Weil der Journalist sich ändern muss

by Thomas Knüwer on 1. Dezember 2008

Krisen sind keine schöne Sache. Doch sie sind auch ein Moment der Besinnung. Eine Chance zu hinterfragen, warum es so weit gekommen ist. Das gilt auch für die Medien – und gerade für uns Journalisten. Erst jetzt – und damit viel zu spät – wacht mancher Berufsstandskollege auf und wundert sich ob des Sturms, der ihn umtost.

Da gibt es jene, die versuchen, sich neu zu orientieren. Und andere, die sich weiterhin beständig dem Sturm entgegenstellen. Letztere sind die, die scheitern werden. Denn die Welt dreht sich nun mal weiter und Fortschritt ließ sich immer nur temporär aufhalten. Meist waren selbst dafür Mittel nötig, die das Zerschlagen von Körperteilen oder ähnlich unappetitliche Handlungen beinhalteten – und somit in der westlichen Welt nur noch gedämpfte Popularität genießen.

Die Haltung vieler Journalisten hat Harald Staun in einem sehr lesenswerten Stück in der “Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung” beschrieben:
“Die Erkenntnis, dass die Zukunft des Journalismus im Internet liegt, ist nicht besonders originell, und trotzdem finden sich noch immer Kollegen, die all jene für Ketzer halten, die sich auf diese Zukunft einstellen – als handle es sich um eine Frage des persönlichen Geschmacks.”

Seine Kollegen demonstrierten ihre Internet-Kompetenz leider damit, dass sie das Stück online nicht freischalteten, obwohl es dort sicherlich ordentlich diskutiert werden würde.

***Nachtrag: Das stimmt nicht, der Artikel ist hier online. Nur die Suche von FAZ.net endet auf einem kostenpflichtigen Artikel.***

“Ich habe ja nichts dagegen, für online zuschreiben”, sagt denn mancher Kollege. Allein: Unserem Beruf wird künftig mehr abgefordert, als die alte Tätigkeit einfach in ein anderes Redaktionssystem zu verlagern. Wer heute Journalist ist – und nicht gerade in baldiger Zeit gen Rente manövriert – steht vor der größten Herausforderung, die unser Beruf vielleicht jemals gesehen hat. Früher war alles ganz einfach. Der Journalist an sich hatte einen begrenzten Kanon an Quellen, aus denen er schöpfte. Selbst das Feld jener, zu denen er noch keinen Kontakt hatte, die aber interessant zu sein schienen, war überschaubar.

Ebenso klar abgesteckt waren die Zeiten und Orte in denen seine journalistischen Werke veröffentlicht wurden. Und abgesehen von den wichtigsten Meldungen gab es auch ein gewisses Laissez-faire in Sachen Aktualität: “Das nehmen wir dann morgen mit”, war ein üblicher Satz in den Redaktionen, die damals noch mit dem Anhang “Stuben” versehen wurden.

Das war 1995, als ich beim Handelsblatt anfing, noch so ungefähr das Weltbild. Und das ist nicht böse gemeint: Es war überall so und es war gut. Damals interessierten Indien und China eher am Rande, BRIC war noch das falsch geschriebene, englische Wort für Ziegel – und Anglizismen waren grundsätzlich zu vermeiden.

Es ist verständlich, dass sich mancher Kollege entwurzelt fühlt in diesen Tagen. Nichts scheint mehr so zu sein, wie es damals war. Und nicht mal dem eigenen Arbeitgeber scheint man vertrauen zu können, brachiales Vorgehen des Managements gegenüber Redaktionen sind nicht Ausnahme, sondern Regel geworden. Und um es klar zu sagen: So springt man nicht mit Menschen um.

Doch es ist auch absehbar: Mit der bisherigen Arbeitsweise kommen wir Journalisten nicht weiter. Die Welt hat sich geändert – und wir uns nicht genügend mit. An anderer Stelle habe ich schon einmal geschrieben: Wären wir Besitzer einer Autowerkstatt und käme ein neues Modell auf unseren Hof gerollt zur ersten Inspektion, wir würden antworten: “Nääää, dat iss ja der neue… Dat kann ich nich. Da müsst ich ja lernen, wie der funktioniert. Dat könnse nit von mir erwarten, isch bin schon viazich!”

Da ist zum einen das Thema Personalisierung. Wir selbst haben die Menschen daran gewöhnt, andere Menschen interessant zu finden und ihnen zu vertrauen. Eine alte Journalistenweisheit lautet: “Nichts interessiert den Menschen mehr als Menschen.”

Doch erst in den vergangenen zehn Jahren haben wir dies mit Vehemenz umgesetzt. Personalisierung siegte, egal in welchem Bereich. Stars und Sternchen wurden ebenso portraitiert, wie Manager und Sportler. Als wir gemerkt haben, dass der Kreis der Interessanten zu eng wurde, schwenkten wir um auf “normale” Menschen. So entstanden Karriere-Geschichten von Mittzwanzigern und Reality-TV-Shows, in denen scheinbar jeder zum Pop-Star, Model oder Sterne-Koch werden kann. Jeder Artikel, jeder TV-Beitrag strotzt nur so vor Humankapital, ganze Radiosender bestehen nur noch aus Musik, unterbrochen von Straßenbefragungen.

Nur einer hat sich nicht personalisiert. Der Journalist. Abgesehen von jenen, die vor der Kamera stehen oder vor einem Mikro sitzen – die exponieren sich zwangsweise. Der Rest hält sich zurück. Vor allem im Print-Bereich. Das Abbild des eigenen Gesichtes in der Zeitung gilt als eitles Pfui-Bah, als Nachvornedrängen von Selbstdarstellern.

“Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr”, ist eine alte Volksweisheit. In der Medienwelt findet sie nicht nur aus Ego-Marketing-Gründen neue Anwendung. Denn wenn wir all das glauben, was wir den Menschen in den vergangenen zehn Jahren erzählt haben, warum sollten sie den anonymen und sich ständig wandelnden Medienmarken Glauben schenken – wenn sie überall sonst doch Menschen vertrauen sollen?

Und noch etwas müssen wir erkennen. Wir haben das gleiche Problem wie die meisten Lehrer in diesen Tagen. Am Sonntag erzählte der 12-jährige Sohn eines Freundes, wie er auf die Drohung eines Lehrers mit Zwangsmaßnahmen reagiert: “Ich hab ein Gesetz ausgedruckt und ihm gesagt, dass er das gar nicht darf.” Vielleicht war meine münsterländliche Jugend ja ein wenig anders: Aber wir hätten das mit 12 weder gewagt noch gekonnt noch gewusst, wo wie solch ein Gesetz finden.

Lehrer leiden massiv darunter, dass ihre Schüler sie nicht mehr ernst nehmen. Weil sie in wichtigen Teilbereichen des Lebens ihrer Schutzbefohlenen gar nicht wissen, was die dort tun. Es geht hier nicht mehr – wie in alle den Jahrzehnten zuvor – um Geschmacksfragen oder Jugend-Slang, sondern um Wissen und Kommunikationstechniken. Die meisten Schüler haben das Gefühl, ihren Lehrern weit überlegen zu sein. Und manchmal ist das nicht ganz falsch. Wer aber andere Menschen führen will, der muss ihnen voraus sein. Ansonsten bleiben ihm nur die Androhung von Zwangsmaßnahmen.

Genauso wie Lehrer sollen auch Journalisten den Menschen die Welt einordnen, ihnen erzählen warum was passiert. Doch jemand, der das Leben erklären will, der muss im Leben stehen. Und das tun viele Journalisten nicht mehr.

Sie weigern sich mit verwunderlicher Vehemenz, überhaupt nur einen Blick zu werfen in die neuen Wege der Kommunikation. Sie melden sich nicht mal unter falschem Namen bei StudiVZ, Facebook, Myspace oder Twitter an. Natürlich kann man der Meinung sein, all diese Dienste seien nur vorübergehende Mode. Doch selbst dann gehört es doch zu den journalistischen Pflichten, sich anzuschauen, was den Zeitgeist gerade umtreibt. Behauptet nicht jede Journalistenschule, “Neugier” sei eine Berufstugend?

Natürlich sind all die Online-Angebote mehr als nur ein zeitlicher Trend. Vielleicht werden Facebook & Co. in ein paar Jahren abgelöst durch andere Dienste. Doch die Verschiebung in der Kommunikation wird bleiben. Und damit stehen viele Journalisten vor ihren möglichen Lesern wie Menschen, die sich nach Erfindung des Telefons weigern, dieses zu benutzen, weil es das Leben so hektisch mache – Briefe würden auch reichen.

In diesen Tagen, Wochen, Monaten aber beginnen junge Menschen ihre berufliche Karriere, die so selbstverständlich über Social Networks, Blogs und Kurznachrichtendienste kommunizieren wie unsereins einst mit dem Telefon. Wie sollen wir ihnen die Welt einordnen, wenn wir uns in einer ganz anderen Galaxie bewegen?

Noch dazu brauchen wir ihre Hilfe. Denn wie sollten immer kleiner werdende Redaktionen eine immer komplizierter werdende Welt einordnen – noch dazu immer schneller? Wir Journalisten müssen erkennen: Jeder Mensch ist Experte in irgendetwas. Gelingt es uns, gemeinsam mit diesen Experten zu recherchieren, wird unsere Arbeit besser werden, als je zuvor. Nur: Dafür müssen wir deren Kommunikationswege nutzen.

Und: Mit jedem Tag wird diese Schere zwischen der Welt für den Großteil der Menschen und jener, in der Journalisten leben größer. Der journalistische Nachwuchs – und das ist eine erschreckende Erkenntnis – schließt sie nicht. Gerade bei jüngeren Kollegen ist die Abwehrhaltung gegenüber einer neuen Arbeitsweise besonders drastisch. Fast scheint es, sie hätten ein nostalgisches Heldenbild des Journalismus vor Augen, als sei ihr Traum, einmal mit einer Meldung in die Druckerei zu stürzen um persönlich mit der Hand die Druckpresse anzuhalten.

Und so sind viele Berufsstandskollegen, egal welchen Alters, wie Satelliten, die sich aus dem Orbit entfernen, die Welt auf ihren Bildern wird immer kleiner, ihr Signal schwächer – bis es verstummt.

Stirbt damit der Journalismus? Nein. Aber er wird zur Billigware. Die großen Medienhäuser werden ihre Angebote zusammenlegen und runterschrumpfen bis sie ein Niveau erreicht haben, das sich noch irgendwie über Werbung finanzieren lässt. Denn bezahlen mag ja heute schon kaum jemand für die Inhalte.

Diese neuen Redaktionen werden aufklauben, was ihnen die Nachrichtenagenturen liefern und es so zurechtstutzen, dass es in den gering bemessenen Redaktionsplatz neben Anzeigen und Werbespots passt. Uniformität siegt. Für ihre Leser, Zuschauer, Zuhörer werden diese Dienste die Informationsgrundversorgung bilden. Und den Rest? Den werden sich sich bei den wenigen Spezialisten holen, die sich als hochspezialisierte Kleinsteinheiten wunderbar ernähren können, zu finden sein werden sie vor allem im Internet. Allein: Es werden nicht viele sein.

