Weil der Journalist sich ändern muss

by Thomas Knüwer on 1. Dezember 2008

Krisen sind keine schöne Sache. Doch sie sind auch ein Moment der Besinnung. Eine Chance zu hinterfragen, warum es so weit gekommen ist. Das gilt auch für die Medien – und gerade für uns Journalisten. Erst jetzt – und damit viel zu spät – wacht mancher Berufsstandskollege auf und wundert sich ob des Sturms, der ihn umtost.

Da gibt es jene, die versuchen, sich neu zu orientieren. Und andere, die sich weiterhin beständig dem Sturm entgegenstellen. Letztere sind die, die scheitern werden. Denn die Welt dreht sich nun mal weiter und Fortschritt ließ sich immer nur temporär aufhalten. Meist waren selbst dafür Mittel nötig, die das Zerschlagen von Körperteilen oder ähnlich unappetitliche Handlungen beinhalteten – und somit in der westlichen Welt nur noch gedämpfte Popularität genießen.

Die Haltung vieler Journalisten hat Harald Staun in einem sehr lesenswerten Stück in der “Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung” beschrieben:
“Die Erkenntnis, dass die Zukunft des Journalismus im Internet liegt, ist nicht besonders originell, und trotzdem finden sich noch immer Kollegen, die all jene für Ketzer halten, die sich auf diese Zukunft einstellen – als handle es sich um eine Frage des persönlichen Geschmacks.”

Seine Kollegen demonstrierten ihre Internet-Kompetenz leider damit, dass sie das Stück online nicht freischalteten, obwohl es dort sicherlich ordentlich diskutiert werden würde.

***Nachtrag: Das stimmt nicht, der Artikel ist hier online. Nur die Suche von FAZ.net endet auf einem kostenpflichtigen Artikel.***

“Ich habe ja nichts dagegen, für online zuschreiben”, sagt denn mancher Kollege. Allein: Unserem Beruf wird künftig mehr abgefordert, als die alte Tätigkeit einfach in ein anderes Redaktionssystem zu verlagern. Wer heute Journalist ist – und nicht gerade in baldiger Zeit gen Rente manövriert – steht vor der größten Herausforderung, die unser Beruf vielleicht jemals gesehen hat. Früher war alles ganz einfach. Der Journalist an sich hatte einen begrenzten Kanon an Quellen, aus denen er schöpfte. Selbst das Feld jener, zu denen er noch keinen Kontakt hatte, die aber interessant zu sein schienen, war überschaubar.

Ebenso klar abgesteckt waren die Zeiten und Orte in denen seine journalistischen Werke veröffentlicht wurden. Und abgesehen von den wichtigsten Meldungen gab es auch ein gewisses Laissez-faire in Sachen Aktualität: “Das nehmen wir dann morgen mit”, war ein üblicher Satz in den Redaktionen, die damals noch mit dem Anhang “Stuben” versehen wurden.

Das war 1995, als ich beim Handelsblatt anfing, noch so ungefähr das Weltbild. Und das ist nicht böse gemeint: Es war überall so und es war gut. Damals interessierten Indien und China eher am Rande, BRIC war noch das falsch geschriebene, englische Wort für Ziegel – und Anglizismen waren grundsätzlich zu vermeiden.

Es ist verständlich, dass sich mancher Kollege entwurzelt fühlt in diesen Tagen. Nichts scheint mehr so zu sein, wie es damals war. Und nicht mal dem eigenen Arbeitgeber scheint man vertrauen zu können, brachiales Vorgehen des Managements gegenüber Redaktionen sind nicht Ausnahme, sondern Regel geworden. Und um es klar zu sagen: So springt man nicht mit Menschen um.

Doch es ist auch absehbar: Mit der bisherigen Arbeitsweise kommen wir Journalisten nicht weiter. Die Welt hat sich geändert – und wir uns nicht genügend mit. An anderer Stelle habe ich schon einmal geschrieben: Wären wir Besitzer einer Autowerkstatt und käme ein neues Modell auf unseren Hof gerollt zur ersten Inspektion, wir würden antworten: “Nääää, dat iss ja der neue… Dat kann ich nich. Da müsst ich ja lernen, wie der funktioniert. Dat könnse nit von mir erwarten, isch bin schon viazich!”

Da ist zum einen das Thema Personalisierung. Wir selbst haben die Menschen daran gewöhnt, andere Menschen interessant zu finden und ihnen zu vertrauen. Eine alte Journalistenweisheit lautet: “Nichts interessiert den Menschen mehr als Menschen.”

Doch erst in den vergangenen zehn Jahren haben wir dies mit Vehemenz umgesetzt. Personalisierung siegte, egal in welchem Bereich. Stars und Sternchen wurden ebenso portraitiert, wie Manager und Sportler. Als wir gemerkt haben, dass der Kreis der Interessanten zu eng wurde, schwenkten wir um auf “normale” Menschen. So entstanden Karriere-Geschichten von Mittzwanzigern und Reality-TV-Shows, in denen scheinbar jeder zum Pop-Star, Model oder Sterne-Koch werden kann. Jeder Artikel, jeder TV-Beitrag strotzt nur so vor Humankapital, ganze Radiosender bestehen nur noch aus Musik, unterbrochen von Straßenbefragungen.

Nur einer hat sich nicht personalisiert. Der Journalist. Abgesehen von jenen, die vor der Kamera stehen oder vor einem Mikro sitzen – die exponieren sich zwangsweise. Der Rest hält sich zurück. Vor allem im Print-Bereich. Das Abbild des eigenen Gesichtes in der Zeitung gilt als eitles Pfui-Bah, als Nachvornedrängen von Selbstdarstellern.

“Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr”, ist eine alte Volksweisheit. In der Medienwelt findet sie nicht nur aus Ego-Marketing-Gründen neue Anwendung. Denn wenn wir all das glauben, was wir den Menschen in den vergangenen zehn Jahren erzählt haben, warum sollten sie den anonymen und sich ständig wandelnden Medienmarken Glauben schenken – wenn sie überall sonst doch Menschen vertrauen sollen?

Und noch etwas müssen wir erkennen. Wir haben das gleiche Problem wie die meisten Lehrer in diesen Tagen. Am Sonntag erzählte der 12-jährige Sohn eines Freundes, wie er auf die Drohung eines Lehrers mit Zwangsmaßnahmen reagiert: “Ich hab ein Gesetz ausgedruckt und ihm gesagt, dass er das gar nicht darf.” Vielleicht war meine münsterländliche Jugend ja ein wenig anders: Aber wir hätten das mit 12 weder gewagt noch gekonnt noch gewusst, wo wie solch ein Gesetz finden.

