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Ich bin ein Marketing-Opfer

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Manche Dinge können so einfach sein. Kunden zufriedenstellen, zum Beispiel. Und sie so verleiten, wiederzukommen obwohl es Alternativen gäbe. Wie das geht demonstriert Starbucks. Warum eröffnen die an jeder Ecke einen Laden? Das habe ich mich oft gefragt, wenn wieder einmal die Schaufenster eines Ex-Geschäfts mit Abdeckpapier verklebt waren und davon kündeten, dass an diesem Ort bald eine neue Starbucks-Filiale eröffnet.

Klar, gelegentlich bin ich auch zu Starbucks gegangen, noch viel häufiger zu Woyton, der heimischen Antwort auf die Amerikaner. Die Unterschiede zwischen den beiden waren über Jahre nicht sonderlich groß. Bei Starbucks war der Kaffee besser, bei Woyton das Essen – und zwar mit Abstand. Außerdem unterstützt man die heimische Wirtschaft doch lieber, buy local eben.

Dann aber ergab es sich, dass ich über Wochen zwei bis drei Mal am Morgen zur Krankengymnastik musste. Und das bedeutete, meine Büroeinkehr war zu spät, um in der Kantine den frisch gehobelten Obstsalat zu erstehen, der sonst mein Frühstück ist. Fast gleichzeitig eröffnete Starbucks einen Ableger direkt eine Straßenbahnhaltestelle vor unserem Verlag.

Also gewöhnte ich mir an, kurz aus der Bahn zu hüpfen und mit einem Kaffee und einem Smoothie das letzte Stück den nächsten Zug zu nehmen.

Inzwischen ist das mit der Krankengymnastik erledigt – und doch bin ich häufiger bei Starbucks. Weil dort in Sachen Personalschulung offensichtlich hart gearbeitet wird. Ab dem dritten Besuch wurde ich beim Hereinkommen mit Namen begrüßt – klar, den schreiben die Damen jedesmal auf den Becher. Aber: Ich könnte mir das nicht merken. Noch dazu wissen sie auch, welche Getränkkombination die meine ist.

Dies ist Service in Perfektion: dem Kunden das Gefühl geben, er sei so besonders, dass man sich seine Vorlieben merkt. Wer hätte gedacht, dass so etwas in Deutschland möglich ist? Natürlich gehe ich auch zu anderen Coffee Shops, natürlich ist Starbucks sauteuer. Doch würde ich mir von ganzem Herzen wünschen auch andere Dienstleister würden sich ein wenig was abgucken – dem Umsatz wäre das wohl kaum abträglich.

Allerdings muss ich zugeben: Frau Schnutingers Idee in Sachen Namensnennung ist auch nicht so schlecht:


Link: sevenload.com

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