Dieses Ineinanderfallen der medialen Meinungsvielfalt ist weder wünschenswert noch zuträglich für die Gesellschaft. Doch es droht traurige Realität zu werden. Wollen wir es verhindern, reicht es nicht, allein die Schuld auf Verlagsmanager, Werbekunden und das böse Internet zu schieben. Wir Journalisten haben uns nicht mal ansatzweise ausreichend an die neue Zeit angepasst. Soll unser Berufsstand weiterhin eine wichtige Rolle in der Gesellschaft spielen, müssen viele, viele Kollegen eine geistige 180-Grad-Wende vollführend. Leicht wird das nicht. Und die Hoffnung, dass dies tatsächlich passiert ist leider gering.

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1 JürgenG 4. Dezember 2008 um 10:55

Tja, da löscht der Herr Knüwer doch tatsächlich einen kritischen Kommentar. Ist ja wirklich lustig. Weil er den Kritiker schützen wollte. Hehe…
Wie konnte der \”ganz neue Typ von Journalist\”, der er ja in penetranter Weise behauptet zu sein, so einen Fehler machen?

Egal. Ich hab mir mal die Geschichten zu Yahoo von Herrn Knüwer angeschaut. Das war ja mal richtig wenig. Zumindest nicht mehr, als in der SZ und die waren wahrlich nicht gut.

Wo also bleibt der Mehrwert, die der Journalist ganz neuen Typs hervorbringen kann, durch Facebook, Twitter usw? Steht der tatsächlich nur in der NYT, wie es ihr Kollege oben behauptet?

So vieles in diesem Blog ist unreflektiert, erinnert an ein kleines Kind, das von seinem Spielzeug ach soo begeistert ist, nur weil es neu ist. (Und jetzt behaupten sie nicht, so sind halt Blogs!)

Da kommen dann auch so Sachen raus wie die Geschichte über Twitter und den Terror in Indien. Tut mir leid, aber die Geschichte war Schwachsinn und eindimensional. Sogar Spon hat da besser und genauer gearbeitet.

Aber das ist wohl das Hauptproblem, vor allem von Knüwer aber auch von einigen anderen. Das eigene Ego, die eigene Überheblichkeit, die den anderen, dem alten Typ, immer so spöttisch vorgeworfen wird, wirft so große Schatten, dass nur noch die Dinge im nächsten Umfeld zu sehen sind, anderes aber übersehen wird. Das bedeutet dann effektiv viel weniger Informationen, viel weniger Ausgewogenheit, viel weniger Information, aber zu viel Selbstdarstellung und Selbstbeweiräucherung und Kindereien.

Arbeiten Sie doch noch ein bisschen an diesem neuen Typ Journalist, Herr Knüwer, und dann führen sie ihn uns vor mit guten, durchdachten Texten, hier und im Handelsblatt und versuchen sie es nicht weiterhin damit, ständig nur zu spötteln, wie es nicht gemacht werden sollte. Überzeugen durch Qualität, nicht durch Überheblichkeit. Das wäre doch mal ein Projekt für 2009, oder?

Oder versuchen sie zumindest bis 2009 die Suchfunktion von faz.net zu verstehen…

2 Thomas Knüwer 4. Dezember 2008 um 11:21

@JürgenG: Erlauben Sie mir einen Hinweis. Meine Aufgabe innerhalb der Redaktion ist nicht die textliche Verfolgung des Nachrichtengeschehens. Wenn Sie also meine Arbeit daran beurteilen, dann legen sie einen Maßstab an, der mir nicht vorgegeben wurde. Diesen Fehler hat weiter oben bereits auch jemand gemacht, obwohl er es besser wissen müsste. Meine Vorgabe ist vor allem die Verfolgung langfristiger Trends.

3 Tim Koch 4. Dezember 2008 um 11:47

Also wer bestreitet, das Twitter und Co einen Mehrwert für den \”professionellen Journalisten\” haben können, der kann sich allerdings vorwerfen lassen, von den \”neuen\” Medien keine Ahnung zu haben.

In unserer Lokalzeitung stand letztens, zur US-Wahl, eine interessante Reportage mit einer hier studierenden US-Erstwählerin. Der Journalist war über Twitter auf sie aufmerksam geworden. Sicher hätte er auch \”klassisch\” eine US-Amerikanerin finden können, aber ich waage die Vermutung, dass ihm die Idee zu der ganzen Sache erst durch eine Meldung der Frau bei Twitter kam. Ein simples Beispiel wie ein modern und vernetzt denkender und arbeitender Journalist Vorteile daraus ziehen kann.

Eine andere Sache ist Thomas Umgang mit der Kritik des Kollegen. Sicher ist zwar, dass so etwas von einem sehr schlechten Klima innerhalb der HB-Redaktion zeugt, sicher ist aber auch, dass es vorhersehbar war, wie die Leser auf eine Löschung der Kritik reagieren würden. Wer anprangert sollte sich auch an dem Geforderten messen lassen! Das Netz vergisst nicht, man kann hier nicht einfach löschen und gut ist. Ich bin schon sehr enttäusch, wie lange es dauerte bis eine sachliche Erwiderung kam.

So und zu guter letzt noch etwas zum Mehrwert des Herrn Knüwer: Ich hab mir in letzter Zeit mehrmals das Handelsblatt gekauft, darauf wäre ich vor dem Lesen des Blogs nicht gekommen.

4 JürgenG 4. Dezember 2008 um 11:49

Das Nachrichtengeschehn abzubilden wäre auch mit Twitter und Facebook nicht möglich, oder? Aber klar, das müssen sie auch gar nicht leisten.

Doch ist zum Beispiel gerade der Übernahmekampf von Yahoo eine langfristige Geschichte. Oder nicht? Mit einigen Kulminationspunkten. Aber diese darzustellen, vorherzusagen oder einfach nur zu beschreiben, dazu haben sie doch trotz der großartigen Vernetzung wenig beigetragen im Handelsblatt…

Noch was anderes:

\”7. Meine Leser und Kommentatoren machen mich schlauer.\”

Könnten Sie kurz erklären, wie sie die Kommentare hier, aber auch bei Spreeblick, Niggemeier, der Beitrag bei Schwenzel usw. schlauer machen, d.h. ob Sie glauben, daraus was zu lernen und wenn ja, was? Danke.

5 katzhkau 4. Dezember 2008 um 11:51

Wie peinlich kann man eigentlich werden!?!

6 Doc Montresor 4. Dezember 2008 um 11:52

Popcorn anyone? :)

Mal im Ernst: Ist doch schön, dass es mal wieder einen Brandherd in der A-Blog-Sphäre gibt. Ein winziger Fehler (formal korrekten Kommentar gelöscht) hat ausgereicht.
Herr Knüwer, sie haben mein Mitgefühl. Meiner Ansicht nach ist bei diesem Konflikt hier noch etwas hervorgetreten: Das Problem der Geschwindigkeit. Ich unterstelle, dass sie den Kommentar nicht gelöscht hätten, wenn Sie mehr Zeit zum Nachdenken gehabt hätten. Ist wie beim Schach. Und genau da liegt meiner Ansicht nach auch eines der Probleme des Journalismus 2.0 (wenn man das so nennen möchte).
Dass sie den Kommentar vom Anonymus hanns wurst nicht gelöscht haben, zeigt mir zweierlei:
1. Sie lernen dazu
2. Sollte das (wurst, nicht Iwersen) ein Versuch des internen Mobbings gewesen sein, ist es höchste Zeit für eine deutliche, große interne Aussprache im Handelsblatt.

Ansonsten: Weitermachen. Ist spannend.

7 Detlef Borchers 4. Dezember 2008 um 12:11

@Tim Koch: Doch, ich bestreite den journalistischen Mehrwert von Twitter & Co. Vielleicht findet jemand so Anregungen, aber wenn er sich bei der Recherche auf diese Systeme verlässt, dann gute Nacht. Das Beispiel der US-Erstwählerin wäre wohl erst zwingend, wenn es ein absolut ungewöhnlicher Ansatz wäre. So sehe ich nur die Bequemlichkeit eines Journalisten.

8 B.Schuss 4. Dezember 2008 um 12:26

also dann, mal zum Thema Mehrwert. Sie schreiben u.a.:

\”1. Bin ich durch alternative Nachrichtenfilter wie Twitter, Facebook, etc. schneller, unkomplizierter und fokussierter informiert als früher. Statt mich durch zig Zeitungen und Nachrichtenseiten zu kämmen, bekomme ich die Informationen, die ich haben möchte, viel entspannter. Nicht in allen Bereichen – aber in vielen.\”

Sie schreiben fürs Handelsblatt. Nicht für die BILD-Zeitung. Wollen Sie mir ernsthaft erzählen, die \”Informationen\”, die aus sozialen Netzwerken wie Facebook iund Twitter raustropfen, genügen den Ansprüchen in Bezug auf Seriösität, Qualität, und Verifizierbarkeit, die ein Journalist mit Anspruch an seine Quellen stellt, ja stellen muss ?

9 Luca 4. Dezember 2008 um 12:50
10 André Fiebig 4. Dezember 2008 um 12:54

\”Seine Kollegen demonstrierten ihre Internet-Kompetenz leider damit, dass sie das Stück online nicht freischalteten, obwohl es dort sicherlich ordentlich diskutiert werden würde.

***Nachtrag: Das stimmt nicht, der Artikel ist hier online. Nur die Suche von FAZ.net endet auf einem kostenpflichtigen Artikel.***\”

Ist wohl doch ein Problem mit Internetkompetenz ;-) , nämlich ein ganz altes Problem – auch Ihres Verlages:

http://www.finanso.de/blog/links-zu-papierartikeln/

Kostenlose Links nur übers Menü oder Google.

11 Mein Name 4. Dezember 2008 um 13:13

Als Journalist hätte ich die Kritik am Kollegen vermutlich auch schriftlich niedergelegt (die meisten die ich kenne schreiben besser, als sie reden). Außerdem ist es täglich Brot, Sachen, Krisen etc. schriftlich auf den Punkt zu bringen – soviel mal dazu wieso es nicht wie man meinen möge, mündlich ausgetragen wurde.

Zweitens ist die Wahl es in einem Blog zu versuchen auch gut, weil es genau den Punkt der Kritik des Kritisierenden trifft – er mag diese Rumnörgelei an der Webaversion von Kollegen nicht und publiziert diese Kritik eben im Web. So, wie ich das sehe, sprechen die beiden Herren nicht miteinander – sonst wäre hier aber auch kein einziger (weiterer) Kommentar zu dem Thema erschienen – sondern die hätten einen Telefonapparat bemüht und sich ausgesprochen, sofort, direkt und anschließend ein Abschlusskommentar gebracht.

Nein, so wie es hier läuft ist es genau richtig gelaufen. Einmal auf der Ebene der beiden Streithähne, denn die nutzen das hochgelobte/kritisierte Medium blog. Zweitens auch für das Handelsblatt – man muss sich auf der Ebene \”interne Zwistigkeiten\” über Blogs Gedanken machen. Für den einen oder anderen (Personal)Chef sicherlich eine ganz neue Erfahrung. Bisher hat man sich in der Kantine gehauen oder im Meeting angeschrien, jetzt läuft das für 6.8 Milliarden Menschen (naja…für die dies lesen wollen, also vielleicht 10.000) ganz Transparent ab.