Lehrer leiden massiv darunter, dass ihre Schüler sie nicht mehr ernst nehmen. Weil sie in wichtigen Teilbereichen des Lebens ihrer Schutzbefohlenen gar nicht wissen, was die dort tun. Es geht hier nicht mehr – wie in alle den Jahrzehnten zuvor – um Geschmacksfragen oder Jugend-Slang, sondern um Wissen und Kommunikationstechniken. Die meisten Schüler haben das Gefühl, ihren Lehrern weit überlegen zu sein. Und manchmal ist das nicht ganz falsch. Wer aber andere Menschen führen will, der muss ihnen voraus sein. Ansonsten bleiben ihm nur die Androhung von Zwangsmaßnahmen.

Genauso wie Lehrer sollen auch Journalisten den Menschen die Welt einordnen, ihnen erzählen warum was passiert. Doch jemand, der das Leben erklären will, der muss im Leben stehen. Und das tun viele Journalisten nicht mehr.

Sie weigern sich mit verwunderlicher Vehemenz, überhaupt nur einen Blick zu werfen in die neuen Wege der Kommunikation. Sie melden sich nicht mal unter falschem Namen bei StudiVZ, Facebook, Myspace oder Twitter an. Natürlich kann man der Meinung sein, all diese Dienste seien nur vorübergehende Mode. Doch selbst dann gehört es doch zu den journalistischen Pflichten, sich anzuschauen, was den Zeitgeist gerade umtreibt. Behauptet nicht jede Journalistenschule, “Neugier” sei eine Berufstugend?

Natürlich sind all die Online-Angebote mehr als nur ein zeitlicher Trend. Vielleicht werden Facebook & Co. in ein paar Jahren abgelöst durch andere Dienste. Doch die Verschiebung in der Kommunikation wird bleiben. Und damit stehen viele Journalisten vor ihren möglichen Lesern wie Menschen, die sich nach Erfindung des Telefons weigern, dieses zu benutzen, weil es das Leben so hektisch mache – Briefe würden auch reichen.

In diesen Tagen, Wochen, Monaten aber beginnen junge Menschen ihre berufliche Karriere, die so selbstverständlich über Social Networks, Blogs und Kurznachrichtendienste kommunizieren wie unsereins einst mit dem Telefon. Wie sollen wir ihnen die Welt einordnen, wenn wir uns in einer ganz anderen Galaxie bewegen?

Noch dazu brauchen wir ihre Hilfe. Denn wie sollten immer kleiner werdende Redaktionen eine immer komplizierter werdende Welt einordnen – noch dazu immer schneller? Wir Journalisten müssen erkennen: Jeder Mensch ist Experte in irgendetwas. Gelingt es uns, gemeinsam mit diesen Experten zu recherchieren, wird unsere Arbeit besser werden, als je zuvor. Nur: Dafür müssen wir deren Kommunikationswege nutzen.

Und: Mit jedem Tag wird diese Schere zwischen der Welt für den Großteil der Menschen und jener, in der Journalisten leben größer. Der journalistische Nachwuchs – und das ist eine erschreckende Erkenntnis – schließt sie nicht. Gerade bei jüngeren Kollegen ist die Abwehrhaltung gegenüber einer neuen Arbeitsweise besonders drastisch. Fast scheint es, sie hätten ein nostalgisches Heldenbild des Journalismus vor Augen, als sei ihr Traum, einmal mit einer Meldung in die Druckerei zu stürzen um persönlich mit der Hand die Druckpresse anzuhalten.

Und so sind viele Berufsstandskollegen, egal welchen Alters, wie Satelliten, die sich aus dem Orbit entfernen, die Welt auf ihren Bildern wird immer kleiner, ihr Signal schwächer – bis es verstummt.

Stirbt damit der Journalismus? Nein. Aber er wird zur Billigware. Die großen Medienhäuser werden ihre Angebote zusammenlegen und runterschrumpfen bis sie ein Niveau erreicht haben, das sich noch irgendwie über Werbung finanzieren lässt. Denn bezahlen mag ja heute schon kaum jemand für die Inhalte.

Diese neuen Redaktionen werden aufklauben, was ihnen die Nachrichtenagenturen liefern und es so zurechtstutzen, dass es in den gering bemessenen Redaktionsplatz neben Anzeigen und Werbespots passt. Uniformität siegt. Für ihre Leser, Zuschauer, Zuhörer werden diese Dienste die Informationsgrundversorgung bilden. Und den Rest? Den werden sich sich bei den wenigen Spezialisten holen, die sich als hochspezialisierte Kleinsteinheiten wunderbar ernähren können, zu finden sein werden sie vor allem im Internet. Allein: Es werden nicht viele sein.

Dieses Ineinanderfallen der medialen Meinungsvielfalt ist weder wünschenswert noch zuträglich für die Gesellschaft. Doch es droht traurige Realität zu werden. Wollen wir es verhindern, reicht es nicht, allein die Schuld auf Verlagsmanager, Werbekunden und das böse Internet zu schieben. Wir Journalisten haben uns nicht mal ansatzweise ausreichend an die neue Zeit angepasst. Soll unser Berufsstand weiterhin eine wichtige Rolle in der Gesellschaft spielen, müssen viele, viele Kollegen eine geistige 180-Grad-Wende vollführend. Leicht wird das nicht. Und die Hoffnung, dass dies tatsächlich passiert ist leider gering.

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1 jo 3. Dezember 2008 um 20:39

HaSchmal: Wo steht denn, dass die Löschung nicht in gegenseitiger Absprache oder auf Wunsch von Herrn Iwersen/Veranlassung des Arbeitgebers vorgenommen wurde? Und wo steht überhaupt, wer sie gelöscht hat?

Achso, nirgends? Na dann muss Thomas ja zwingend schuld sein. Auf den Scheiterhaufen mit dem Zensoren! Brennt ihn!

2 Thomas Knüwer 3. Dezember 2008 um 20:39

@ich: Den Maßstab für die Qualität meiner Arbeit setzen meine Vorgesetzten, nicht Herr Iwersen. Wenn die nicht zufrieden sind, sagen sie es mir. Aber nicht als Kommentar im Blog.

Die Art und Weise des Vorgehens enttäuscht mich. Weil der Kollege nicht den Mut hatte, mir seine Animositäten ins Gesicht zu sagen.

Aber noch etwas finde ich traurig. Hier lief zuvor eine wirklich interessante und kontroverse Diskussion. Die wurde dadurch kaputt gemacht.

3 demichseinemudda 3. Dezember 2008 um 20:51

Den Maßstab für die Qualität seiner Arbeit sollte man doch erstmal selber setzen, wenn ich mich nicht komplett irre.

