Eigentlich wäre die Meldung keine Erwähnung wert: Wieder einmal wird in Deutschland in die Kopie der Kopie einer Geschäftsidee investiert. Wenn die zugehörige Pressemitteilung nicht so egomanisch-idiotisch wäre, als hätte es 2001 nicht gegeben. Was ist eigentlich die angesagt Droge in Berlin? Oder reicht schon eine Überdosis Club-Mate um sich derart in Stimmung zu bringen?
Was ich damit meine, ist das neue Investement der Samwer-Brüder. Frazr heißt das Teil und ist die xte-Kopie von Twitter, jenem Kurznachrichtendienst. Ebenso wie Twitter hat auch Frazr kein Geschäftsmodell, was Investoren nicht abhalten wird, nach dem Einstieg ihr Geld auch dort zu verschwenden. Sind ja die Samwers, die zuerst Geld gegeben haben.
Wie die mittlerweile über sich selbst denken, ist an der Pressemitteilung abzulesen, die aus dem Hause Piabo stammt, der PR-Bude ihres Ex-Jamba-Sprechers. Denn die schreibt allen Ernstes:
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Tja, wieviel dürften die SamBros dieses Mal in die Hand genommen haben? 5-10 KEur maximal, oder? Noch vor Weihnachten weitervertickert an [setze hier unbedarftes Old-School-Medienhaus ein] und einen netten Verzehnfacher eingefahren.
Der Bubi vom Piabo glaubt, fürchte ich, tatsächlich, was er textet.
Ich frage mich gerade: Was ist so falsch an dieser Aussage? Ob es ein Erfolg wird? Man wird sehen? Nur: Bisher gab eben jener den Samwers recht.
Immer diese Kopie-Mentalität! Und das am heutigen internationalen Tag des Urheberrechts …
Das wäre doch überhaupt mal ein interessantes Geschäftsmodell (ohne zu behaupten, daß es hier so war): Bekannter VC-Geber steigt mit eher symbolischen Betrag bei riskantem Startup ein, kriegt dafür den 1,5fachen Betrag zurück und das Startup darf sich fürderhin bei der Kapitalsuche mit \”XY hat auch schon investiert!\” schmücken.
Erfolgsstory? Ich habe Lokalisten.de noch nie gehört oder besucht, was ja nichts heißen muss – aber beim StudiVZ war die Blogbar doch dafür da den Erfolg etwas – nun – zu drücken. Mit Recht…
Frazr ist genauso unnötig wie Twitter – das Rauschen ist größer als die Information.
Ad Astra
Heute hat mich jemand zu diesem komischen lokalisten Ding eingeladen und als ich im Blog Twitter getestet habe, kam nach sehr kurzer Zeit ein Kommentar und eine Mail, ob ich denn nicht mal Frazr testen möchte.
Ich finde aber beide Seiten eher unschön, besonders Lokalisten sieht einfach komisch aus.
Das würde ich Hans-Christian Andersen 2.0 nennen. Der Schneider verkauft nicht einfach nur Luft an den Kaiser. Er verkauft seine ganze Schneiderei für ein Heidengeld an einen Textil-Konzern, der panische Angst hat, einen Mega-Trend zu verpassen. Und zwar bevor böse kleine Mädchen oder Blogbars alles hinterfragen.
Auch wenn Lokalisten vielleicht nicht so bekannt ist wie StudiVZ, aber die Seite gehört zu den zehn meistgeklickten Seiten in Deutschland, bewegt sich damit in etwa auf dem Niveau von prosieben.de.
Hm, meine Erfahrung ist, dass manche \’Unternehmenskritiker\’ sowohl innerhalb der Blogosphäre, bzw. eines deren Teilbereiche, überschäzt als auch außerhalb von ihr nur am Rande oder gar nict whargenommen werden bei denen, die das Geld auf den Tisch legen. Nur son Eindruck.
Der Herr Knüwer scheint nach wie vor persönliche Probleme mit den Samwers bzw. alles was in ihrem Umfeld geschieht zu haben. Ich weiß auch nicht ob Frazr.de jemals Geld verdienen wird, dass weiß ja nicht mal das Twitter-Original. Das die Samwers aber ein Händchen für Internetunternehmen haben ist kaum von der Hand zu weisen. Und wenn die PR-Abteilung darauf hinweist sehe ich da kein Problem drin. Klappern gehört zum Handwerk. Und wie sagte schon Karl Lagerfeld: Erfolg kann man nicht kritisieren.
Ich habe überhaupt keine Probleme mit den Samwers. Aber ich habe ein Problem mit überkandidelten Berufskommunikatoren, die völlig überdrehte Pressemitteilungen schreiben. Und ich habe Probleme mit Startups, die US-Ideen kopieren, das Layout klauen und sich als künftige Herrscher der Welt feiern. So einfach ist Wirtschaft nämnlich nicht, lieber anonymer Kommentator.
***Hier stand ein zu beleidigender Kommentar***
wie lange dauert es noch bis man blogger automatisieren kann. so wie chatbots. setze alle samwer beteiligungen (die offiziellen wie geruechteweisen und potentiellen) in eine beissreflex-alert liste und programmiere den motivator auf einen gemaessigten klaeff-faktor, dann remixe den spreeblick klassiker nach markov ketten prinzip und ersetze die entsprechenden firmennamen.