Im übrigen finde ich nicht, dass die Diskussion, die vorher geführt wurde nun versaut ist (oder unterbrochen), sondern erst jetzt den richtigen Schwung bekommen hat. Denn sich über das Bloggen zu unterhalten ist ungefähr so langweilig, wie über meinen Kuli von Lamy. Nein, wir sprechen jetzt alle mal darüber, was der Blog, das Web in Zusammenhang mit einem (betriebsinternen? wohl kaum…) Zwist tangiert und verändert.

Die Diskussion vorher war recht stark geprägt von *seufz* sie haben ja so recht. Hier und da mal eine kleine Korrektur, aber man hat Ihnen vorwiegend unreflektiert zugestimmt, lieber Autor Knüwer.

Ich denke, das Publikum wird in Kürze mehr zu dem Thema erfahren. Vielleicht auch kein Ergebnis wie \”Ich hab ihm eine reingehauen, er mir auch, dann war gut\” sondern vielleicht ein Fazit, warum solche Themen nicht ins Internet gehören (wo das Internet ja ach so geil ist und es eigentlich keine Themen gibt, die es nicht gibt, nicht wahr…)

Tschüss.

12 Iris 4. Dezember 2008 um 13:19

Ich finde es unausgewogen, dass derzeit nur Herr Knüwer hier und anderswo weiter mit Blog-Lesern über die Kritik von Herrn Iwersen diskutiert, während sich Herr Iwersen offenbar wie an die Redaktionslinie hält. Ich bin der Ansicht, man sollte sich innerhalb der HB-Redaktion schon für eine Linie entscheiden, die für alle gilt: Entweder dürfen sich alle Beteiligten weiterhin zu den strittigen Punkten öffentlich äußern oder keiner. Das was hier im Moment passiert, finde ich einseitig und unfair.

Ein Punkt wurde hier schon mehrfach angedeutet und dem schließe ich mich an:Indiskretion ist kein Privileg.

Davon abgesehen finde ich nicht, dass der Kommentar von Herrn Iwersen ein persönlicher Angriff auf Herrn Knüwer war. Es war vielmehr ein Angriff der Positionen, die Herr Knüwer hier (sehr offensiv) vertritt. Das ist ein Unterschied.

13 michael kausch 4. Dezember 2008 um 13:21

@detlef borchers

twitter wird für seriöse und klassische journalisten doch sicherlich EINE informationsquelle unter anderen. wie alle anderen quellen ist sie zu überprüfen, so gut dies eben geht. aber in krisengebieten ist die überprüfung oft schwierig und in krisengebieten wird das getwitter vermutlich eine wichtige und wegen ihrer unprüfbarkeit auch gefährliche informationsquelle sein. aber unterscheidet sie sich darin von anderen quellen? abgesehen von der quelle military embedded journalists, die immer partei sein werden.

ansonsten ists beim twitter wie beim ganzen web 2.0: hier entstehet eine öffentlichkeit außerhalb der klassischen medien. und es ist auch gar keine frage, ob wir das gut finden. es ist fakt.

also beurteile ich twitter als eine neue quelle für klassischen journalismus und als neuen teil der gegenöffentlichkeit zum tablierten journalismus, keinsfalls aber als ersatz des journalismus.

die u.a. durch web 2.0 heraufbeschworenenen ökonomischen probleme des klassischen journalismus – der ökonomische anpassungsdruck der heute verlage und funkhäuser bedroht – stehen freilich wieder auf einem anderen blatt.

14 Thomas Knüwer 4. Dezember 2008 um 13:35

@michael kausch @b.schuss Das Wort \”Quelle\” ist vielleicht missverständlich. Über diese Dienste bekomme ich schneller Hinweise auf Geschichten auf anderen Plattformen. Und diese Hinweise führen meist zu den Originalquellen. Das unterscheidet sie von dem, was ich bei Nachrichtenseiten vorfinde.

15 Tim 4. Dezember 2008 um 13:56

Herr Knüwer,

mal keine medientheoretischen Betrachtungen und Butter bei die Fische. Haben Sie ein praktisches Beispiel einer Story, auf die sie bei twitter oder facebbok aufmerksam geworden sind, wie da ihr Filter gewirkt hat, und die dann als Artikel im Handelsblatt gelandet ist? So ein \”best practice\” Beispiel würde vielliehct auch ihre ungläubigen Journalistenkollegen überzeugen.

16 Thomas Knüwer 4. Dezember 2008 um 14:06

Also zunächst mal gehts um den alltäglichen Nachrichtenfluss, also die Brot-und-Butter-Versorgung.

Aber ein hübsches Beispiel ist das hier: http://handelsblatt6.blogg.de/eintrag.php?id=1801

17 weltherrscher 4. Dezember 2008 um 14:16

was ich unfair finde:

gerade thomas bringt schon längere zeit wichtige ideen/thesen zur zukunft des journalismus. seine arbeit diesbzgl. \”wohin mit den vielen journalisten in drei, fünf oder x-jahren\” ist durchaus als grundlage weiterer überlegungen anzusehen.

gerade thomas scheut sich eben nicht den eigenen berufsstand auch kritisch zu hinterfragen. gerade er geht eben ständig das risiko ein als \”nestbeschmutzer\” betitelt zu werden.
ich weiß jetzt natürlich nicht, ob du das ähnlich siehst thomas?

ich lese jetzt schon eine lange zeit das blog hier, wir hatten ja auch mal einen blogtalk gemacht. ich schätze dich als blogger und deine eher grundsätzlichen überlegungen bzgl. des journalismus sehr, denn du bringst häufig, durch beispiele (was andere oben \”hetze\” und ähnliches genannt haben), dinge auf den punkt, eben auf den punkt bzgl. der frage, ob das noch zeitgemässer journalismus ist oder nur noch schlichte verzweiflung (z.b. klickvieherziehung der leser durch die verlage usw. usf.) was der klassische journalismus bzgl. web2.0 so von sich gibt.

ich denke, da du dich vielleicht in deiner rolle als vermeindlicher \”nestbeschmutzer\” des journalismus als ganzes siehst, wurde deine reaktion bzgl. des kommentars deines kollegen vielleicht davon beeinflusst?

eigentlich kenne ich dein blog hier und die kommentare als kritikfähig.
du löscht eben nicht einfach mal so kritische stimmen.

die diskussion, ob denn web2.0 (blogs, twitter und co) langfristig den journalismus \”beflügeln\” werden, ist genau der wunde punkt und sicherlich auch der grund, weil du es ja so siehst, dass dich sicherlich viele andere journalisten als \”nestbeschmutzer\” ansehen. denn die langfristige konsequenz aus der denke \”web2.0 ist die zukunft\” wird eben zu massiven stellenabbau innerhalb des journalismus führen.

das du den kommentar deines kollegen gelöscht hast, ist,unreflektiert betrachtet, ziemlich unsinnig gewesen.
falls du dich in deiner rolle als \”nestbeschmutzer des klassischen journalismus\” wägst, kann ich es durchaus nachvollziehen, wenn plötzlich jemand unsachlich, persönlich und mit internas bzgl. deiner thesen kontert.

manche reaktionen in der blogosphäre kann ich nicht im ansatz diesbzgl. nachvollziehen. gerade du hast einiges dazu beigetragen, dass in D die blogosphäre an bedeutung gewinnt.

wollte ich nur mal anmerken..

18 Schnutinger 4. Dezember 2008 um 15:04

Dann will ich doch nochmal meine journalistische Twitter-Geschichte zum Besten geben: Bekomme vermutlich bald ein Feature in der Münsterschen Zeitung und das allein, weil der Reakteur über Twitter auf mich aufmerksam geworden ist – wir haben sogar alle Termine über Twitter abgehandelt, sehr praktisches Tool.

Es ist eben auch ein guter Weg ganz verschiedene Leute / Experten und ihre Geschichten zu entdecken und ein Netzwerk zu knüpfen, u.a. um schnell mal (Rück-) Fragen zu stellen oder einen Experten für ein Thema, ein Problem zu suchen. Theoretisch könnte man schlicht das Forum an Followern nutzen, um Recherchefragen in die Runde zu werfen, bei denen man nicht weiterkommt. Oder was auch immer. Jedenfalls ist die Twitterschar immer sehr hilfsbereit.

Außerdem twittert so einiges an Politiker-Nachwuchs, bisweilen auch Politisches, wie z.B. anstehende Vorstands-Kandidaturen, die über Twitter schon eher bekannt waren (aber leider nicht veröffentlich werden durften), als aus offiziellen Quellen.

Twitter ist ein bisschen die mediale Stammkneipe bzw. Theke, an der man sich locker trifft und ein bisschen mit dem oder dem schwatzt, sich austauscht, Tipps gibt und hin und wieder fällt sogar eine Geschichte dabei ab. Man sollte es nicht überbewerten, es aber gar nicht zu nutzen, oder gar zu verdammen, halte ich für einen großen Fehler.

Gibt noch eine andere sehr schöne Twitter-Geschichte zum Grimme-Online-Award, aber die äußere ich dann mal an anderer Stelle. :-)

19 Berufskommunikator 4. Dezember 2008 um 16:06

Eigentlich habe ich nur drauf gewartet: Wenn ein Unternehmen öffentlich bloggt/bloggen lässt, tritt es mit seiner Umwelt in den interaktiven Dialog. Da gibt es dann natürlich hin und wieder kritische Stimmen, auf die die bloggenden Berufskommunikatoren aber prima mit Reply reagieren können.

Die Krise ist aber dann vorprogrammiert, wenn Interna preisgegeben werden, die nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind und eigentlich auch gar nicht für sie von Interesses sind, so wie hier passiert. Ich finde, Herr Knüwer hat korrekt reagiert – Meinungsfreiheit hin oder her: Herr Iwersen hatte das Recht, seine Meinung zu Herrn Knüwers Ansichten zu äußern – nicht aber öffentlich darüber zu sprechen, was er von seiner Arbeitsweise in der Redaktion hält.

Die ganze Sache hat allerdings etwas Gutes: Der gesamten PR-Branche wird jetzt wieder vor Augen geführt, wie heikel das Implementieren von Blogs für Kunden ist und wie sensibel damit umgegangen werden sollte. Moral von der Geschicht\’: Gepostete Kommentare löscht man nicht…

20 Tim Koch 4. Dezember 2008 um 16:11

@Schnuttinger
Lustig ist, dass es sich bei meiner US-Wahl Geschichte auch um die Münstersche Zeitung handelte und dann wohl auch um den selben Redakteur…

Wenn dir mein Nachname in Verbindung mit ihm was sagt, dann grüß ihn von mir ;-)

21 Chat Atkins 4. Dezember 2008 um 16:24

Nu kricht euch auch ma wieder ein, nüch? Das Grundthema des Artikels bleibt ja wichtig: Wohin soll die Gesellschaft mit all den Holzjournalisten, wenn demnächst die letzte Rolle Rotationspapier aufgebraucht ist? Zu dem Text des Herrn Iwersen sei dabei gesagt: Diese \’Krachergeschichten\’, die kommen doch eher nicht mehr aus Holzhausen. Welches wäre denn wann die letzte gewesen? Nur so beispielsweise. Vielleicht die Hitler-Tagebücher? Ich kann mich schon gar nicht mehr entsinnen. Selbst die Liechtensteiner Steuersünder standen als erstes im Netz und im TV am Pranger – und ganz Holzhausen stand davor und tippte …

22 Chris 4. Dezember 2008 um 16:37

Kriegen wir hier eigentlich noch das Video aus der heutigen Redaktionskonferenz zu sehen?