4 ich 3. Dezember 2008 um 20:55

Naja die Art und Weise ist sicherlich ungewöhnlich. Ich glaube aber, dass Sie, da Sie auch gerne austeilen, eben auch mal einstecken müssen. So ist das öffentliche Leben halt.

Dass Sie den Kommentar löschen – angeblich um Herrn Iwersen zu schützen – obwohl das Löschen ja eh nichts mehr bringt, zeigt mir aber, dass Einstecken für Sie wohl schwerer als Austeilen ist.

Wie wäre es denn, wenn Herr Herres Sie bitten würde, den Beitrag über ihn von vor einigen Tagen zu löschen. Ihn gefällt das, was Sie einfach mal so rausposaunt haben, sicher auch nicht.

Her Iwersen war halt nur mutig und hat den Spieß einfach mal umgedreht. Anstatt das jetzt über Vorgesetzte auszutragen, hätten Sie doch auch einfach hier kontern können und ihn von der Notwendigkeit ihrer Arbeit überzeugen können. Aber das ist halt auch nur so eine Idee.

Wenn man selbst getroffen wird, fehlt einem manchmal die Größe, die man selbst von anderen erwartet.

5 Schnutinger 3. Dezember 2008 um 21:20

Eigentlich will ich mich in die Debatte nicht einmischen, aber ich glaube nicht, dass Herr Knüwer keine Kritik vertragen kann – ganz im Gegenteil, aber von einem Kollegen? Da gelten definitiv andere, übergeordnete Maßstäbe.

Der Kommentar von Herrn Iwersen war in seinen persönlichen Anfeindungen schon sehr problematisch, so eine hausinterne Fehde öffentlich auszutragen, oha, das ist nicht wirklich gut für den Verlag / Unternehmen. Bei allem Verständnis für eine gute interne Streitkultur, das gehört definitiv nicht in ein Blog, schon gar nicht, wenn man einen Kollegen damit ans Bein pinkelt – Loyalität und Fairness der Mitarbeiter untereinander müssen sein (und bei Zeitungen eben auch das Aushalten anderer Meinungen), sonst können Unternehmen einpacken. Mal ganz davon abgesehen, fällt so ein direktes, namentliches Herunterputzen von Kollegen nicht unter das AGG?

Dass Herr Knüwer enttäuscht ist, kann ich ebenso nachvollziehen, wäre ich ehrlich gesagt auch.

Ja, schade um die Diskussion.

6 Lukas 3. Dezember 2008 um 21:58

@Detlef Borchers: \”Und man kann, das schätze ich auch, dazuschreiben, wenn Nokia, Microsoft oder Motorola die Reisen bezahlen, was Blogger in der Regel nicht machen.\”

Also, nach meiner Erfahrung ist es genau andersherum: Zumindest die Blogger, die ich lese, haben manchmal mehr Disclosure als Text, während man in Zeitungen irgendwie nie liest, wenn die Anreise zu einem Interview o.ä. von einem Unterhaltungskonzern bezahlt wurde.

7 tim 3. Dezember 2008 um 22:11

Hallo Herr Knüwer. Lese gerade den Artikel bei Herrn Niggemeier bzgl. Löschung eines Kommentars von Herrn Iwersen. Was ist da denn los?

8 ich 3. Dezember 2008 um 22:16

@tim: niggemeier hat es voll erfasst. vielleicht sollten wir einen rettet-iwersens-recht-auf-freie-meinungsäußerung e.V. gründen

9 Patrick 3. Dezember 2008 um 22:20

Was wurde hier schon darüber gelästert, wenn Menschen dachten, sie könnten Informationen aus dem Web entfernen.

BTW. Bin ich eigentlich Banane und hab heute morgen den \”Kommentar eintragen\”-Button nicht getroffen oder ist mein Kommentar ebenfalls weg?

Immerhin hat Schnutinger mich später ja zitiert: \”Naja, wenn sich interessante Menschen mitteilen, dann kommt immer etwas interessantes dabei heraus.\”

Whatever, relativ vielsagend, somehow.

10 Sönke Iwersen 3. Dezember 2008 um 22:27

Lieber Thomas,

wie Du weißt, gibt es in der Redaktion die Entscheidung, unsere Diskussion intern zu führen. Ich verstehe das aber nicht so, dass Du nun weiter ungestört Unsinn verbreiten kannst.

Also:
Ich habe diesen Kommentar geschrieben. Du hast ihn gelöscht. DANACH hast du mich per Mail gefragt, ob er von mir kommt. Wenn das so wäre, würdest Du ihn wieder online stellen. Ich habe Dir gesagt, er stamme von mir.

DANACH ist Dir dann das Arbeitsrecht eingefallen, was immer das heißen sollte.

Nun bleibt der Kommentar gelöscht, weil in der Redaktion die Entscheidung getroffen ist, die Diskussion in der Art nicht online zu führen. Okay, damit habe ich kein Problem.

Was aber ebenfalls bleibt, ist die Tatsache, dass wir – Du und ich – bereits in der Vergangenheit Diskussionen über dieses Thema geführt haben und dies keineswegs an persönlichen Animositäten lag sondern an Inhalten. Ich kam mir dabei auch nicht sonderlich mutlos vor.

An Deinen ständigen Beschimpfungen gegenüber Deinen Kollegen hat sich jedoch nichts geändert – ebenso wenig wie manches andere. Aber das können wir ja alles morgen klären. Ich jedenfalls halte mich an die Redaktionslinie.

Ich gehe davon aus, dass dieser Beitrag arbeitsrechtlich unbedenklich ist und stehen bleibt.

11 ich 3. Dezember 2008 um 22:39

Gratulation Herr Iwersen: Sie haben völlig recht. So wie ich das sehe ist dies ein Blog vom handelbslatt. Ihre Meinung sollte da ebenfalls Ihren Platz haben. Alles andere wäre unfair!

12 HaSchmal 3. Dezember 2008 um 22:41

Komisch, in seinem Twitter-Feed schrieb Thomas Knüwer, er wolle ERST MAL herausfinden, ob der Kommentar wirklich von Ihnen ist. Vgl. http://twitter.com/tknuewer/status/1036246955

13 dabi 3. Dezember 2008 um 22:46

Wenn Herr Ziesemer konsequent ist, sperrt er die beiden ab morgen für mindestens vier Wochen in ein Zweierbüro und drückt ihnen eine Gemeinschaftsreportage auf\’s Auge: Über das friedliche Miteinander der Ökobauern in Castrop-Rauxel. Aber zuerst müssen sie sich vor ihm \”vertragen\”…

14 moschmosch 3. Dezember 2008 um 22:49

und vorher müssen beide mit dem Gesicht zur Wand in der jeweils anderen Ecke des Büros verharren…

15 Thomas Knüwer 3. Dezember 2008 um 22:52

Ähm… Ich kann mich an keine Diskussion über die Zukunft des Journalismus mit Sönke Iwersen erinnern. Das nur zur Klarstellung.

