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Lufthansa 2007: chaotisch und kinderfeindlich

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Es wird Zeit für ein wenig Reiseärger. Er richtet sich gegen die Lufthansa und gegen den Flughafen München. In den USA gibt es seit einiger Zeit das Weblog Aircomplane, in dem sich Fluggäste über ihre Airlines aufregen. Vielleicht wäre das auch mal was für Deutschland?

Nehmen wir nur einmal den Flughafen München. Auch dort gelten, obwohl in Bayern ja manches anders ist, die neuen Handgepäckbestimmungen in Sachen „Flüssigkeiten, Gele und gelartige Flüssigkeiten“, wie die monotone Ansagestimme wasserfolterartig verkündet.

Nun ist diese Vorschrift ja eine sehr kundenunfreundliche. Nehmen wir nun einmal einen Labello – der muss in einer Klarsichttüte mitgeführt werden. Wer sein Abendessen mit ein paar Feinkostsalaten bereichern möchte, muss diese in den Koffer packen – und beten, dass sie nicht zerquetscht werden.

Diese Klarsichttüten nun sind ja nicht wirklich eine Investition – es sei denn, sie haben keine bei sich und fliegen ab München. Dort verweist ein Schild an den Gates auf den Zeitschriftenladen namens „Nachrichtenterminal“.

Tatsächlich hält die Dame am Tresen solche Tüten vorrätig. „50 Cent“, sagt sie begrüßungslos. 50 Cent? Für eine Tüte, die im Einkauf nicht mal 1 Cent kostet? Bemerkenswert. Die Welt zu Gast bei Freunden, das ist so 2006, heute werden die Freunde in München zur Kasse gebeten. Und das in schöner Absprache zwischen dem künftig zu meidenden Zeitungshändler und der Flughafenverwaltung. So sans halt, die Bayern.

Doch ist dieser Fall ja nur Pippifax gegen die Lufthansa. Denn mein Weg nach München war ja – für eine Fluggesellschaft klassischen Zuschnitts – der Traum. Ein Gabelflug nämlich, Düsseldorf – London – München. Und dann auch noch am Montag Morgen ganz früh gen München, das lässt sich ausnutzen. Über 700 Euro sollte diese Kombination kosten – zu viel für meinen Geschmack.

Nun kann ich nicht mehr sagen, warum. Aber ich fragte den Flug London City Airport – München noch einmal separat als Einzelflug ab. Überraschung: Allein sollte er nur 130 Euro kosten. Der Flug Düsseldorf – London sogar noch weniger. Ich hoffe, die Tatsache, dass eine Strecke, die einzeln gebucht wird, dramatisch weniger kostet, als sie komplett zu kaufen, ist nur ein Zeichen dafür, dass die Lufthansa in ihren Tarifgewirr selbst die Übersicht verloren hat. Ansonsten müsste ich nämlich annehmen, dass hier ein Fall vorliegt, den manch hitziges Gemüt als Betrug bezeichnen könnte. Übrigens: Der Flieger nach München war nicht mal zur Hälfte gefüllt.

„Das ist noch gar nichts, geh mir weg mit der Lufthansa“, berichtete dann eine Bekannt in München. Sie wollte mit ihrem Mann und dem jungen Nachwuchs einen längeren Flug antreten. Und weil in den vergangenen Monaten reichlich Meilen aufgelaufen waren, sollte aus dem Business-Class-Flug ein First-Class-Flug werden. Denkste: Der Chef-Steward weigerte sich, ein Baby in der ersten Klasse zu befördern. Das entspreche nicht den Lufthansa-Regeln. Stattdessen wurden zwei Business-Class-Passagiere kostenlos in die Erste befördert.

Vielleicht wirds wirklich Zeit für ein deutsches Aircomplane?

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