Ich frag ja nur… *g*

23 Schnutinger 4. Dezember 2008 um 17:12

@ Tim: Stimmt, ich erinnere mich! *jetzt muss ich direkt 2x kräftig kichern* und schicke mal direkt Grüße an den Kollegen. ;-)

24 Olaf Storbeck 4. Dezember 2008 um 17:57

@Tim: Da kann ich aushelfen. In dem Bereich, den ich beim Handelsblatt verantworte, gibt es ganze Reihe von Artikeln, die ohne Themenideen aus Ökonomie-Blogs und anderen Web-2.0-Dingen wie Übersichten über die am häufigsten herunterladenen wissenschaftlichen Paper nie erschienen wären.

Einige Beispiele:

Die Ökonomen-Diät: Abnehmen – oder zahlen!
http://www.handelsblatt.com/politik/nachrichten/abnehmen-oder-zahlen;1404767

VWL-Comedy – Lächerliche Ökonomie
http://www.handelsblatt.com/politik/nachrichten/laecherliche-oekonomie;1384931

\”Journal of Political Economy\” in der Kritik – Der Download-Krieg der Ökonomen
http://www.handelsblatt.com/politik/nachrichten/der-download-krieg-der-oekonomen;1398923

VWL vor Paradigmenwechsel? Schlammschlacht um Friedmans Erbe
http://www.handelsblatt.com/politik/nachrichten/schlammschlacht-um-friedmans-erbe;1356894

25 ich 4. Dezember 2008 um 19:32

also ich finde ja auch, dass das internet für journalisten durchaus eine QUELLE ist, herr knüwer nutzt es aber um andere runterzuputzen. dieses blog ist doch zu mindestens 50 % geprägt von persönlichen abrechnungen mit anderen medientreibenden. Dies ist zumindest mein eindruck. Allein daher sehe ich iwerserns kritik durchaus als berechtigt an. weil andere niederzumachen ist doch kein journalismus, oder irre ich mich da?

26 ich 4. Dezember 2008 um 19:34

und was mich wirklich stört: der grund warum herr knüwer den kommentar von herrn iwersen gelöscht hat, war doch nur ausgedacht. ich glaube nicht, dass ihm irgendjemand aus dem verlag gesagt hatte, er müsse das so tun aus rechtlichen gründen

27 Arno Nyhm 4. Dezember 2008 um 19:36

Ich glaube in dieser Debatte geht es gar nicht um Papier oder Online, Web1.0 oder 2.0. Die Unterschiede lassen sich gut an den Russland-Korrespondenzen des Kalten Krieges darstellen. Da gab es die Herzblut-Journalisten, die mit ihrem Auto das Land bis nach Sibirien abgefahren sind und mit guten Geschichten und realistischen Einblicken in das „Innenleben“ wiederkamen.

Und dann gab es da noch die „Journalismus-Darsteller“, die lieber an den Bars in den internationalen Hotels der Hauptstadt abhingen und sich ihre Infos aus den Gerüchten der anderen Korrespondenten zusammengeklaubt haben. Zu dieser Spezies gehört Thomas Knüwer, weshalb die Frage nach den „Krachergeschichten“ durchaus berechtigt ist.

Entscheidenden Nutzen jedenfalls für die Leser bringen die Wühler vom Schlage eines Leyendeckers. Nicht die zahlreichen Analysten, Kommentatoren und Linksetzer. Denn als Leser erwarte ich ja gerade die Geschichten, die die Spatzen eben nicht von den Dächern twittern, sondern die Informanten im vertraulichen Gespräch dem Journalisten stecken.

Es ist natürlich kein feiner Zug, Kollegenschelte in öffentlicher Form zu betreiben. Andererseits hat Thomas Knüwer auch nie ethische Probleme damit gehabt, einzelne Akteure aus der PR-Welt an das Licht der Öffentlichkeit zu zerren, ohne die Hintergründe, aus denen miese Pressemeldungen oft entstehen, zu beleuchten.

28 Ein Jurist 4. Dezember 2008 um 20:32

Herr Ich, als Jurist eines Großkonzerns kann ich nur sagen: Wenn die beim Handelsblatt ne Anweisung hatten, wie sie in vielen Unternehmen üblich ist, dann ist das kein vorgeschobener Grund. Bei uns wäre Herr Iwersen je nach Härte des Vorgesetzten abgemahnt oder gekündigt worden.

29 Detlef Borchers 4. Dezember 2008 um 21:30

@Michael Kausch: Twitter als Informationsquelle? Nach den Aussagen hier im Thread hat Twitter einmal gereicht, um ein Geschichterle über einen Google-Standort in Österreich zu produzieren und zweimal, um einen einfallslosen Münsteraner Journalisten zu befeuern. Die von Herrn Stöcker genannten Beispiele mit den Papers kann man samt und sonders über normale Internet-Recherche, größtenteils sogar mit Google finden. Eine reichlich müde Bilanz für diese sagenhafte Informationsquelle, die vielleicht als Kneipengespräch bezeichnet werden kann, wie hier geschehen.

30 ich 4. Dezember 2008 um 21:36

@jurist: ich sag nur, ich glaube es nicht

31 Horst 4. Dezember 2008 um 21:56

@ ein Jurist: eine Zeitung (und ihr Online-Ableger) ist aber kein Großkonzern. In einer Zeitung geht es auch darum, Meinungen zu formulieren und für diese Meinungen Widerspruch zu bekommen, auch aus dem eigenen Hause, das nennt man Binnenpluralismus (Medienwissenschaften 1. Semester).
Wenn man meinungsfreudig wie Knüwer ist und ständig austeilt, ist es mehr als peinlich, bei einer Kritik so dünnhäutig und undemokratisch (Zensur ist das Stickwort) zu handeln. Die Löschaktion dann nachher als Schutz des Kollegen vor arbeitsrechtlichen Konsequenzen darzustellen, ist so lächerlich. So altruistisch ist Knüwer nicht. Er hat sich wohl vielmehr ertappt gefühlt, denn das ganze Gesabbel über Twitter etc. kann über die argumentative Dürre und das Fehlen einer Meinung, die nicht zu 100% dem Mainstream entspricht, nicht hinwegtäuschen.

32 Tim Cole 4. Dezember 2008 um 23:58

>Wenn es tatsächlich so wäre, dass diese
>Kommunikationswege neue Infos erschließen – warum
>kommen die Scoops im Handelsblatt dann nicht von >Dir, sondern immer von anderen Kollegen?

Tut mir leid, Kollege Iwersen, aber du hast nicht kapiert, wo die Reise hingeht. Scoops liefern in Zukunft die Leser-Reporter – die sind näher dran, und sie haben so eine wunderbare Lidl-Kamera, um das alles auch noch im Bild festzuhalten.

Unsere Aufgabe als Journalist, wie ich immer wieder auf http://www.czyslansky.net predigte, ist es, aus der Flut der (kostenlos erhältlichen) Informationen Kontext zu schaffen. Wir sind Leuchtürme im Sturm, Orientierungshelfer. Wir sagen dem verehrten Leser/Zuhörer/Zuschauer, was er von alledem halten muss. Das kann zwar jeder dahergelaufene Blogger auch – aber wir kö´nnen es besser. Wir haben es nämlich gelernt! Das ist Journalismus 2.0. Und es ist unsere einzige verbliebene Daseinsberechtigung.

33 Daniel 5. Dezember 2008 um 01:36

Hachja, endlos viel Gerede daueber wie in Zukunft die wilde schnelle Online-Welt den Journalismus regiert und als Beleg gibt es nur ne lahme Geschichte welchen Acker wer vllt. kaufen wird und ein paar (zugebenermasen sehr viel bessere) Beispiele von Ihrem Kolelegn Storbeck aber auch die sind weit von irgendwelchen Scoops entfernt. Dafuer dass man hier so nen Wind macht um Web 2.0 ist das ehrlich gesagt ganz schoen kuemmerlich. Das Online-Angebote das journalistische Repertoire erweitern und veraendern sind ja nun News von vorvorgestern, aber das bedeutet eben auch nicht zwangsweise dass alles ausser Twitterfeeds zum Untergang verdammt ist. Inwieweti ein \”Scoop\” a la \”Fluzgeugabsturz in Lampustikan\” oder \”Britney mit Hoesechen gesichtet\” oder \”Ruecktritt von Minister X\” durch Facebook-Filter aufgewertet oder beschleuingt wird ist mir weitgehend schleierhaft.

34 Horst Seifert 5. Dezember 2008 um 07:50

@Daniel vielleicht möchten sie sich ja nicht vorstellen, dass die welt sich ändert. sicher sind wir in deutschland noch weit hinten aber sehen sie sich mal an , was im us-wahlkampf los war in sachen blogs los war. schauen sie sich den abschuss von star-journalist dan rather an. schauen sie sich an, wie cnn und die bbc twitter nutzen. und dann realisieren sie mal, dass diese dienste gerade mal nen jahr oder zwei alt sind. außerdem hat herr knüwer oben gründe geliefert, warum er sich besser informiert fühlt.

übrigens wird hier so getan, als ob allein scoops (das sind exklusivmeldungen, oder?) zeitungen verkaufen oder tv-einschaltquoten machen. das ist doch blödsinn. die zeit kommt fast ohne exklusivmeldungen aus und hat keine auflagenprobleme wie diemeisten tageszeitugnen

35 Mein Name 5. Dezember 2008 um 08:40

>Herr Ich, als Jurist eines Großkonzerns kann ich nur sagen: >Wenn die beim Handelsblatt ne Anweisung hatten, wie sie in >vielen Unternehmen üblich ist, dann ist das kein >vorgeschobener Grund. Bei uns wäre Herr Iwersen je nach >Härte des Vorgesetzten abgemahnt oder gekündigt worden.

Gekündigt…Haha! Lieber Herr Jurist, dann setzen Sie sich bitte mal (so ein ganz netter Ratschlag) mit unserem Deutschen Arbeitsrecht auseinander. So mit Kündigungen und so, gerade in Großkonzernen, das ist aber alles andere als einfach. Nicht nur, dass Ihnen
- die Gewerkschaft
- der Betriebsrat
- diverse andere Chefs
auf die Finger klopfen, nein, es gibt da auch noch Gesetze. Und der Gesetzgeber würde sagen, abmahnen ja, kündigen nein. Sie arbeiten doch weder im Großkonzern, noch haben Sie Jura studiert! Und wenn doch, dann stimmt wenigstens das Image, das in Großkonzernen der ganze Müll abgeladen wird!