Was seine Vorwürfe zu meinem Verhalten in der Redaktion betrifft, so bewegen sich diese auf einem Niveau, das nicht meines ist.

16 ich 3. Dezember 2008 um 23:01

Ich glaub ich habe gerade Herrn Knüwers Ego an mir vorbeirauschen sehen. Es geh abwärts.

@knüwer, @iwersen: ich freue mich schon auf eine fortsetzung morgen. ich glaube es ist auch für uns leser interessant, wie solche konflikte intern gelöst werden.

17 lummerland 3. Dezember 2008 um 23:04

Kann mal einer die Diskussion wieder versachlichen?

18 PickiHH 3. Dezember 2008 um 23:07

Ich finde es schade, daß die Entscheidung gefallen ist, die Diskussion intern weiterzuführen.

In meinen Augen würde das Handelsblatt nur gewinnen, wenn es die internen Spannungen zwischen Online und Offline Produkten öffentlich diskutiert. Meinetwegen weniger persönlich, aber bitte scharf und kein blabla.

Jetzt bleibt nur der fahle Geschmack, das konstruktive Diskurse beim Handelsblatt scheinbar nicht möglich sind.

Durch interne Diskussionen wird meiner Meinung nach jedenfalls kein Medienunternehmen die Zukunft gestalten können.

19 Thomas Knüwer 3. Dezember 2008 um 23:07

@Sönke Iwersen: Der Kommentar ist jetzt wieder online.

Und noch etwas zum Thema: Was bringt es?

1. Bin ich durch alternative Nachrichtenfilter wie Twitter, Facebook, etc. schneller, unkomplizierter und fokussierter informiert als früher. Statt mich durch zig Zeitungen und Nachrichtenseiten zu kämmen, bekomme ich die Informationen, die ich haben möchte, viel entspannter. Nicht in allen Bereichen – aber in vielen.

2. Bekomme ich wesentlich mehr mit, was Gruppen von Menschen, die nicht in meinem persönlichen Umfeld zu finden sind, mögen, gut finden, lieben, hassen. Ich mag das Wort Bevölkerungsschichten nicht, aber mir fällt auch gerade kein besseres ein. Also: Ich bekomme ein besseres Gefühl für Trends in verschiedenen Bevölkerungsschichten.

3. Ich bekomme wesentlich schneller Innovationen und mit – und wie Menschen darauf reagieren. Das gilt nicht nur für Internet und Technik, sondern für den gesamten Bereich der verbraucherorientierten Produkte.

4. Ich bin ansprechbar. Bereits mehrfach erreichten mich unter der Hand Informationen aus Bereichen, für die ich nicht zuständig bin. Die reiche ich dann gerne an die Kollegen weiter. Warum kommen sie zu mir? Weil ich erreichbar bin und irgendwie deutlich mache, was ich für guten Journalismus halte.

5. Ich bin für Leser – also unsere Kunden – erreichbar. Und bekomme ihre Kritik und ihr Lob ab, das außerhalb der Kommentare hier meistens gar nicht mich betrifft. Auch das reiche ich gerne weiter.

6. Es sind zahlreiche neue Kontakte entstanden. Und ich bin der Meinung, ein Journalist kann nie genug Kontakte haben.

7. Meine Leser und Kommentatoren machen mich schlauer.

20 Thomas Knüwer 3. Dezember 2008 um 23:13

@pickiHH: Es geht hier leider überhaupt nicht um sachliche Konflikte, sondern offensichtlich um persönliche. Dazu mag mancher halt nicht stehen. Und persönliche Konflikte sollte kein Unternehmen und kein Team in die Öffentlichkeit tragen.

21 Thomas Lückerath 3. Dezember 2008 um 23:19

Zu 1.) Man bekommt viel schneller eine viel größere Anzahl an Informationen. Die müssen aber nicht automatisch besser oder verlässlicher sein – könnten aufgrund der oftmals spontanen und sehr subjektiven Veröffentlichungen auch gerne mal übertreibend sein. (Erinner mich noch daran eines Morgens einen Tweet gelesen zu haben, ob denn jemand etwas zum \’Großbrand in Berlin-Tegel\’ wüsste). Beim Blick auf klassische Nachrichtenseiten entpuppte sich der via Twitter dramatisch aufgewertete Großbrand als kleinere Angelegenheit.

Bei den weiteren Punkten stimme ich zu. Nur bei Punkt 5 würde ich gerne mal daran erinnern bzw. die Frage in den Raum stellen, ob die permanente Erreichbarkeit für alle jederzeit wirklich erstrebenswert bzw. ein unbedingter Fortschritt ist. Ich würde mir bei gewissen Themen durchaus wünschen, dass ein Journalist die Ruhe zur Recherche hat. Und wer heute im Tagesgeschäft mit dem Web arbeitet, der weiß, dass es sich bei manchen Themen und Aufgaben eben ohne eMail, InstantMessenger, Twitter oder Telefon einfach effizienter arbeiten lässt. Nicht grundsätzlich. Nur ab und an. Deswegen würd ich das auch einschränken.

Und abschließend sehe ich diesen Wandel längst nicht als so zwingend und dramatisch an. Weil sich eine gewisse Generation von Journalisten nicht mehr umgewöhnen wird bzw. braucht und die nachfolgenden Generationen selbstverständlich damit aufgewachsen sind. Es wird keine radikalen Änderungen geben. Vieles von dem, was wir aktuell in der Medienlandschaft erleben ist auch schon die Spitze des aktuellen Hypes. Es wird sich auf einem Level einpendeln, dass keiner dramatischen Ansprachen an die Menschheit oder eigene Berufszunft braucht. Wer klug ist, hat sich schon immer weiterentwickelt. Wer dumm war, hat das auch bisher schon verpasst.

22 PickiHH 3. Dezember 2008 um 23:24

@tknuewer ja, scheint so. Und genau das finde ich so schade.

23 lummerland 3. Dezember 2008 um 23:24

ich möchte daran erinnern, dass noch vor kurzem auch hier blogeinträge gelöscht wurden, ebenweil ein herr volkswirt sich nicht an die masgabe hielt, dass er so schreiben sollte, wie er sollte.

die ganze sache zeigt doch vielmehr, dass noch viele im umgang mit dem medium erfahrung brauchen. und dafür ist der ganzen diskussion doch wieder etwas gutes abzugewinnen und schlussendlich stütz das nr. 3 bei der antwort von herrn knüwer, heben wir die diskussion einmal wieder auf eine grundsatzdebatte.

