Ford macht eine Web-Fiesta

by Thomas Knüwer on 24. April 2009

Eine Prognose manches Marketing-Propheten lautet: Der Gewinner der Wirtschaftskriste wird die Online-Werbung sein.

Diese Annahnme ist nicht von der Hand zu weisen. Online-Werbung ist günstiger und ihr Erfolg zumindest scheinbar leichter messbar – zwei gute Argumente in Zeiten, da jede Ausgabe vom Unternehmens-Controlling hinterfragt wird.

Sind die Web-Aktivitäten dann noch erfolgreich, so die Vorhersage, haben die Firmen wenig Grund zur Werbung auf klassischem Weg zurückzukehren. Trifft es so ein, wäre das ein harter Schlag für die klassischen Medien.

Zu beobachten ist bereits jetzt, dass Online-Werbung nicht so drastisch einbricht, wie ihr klassisches Gegenstück, mehr noch: Je nach Statistik wächst sie sogar weiter.

Und noch etwas passiert: Unternehmen beginnen zu experimentieren, selbst jene in absoluten Krisenbranchen. Jüngstes Beispiel: Ford – mit einer höchst spannenden Idee, die am Ende ihren Weg in die Marketing-Lehrbücher finden könnte. Ich war ein großer Freund der Opel-Blogger-Aktion im Jahr 2006. Damals stellte Opel vier Bloggern für ein paar Wochen jeweils einen Astra inklusive Aufwandsentschädigung mit der einzigen Bedingung, dass diese über ihre Erlebnisse mit dem Wagen schreiben sollten.

Heraus kamen viele nette und unterhaltsame Artikel und eine Reihe langweiliger Beiträge. Viel zu verlieren hatte Opel nicht: Die Kosten für die Aktion waren höchst überschaubar. Und was hätte schlimmstenfalls herauskommen können? Verrisse – die aber wären angesichts des zerfledderten Opel-Images zu erwarten gewesen und wären in diesem Fall unterhaltsam ausgefallen. Die Urteile aber waren, wie zu erwarten, wohlwollend positiv. Denn trotz der heruntergewirtschafteten Marke produziert Opel ja solide Fahrzeuge.

Damals fragte ich mich schon: Was wäre passiert, wenn die Blogger die Wagen nicht für ein paar Wochen gehabt hätten – sondern für ein Jahr? Auch hier hätte es, runtergerechnet auf Marketingwährungen wie Kontakte, Seitenabrufe und TKPs eine höchst effiziente Kosten-Nutzen-Rechnung gegeben.

Opels, oder in diesem Fall: General Motors, Gegner Ford geht nun in den USA einen Schritt weiter. Aktive Web-Nutzer konnten sich um Botschafter-Posten bewerben. Wer angenommen wurde, 100 Stellen waren frei, bekommt ein halbes Jahr lang den Ford Fiesta. Den gibt es in Europa zwar schon, in Übersee aber wird er erst 2011 auf den Markt kommen.

Ob diese Botschafter auch noch Geld bekommen, diese Information kann ich nirgends finden. Die Seite, auf der all ihre Werke zusammenlaufen, aber ist sehr appetitlich gemacht.

Natürlich ist seit 2006 verdammt viel passiert. Also gibt es mehr Videos und schon gleich das erste macht sich ein wenig lustig über den Fiesta:

Klar, getwittert wird auch viel, die Zahl der Blog-Artikel dagegen ist bisher zurückhaltend.

Jeden Monat soll es bald eine Aufgabe für die Testfahrer geben. Aber nicht nur deshalb wird es spannend sein, die Aktion zu verfolgen. Denn wie Social-Media-Berater Jason Baer schreibt, gibt es eines, was diese Kampagne zum Testfall für das Online-Marketing macht: Außer Fiesta Movement soll der Wagen keine große Werbe-Unterstützung erfahren. Ein gewagtes Experiment – und ein extrem spannendes.

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