36 Schnutinger 5. Dezember 2008 um 09:07

@Cole: Das ist sehr guter Gedanke finde ich! Wobei ich mich gegen den Halbsatz \”jeder dahergelaufene Blogger\” ein wenig wehren möchte.

Natürlich gibt es auch viel Schrott bei Blogs, das bringt allein die Masse mit sich, so ist das nunmal, wenn jeder mitsprechen kann, aber es gibt definitiv auch sehr viele gute und engagierte Schreiber, mit interessanten Themen – auch unter Beta-Bloggern ;-)

Vielleicht spornt die Konkurrenz der \”Hobby-Blogger\”, die neben ihren Blogs ja meistens noch anderen Berufen nachgehen, die professionellen Journalisten an, sich noch mehr ins Zeug zu legen, eben weil sie sich mehr gegen die \”kostenlose\” und angeblich so \”unprofessionelle\” Netzkonkurrenz profillieren müssen, um ihre Qualität und ihre Kunst unter Beweis zu stellen. Wünschenswert wäre dies und das diente wiederum der Qualität (siehe Beispielsweise DIE ZEIT, dich ich ganz hervorragend finde). Wie ich schon sagte, im Hinblick auf Qualität bin ich ein großer Freund des Wettbewerbs. :-)

Exkurs: Ich verstehe immer noch nicht genau den Unterschied zwischen Journalisten und Bloggern. Für mich ist ein Blog eine technische Plattform, die ich für meine Publikationen nutze. Ich bin ja auch in erster Linie kein Twitterer. Ein Journalist ist ein Journalist, egal ob er bei einer Zeitung angestellt ist, dort einen Blog betreibt, oder ob er privat bloggt. Aber die Zeitungen bauen diesen Unterschied natürlich gerne künstlich auf, um sich abzugrenzen, vom blöden, unprofessionellen Blogvolk. Eine ziemlich bornierte Haltung finde ich.

@ Daniel: Das sehe ich ähnlich wie Horst. Und beim aktuellen Fall: Terrorismus in Indien war die Netzgemeinde im Ineinandergreifen der Medien (Twitter, Blogs, SPON etc.) definitiv eher, schneller und tiefgehender informiert, als beispielsweise der TV-Zuschauer.

Noch ein Punkt: Ich meine schon, dass Journalisten zumindest wissen sollten, wo sich die Leser (der Zukunft) tummeln, was sie so treiben, was sie interessiert. Das gilt im übrigen nicht nur für Journalisten. Ich würde jede Marketingabteilung, jede Vertriebsabteilung in einem Unternehmen dazu verdonnern, sich in die von Thomas angesprochenen Web 2.0-Themen einzuarbeiten. Sich StudiVZ, MySpace, Facebook etc. anzuschauen, zu gucken, was die Menschen dort umtreibt, interessiert, was sie lesen wollen, worüber sie sich austauschen, um dann zu überlegen: Was muss ich tun, damit ich als Zeitung / Redakteur / Unternehmer / Produktmanager, meine Zielgruppen in Zukunft adäquat anspreche und erreiche? Man kann natürlich auch recht eigensinnig seinen Streifen durchziehen und das tun, was man für richtig hält, läuft dann allerdings unter Umständen Gefahr, dass keiner einen mehr liest. Hier muss man sicherlich einen Mittelweg finden zwischen persönlichem Anspruch und Bedienen der User-Interessen.

Es ist nunmal so, dass alle Welt ins Netz wandert, davor kann man doch nicht einfach die Augen verschließen – vor allem, wenn es mittelfristig auch um den eigenen Arbeitsplatz geht.

Ach, ich finde es manchmal schade, dass wir Deutschen so technikfeindlich sind und immer gleich Grundsatzdebatten führen müssen (oder ist es gar die Angst vor dem Untergang seiner Zunft, die Herrn Iwersen innerlich angetrieben hat?), statt einfach mal locker auszuprobieren und die Möglichkeiten und Chancen solcher Innovationen zu sehen. Ja, der Bornierte \”Das-ham-wa-immer-so-gemacht!\”, \”Was-bringt-uns-das?\”, \”Bleib-mir-wech-mit-Internetz\”, \”Internetz? Ich chatte nicht\” – Strukturkonservativismus in Redaktionen, wie auch in der Politik und Unternehmen nervt mittlerweile ziemlich.

37 Olaf Storbeck 5. Dezember 2008 um 09:57

Das schreiben die lieben Kollegen über die Debatte hier:

http://www.faz.net/s/RubCF3AEB154CE64960822FA5429A182360/Doc~EF598AF33D3254F97A996665AF0D33DB8~ATpl~Ecommon~Scontent.html?rss_googlefeed

http://www.sueddeutsche.de/251382/772/2665021/Mach-mal-Pause.html

PS: Chapeau, Thomas und Sönke – ihr seid vermutlich die ersten Handelsblatt-Journalisten, die es als Objekt der Berichterstattung auf die erste Seite des FAZ-Feuilletons geschafft haben :-)

38 Das kollektive Gedächtnis 5. Dezember 2008 um 10:04

nur noch mal zur Info, um diesen gelöschten Kommentar gehts:

Lieber Thomas,

Bei aller kollegialer Zurückhaltung: mir ist kein Journalist bekannt, bei dem Selbstdarstellung und Realität derart auseinanderklaffen wie bei Dir. Vielleicht könntest Du die permanente Selbstbeweihräucherung mal kurz unterbrechen und erklären, warum Deine fantastische Verdrahtung über Xing, Facebook, Twitter und Co. so wenig journalistischen Mehrwert bringt. Wenn es tatsächlich so wäre, dass diese Kommunikationswege neue Infos erschließen – warum kommen die Scoops im Handelsblatt dann nicht von Dir, sondern immer von anderen Kollegen?

Man kann Dir oft dabei zusehen, wie Du selbst in Konferenzen ständig mit Deinem Telefon herumdaddelst. Vielleicht twitterst Du nur grad, dass Du grad gern einen Keks essen würdest – wer weiß das schon. Jedenfalls führt das Ganze nicht dazu, dass Du das Blatt laufend mit Krachergeschichten füllst. Bieterkampf bei Yahoo? Neues vom Telekomskandal? Untergang von Lycos? Das alles wären doch Themen, zu denen Dir, dem hyper-vernetzten Journalisten, die Insidernachrichten zufliegen könnten. Tun sie aber nicht. Stattdessen stellst Du gern mal eine Nachricht als exklusiv vor, die morgens schon über Agentur lief oder in der New York Times stand.

Ich verstehe einfach nicht, warum Du ständig diejenigen Kollegen runtermachst, von deren Geschichten Du selbst lebst. Eine große Zahl Deiner Blogeinträge basiert doch auf Artikeln Deiner Print-Kollegen, zu denen Du dann einfach Deinen Senf dazugibst. Ohne die von anderen recherchierten Grundlagen hättest Du da nichts zu schreiben.

Du behauptest, die Journalisten müssten sich ändern und meinst damit wohl, sie müssten so werden wie Du. Es ist aber so, dass die meisten Kollegen gar kein Interesse daran haben, Nachrichten einfach nur wiederzukäuen, so wie Du.

Es ist Dir ja unbenommen, in Deinem Blog eine Art Resteverwertung zu betreiben. Aber bitte verkauf das nicht als Zukunft des Journalismus.

39 Paul 5. Dezember 2008 um 10:42

Bitte alle mal merken: Kommunikation ist das, was ankommt.

40 mark793 5. Dezember 2008 um 11:22

@schnutinger: Dass die Deutschen technikfeindlich sind, diese pauschale Fehleinschätzung (die im Übrigen gerne von Nerds geäußert wird) wird durch häufige Wiederholung auch nicht richtiger. Andwerswo wird das Herbstlaub wie schon im Eozän mit Rechen und Besen beseitigt, hierzulande verwendet man dazu Laubbläser- und Sauger mit Technik, die direkt (ok, nicht ganz direkt) aus der Raumfahrt stammt. Auf der linken Spur einer deutschen Autobahn werden Sie Technikfeindlichkeit mit der Lichthupe suchen müssen.

Vielleicht ist Zurückhaltung bestimmter Kreise in Sachen Twit-Geschnatter und ähnlichen Spielereien einfach dem Umstand geschuldet, dass sich der Nutzen dieser Tätigkeiten nicht so ohne weiteres erschließt. Wenn man wie Herr Knüwer über Themenbereich wie Internet, Medienwandel, Weg 2.0 und dergleichen mehr schreibt, ist es durchaus legitim, das nicht vom Elfenbeinturm herunter zu betrachten, sondern auch aktiv mitzutun. Ich denke aber, es gibt (nicht nur beim Handelsblatt) auch nach wie vor Themenbereiche und Ressorts, wo es auf diese Form der Verdrahtung derzeit weniger ankommt.

41 Thomas Wanhoff 5. Dezember 2008 um 11:48

Ok, Thomas, Eure persönlichen Problem sind mir wurschtm aber an Deiner Stelle würde ich mal Sönke genau zuhören, denn er hat recht. Du bringst vielleicht PIs mit Deinem Blog, aber weder Geschichten noch Geld.
Zu deinen Thesen:

>>1. Bin ich durch alternative Nachrichtenfilter wie >>Twitter, Facebook, etc. schneller, unkomplizierter >>und fokussierter informiert als früher.

Auf deutsch heisst das: Ich lasse andere lesen und selektieren: Statt Agenturhörigkeit bildet sich eine Twitterhörigkeit. Nur was getwittert wird ist real.

>>2. Bekomme ich wesentlich mehr mit, was Gruppen von >>Menschen, die nicht in meinem persönlichen Umfeld >>zu finden sind, mögen, gut finden, lieben, hassen. >>verschiedenen Bevölkerungsschichten.

Aber offensichtlich nicht, was in Deiner eigenen Redaktion passiert.

>>3. Ich bekomme wesentlich schneller Innovationen >>und mit – und wie Menschen darauf reagieren.

Bullshit: Nokia gibt das neue Gerät als Pressemeldung heraus. Der gemeine Journalist schaut sich die genauer an, der twitternede hauts halt in 140 Zeichen raus.

>>4. Ich bin ansprechbar. Bereits mehrfach erreichten >>mich unter der Hand Informationen aus Bereichen, >>für die ich nicht zuständig bin. Die reiche ich >>dann gerne an die Kollegen weiter. …

Ebenso Unsinn: Als ob in den vergangenen 100 Jahren Journalisten keine GEschichten gamcht hätten.

>>5. Ich bin für Leser – also unsere Kunden – >>erreichbar. Und bekomme ihre Kritik und ihr Lob ab, >>das außerhalb der Kommentare hier meistens gar >>nicht mich betrifft….

Schon mal am Lesertelefon gesessen oder die Leserbriefseite bearbeitet?

>>6. Es sind zahlreiche neue Kontakte entstanden. Und >>ich bin der Meinung, ein Journalist kann nie genug >>Kontakte haben.

Ja sicher, das magst Du recht haben.

>>7. Meine Leser und Kommentatoren machen mich >>schlauer.
Yep.