24 Doubleslash 3. Dezember 2008 um 23:31

Akzeptieren sie denn, dass es auch Leute geben muss, die Scoops im Zweifel rantelefonieren? Und das mit Telefon 1.0 EFFIZIENTER können als durch das Beobachten des gesellschaftlichen Rauschens in der repräsentativ sehr eingeschränkten Web2.0-Community?
Man kann in ihrem Blog tatsächlich den Eindruck haben, dass sie fordern, dass alle deutschen Journalisten, nein natürlich auf der ganzen Welt, zu kleinen Knüwers werden müssen. Das kann man durchaus anderer Meinung sein. (Bitte verstehen sie das nicht als Bewertung ihrer eigenen Arbeit außerhalb dieses Blogs. Die kenne ich nicht.)

25 Detlef Borchers 3. Dezember 2008 um 23:32

@Thomas Knüwer: Sehr schön, dass der Kommentar Ihres Kollegens wieder aufgetaucht ist. Noch schöner finde ich die sieben Argumentationspunkte in der Sache. Abgesehen davon, dass wir höchst unterschiedliche Themen journalistisch aufarbeiten, kann ich bis auf Punkt 2 alles unterschreiben, was den Vorteil ausmacht, im Internet zu veröffentlichen und nicht oder nur selten auf toten Bäumen. Das alles ist IMHO möglich, *ohne* sich auf das Twitter-, Xing- etc. pp. Gedöns zu verlassen, sondern einfach auf das Leser-Feedback zu den Artikeln. Punkt 2 mit verschiedenen Bevölkerungsschichten, da muss ich passen, weil ich keine Texte für verschiedene Bevölkerungsschichten schreibe, sondern für eine eng umrissene IT-Leserschaft.

26 Helge 3. Dezember 2008 um 23:58

Löschen bringt ja auch nix ausser ein schlechtes Gewissen für den Löscher. Kommunikation hilft, also z.B. sofort anrufen. Selbst wenn einer in einem Blog was löscht, es gibt den Google Cache, es gibt die vielen, vielen Feed-Aggregatoren die ALLES cachen und es gibt Leute die Bildschirmfotos machen – und zwar verstärkt, je mehr sich der Eindruck verfestigt, der Blogger gehöre zu den Löschern.

Ganz ehrlich, genau da ist Dead Tree Media meiner Meinung nach noch schwer im Vorteil, denn etwas was gedruckt wurde kann man auch nicht mehr nachträglich zurückholen, es ist in der Welt. Es ist quasi \”frozen\” oder ein echter \”version freeze\”. Digitale Information kann viel leichter ein Opfer einer \”Bücherverbrennung 2.0\” werden, selbst wenn Kopien in einigen Caches liegen, kann man deren Validität (ob der Cache nicht z.B. nachträglich manipuliert wurde) nicht belegen. Irgendwie müsste man sich da mal was überlegen, oder? Grade wenn ich an so Dinge wie z.B. wikipedia denke…

27 Thomas Knüwer 4. Dezember 2008 um 00:08

@Thomas Lückerath: Das meine ich mit Einstellen der Informationsfilter. Ich bekomme weniger und bessere Informationen als früher.
Was die Erreichbarkeit betrifft: Ich bin gar nicht ständig erreichbar (wie sich heute ja gezeigt hat). Und das will ich auch gar nicht. Nur: Ich bin überhaupt erreichbar.

@Doubleslash: Natürlich ist das Telefon effizient und unentbehrlich. Aber: Es wird nicht leichter für Journalisten, an Quellen zu kommen. Und deshalb müssen wir uns mit ihnen auf Augenhöhe bewegen. Das können wir aber nur schwer, wenn wir uns in einer anderen Kommunikationswelt bewegen. Ich schreibe hier ja nicht von den nächsten 2, 3 Jahren, sondern von der Entwicklung, vor der wir in den kommenden 10 bis 20 Jahren stehen.

28 hANNES wURST 4. Dezember 2008 um 00:18

Freudig stelle ich fest, dass Ihre plumpe Art der Meinungsunterdrückung durch Ihre dämliche Reaktion auf einen Kommentar zu Ihrem dümmlichen Blogessay vom 1.12.2008 (zählen Sie ruhig nach) jetzt auch Handelsblatt-intern aufgefallen ist. Ihnen sind inzwischen bestimmt die kritischen Blicke von Frau Brock aufgefallen.

Jetzt wird es Zeit, sich nach Alternativen umzugucken, Knüwi! Dieser Typ mit dem Hahnenkamm hat bestimmt noch eine Praktikantenstelle frei, Du alte Schmalzbacke. Der Nintendo-Schwachmat aus der Chefetage kann Dir ja nun nicht mehr helfen. Ich wünsche mir, dass Ziesemer noch vor dem Zusammenbruch der VHB merkt, dass Du schon viel zu lange faul unter dem Korb gestanden hast und endlich eine Chance verdienst, Dich \”neuen Herausforderungen zuzuwenden\”.

29 jo 4. Dezember 2008 um 01:37

@HaSchmal: Der genannte Tweet war mir zum Zeitpunkt nicht bekannt. Ebenso wenig, dass es vor der Löschung ein internes PingPong-Deathmatch gab.

Beides konnten auch die unbeteiligten Leser dieses Blogs nicht wissen (Ich habe beides dann ein paar Minuten später via Flurfernfunk erfahren. Als Reaktion auf meinen Kommentar, übrigens).

Kurz, ich fand deine Anschuldigung nicht weniger befremdlich als den Auslöser, eine auf persönlicher Ebene ausgetragene Keilerei in aller Öffentlichkeit unter Kollegen.

Vielleicht bin ich bei dem Thema auch ein bisschen konservativ. Aber ich finde es nunmal grob unsportlich, Kollegen aus dem eigenen Team öffentlich wegzugrätschen. Ganz unabhängig davon, ob die Kritik grundsätzlich berechtigt ist (Debattenkultur und ein sich delektierender Mob sind dann nochmal ein anderes Thema.).

30 simone 4. Dezember 2008 um 02:59

@ Sönke Iwersen -

Zu ihrem
\”Ich verstehe einfach nicht, warum Du ständig diejenigen Kollegen runtermachst, von deren Geschichten Du selbst lebst. Eine große Zahl Deiner Blogeinträge basiert doch auf Artikeln Deiner Print-Kollegen, zu denen Du dann einfach Deinen Senf dazugibst.\”:

Es nennt sich Kritik. Es gibt Literaturkritik, Theaterkritik, Sportkritik usw., und es ist völlig legitim daß diejenigen kritisiert werden die nicht mal die einfachsten Regeln des Mediums beherrschen in denen sie sich bewegen. Herr Knüwer kritisiert nicht alle seine Kollegen, sondern nur diejenigen die sich selten dämlich anstellen beim Umgang mit dem Internet. Das Medium ist nun mal relativ neu, und viele wissen immer noch nicht wie man damit umgeht, auch viele Journalisten nicht, und da ist es ganz normal daß es viele kritische Stimmen gibt, Herr Knüwer ist ja bei weitem nicht der einzige.

