetzt ein microsoftsches pornoproblem zu machen, ist vielleicht etwas arg aufgeblasen. höhö.

2 Simon Zeimke 2. Juni 2009 um 12:50

ich frage mich, wie der herr knüwer auf die idee gekommen ist das auszuprobieren? ;-)

3 Sebs 2. Juni 2009 um 12:53

Sorry, aber wenn man Inhalte aus dem Netz blockieren muss fehlt doch schon das Vertrauen in die eigenen Mitarbeiter ;)
Ich verlasse mich einfach darauf das die Kollegen die Zeit sinnvoll nutzen. Punktum.
Bisher haben wir jede Sperre auch noch getunnelt bekommen. ;)

4 Phillip 2. Juni 2009 um 12:57

Tja, dann auch Google sperren, bitte.

Erweiterte Einstellungen, SafeSearch aus, Einstellungen speichern: die Suchergebnisse erhalten nun auch explizite Inhalte, und dies auch mit nur drei klicks. Bei der Google\’schen Bildersuche klappt das Anzeigen expliziter Inhalte soger mit SafeSearch auf der Standardeinstellung.

(Jetzt mal abgesehen davon, dass die SafeSearch nicht als eine Art Elternkontrolle fuer den Nachwuchs gedacht ist. Google wie MS stehen da auf dem Standpunkt, dass das nicht auf Websiten, sondern auf den PCs des Benutzes geschehen sollte, wo z.B. auch bessere Sicherheitseinstellungen greifen.)

5 stk 2. Juni 2009 um 13:02

Ich sekundiere Sebs — jede Firmenfirewalleinstellung betrifft doch ohnehin nur diejenigen, die sich keinen Tunnel graben koennen. Die 20% schwer Paedo… aeh, falscher Kontext.

Was ich sagen will: Wer tatsaechlich pr0n im gefilterten Netz schauen will, bekommt das sicher auch ohne Bing hin. Ich koennte jetzt Geschichten ueber IPv6-Tunnel erzaehlen, die im rein auf IPv4 hin geprueften Netz nicht auffielen. Oder die Geschichte mit der Richtfunkstrecke quer durch ein Klo, vom \”gesicherten\” Netz in das \”offene\”. Hach :)

6 Fat Andy 2. Juni 2009 um 13:21

Bitte nie wieder reden von pruden Amerikaner. Ich dachte die deutsche waeren ein bisschen aufgeschlossener, aber anscheint nicht wenn man als Besserwissender vor seine Kameraden erscheinen will.

Who gives a shit, seriously?

7 sag 2. Juni 2009 um 13:48

Langweilig! Vielleicht sollte Herr Knüwer seine Zeit doch mal wieder für etwas spannendere Geschichten nutzen.

8 Konzerner 2. Juni 2009 um 13:52

Dann wartet mal ab, bis der erste Großkonzern Bing sperrt. Ich arbeite bei so einem. Und sobald der erste Kollege erwischt wird, wie er darüber Pornos kuckt brennt der Baum.

9 JS 2. Juni 2009 um 15:27

Gähn. Das ist wirklich der von Ihnen gescholtene Doof & Sabber-Journalismus, den Sie da zelebrieren und entsprechend als Skandälchen aufzublasen versuchen.
Und nebenbei, die Recherche ist auch schlampig (oder wurde arg abgelenkt): Ich kann beim besten Willen keinen \”Film\” erkennen in der Vorschau. Was ich sehe ist ein ein ca. fünfsekündiger Schnipsel, dann ein Sprung, wieder ein Schnipsel und dann Wiederholung. Das ganze mies aufgelöst, wenn auch ausreichend für eine erste Begutachtung. Aber da startet kein Film und da kann man sich zumindest keinen Hardcore-Film herunterholen (was anderes schon). Die Handelsblatt-Mitarbeiter müssen \”ausgetrocknet\” sein, wenn ihnen sowas als harte Kost ausreicht.

10 Don Alphonso 2. Juni 2009 um 16:01

Es gab mal in München einen neuen Mobilfunkkonzern, bei dem ein Admin einen ganzen Server voller Pr0n im Firmennetzwerk rausschmeissen wollte. Der hat sich dabei mit den Falschen angelegt und wurde dann selber gegangen.

OK, andere Branche und die wilden Zeiten ™ der New Economy in der Munich Area ™.

11 Mittelständer 2. Juni 2009 um 16:07

@Konzerner: Ich dachte immer in diesen Klitschen brennt der Baum, weil Management und Mitarbeiter gerade versuchen, Staatsknete im großen Stil zu grapschen oder Datenskandale zu vertuschen? Aber wenn Porno so ein irres Problem bei euch ist, dann wird mir so manche Fehlentwicklung der letzten Jahre klar. Traurig, so oder wo, wo Ressourcen verschwendet werden.

12 Jens 2. Juni 2009 um 16:36

Verstehe das Problem nicht. Wenn ich Pornos suche und Bing die findet und mir anzeigt, dann ist das doch eigentlich prima, weil es das tut, was ich wollte. Wo hat Bing/MS denn dann das angesprochene \”Problem\”?