Dein Problem ist dass Du nicht einsehen magst, dass die Realität der Blogsphäre eine Printabbildende ist. Blogs machen keine Nachrichten, sie kommentieren sie und sind ein WEITERER Vertriebskanal. Die Bundeskanzlerin wird auch in 10 Jahren eine Pressemitteilung über ihren Rücktritt abgeben und das nicht twittern.
Diese Tools, ich habe das hier schon verschiedentlich gesagt, sind kein \”anstatt\”, sondern ein Zusatz. Nur wer die heutigen Journalisten versteht, kann sie auch weiterbringen. Sie nur zu beschimpfen bringt nichts. Ich gebe Dir aber in einem recht: Die Behäbigkeit mancher (oder gar vieler) Kollegen ist ein Problem. Der Journalist an sich ändert sich nicht gerne. Und auch seine Arbeit nicht. Deswegen hat er noch ein Keyboard, auch wenn Spracheingabe längst möglich ist. Es erinnert noch ein wenig an die Schreibmaschine.

42 Sebs 5. Dezember 2008 um 12:38

Zitat:
Mir kann doch niemand erzählen, daß die gesamte deutsche Journaille und die gesamte deutsche Medien-Beraterzunft die totale intellektuelle Flaute hat!

Nicht nur die Journaille, sondern die komplette deutsche Medienlandschaft. Man lasse sich Kalkhofes dezente Kommentare zum Thema mal auf der Zunge zergehen.

Die deutschen kopieren, machen nach und nach möglichkeit NIX wirklich eigenes. Genau so sehen die Print Konzepte aus ….. Park Avenue … keine Sau brauch sowas ;) wie sich inzwischen rausgestellt hat.
Mutiges wie das Magazin Tush (Lesenswert) gibt es wenig, viel zu wenig. Ich frage mich wie jemand es als geringeres Risiko betrachten kann Geld in einem Mittelmaßprodukt zu versenken, statt in etwas neues und interessantes.

Punkt um, seit mal minimal kreativ dann geb ich auch gerne Geld fuer Printprodukte aus. Anonsten ist wirklich nettes Zeug nur eine Google Suche weit entfernt ;)

Was ich als Techniker echt Suess finde: Ihr macht euch noch Sorgen um Twitter und Co. Eure Geschwindigkeit ist beängstigend, wenn ichmir vorstelle das die Kollegen um mich rum vielleicht auch so denken.
Wacht auf, Lernt dazu, die Technik steht bereit ganze redaktionsabteilungen durch 1 zu 1 Feeds aus den Nachrichtenagenturen zu ersetzen ;) Horden von Volontären können Positionen von Echten Journalisten besetzen und am Ende steht dann jemand weinend vor dem Arbeitsamt und wurndert sich wieso?
Die Änderung kommt: Entweder ihr Journalisten gestaltet sie aktiv mit oder halt nicht, nur am Ende nicht beschweren das des alles ned so ist wie man es will.
Selbermachen lautet das Motto im Netz.

43 Daniel 5. Dezember 2008 um 20:42

@Horst Seifter (und schnutinger):
Ich ziehe keine Sekunde in Zweifel das Twitter etc. nuetzliche und durchaus auch wichtige Erweiterungen des Instrumentariums sind. Wir wisssen alle dass die Medienlandschaft zur US-Wahl im Jahre 2008 mit HuffPo, 538.com etc. ne ganz andere war als vllt. vor 10 Jahren.
Aber die interessante Frage fuer mich ist dabei doch, WAS genau aendert sich WIE in der Landschaft. Und in dieser Hinsicht hat Herr Knuewer eben ausser unertraeglichlen Platitueden und Polemik nichts beizutragen.
Mal als dummes Beispiel was ich meine:
Heutzutage kommt ein \”heisser Tipp\” eines Whisteblowers per Email daher und nicht mehr wie bisher per berittenem Boten auf einer Steintafel. Das is per se aber ja erstmal nur eine Aenderung der Verpackung. Interessant wird es erst wenn ich anfange mir Gedanken zu machen inwieweit dass nicht doch auch den Vorgang an sich beeinflusst, z.B. kann man sich vorstellen dass nun das Tipp geben einfacher und anonymer moeglich ist udn deshalb haeufiger werden wird etc. Alles kluge und richtige Gedanken, aber leider vo der Sorte wie ich sie hier vollkommen vermisse.
Z.B. CNN twittert seine News jetzt auch. Is ja prima. Aber WIESO is das nun eine Revolution? Ist das jetzt wirklich ein Quantensprung von stuendlichen (oder wie oft auch immer) Updates auf cnn.com zu minuetlichem Rumgetwitter von Einzeilern zu kommen? Das sehe ich ehrlich nicht.
Alle rufen schneller, besser, hurra, aber wo bitte ist das durch irgendwas belegt? Ok schneller ist trivial, aber besser?
Beispiel Terror in Mumbai: Granted, bei Twitter gabs schnell Infos dass wohl was passiert ist, schneller als anderswo. Aber der Content der aus Mumbai kam war auch stelllenweise falsch, irrefuehrend oder schlicht gefaket. Um daraus ein halbwegs verlaessliches Bild zu schaffen braucht man halt immer noch Journalisten die sich die Muehe machen zu recherchieren, die verlaessliche Quellen vor Ort haben etc.
Statt nun zu fabulieren das Twitter supert toll ist und die alten Journalisten alles Deppen kann man auch mit einigem Recht sagen dass man im TV und bei SPON besser informiert war dank Twitter als zusaetzlicher Quelle. Nicht mehr und nicht weniger.
Denn bei allem Gejammer ueber die angeblich ewig gestrigen Betonkoepfe im Blaetterwald, kein Journalist und keine Agentur dieses Planeten haben ueber die US-Wahl berichtet ohne dabei die wichtigen Blogs im Auge zu haben, selbst wenns nur indirekt dadurch passiert dass einer der ewig gestrigen Garde Blog-Infos aus dem Agenturticker abschreibt.

@ Thomas Wanhoff:
Danke, das sehe ich insgesamt sehr aehnlich. Ich kann mir ernsthaft nicht vorstellen wieso irgendein Facebook-Filter die Nachrichtenaufnahme revolutioniert. Ich wuesste wirklich gerne mal ein konkretes Beipsiel was das heissen soll. Ich bin Siemens-Fan und allse mir von FB alle Nachrichten zum Thema Siemens erfiltern oder was? Sowas gibts doch schon seit 10 Jahren und keiner hat deswegen den Weltuntergang verkuendet.

44 Gegen das Kurzzeitgedächtnis 5. Dezember 2008 um 22:46

@kollektives Gedächtnis: Sie haben da was falsch verstanden. Es geht um diesen Artikel hier:

Krisen sind keine schöne Sache. Doch sie sind auch ein Moment der Besinnung. Eine Chance zu hinterfragen, warum es so weit gekommen ist. Das gilt auch für die Medien – und gerade für uns Journalisten. Erst jetzt – und damit viel zu spät – wacht mancher Berufsstandskollege auf und wundert sich ob des Sturms, der ihn umtost.

Da gibt es jene, die versuchen, sich neu zu orientieren. Und andere, die sich weiterhin beständig dem Sturm entgegenstellen. Letztere sind die, die scheitern werden. Denn die Welt dreht sich nun mal weiter und Fortschritt ließ sich immer nur temporär aufhalten. Meist waren selbst dafür Mittel nötig, die das Zerschlagen von Körperteilen oder ähnlich unappetitliche Handlungen beinhalteten – und somit in der westlichen Welt nur noch gedämpfte Popularität genießen.

Die Haltung vieler Journalisten hat Harald Staun in einem sehr lesenswerten Stück in der \”Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung\” beschrieben:
\”Die Erkenntnis, dass die Zukunft des Journalismus im Internet liegt, ist nicht besonders originell, und trotzdem finden sich noch immer Kollegen, die all jene für Ketzer halten, die sich auf diese Zukunft einstellen – als handle es sich um eine Frage des persönlichen Geschmacks.\”

Seine Kollegen demonstrierten ihre Internet-Kompetenz leider damit, dass sie das Stück online nicht freischalteten, obwohl es dort sicherlich ordentlich diskutiert werden würde.

***Nachtrag: Das stimmt nicht, der Artikel ist hier online. Nur die Suche von FAZ.net endet auf einem kostenpflichtigen Artikel.***

\”Ich habe ja nichts dagegen, für online zuschreiben\”, sagt denn mancher Kollege. Allein: Unserem Beruf wird künftig mehr abgefordert, als die alte Tätigkeit einfach in ein anderes Redaktionssystem zu verlagern. Wer heute Journalist ist – und nicht gerade in baldiger Zeit gen Rente manövriert – steht vor der größten Herausforderung, die unser Beruf vielleicht jemals gesehen hat.

Früher war alles ganz einfach. Der Journalist an sich hatte einen begrenzten Kanon an Quellen, aus denen er schöpfte. Selbst das Feld jener, zu denen er noch keinen Kontakt hatte, die aber interessant zu sein schienen, war überschaubar.

Ebenso klar abgesteckt waren die Zeiten und Orte in denen seine journalistischen Werke veröffentlicht wurden. Und abgesehen von den wichtigsten Meldungen gab es auch ein gewisses Laissez-faire in Sachen Aktualität: \”Das nehmen wir dann morgen mit\”, war ein üblicher Satz in den Redaktionen, die damals noch mit dem Anhang \”Stuben\” versehen wurden.

Das war 1995, als ich beim Handelsblatt anfing, noch so ungefähr das Weltbild. Und das ist nicht böse gemeint: Es war überall so und es war gut. Damals interessierten Indien und China eher am Rande, BRIC war noch das falsch geschriebene, englische Wort für Ziegel – und Anglizismen waren grundsätzlich zu vermeiden.

Es ist verständlich, dass sich mancher Kollege entwurzelt fühlt in diesen Tagen. Nichts scheint mehr so zu sein, wie es damals war. Und nicht mal dem eigenen Arbeitgeber scheint man vertrauen zu können, brachiales Vorgehen des Managements gegenüber Redaktionen sind nicht Ausnahme, sondern Regel geworden. Und um es klar zu sagen: So springt man nicht mit Menschen um.

Doch es ist auch absehbar: Mit der bisherigen Arbeitsweise kommen wir Journalisten nicht weiter. Die Welt hat sich geändert – und wir uns nicht genügend mit. An anderer Stelle habe ich schon einmal geschrieben: Wären wir Besitzer einer Autowerkstatt und käme ein neues Modell auf unseren Hof gerollt zur ersten Inspektion, wir würden antworten: \”Nääää, dat iss ja der neue… Dat kann ich nich. Da müsst ich ja lernen, wie der funktioniert. Dat könnse nit von mir erwarten, isch bin schon viazich!\”

Da ist zum einen das Thema Personalisierung. Wir selbst haben die Menschen daran gewöhnt, andere Menschen interessant zu finden und ihnen zu vertrauen. Eine alte Journalistenweisheit lautet: \”Nichts interessiert den Menschen mehr als Menschen.\”

Doch erst in den vergangenen zehn Jahren haben wir dies mit Vehemenz umgesetzt. Personalisierung siegte, egal in welchem Bereich. Stars und Sternchen wurden ebenso portraitiert, wie Manager und Sportler. Als wir gemerkt haben, dass der Kreis der Interessanten zu eng wurde, schwenkten wir um auf \”normale\” Menschen. So entstanden Karriere-Geschichten von Mittzwanzigern und Reality-TV-Shows, in denen scheinbar jeder zum Pop-Star, Model oder Sterne-Koch werden kann. Jeder Artikel, jeder TV-Beitrag strotzt nur so vor Humankapital, ganze Radiosender bestehen nur noch aus Musik, unterbrochen von Straßenbefragungen.