Unabhängig davon macht er selbst einige der Fehler die er immer wieder anprangert. Oft sind seine Behauptungen aus der Hüfte geschossen und darum nur halbgar, oft verallgemeinert er weit hinaus über das Tragbare, und der giftige Ton der oft alles durchzieht verleidet mir das Blog am meisten. Aber jetzt durch das Löschen ist der Knüwer erst mal eine Weile bei mir vom Radar verschwunden. In ein paar Monaten schau ich vielleicht mal wieder rein, wenn überhaupt, aber zur Zeit hab ich gänzlich das Interesse an den Äußerungen dieses Herrn verloren.

@all:
Ich wünschte mir, alle beide würden mal aufhören mit dem typisch männlichen Schw***-Vergleich-Gejaule und anfangen ihr Verhalten zu überdenken, denn beide sind meines Erachtens auf dem Holzweg, beide haben viel zu lernen. Dieses Blog hat zur Zeit keinerlei Mehrwert, es ist eine zänkische Sackgasse, weil beide lernresistent sind.

In diesem Sinne, mein erster und letzter Kommentar in diesem Blog

Simone.

31 Steter Tropfen 4. Dezember 2008 um 04:02

Wo Indiskretion drauf steht, sollte man auch welche erwarten können, gerade da wo ein authentischer Markenkern so wichtig ist, nämlich im Web. Denn World-to-Mouth-Marketing kann allzu leicht Marketingversprechen zum wanken bringen, auch Ihres Herr Knüwer, wie die letzten Kommentare der Enttäuschung über Ihre Reaktion eindrucksvoll beweisen. Sie unterbreiten hier ein Angebot zu Diskussion (Pull) und geisseln die Arbeitsmethoden Ihrer Kollegen (die wohl Push und Top-Down arbeiten), reagieren auf Kritik aber genau wie die sich-verdammt-nochmal-zu-verändern-habenen \”alten\” Journalisten, weil \”sie nicht hierhin gehöre\” und stopp(t)en den Dialog. Sie suchen für Ihre Kritik stets die Öffentlichkeit, sind laut, direkt und ein Markenversprechen als \”moderner Journalist\”(zumindest verkaufen Sie sich so). In dem Web, das Sie propagieren, muss man aber davon ausgehen, dass Markenversprechen (C-to-C) auf ihren Gehalt in überprüft werden und zwar öffentlich und wenn dieser Dialog eben ergibt, dass Sie die Wirksamkeit Ihres Denkens noch nicht belegt haben, also noch in einer Nachweispflicht stehen, dann sollten Sie alles tun, um Ihre Kundenbewertungen zu verbessern und das öffentlich kommunizieren, anstatt sich schmollend und Kommentare off stellend zurückzuziehen. Indiskretion ist keine Einbahnstraße mehr, Herr Knüwer und nichts könnte Herrn Iwersen hindern in einem eigenen Blog genau das Gleiche zu äußern, was er hier tat. Meinetwegen anonym und fernab von hausinternen Kommunikationsregeln und selbst damit müssten Sie leben, Herr Knüwer. Herr Iwersen ist aber so nett und kommt in Ihren Bereich, schreibt in seinem Namen eine knallharte, pointierte Kritik, wie sie zum Beispiel auf qype täglich hunderte Male geschrieben wird. Herr Knüwer: Damit müssen Sie leben, denn das ist das Wesen des Netzes. Wenn Sie das noch nicht begriffen haben, dann haben Sie das Netz auch nicht begriffen, sondern kennen nur die Tools. Umgehen können Sie damit allerdings nicht.

(Mit Absicht gespickt mit Marketingeschrubbel, weil das so gut passt, dafür aber ohne Ironietags. Rofl, lol)

32 Schnutinger 4. Dezember 2008 um 05:49

War gerade bei Herrn Niggemeier, ein Fall für die Bloganalen :-) . Schon alles interessant, – auch und nicht zuletzt im Hinblick auf Blogs in der Unternehmenskommunikation von Firmen – wenngleich in der Form schon etwas ungewöhnlich und neu.

Aber auch hier zeigt sich einmal mehr die Macht der Selbstbereinigung des Web 2.0. Nichts bleibt ungesehen und unkommentiert, wer austeilt, muss einstecken können, der Blogbetreiber muss sich an seinen eigenen Ansprüchen messen lassen. Vor allem aber zeigt sich der Wert der Authentizität von Blogs (die Kritik ist in Teilen ja durchaus berechtigt, ich war davon ausgegangen, dass Herr Iwersen vor der Löschung befragt worden ist).

Wie man es auch drehen und wenden mag, selbst solche vermeintlichen Negativ-Beispiele haben in der Diskussion und Auseinandersetzung mit dem Thema immer sehr viel Positives.

Learning by failing (and fixing) :-)

33 ich 4. Dezember 2008 um 07:55

Also was mich am meisten stört: Herr Knüwer teilt sonst mit seiner Besserwisser-Art auch immer kräftig aus. Herr Iwersen war da kein Deut schlimmer. Darum ist seine Kritik auch in dieser Form durchaus berechtigt.

Vielleicht merkt Herr Knüwer nun einmal, was er ohne groß zu überlegen sonst fast tagtäglich andere Menschen antut.

34 Bernd Stoffeler 4. Dezember 2008 um 08:03

Also wenn ein Kollege in der Öffentlichkeit das behaupten würde, was Herr Iwersen von Herrn Knüwer behauptet, dann bekäme er von mir eines in die Fresse. Das ist doch kein Umgang unter Kollegen. Was herrscht denn im Handelsblatt für eine Stimmung?

35 ich 4. Dezember 2008 um 08:32

Und noch mal zur Sache: Was Herr Knüwer meiner Meinung nach ohnehin falsch sieht ist, dass Online nicht die Zukunft des Journalismus ist. Die Zukunft liegt darin, dass beispielsweise Wirtschaftsjournalisten endlich mal Bilanzen lesen können. Ich glaube sogar beim Handelsblatt kann doch kaum einer einen Jahresabschluss bewerten. Daran müsste gearbeitet werden. Sonst macht es für mich keinen Sinn, Wirtschaftsnachrichten zu lesen.

