Cebit 2009 – the Return of the Häppchen

by Thomas Knüwer on 5. März 2009

Im vergangenen Jahr hatte ich geschrieben, ich könne mir nicht vorstellen, auf der Cebit 2009 zu sein. Nun war ich doch da. Vor allem wegen Webciety, dem vielleicht letzten Versuch, die Cebit doch noch mit der Internet-Industrie zu vereinen.

Und wie war es? Anstrengend. Das merke ich auch jetzt noch, man wird ja nicht jünger. Und die Cebit war interessanter als erwartet.

Wenn Sie mich jetzt fragen, welches Bild zumindest für die ersten zwei Messetage als Symbol herhalten könnte, dann dieses hier:

Ja, es war the Return of the Häppchen. Jedoch: mit wenig Fleisch oder Fisch und hohem Gemüseanteil, Krisenhäppchen eben. Sie sahen aus schon mal aus wie ein Schnitzel – und waren doch nur frittierte Aubergine. Übersetzen lässt sich das mit: Bewirtung ja, schön und angenehm soll sie auch sein, aber finanziell ist Zurückhaltung gefragt.

Dazu gabe es am Abend gelegentlich Alkohol, doch weit weniger offensiv angeboten, als früher. Nur bei Kaspersky soll es Russendisko mit Szenen der Trunkenheit gegeben haben, wie sie einst nur bei Nokias Riesen-Party gesehen wurden.

Die Cebit lebt also, trotz aller Unkenrufe. Der erste Tag, allerdings, war erschreckend. Es war so leer, als seien weite Teile der IT-Industrie von einer Wasserstoffbombe oder biologischen Kampfstoffen hinweggerafft worden: Die Stände standen, die Menschen schwanden.

Mittwoch wurde es dann voll, richtig voll. Und heute, so ich es über Twitter richtig vernehme, sieht es wieder gut aus.

Fast ständig belebt ist der Webciety-Bereich. Ein neues Konzept mit kleineren, enger stehenden Ständen, alles in Schwarz gehalten, dazu eine Bühne mit – wie sich dann herausstellte – viel zu wenigen Plätzen. Denn im Webciety-Bereich war es meist satt voll.

Die Netz-Branche ließ sich, zumindest was den deutschen Part betraf, wieder sehen in Hannover. Das Standkonzept sorgt für Wuseligkeit, die manchmal nervig war, aber für eine Menge Schwung sorgte.

Vor allem kann sich manches Unternehmen so wenigstens einen Stand leisten. Gut, hier reichte es dann nicht mehr für die Besatzung:

Und es gibt ein paar Aktionen, die eher Cebit-ungewöhnlich sind. So werde ich am Samstag Teil einer Twitter-Weinverkostung sein. Ja, ich weiß, das klingt ganz schlimm geekignerdigzweinulligblödigschrägig. Zwischen 14.40 und 15 Uhr werde ich von Düsseldorf Weine dreier bloggernder und twitternder Winzer probieren und meine Eindrücke in 140-Zeichen zusammenfassen (twitter.com/tknuewer), während in Hannover ein weit kundigeres Podium und in ganz Deutschland twitternde Weinfreunde ebenfalls tun.

So etwas würde normalerweise auf der Cebit untergehen. Überall gibt es dort Podien und Bühnen mit Produktvorstellungen oder Belustigungen. Mitleiderregend war es am Mittwoch, Blip-TV-Gründerin Dina Kaplan am Telekom-Stand zu sehen, wie sie gegen das erdrückende Weiß der Bühne, die Hintergrundkulisse und das Desinteresse der Standbesucher anzukämpfen versuchte.

Web und IT, das sind immer noch zwei Welten. Und die Webciety war das schwarze Loch, zu dem die Branchenmitglieder immer wieder hin- und weggravitierten.

Ob die Geschäfte der anderen Branchen gut liefen, kann ich nicht beurteilen, dafür reichen zwei Messetage nicht. Zumindest aber die Besucher waren da, anscheinend auch die Schulklassen und Endverbraucher, die man einige Jahre nicht recht haben wollte.

Sie zurückzugewinnen halte ich für wichtig. Denn eine Messe ist ein Markt und ein Markt muss bunt sein, damit die Marktbeschicker den Eindruck haben, gute Geschäfte machen zu können. Ein Mittel um das zu schaffen, sind Web-Unternehmen. Sie sind die Commodore 64 des jungen Jahrtausend: Den C64 nutzten bereits viele Endverbraucher, während Firmen sich noch fragten, ob sie tatsächlich diese Computer brauchen. Die Webciety ein erster Schritt Richtung Web, ein kleiner Schritt, aber ein Schritt. Vielleicht geht es 2010 dann ja ans Laufen.

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