Nur einer hat sich nicht personalisiert. Der Journalist. Abgesehen von jenen, die vor der Kamera stehen oder vor einem Mikro sitzen – die exponieren sich zwangsweise. Der Rest hält sich zurück. Vor allem im Print-Bereich. Das Abbild des eigenen Gesichtes in der Zeitung gilt als eitles Pfui-Bah, als Nachvornedrängen von Selbstdarstellern.

\”Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr\”, ist eine alte Volksweisheit. In der Medienwelt findet sie nicht nur aus Ego-Marketing-Gründen neue Anwendung. Denn wenn wir all das glauben, was wir den Menschen in den vergangenen zehn Jahren erzählt haben, warum sollten sie den anonymen und sich ständig wandelnden Medienmarken Glauben schenken – wenn sie überall sonst doch Menschen vertrauen sollen?

Und noch etwas müssen wir erkennen. Wir haben das gleiche Problem wie die meisten Lehrer in diesen Tagen. Am Sonntag erzählte der 12-jährige Sohn eines Freundes, wie er auf die Drohung eines Lehrers mit Zwangsmaßnahmen reagiert: \”Ich hab ein Gesetz ausgedruckt und ihm gesagt, dass er das gar nicht darf.\” Vielleicht war meine münsterländliche Jugend ja ein wenig anders: Aber wir hätten das mit 12 weder gewagt noch gekonnt noch gewusst, wo wie solch ein Gesetz finden.

Lehrer leiden massiv darunter, dass ihre Schüler sie nicht mehr ernst nehmen. Weil sie in wichtigen Teilbereichen des Lebens ihrer Schutzbefohlenen gar nicht wissen, was die dort tun. Es geht hier nicht mehr – wie in alle den Jahrzehnten zuvor – um Geschmacksfragen oder Jugend-Slang, sondern um Wissen und Kommunikationstechniken. Die meisten Schüler haben das Gefühl, ihren Lehrern weit überlegen zu sein. Und manchmal ist das nicht ganz falsch. Wer aber andere Menschen führen will, der muss ihnen voraus sein. Ansonsten bleiben ihm nur die Androhung von Zwangsmaßnahmen.

Genauso wie Lehrer sollen auch Journalisten den Menschen die Welt einordnen, ihnen erzählen warum was passiert. Doch jemand, der das Leben erklären will, der muss im Leben stehen. Und das tun viele Journalisten nicht mehr.

Sie weigern sich mit verwunderlicher Vehemenz, überhaupt nur einen Blick zu werfen in die neuen Wege der Kommunikation. Sie melden sich nicht mal unter falschem Namen bei StudiVZ, Facebook, Myspace oder Twitter an. Natürlich kann man der Meinung sein, all diese Dienste seien nur vorübergehende Mode. Doch selbst dann gehört es doch zu den journalistischen Pflichten, sich anzuschauen, was den Zeitgeist gerade umtreibt. Behauptet nicht jede Journalistenschule, \”Neugier\” sei eine Berufstugend?

Natürlich sind all die Online-Angebote mehr als nur ein zeitlicher Trend. Vielleicht werden Facebook & Co. in ein paar Jahren abgelöst durch andere Dienste. Doch die Verschiebung in der Kommunikation wird bleiben. Und damit stehen viele Journalisten vor ihren möglichen Lesern wie Menschen, die sich nach Erfindung des Telefons weigern, dieses zu benutzen, weil es das Leben so hektisch mache – Briefe würden auch reichen.

In diesen Tagen, Wochen, Monaten aber beginnen junge Menschen ihre berufliche Karriere, die so selbstverständlich über Social Networks, Blogs und Kurznachrichtendienste kommunizieren wie unsereins einst mit dem Telefon. Wie sollen wir ihnen die Welt einordnen, wenn wir uns in einer ganz anderen Galaxie bewegen?

Noch dazu brauchen wir ihre Hilfe. Denn wie sollten immer kleiner werdende Redaktionen eine immer komplizierter werdende Welt einordnen – noch dazu immer schneller? Wir Journalisten müssen erkennen: Jeder Mensch ist Experte in irgendetwas. Gelingt es uns, gemeinsam mit diesen Experten zu recherchieren, wird unsere Arbeit besser werden, als je zuvor. Nur: Dafür müssen wir deren Kommunikationswege nutzen.

Und: Mit jedem Tag wird diese Schere zwischen der Welt für den Großteil der Menschen und jener, in der Journalisten leben größer. Der journalistische Nachwuchs – und das ist eine erschreckende Erkenntnis – schließt sie nicht. Gerade bei jüngeren Kollegen ist die Abwehrhaltung gegenüber einer neuen Arbeitsweise besonders drastisch. Fast scheint es, sie hätten ein nostalgisches Heldenbild des Journalismus vor Augen, als sei ihr Traum, einmal mit einer Meldung in die Druckerei zu stürzen um persönlich mit der Hand die Druckpresse anzuhalten.

Und so sind viele Berufsstandskollegen, egal welchen Alters, wie Satelliten, die sich aus dem Orbit entfernen, die Welt auf ihren Bildern wird immer kleiner, ihr Signal schwächer – bis es verstummt.

Stirbt damit der Journalismus? Nein. Aber er wird zur Billigware. Die großen Medienhäuser werden ihre Angebote zusammenlegen und runterschrumpfen bis sie ein Niveau erreicht haben, das sich noch irgendwie über Werbung finanzieren lässt. Denn bezahlen mag ja heute schon kaum jemand für die Inhalte.

Diese neuen Redaktionen werden aufklauben, was ihnen die Nachrichtenagenturen liefern und es so zurechtstutzen, dass es in den gering bemessenen Redaktionsplatz neben Anzeigen und Werbespots passt. Uniformität siegt. Für ihre Leser, Zuschauer, Zuhörer werden diese Dienste die Informationsgrundversorgung bilden. Und den Rest? Den werden sich sich bei den wenigen Spezialisten holen, die sich als hochspezialisierte Kleinsteinheiten wunderbar ernähren können, zu finden sein werden sie vor allem im Internet. Allein: Es werden nicht viele sein.

Dieses Ineinanderfallen der medialen Meinungsvielfalt ist weder wünschenswert noch zuträglich für die Gesellschaft. Doch es droht traurige Realität zu werden. Wollen wir es verhindern, reicht es nicht, allein die Schuld auf Verlagsmanager, Werbekunden und das böse Internet zu schieben. Wir Journalisten haben uns nicht mal ansatzweise ausreichend an die neue Zeit angepasst. Soll unser Berufsstand weiterhin eine wichtige Rolle in der Gesellschaft spielen, müssen viele, viele Kollegen eine geistige 180-Grad-Wende vollführend. Leicht wird das nicht. Und die Hoffnung, dass dies tatsächlich passiert ist leider gering.

45 ausmyanmar 6. Dezember 2008 um 11:34

Da sich aus Myanmar ziemlich schlecht twittern laesst, T.K. andererseits sensationell im Verteilen von Informationen zu sein scheint, reiche ich hier mal was OTC. Die Deutsche Telekom hat sich in Myanmar ihr beliebtes Trademark \”T-Systems\” registrieren lassen. Das geht aus einer Mitteilung in der staatlichen englischsprachigen Zeitung \”The New Light of Myanmar\” hervor (Ausgabe 20. November 2008). Ob gleichzeitig das schweinchenrosa als \”gesicherte Farbe\” registriert wurde, weiss ich leider nicht, die Zeitung erscheint schwarz-weiss. Reg.-No ist uebrigens 4/2318/2002, der Antrag scheint also schon laenger her.
Nach einigem Reisen durchs Land habe ich mich allerdings gefragt, was zum Teufel die DT damit machen wollte. Oeffentliche Fernsprecher sind fast ausschliesslich solche, die aus Privatwohnungen per langer Leitung auf die Strasse gezogen werden, und eine SIM-Card kostet zwischen 1500 und 2000 US-Dollar (nein, ist kein Witz). Soll neue Infrastruktur der Deutschen Telekom etwa diese Art der Kommunkationsherrschaft beenden?
Die verschiedenen Kategorien, fuer die die Marke gesichert ist, geht ueber eine DIN A5-Seite (also WELT-kompakt Format). Da sind dann lustige Dinge darunter wie \”automatic vending machines and mechanism for coin operated apparatus\” (hier gibt es keine Muenzen mehr, und die kleinen Scheine sind so abgegrabbelt, dass sie jeder Muenzpruefer sofort zerrupfen wuerde), aber auch ganz neue Geschaeftsfelder wie \”Clothing, headgear, footwear\”, \”advertising and business management\”, \”insurance, financial affairs, real estate affairs, monetary affairs\” oder \”Transport and storage of goods\”.
Natuerlich gibts auch die klassischen Geschaeftsfelder, also die mit der Telekommunkation, und, man darf es nicht vergessen, \”apparatus for recording… data\”.
Ich habe gerade ein wenig gegoogelt, aber leider nichts zu diesem interessanten Engagement der Telekom (Nein, hat kein Problem mit Menschenrechten) gefunden. So nehme ich mal an, dass diese, sicher bestimmte Kreise interessierende Mitteilung bisher niemanden in Deutschland auf einem der herkoemmlichen Kommunikationswege erreicht hat. Und damit ist das ganze gar nicht so off-topic, wie es vielleicht am Anfang schien ;-)

46 DL2MCD 6. Dezember 2008 um 11:39

@derdemeseldiemöhrevorhält, @schnutinger und @tk:

Es sagt sich schön einfach, daß man als Redakteur halt mutiger und aktiver sein solle.

Ich habe ja nun wahrlich Erfahrung mit Online. Mehr, als die meisten, die heute Online machen. Und habe genau deshalb Online gemieden, wo ich konnte:

- Meckernde Leserbrief- und Hetzbrief-an-den-Chef-Schreiber gab es immer schon. Online hat dies jedoch massiv zugenommen. Da wird man nachts um 1/2 3 von einem angetrunkenen politisch radikalen Leser attackiert, eine halbe Stunde später wird, weil man nicht geantwortet hat, gefordert, der Chef solle diese \”faule Schnarchnase\” feuern, die es wagt, nachts zu schlafen, statt auf das Gestänker der Trolle zu springen. Tja, Chefs hören so etwas sehr gerne und tun es auch…

- Ist man selbst online, kann man auf Millionen verklagt werden, mein Fall ist hinlänglich bekannt und auch ohne Markenrecht hat Stefan Niggemeier ebenfalls schon genug mitgemacht. Es gibt zwar etliche neidische Leute, die sagen, dafür wäre er ja andererseits auch reich geworden, doch das halte ich eben für genau das: für ein neidgetriebenes Gerücht, ohne daß es da einen Anlaß zum Neidisch werden gäbe. Reich wird im Journalismus niemand, aber viele Neider bekommt man, speziell als Onliner. Daß die weniger verdienen als die Printler, die auch ihr Gesicht nicht so oft zeigen müssen, weiß der Leser nicht. Bestenfalls mag Stefan Niggemeiers Stil ebenso wie der von tk oder uch meiner halt nicht jedermanns Fall sein.