13 Emha 2. Juni 2009 um 17:01
14 Mike 2. Juni 2009 um 18:11

@ Emha: Fragt sich nur, wer von wem abgeschrieben hat?!

15 Thomas Knüwer 2. Juni 2009 um 18:18

@Mike @Emha Der Zeitstempel beider Artikel könnte eine Erklärung liefern.

16 Michael Finkenthei 2. Juni 2009 um 21:32

@tk: kam aus dem Rheinland nicht die Frage \”daaaf dat dat\”?

17 Amerikaner 2. Juni 2009 um 23:51

Einige Kommentatoren hier kapieren wohl die Dimension dieser ganzen Angelegenheit noch nicht ganz. Durch ein einfaches Umstellen der Ländereinstellung von Deutschland auf USA werden via Bing gleich zwei Grundpfeiler der deutschen Internet Rechtssprechung aus den Angeln gehoben: der Jugendschutz und das Urheberrecht. Bei ersterem vertritt der deutsche Gesetzgeber eben gerade nicht den sinnvollen und zukunftsweisenden Standpunkt, dass Jungendschutz/Zensur auf den PCs der Benutzer, und nicht im Internet selbst zu geschehen hat (siehe den Kommentar von Phillip). Bei letzterem ist das Abspielen von (fremden) Video-Inhalten in Thumbnail Form fuer deutsche Internetunternehmer eigentlich juristischer Selbstmord.

Die Manipulation der Ländereinstellung von Bing verdeutlicht einmal mehr die antiquierte Rechtslage mit der sich web 2.0 Unternehmer hierzulande taeglich auseinandersetzen muessen: Deutschland vs. den Rest der Welt. Fuer Juristen wird Bing in Deutschland noch fuer viel Unterhaltung sorgen. Darueberhinaus ist zu hoffen, dass der automatische Zensurmechanismus von Bing Germany der Allgemeinheit bekannt wird und fuer Gespraechsstoff (und Verfassungsklagen) sorgt.

Ich moechte den Gesichtsausdruck von Bundesministerin Ursula Gertrud von der Leyen sehen wenn sie diesem \”how to\” von Herrn Knüwer folgt und auf dem PC in ihrem Buero mit den Suchergebnissen einer Bing Video-Suche \”Hardcore Anal\” konfrontiert wird. It\’s a brave New World….

18 Stephan Dörner 3. Juni 2009 um 01:13

Also ich sehe irgendwie das Problem nicht.

Wer hat ein \”Porno-Problem\”?

Nutzer, die nach Pornos suchen und Pornos bekommen – wohl kaum.

Microsoft, die den Nutzern das geben, wonach sie suchen – sehe ich auch nicht.

Unternehmen, die glauben, sie könnten die Internetnutzung ihrer Mitarbeiter komplett kontrollieren – ganz bestimmt. Aber nicht erst, seit Microsoft Bing gelauncht hat.

19 Kris 3. Juni 2009 um 07:16

Nun, nicht nur wegen der Pornos, sondern weil Bing im allgemeinen als proxy fungieren kann, wurde es in China gesperrt: http://www.chinese-forums.com/showthread.php?t=29971
(Offiziell werden keine Gründe gegeben, und viele der Sperren sind jetzt wegen des bevorstehenden 20jährigen Jubiläums, man wird sehen müssen, ob die Sperre von Bing nächste Woche wieder aufgehoben wird oder nicht)

Wobei bing sowieso kein guter Name für den chinesischen Markt ist, bìng 病 bedeutet \”Krankheit\”.

20 Thomas 3. Juni 2009 um 10:55

\”abgesoftete Filme als Werbung\” als Beschreibung zu youporn? Ist klar! Vielleicht sollte der Verfasser des Artikel mal bei Youporn vorbeischauen und sich dann eine Meinung bilden.

\”abgesoftete Filme als Werbung\” – Ohne Worte

21 Thomas Knüwer 3. Juni 2009 um 11:58

@Thomas Youtube. Nicht Youporn. Freudscher Einfluss?

22 Thomas Knüwer 3. Juni 2009 um 13:45

In den USA scheint eine Debatte um die Frage zu beginnen, ob die Bing-Videosuche gegen Fair Use verstößt: http://blogs.zdnet.com/Howell/?p=245

23 Thomas 3. Juni 2009 um 16:32

Ein Freudscher Verleser – verzeihen Sie mir :-)

24 ANTIna 6. Juni 2009 um 17:10

BING? Wofür steht das? But its not Google?
Irgendwie ging der Start an mir vorbei, hab heute im RSS-Feed zu ersten mal drüber gelesen.

Heißt es jetzt eigentlich ich BINGe etwas? Weil \”Ich google mal schnell was nach\” ist mir so verraut

25 Delgado 9. Juni 2009 um 12:28

Aha. Das Handelsblatt filtert also das Internet für seine Redakteure. Ob das der \”Substanz\” dieses Blattes zugute kommt?

26 Christian Meier 1. August 2009 um 13:16

Ich habe keine Ahnung, dafür davon jede Menge.
Mein Blog heisst \”BONZ bloggt\”.

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