Momentan wird ja nur wiedergekäut, was die Unternehmen sagen. Dazu brauche ich aber keine bezahlten Journalisten. Es muss also mal in Fachwissen investiert werden. Oder glaubt einer, das Handelsblatt-Redakteure sich mit Bilanzierungsfragen, Steuern oder Verrechnungspreisen auskennen. Viele Artikel sprechen da eine andere Sprache (übrigens bei allen Zeitungen, nicht nur beim Handelsblatt).

Anstatt also pöbelnd durch die Web2.0.Szene zu ziehen und Kollegen niederzumachen, sollte der Fokus auf derartiges Wissen gelegt werden. Ob das später in einer Zeitung oder Online veröffentlicht wird, ist doch völlig egal. Hier müssen nicht die Redakteuere umdenken, das wird die Zeit schon alleine richten.

36 Gregor Keuschnig 4. Dezember 2008 um 08:54

Bin ich durch alternative Nachrichtenfilter wie Twitter, Facebook, etc. schneller, unkomplizierter und fokussierter informiert als früher.
Das ist ein urkomischer und lustiger Satz. Ich hoffe nicht, dass er Ernst gemeint ist. Da fühlt sich ein Journalist durch Nachrichtenfilter informiert. Das ist ungefähr so, als würde ich aus einen 500 Seiten Buch drei wahllos herausgerisse Seiten lesen und sagen, ich bin über Inhalt und Form dieses Buches jetzt fokussiert informiert.

Und wenn es darum geht, mal festzustellen was in anderen Bevölkerungsschichten so los ist, empfehle ich eine Bahnreise quer durch Deutschland oder einfach mal ein bisschen mit der U-Bahn fahren – und zwar ohne seine eigenen Augen und Ohren mit den neuesten Gadgets zu verstopfen. Das ist allemal repräsentativer als als irgendwelchen Facebookmüll als Information aufzublasen. Journalisten, die das tun, gibt es nämlich schon zur Genüge.

37 Kein Journalist 4. Dezember 2008 um 09:01

Mmmh, an dieser Stelle möchte ich als sonst passiver Leser dieses Blogs auch einmal feststellen, dass für mich das Handelsblatt allein aufgrund des Knüwer\’schen Blogs ein Profil hat und von mir als Marke wahrgenommen wird.

Dabei lese ich offline gerne Wirtschaftsblätter. Das Handelsblatt greife ich mir nur ab und zu, wenn ich mal durch die Lufthansaschleuse durchmuss und dann langweilt es mich schon nach wenigen Seiten.

Dieses Blog hier hat Profil, polarisiert und das ist gut so. Zur Kritik des Kollegen: das ist natürlich eine sensible Sache, wenn das aus der eigenen Redaktion kommt. Das hat irgendwie nestbeschmutzerische Qualitäten. Selbst wenn die Kritik oder Teile davon berechtigt sind, ist die Form und der Ort, an dem sie geäußert wird, nicht angebracht.

38 Thomas Knüwer 4. Dezember 2008 um 09:09

@Gregor Keuschnig: Nein, das ist kein Scherz. Wir alle infomieren uns seit Anbeginn der Zeit durch Nachrichtenfilter. Die Redaktion einer Zeitung ist zum Beispiel so einer. Da entscheiden die Redakteure, welche der vielen Nachrichten in welcher Länge für ihre Leser am interessantesten sind. Große Frage: Ist dieses Konzept noch zeitgemäß, wenn die Interessen der Menschen (ähnlich wie ihr Musikgeschmack) breiter gefächert sind, als dies ein quantitativ begrenztes Medium abbilden kann?

39 Thomas Knüwer 4. Dezember 2008 um 09:14

@ich: Dem möchte ich vehement widersprichen. Und dann führe ich gleich mal unser neues Team als Gegenbeweis ein: Susanne Metzger und Markus Hennes machen nichts anderes als Bilanzanalyse unter dem für Deutsch-Freunde wenig schönen Titel \”Corporate Finance\”-Team. In der Zeitung werden ihre Arbeiten durch ein eigenes Logo hervorgehoben.

40 Marcher Marcherling 4. Dezember 2008 um 09:29

Na geh, jetzt habt euch wieder lieb. Bitte.

41 Schnutinger 4. Dezember 2008 um 09:33

@ ich: Darum geht es meiner Meinung nach nicht im Kern. Es ist und bleibt aus meiner Sicht immer noch etwas anderes, ob es sich dabei um den persönlichen Rachefeldzug eines Kollegen (!) handelt, der etwas arg überzogen ist, oder um die journalistische Kritik irgendeiner Person des öffentlichen Lebens.

Aus meiner Sicht müssen Personen des öffentlichen Lebens sich an ihren Worten und Taten messen lassen dürfen, manchmal auch zynisch und bissig (a la Tucholsky & Co.). Dazu sind Journalisten schließlich da, dafür schätze ich dieses Blog.

Man kann das alles als Meinungsfreiheit von Herrn Iwersen deuten und gleich \”Zensur! Zensur!\” brüllen, aber es gibt in Unternehmen/Verlagen nun mal Regeln, die das Miteinander organisieren, und man kann das ganze auch als üble Form der Nestbeschmutzung sehen. Das ist freilich eine Frage der Interpretation der Freiheit eines Redakteurs in einem Verlag, oder auch icht. Wenn es diese Regeln gibt und ich gehe jetzt mal davon aus, so hat Herr Knüwer nicht wirklich falsch gehandelt.

Wäre ich Unternehmer, ich fände es jedenfalls nicht besonders lustig, meine Mitarbeiter würden sich öffentlich fetzen und sich gegenseitig in derartiger Form bloßstellen, wie Herr Iwersen es getan hat. Vielleicht kann Herr Iwersen ja noch ein paar andere Interna zum Besten geben und namentlich über Kollegen herziehen, deren Krawatte oder Automarke ihm nicht gefällt, oder deren Kommunikationsverhalten ihm auf den Wecker geht?

Nein, Meinungsfreiheit und Authentizität des Blogbetreibers hin oder her, eine solche, öffentliche Form der kollegialen Kritk ist stillos und kleinlich.

42 Jörg Friedrich 4. Dezember 2008 um 09:35

@Gregor Keuschnig: Wer es für \”filtern\” hält, aus einem Buch drei Seiten \”wahllos herauszureißen\” mit dem kann man sicherlich nicht konstruktiv über die Wirkung von Nachrichtenfiltern sprechen. Filtern ist nie wahllos, es ist so ziemlich die gegenteilige Methode der Auswahl.

43 Schnutinger 4. Dezember 2008 um 09:37

So! Und jetzt geh\’ ich twittern, da ist es nämlich – abgesehen von den Informationen, die man zwischendurch erhält – sehr, sehr nett, unterhaltsam und kuschelig ;-)

44 bilanz 4. Dezember 2008 um 09:42

@knüwer: ich hat jawohl nicht ganz unrecht. Warum schrieben Sie sonst \”neues Team\”. Zumindest zuvor hatte dann jawohl keiner Ahnung.