- Ist man selbst online, bloggt gar privat, ist man in Verlagen sowieso unten durch. Ich war ja einige Jahre bei Telepolis, das als eins der ersten und ältesten und kreativsten Online-Magazine galt, und da hieß es ganz klar und deutlich: \”Wer bei einem großen Verlag angestellt ist, sollte keine eigenen Internetdomains mehr besitzen, geschweige denn Webauftritte\”. (Warum es so weit kam? Weil in den Foren dazu aufgerufen wurde, in mein privates Gästebuch Nazislogans zu schreiben, damit ich das zumachen muß – nein, private E-Mail ist nicht nur manchen Anstalten der ARD ein Dorn im Auge, sondern auch so manchem Arbeitgeber – die Firmen-E-Mail für Privatkram zu nutzen lehne ich aber wiederum ab, ob das nun konkret erlaubt ist oder nicht.) Daran habe ich mich nicht gehalten – sonst hätte ich heute keine E-Mail mehr. Dafür vielleicht noch meinen Job.

- Auftritte im Fernsehen, auf Podiumsdiskussionen etc. sind ebenfalls sehr gefährlich. Ja, die Verlage stellen zwar gerne Leute ein, die in der Öffentlichkeit präsent und bekannt sind, die Kontakte haben und auf Termine gehen. Und wollen auch, daß man diese persönlichen Kontakte nutzt, zugunsten des Verlags. Aber bei der Arbeit für den Verlag dann keine neuen Kontakte mehr aufbaut. Wehe, man ordnet sich dann nicht mit Antritt des Jobs dem Chef unter.

Ich war mir nie einer Schuld bewußt, der Verlag wollte durchaus offiziell, daß ich auf diese Art, mit Auftritten in der Öffentlichkeit, PR für den Verlag mache, auch wenn ich mit so einem TV-Termin oder einer Veranstaltung erst mal Zeit verlor. Doch nicht nur waren alle Spesen selbst zu zahlen; es galt per se als negativ, Pressetermine wahr zu nehmen. Man werde so \”korrupt und bestechlich\”. Ich mußte darlegen, was ich gegessen hatte, auch wenn die privat gezahlte Fahrt ein Zehnfaches des Essens auf der Pressekonferenz (bei Burda war es: eine Bockwurst mit Semmel und Senf und eine Tasse Kaffee, für die ich Rechenschaft ablegen mußte nachher) gekostet hatte. Und nein, nur der Chef darf auf PKs (auch wenn er dann nur das Buffet genießt, Anzeigen wirbt und nicht darüber schreibt). Mir wurde dagegen schonmal gedroht, ich müsse eine (seit Monaten angekündigte) Podiumsdiskussion absagen oder ich werde fristlos gefeuert. Klar, daß die Veranstalter der Podiumsdiskussion entnervt waren, eine Woche vor dem Termin mit bereits gedruckten Einladungen Ersatz beschaffen zu müssen und nie wieder jemand von dem betreffenden Verlag einladen werden. Und auch bei Angestellten niemand mehr unterhalb des Chefredakteurs.

Stefan Niggemeier kann das machen, der ist nicht angestellt.

- \”siehe Lukas Berichterstattung vom B90/Die Grünen-Parteitag\”

Entschuldigung, aber genau damit handelt man sich einen Rauswurf erster Klasse ein!

Das Bundespresseamt hatte mich – und etwa 100 Kollegen – zu ebendem eingeladen, mit Besichtigung des Stasi-Museums und des Bundestags.

Ich dachte, damit bei meinem Chef punkten zu können, dem mein Interesse für Technik und geringeres Interesse für Politik stank, obwohl die Technik viel mehr gelesen wurde!

Doch da eben das Bundespresseamt die Fahrt nach Berlin (Gruppenticket 2. Klasse Bahn, etwa 50 €), Übernachtung und Museumseintritt bzw. Spezial-Presseführung zahlte, wurde ich von meinem Chef als korrupt bezeichnet, durfte nur widerwillig an Urlaubstagen dorthin und auch nicht darüber schreiben.

Die Fotos aus dem Stasi-Museum – Raritäten, da normale Besucher dort nicht fotografieren durften – dürfte ich erst jetzt, 2 Jahre später, an anderer Stelle veröffentlichen.

- @Weltherrscher: Die Fernsehanstalten erklagen sich für die interessante Webseiten einfach. Warum sollen sie selbst welche machen?

- nochmal @ Schnutinger: „drei Monaten über 10.000 Follower bei Twitter eingesammelt (insgesamt hat er jetzt knapp 25.000 Follower und die Zahl steigt rasend!),“.

Na mach das mal als angestellter Redakteur. Da bist Du schneller rausgeflogen, als Du twittern kannst. Tk ist wirklich die eine Ausnahme, er wurde wohl zu bekannt, bevor das jemand im Verlag auffiel und nun kann man nichts mehr tun. Aber normal fliegst Du raus, bevor Du eine Fangemeinde hast, die nennenswert ist.

„persönliche Markenbindung“ – hör mir nur mit dem Drecksmarkenzeug auf! Marken sind in Deutschland nur dazu da, anderen Leuten die E-Mail zu klauen…ja, ich bin da vorbelastet, aber wenn ich nur „Marke“ höre, bin ich sauer! Einen Namen machen, ok, aber nicht eine Marke! Außerdem entstehen so Wichtigtuer, da stimme ich Detlef Borchers zu. (Aber ich wette, unter „Berufsfreier“ versteht hier so mancher nun das Falsche :-) ))). Interessant ist doch die Story vor der Kamera/dem Mikrofon, nicht der Journalist/Blogger dahinter.

Und nein, ich habe keinen Bock darauf, berühmt, ein Star zu werden – ich hatte schon genug Ärger mit „Followern“, auch ohne Twitter. Denn wer nicht nur Blümchentexte schreibt, hat nicht nur Freunde. Aber ich bin es leid, wenn Leute mit falschen Vorstellungen und viel größerem Vermögen mir und anderen noch die paar Kröten neiden, die die Schreiberei überhaupt einbringt.

„aber ach nein, dann müssten sie ja leider ihren Elfenbeinturm verlassen und sich direkt mit der Masse und direkt mit ihren Lesern auseinandersetzen – ogottogott… ;-) “ – ach sach ma, hattest Du schon mit Lesern zu tun, die meinen, im Forum Deines Arbeitgebers über die [zensiert]größe Deiner Lebenspartnerin kommentieren zu müssen und glaubst Du wirklich, diese „Lesernähe“ bringt den Journalismus irgendwie voran? Natürlich „verschanzt“ man sich, wenn Leser einem Prügel androhen oder über die Partnerin herziehen. Hat man denn als Journalist everybody’s Fußabstreifer zu sein?

- Sönke Iwersen: Tja, früher hätte es als unhöflich gegolten, in Anwesenheit anderer mit dem Blackberry rumzuhampeln, heute zeigt man so seine Wichtigkeit. Thomas bekommt sicher bald einen Managerjob angeboten. Daß er nur seinen Followern darüber twittert, dass der Webstream der Diskussion verreckt ist und sie ihn daher nicht sehen können, lesen ja nur die :-)

- @tk: „Der Kommentar des Kollegen Iversen ist offline gegangen, da die Chance hoch ist, dass er sich damit in arbeitsrechtliche Probleme gebracht hätte.“

Ja siehst Du, und genau deshalb dürfen Redakteure normal weder bloggen noch kommentieren. Ok, hier war sein zusätzlicher Fehler, einen Kollegen des eigenen Hauses zu kommentieren, was überall extrem unerwünscht ist, egal, welcher Art dieser Kommentar ist. Aber bitte, ich wurde auch schon zum Chef zitiert, weil ich der c’t eine Fehlerkorrektur zu einer amateurfunkspezifischen Sache (also einem Hobby) gemailt hatte – und die das blöderweise als Leserbrief druckten. Und es nicht sein darf, daß man als Journalist einem Konkurrenzverlag etwas mailt. Klar, daß derselbe Mann allerdings später ebenso etwas veröffentlichte, was ich seinem Blatt gemailt hatte und ich dann bei der Konkurrenz war… :-(

Ihr unterschätzt alle, daß das nicht so einfach ist und tk hier erstaunliche Freiheiten hat. Ich könnte einen aktuellen Fall zitieren, wo jemand wegen eines Blogkommentars gefeuert würde, nur bin ich für einen der Beteiligten tätig und würde riskieren, daß mir dann ebensolches widerfährt.

47 *gelöscht* 6. Dezember 2008 um 15:44

***Hier stand ein Kommentar der ausschließlich unkreativer Beleidigung diente.***

48 John Dean 6. Dezember 2008 um 20:10

Herr Iwersen, in meiner Firma bekämen Sie eine Abmahnung – nicht nach Ihrem ersten Kommentar, den man noch als Übermut werten kann, sondern dem danach.

Sie sind offenkundig ein guter Journalist…

…und zugleich ein solcher Kollege, der es angemessen findet, wenn er seinen Kollegen Knüwer öffentlich als journalistische Doppelnull umschreibt.

An Ihrer Stelle würde ich mich dafür entschuldigen – auch bei uns Lesern, die diesen Kram von Ihnen kredenzt erhielten.

Guten Tag!

49 D-Blogger 7. Dezember 2008 um 10:16

Thomas Knüwer, jetzt enttäuschst Du mich.

Wenn ich kommentiere, was ich von Deinem Rumgewitter halte, ist das weder als kreative (was ist das überhaupt?) noch unkreative Beleidigung gedacht, sondern einfach meine Meinung.

Klar kannst Du die löschen, so wie auch zuvor Deinen Kollegen, aber dann erzähl nicht was von Beleidigung. Eine Beleidigung von mir sieht anders aus, aber dazu besteht kein Grund.

Außerdem ist es definitiv daneben, dass hier einfach E-Mail-Adressen angegeben werden müssen und dann veröffentlicht werden, wenn man keine URL hat. Löschst Du das jedesmal, wenn es jemand entdeckt, damit alle weiter ungewollt ihre E-Mail den Spammern zum Fraß vorwerfen? Und nein, es ist mir egal, warum das so ist – dass Du dieses Blog nicht selbst programmiert hast, ist mir schon klar. Aber die Leser sollten dann keine E-Mail gezwungen sein anzugeben. Jetzt gibts halt eine URL…

50 Chat Atkins 7. Dezember 2008 um 14:04

@D-Blogger: Man sieht, du kennst dich mit Blogs aus, ein echter \’D-Blogger\’ eben.

D-Blogger schrieb: \”Außerdem ist es definitiv daneben, dass hier einfach E-Mail-Adressen angegeben werden müssen …\”

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