Also Herr Knüwer, bitte nicht alles abschmettern, sondern in Ruhe nachdenken und schreiben.

45 B.Schuss 4. Dezember 2008 um 09:54

die ganzen Spielereien der Web 2.0 Generation in allen Ehren, Herr Knüwer, aber welchen Mehrwert sollen solche \”Dienste\” für professionell arbeitenden Journalisten haben ? Gerade für ein Medium wie das Handelsblatt kommt mir der Gedanke, dass man sich dort bei der Informationsbeschaffung auch auf Twitter, Facebook, StudiVZ und Co. verlässt ( oder verlassen soll ), irgendwie spanisch vor.
Erreichbarkeit ist gut, Rückmeldungen von und Diskussionen mit der Leserschaft sind auch gut ( wie in diesem Blog ), aber bei allem anderen, was Sie hier so vorbringen kommen mir doch arge Zweifel, ob Sie die Möglichkeiten des Internets für die Arbeit eines an Qualität orientierten Journalisten nicht etwas zu sehr in den Himmel loben.
Journalisten müssen, wenn sie erfolgreich arbeiten wollen, gut vernetzt sein, das steht ausser Frage. Aber ihre Quellen müssen auch nachprüfbar sein, und gewissen Anforderungen an Seriösität genügen. An die Informationsfilter und -wege eines Journalisten werden höhere Anforderungen gestellt. Und das fehlt mir bei den Web 2.0 Gadgets noch deutlich.
Das Internet und seine sozialen Netzwerke mögen ein Teil der Zukunft des Journalismus sein, aber der heilige Gral sind sie nicht.

Und was die Kritik des Kollegen Iwersen angeht, wenn man sich die Art anschaut, wie sie hier auf Kollegen eindreschen, müssen Sie sich nicht wundern, wenn auch mal was zurück geschossen kommt.
Denn das gehört, wie hier bereits mehrfach angesprochen, ebenfalls zum Wesen des Web 2.0

46 Chrizz 4. Dezember 2008 um 09:55

Ich denke, dass die Kunst der neuen Zeiterfassung darin liegt alles miteinander in Verbindung zu bringen. Warum polarisieren, wenn auch eine Einheit daraus entstehen kann?

Damit meine ich konkret: Das web 2.0 ist nicht nur eine weitere Ergänzung der medialen Verbreitung von Informationen sondern auch eine super Quelle für den klassischen Journalismus.

Wie Thomas Knüwer darstellte, gilt es sich diesen Möglichkeiten zu öffnen – auch um seinen eigenen Horizont zu erweitern und für Print neue Felder zu erschließen. Journalismus muss nicht zwangsläufig zu Online-Journalismus mutieren, sondern kann letzteren durch adäquate Informationsfilterung der Quelle web 2.0 letzterem auf Augenhöhe begegnen. Natürlich gibt es noch Papier-Fetischisten (zu welchen ich zähle- wer nimmt schon einen Laptop mit auf´s Klo?) ;-)

Also zerfleischt euch nicht mit \”was ist besser\”, sondern schafft das Bewusstsein einer multimedialen Welt!

47 michael kausch 4. Dezember 2008 um 10:14

Der angriff von herrn iwersen kann doch nur dann wirklich schmerzen, wenn man über bloggende journalisten die illusion treibt, diese würden in erster linie nachrichten \”machen\”. dass dem nicht so ist, beschreibt eine recht aktuelle studie der universtität leipzig ebenso, wie eine zwei jahre alte studie des project for excellence in journalism. (alle quellen hier: http://www.vibrio.eu/blog/?p=178). der anteil eigenrecherchierter beiträge in blogs liegt überall im untersten einstelligen bereich. dass sich twitter möglicherweise zu einer form des \”bürgerjournalismus\” (der durchaus ambivalent zu beurteilen ist) entwickeln, ist doch eine relevante diskussion.
die leistung herrn knüwers besteht in der tat nicht darin, als erster über irgendetwas zu berichten. aber er nutzt die instrumente des web 2.0 zur popularisierung aktueller themen und zum anstossen von diskussionen. und dies ist eine leistung, die dem handelsblatt gut tut. das relativiert nicht die leistung klassischer journalisten.
dass das ego von herrn knüwer ab und an mal die in düsseldorf gängige durchschnittliche traufhöhe übersteigt, mag ja sein … aber ist das wirklich schlimm?

48 Gregor Keuschnig 4. Dezember 2008 um 10:18

@Thomas Knüwer
Die Tatsache, dass wir uns \”seit Anbeginn der Zeit durch Nachrichtenfilter\” informieren, ist ja nicht die Lösung des Problems, sondern Teil desselben. Wer glaubt, dass einfach nur eine quantitative Ausweitung von Nachrichtenfiltern zur \”Wahrheit\” führt (ich weiss, ein grosses Wort), irrt.

Ich schrecke immer auf, wenn jemand sich in irgendeiner Form als Anwalt \”der Menschen\” geriert und auf einen imaginären Zeitgeist rekurriert.

@Jörg Friedrich
>>Wer es für \”filtern\” hält, aus einem Buch drei Seiten \”wahllos herauszureißen\” mit dem kann man sicherlich nicht konstruktiv über die Wirkung von Nachrichtenfiltern sprechen. Filtern ist nie wahllos, es ist so ziemlich die gegenteilige Methode der Auswahl.

49 Gregor Keuschnig 4. Dezember 2008 um 10:26

@Jörg Friedrich
Der Rest meines Kommentars ist irgendwie verschwunden, obwohl er angezeigt wurde. Ich habe ihn auch nicht abgespeichert.

Nur soviel: Ich habe eine Metapher versucht und wer das falsch verstehen will, versteht\’s eben falsch.

Ansonsten war\’s mir auch nicht so wichtig. Ist sowieso eher eine Scheindiskussion. Und vielleicht finden Sie ja jemanden, mit dem Sie weiterdiskutieren können.

50 Thomas Knüwer 4. Dezember 2008 um 10:32

@B.Schuss: Zum Thema Mehrwert für den Journalismus habe ich oben ein paar Punkte aufgeführt.

@Gregor Keuschnig: Genau das meine ich ja mit der Fokussierung der Filter. Meine habe ich nicht quantitativ ausgeweitet, sondern individualisiert. Und lebe damit besser. Und wenn Sie mir nicht glauben, dann vielleicht dem Herrn hier, der mir im Interview das auch von sich berichtete: http://www.charlesleadbeater.net

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